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Kickfieber Max Podolskis Rohdiamant: MLS-Profi Lawrence Ennali im Kickfieber-Interview
Interview Lawrence Ennali Houston Dynamo

(IMAGO / ZUMA Press)

Podolskis Rohdiamant: MLS-Profi Lawrence Ennali im Kickfieber-Interview

Lawrence Ennali (24) war in Deutschland für Nürnberg, Hertha BSC, Schalke, Hannover und Essen am Ball. Nach einer Saison bei Lukas Podolskis Górnik Zabrze zog es ihn für eine Ablöse von 2.750.000 € in die MLS zu Houston Dynamo. In Texas überzeugt Deutschlands schnellster Fußballer bisher auf ganzer Linie und macht sich bereit für die Titeljagd.
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Geschrieben von Max Wagenhan
Veröffentlicht: 13 Oktober 2026, 8:51

Bevor wir auf dich persönlich eingehen – erst mal ganz allgemein: Ihr steht aktuell auf dem 5. Platz, seid klar auf Playoff-Kurs. Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Die letzte Saison war sehr schwierig für uns, wir haben es leider nicht in die Playoffs geschafft. Dieses Jahr haben wir ein extrem starkes Team. Wir hatten zwischenzeitlich 5 Siege in Folge, dabei kein Gegentor bekommen. Das hat uns natürlich einen Push gegeben, wir waren danach auch kurz Erster. Daher können wir mit unseren Leistungen bisher sehr zufrieden sein.

Wie ist eure Zielsetzung für die restliche Saison? Die Playoffs erreichen und dann?

Die Playoffs sind immer für jedes Team das Ziel. Danach kann in der MLS alles passieren. Wenn du einen Run hast, kann es sehr weit nach vorne gehen, an einem schlechten Tag kann aber auch alles vorbei sein. Aber wir haben ein starkes Team und wollen den MLS-Cup gewinnen.

Im Vergleich zu den Ligen in Deutschland und Polen, in denen du bisher aktiv warst, ist die MLS durch Mechanismen wie die Salary Cap schon extrem ausgeglichen, oder?

Definitiv, man sieht es hier jede Woche, dass auch mal der Letzte den Ersten oder Zweiten schlagen kann. Auch wenn es Teams wie Inter Miami gibt, bei denen man sich teilweise fragt, wie die das eigentlich machen, liegt das natürlich auch an der Salary Cap.

Salary Cap und Designated Players

Die MLS nutzt ein zentral reguliertes Gehaltssystem mit einer strengen Gehaltsobergrenze (Salary Cap), um die finanzielle Stabilität und Chancengleichheit der Teams zu wahren. Mithilfe von Ausnahmeregelungen wie der Designated Player Rule (ehemals Beckham-Regel) dürfen die Vereine bis zu drei Spieler verpflichten, deren Gehälter die Budgetgrenze überschreiten können.

Du persönlich spielst auch eine gute Saison. Was auffällt ist, dass du als gelernter Offensivspieler vermehrt auch auf beiden Abwehrseiten eingesetzt wurdest. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Das war für mich persönlich auch ein wenig verrückt. Zum Start der Saison haben wir mit einer Fünferkette gespielt. Wegen meines brutalen Speeds hat mich der Trainer dann als Schienenspieler getestet. Das lief dann wohl so gut, dass wir das nicht mehr ändern wollten. Ich kann wohl besser verteidigen, als ich es selbst von mir erwartet hätte. Einige Spiele habe ich auch auf den offensiven Flügeln gemacht, da ist die Konkurrenz mit unseren zwei Designated Players Mateusz Bogusz und Guilherme aber wirklich sehr stark.

Wie schwer fällt dir dabei die ständige Umstellung, auch von rechts nach links?

Ich bin ein wirklich sehr offensiver Verteidiger, eher wie ein Flügelspieler. Da macht das keinen großen Unterschied für mich, da ich kaum in den Spielaufbau involviert bin. Obwohl ich Rechtsfuß bin, bevorzuge ich sogar die linke Seite, da kann ich mich in der Offensive besser einschalten; defensiv macht das für mich keinen Unterschied.

Du bist 2024 von Górnik Zabrze nach Houston gewechselt, hast in deinem zweiten Einsatz gleich getroffen und dir im gleichen Spiel das Kreuzband gerissen. Wie geht man, gerade auch als junger Spieler, mit so einem Nackenschlag um?

Es war eine Katastrophe, um ehrlich zu sein. Erst gegen Hugo Lloris getroffen und zehn Minuten später habe ich mir das Kreuzband und beide Menisken zerstört. Das war die schwerste Zeit in meinem Leben, ich hatte keine Freunde und keine Familie hier. Auch wenn ich natürlich immer anrufen kann, hat die Zeitverschiebung das auch erschwert. Das Team hier hat mich aber klasse aufgefangen, wir sind in kürzester Zeit extrem zusammengewachsen. Das ist für mich hier mittlerweile wie eine Familie. 

