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Kickfieber Max Anthony Jung im Kickfieber-Interview
Anthony Jung vom SC Freiburg im August 2026

(IMAGO / STEINSIEK.CH)

Anthony Jung im Kickfieber-Interview

Mit Anthony Jung haben wir heute einen aktiven Bundesliga-Profi im Kickfieber-Interview. Nach seiner Jugendzeit bei Eintracht Frankfurt schaffte er es über den FSV Frankfurt und RB Leipzig schließlich in Ingolstadt zum Bundesliga-Profi. Über einen Abstecher nach Dänemark, wo er mit Bröndby Kopenhagen unter anderem die Meisterschaft gewinnen konnte, ging es nach Bremen. Nach drei Jahren als Stammspieler in der Hansestadt zog es den Verteidiger im Sommer 2025 nach Freiburg, wo er als Backup für die arrivierten Matthias Ginter und Philipp Lienhart agierte und das Europa League Finale erreichte. Mit seinen 34 Jahren kann Jung heute auf 121 Partien im deutschen Oberhaus zurückblicken. In der laufenden Saison konnte er diesen Wert bisher noch nicht ausbauen, stattdessen kommt er auf vier Einsätze für die Freiburger Zweitvertretung in der Regionalliga.
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Geschrieben von Max Wagenhan
Veröffentlicht: 5 Oktober 2026, 15:33

Du spielst jetzt seit etwas mehr als einem Jahr in Freiburg. Ist dein Sohn eigentlich immer noch Werder-Fan? 

Er ist natürlich aufgrund der Tatsache, dass er in Bremen aufgewachsen ist beziehungsweise seine ersten Berührungspunkte mit dem Fußball hatte, sehr mit Werder verbunden. Wenn es die Zeit zulässt, schauen wir uns auch noch die Spiele gemeinsam an. Wir kennen natürlich noch einige Spieler und waren auch beim ersten Heimspiel in Freiburg in der Gästekabine. Mein Sohn klatscht da immer noch alle Spieler voller Freude ab. Die Zuneigung zum Verein ist also definitiv noch da.

Jung über seine neue Rolle als Herausforderer

Du wurdest als Herausforderer nach Freiburg geholt, hast dich jedoch gegen die Bezeichnung als reiner Sparringspartner gewehrt. Wie zufrieden bist du bisher mit deiner Rolle?

Es war natürlich eine Umstellung für mich. In der ersten Saison hatte ich gerade zu Beginn noch die ein oder andere Einsatzzeit. Bruno Ogbus wurde nach seiner Verletzung wieder herangeführt, Max Rosenfelder ist ausgefallen und auch Philipp Lienhart hatte einige Ausfallzeiten. Danach wurde es doch immer weniger. Rein sportlich gesehen ist das natürlich nicht immer einfach und aus diesen Gesichtspunkten hätte ich wahrscheinlich auch im Sommer nicht sofort verlängert. Aber das Gesamtpaket hier ist einfach sehr gut, wir sind als Familie sehr gut in Freiburg angekommen, auch mein Sohn hat im Kindergarten gut Fuß gefasst. Dieser Aspekt war für mich ausschlaggebend. Diese Saison hat sich das ganze noch etwas verschoben, ich pendle ein wenig zwischen Kader und Tribüne, die Einsatzzeiten sind gerade noch etwas weiter weg. Ich bin aber auch kein junger Spieler mehr, der unbedingt auf seine Spielzeit kommen muss, um sich zu zeigen und sich ständig zu beweisen. Trotzdem bin ich Wettbewerber genug, um nicht die Füße hochzulegen sondern das ganze als Ansporn zu sehen. Ich habe jetzt auch einige Spiele in der zweiten Mannschaft gemacht, um auf meine Spielzeit zu kommen. Ich bin gesund und fit und habe Spaß an meinem Job, ich sehe das als großes Privileg.

Wie ist deine persönliche Zielsetzung für diese Saison? 

Genau kann ich das jetzt natürlich nicht sagen. Der nächste Schritt wäre, mal wieder in den Kader zu rutschen. International ist der Kader auch etwas größer, da war ich bei den Playoff-Spielen auch mal dabei. Ich denke aber auch, dass noch einige Spiele in der zweiten Mannschaft dazu kommen werden. Wir haben für die Regionalliga dort unheimlich gute Bedingungen, dürfen im Dreisam-Stadion spielen. Das ist eine richtig gute Truppe und ich persönlich möchte die Spiele auch nutzen, um in meinem Rhythmus zu bleiben. Trotzdem bin ich, wie gesagt, ein Wettkämpfer und möchte es hier nicht austrudeln lassen sondern mich jede Woche optimal vorbereiten und bereit sein.