Natürlich gab es auch Tage, an denen ich frustriert war und keinen Bock auf die Reha hatte, aber sie haben mich immer auf dem höchsten Standard gehalten und mich gepusht. Es war, wie gesagt, die schwerste Zeit meines Lebens, aber ich bin zu einem gewissen Grad auch dankbar, denn die Zeit hat mich als Mensch extrem geformt. Ich schätze den Sport und jede Sekunde auf dem Platz noch mal mehr und bin als Person daran gewachsen.

Nach der Verletzungspause von 9 Monaten warst du sehr schnell wieder in Topform. War das die gute Reha-Arbeit in Houston?

Wir haben wirklich sehr gut gearbeitet. Mein persönliches Ziel waren zwar 7 Monate, aber 9 sind auch in Ordnung. In meinem zweiten Spiel nach der Verletzung bin ich dann meinen persönlichen Topspeed gelaufen – 36,5 km/h – und habe ein Tor geschossen, das ein wenig viral gegangen ist. Kurz nach einem Kreuzbandriss ist das wirklich nicht schlecht.

Wie ist dein bisheriger Eindruck vom Fußball in den USA, vor allem was die öffentliche Wahrnehmung betrifft?

Die öffentliche Wahrnehmung ist durch die WM noch mal gestiegen. Früher konnte ich hier völlig unerkannt ins Kino gehen, heute werde ich schon regelmäßig angesprochen. Auch die Liga wird immer stärker, es fließen mittlerweile ganz andere Summen, und es gehen immer mehr Spieler direkt aus der MLS in die großen europäischen Ligen. Fußballerisch ist die Liga sehr offensiv orientiert, das sieht man teilweise auch an den Ergebnissen. Ich persönlich habe in dieser Liga wirklich extrem viel Spaß. Ich bin schnell und gehe gern ins 1-gegen-1, genau das ist hier gefragt.

Also hast du vor, noch eine Weile in Houston und der MLS zu bleiben?

(Lacht) Wir werden sehen.

In Deutschland gewinnt die MLS auch durch die Transfers von Marco Reus und Thomas Müller an Aufmerksamkeit. Du hast in den letzten Monaten gegen beide gespielt.

Das ist immer wieder schön, mit Müller habe ich auch ein gemeinsames Bild auf Instagram. Beide sind immer noch unfassbare Spieler, haben eine enorme Ruhe am Ball. Das ist einfach ein ganz anderes Niveau, sie können wirklich alles aus dem Stand. Da bist du als Gegenspieler fast schon Zuschauer.

In Polen bei Górnik Zabrze hast du auch mit Lukas Podolski gespielt. Er hat dich damals als Rohdiamant bezeichnet, oder?

Er hat mich als Rohdiamant aufgenommen aus Essen, hat er damals immer gesagt. Er hat mich zu 100 % zu einem besseren Spieler gemacht, mir gesagt, was er von mir sehen will. Ich habe einfach diesen Speed, den viele andere nicht haben. Der wird mich weit bringen, sagte er immer. Dann natürlich noch dieser linke Fuß, die Rakete. Es macht einfach Spaß, mit ihm zu spielen, der findet dich, wo dich kein anderer findet.

Er war damals „nur“ Spieler, noch kein Eigentümer des Vereins. Trotzdem hat er so klare Ansagen gemacht?

Klar, er war zwar noch Spieler, aber er hatte trotzdem schon was zu sagen im Verein. Und von wem soll ich sonst etwas lernen, wenn nicht von ihm? Er ist Lukas Podolski.

Wahrscheinlich hast du unsere klassische Frage zum Ende eines Interviews jetzt schon beantwortet, ich stelle sie trotzdem: Wer war dein bester Mitspieler bisher?

Da habe ich tatsächlich zwei: In Houston spiele ich mit Héctor Herrera zusammen, der unter anderem beim FC Porto und Atlético Madrid gespielt hat. Aber ich glaube, ich gehe trotzdem mit Poldi.

Und dein bester Gegenspieler?

Ich hatte tatsächlich noch nicht das Vergnügen, gegen Inter Miami mit Lionel Messi zu spielen, vielleicht passiert das ja in den Playoffs. Das wäre auf jeden Fall ein Karrierehighlight. Aber dann gehen wir mit Thomas Müller.

Vielen Dank an Lawrence Ennali und das Team von Houston Dynamo für dieses Interview.

Max
Max

22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.

Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!

In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.

Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.