Du stehst beim SC noch für die laufende Saison unter Vertrag. Wie ist deine Planung für die Zeit danach - Karriereende oder doch eine neue Aufgabe?

Ich werde Ende des Jahres 35, natürlich werde ich immer öfter gefragt, was ich nach der Karriere machen will. Ich schau da auch über den Tellerrand hinaus. Aber ich sehe mich noch einige Jahre auf dem Platz. Das muss auch irgendwann nicht mehr das höchste Regal sein, es kann auch eine Liga tiefer sein. Da muss man abwarten, was sich für Möglichkeiten auftun, die dann auch Sinn ergeben.

Ein Positionswechsel ebnete den Weg für die Profikarriere

Du bist Linksfuß, wie nur ca. 10-15% der Fußballer. Inwiefern hat dir dieses Alleinstellungsmerkmal in deiner Karriere geholfen?

Das ist auf jeden Fall ein Vorteil. In der Jugend habe ich immer offensiver gespielt. Danach war ich bei Eintracht Frankfurt Teil der zweiten Mannschaft. Im Zentrum hätte ich dort regelmäßig für die Profis, die in die Zweite runterkommen, Platz machen müssen. Daher hat mich der Trainer damals wegen meines linken Fußes nach links in die Viererkette gestellt. Das war sicherlich ein Aspekt, der mir den Weg in den Profifußball geebnet hat. Auch hier in Freiburg bin ich der einzige Innenverteidiger mit einem starken linken Fuß. Das war natürlich auch ein Merkmal, das letztes Jahr mit meiner Person gerne ergänzt wurde.

Wir haben schon über die zweite Mannschaft gesprochen, die ist in Freiburg ja seit Jahren ein Sammelbecken für talentierte Spieler. Gibt es dort aktuell einen Spieler, den wir auf dem Zettel haben sollten, der deiner Meinung nach bald in der Bundesliga auftaucht?

Klar, wir haben viele gute, junge Spieler, die nicht unentdeckt bleiben. Rouven Tarnutzer ist definitiv ein Spieler, den man beobachten sollte. (Hier kommst du zu unserer Spieleranalyse zu Rouven Tarnutzer.) Er spielt aktuell unten, weil der Kader im Profiteam sehr stark besetzt ist und jeder fit ist, wird aber auf lange Sicht den Schritt nach oben machen. Auch Mladen Mijajlovic ist sehr stark in den Herrenfußball gestartet, obwohl er noch U19 spielen könnte. Am Ende sind die Jungs selbst dafür verantwortlich, wo es am Ende hin geht. Aber der SC hat durchaus ein Händchen für den Umgang mit Talenten bewiesen.

Aktuell sind jetzt vier Freiburger bei der Deutschen Nationalmannschaft. Wie waren die Reaktionen auf die Nominierungen, die zum Beispiel bei Derry Scherhant etwas überraschend kamen? Gab das nochmal einen gewissen Motivationsschub in der Kabine?

Gerade bei Derry ist es schön, dass seine jüngsten Leistungen in der Mannschaft direkt mit einer Nominierung belohnt wurden, davon konnte man nicht unbedingt ausgehen. Es ist natürlich schwer, als einzelner Spieler voranzukommen, das ist irgendwo auch immer eine Gesamtleistung der Mannschaft. Wir sind gut gestartet und haben dann den Fokus im richtigen Moment auf uns als Mannschaft gelenkt. Wir haben uns in der Kabine wirklich extrem darüber gefreut, dass wir jetzt vier Spieler für die A-Nationalmannschaft abstellen dürfen. Das ist natürlich auch ein Zeichen für die gute Arbeit hier in Freiburg.

Zum Abschluss noch die zwei Fragen, denen sich jeder im Kickfieber-Interview stellen muss: Wer war denn dein bester Mitspieler an deiner Karriere?

Ich hatte schon einige gute Mitspieler. Ich habe noch den jungen Joshua Kimmich erlebt, der in Leipzig als junger Bub zu uns kam und damals schon sehr weit war von seiner Spielanlage. Aber wenn ich jetzt auf meine Bremer Zeit zurückblicke war Mitchell Weiser ein Spieler, der im Training und im Spiel mit seiner Persönlichkeit vorangegangen ist. Er hat viel eingefordert, aber auch selbst viel geleistet.

Und dein bester Gegenspieler?

Das wird wohl einer von den Bayern gewesen sein. Vermutlich an einem guten Tag Leroy Sané. Wenn der einen guten Tag und Lust hatte, dann war er wirklich sehr schwer, fast unmöglich, zu verteidigen.

Vielen Dank an Anthony Jung und den SC Freiburg für dieses Interview!

Max
Max

22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.

Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!

In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.

Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.