
(IMAGO / Dünhölter SportPresseFoto)
Unter dem Radar: Justin Lukas ist der Prototyp eines Linksverteidigers

Mit seinem Jugendverein Arminia Bielefeld konnte Lukas 2023 sensationell die Deutsche B-Jugend Meisterschaft gewinnen. Im Halbfinale konnten die Arminen die Schalker Knappenschmiede um Toptalent Mertcan Ayhan schlagen, im Finale behielten sie gegen den VfL Wolfsburg die Oberhand. Ein Jahr später debütierte der gebürtige Bielefelder für die Profimannschaft, gegen 1860 München kam er für Marius Wörl ins Spiel. Langfristig durchsetzen konnte sich Lukas in Bielefeld derweil nicht. In der vergangenen Zweitligasaison schaffte er es nur ein einziges Mal in den Spieltagskader der Profis, sammelte derweil bei der Zweitvertretung in der Oberliga Westfalen wertvolle Spielzeit. Im Sommer folgte dann der Schritt zum Regionalligisten aus Gütersloh. Lukas dazu bei Kickfieber:
Ich habe bei Bielefeld oben mittrainiert und nebenbei sehr viele Spiele für die U21 gemacht. Nach der Saison habe ich mich dann entschieden, einen Neuanfang zu machen. Gütersloh war aufgrund der starken Regionalliga West, der Nähe zu meiner Heimat und der guten Gespräche mit den Verantwortlichen die passende Wahl.
Bei den Ostwestfalen, die sich seit ihrem Aufstieg 2023 zu einem Topteam der Regionalliga mauserten, hatte Lukas einen exzellenten Start. Beim Saisonstart gegen die SF Lotte beackerte er seine linke Seite über 90 Minuten. Den Siegtreffer zum 1:0 konnte er nach eigenem Ballgewinn mit einer Flanke vorbereiten. Auch die kommenden neun Spiele stand er in der Startaufstellung, Gütersloh belegte zu diesem Zeitpunkt den ersten Tabellenplatz. Danach kehrte Platzhirsch Erik Lanfer von seiner Syndesmoseverletzung zurück, seitdem kommt Lukas trotz überzeugender Leistungen nur noch zu Kurzeinsätzen im Team von Trainer Julian Hesse.
Natürlich ist es keine schöne Phase, wenn man vorübergehend auf der Bank sitzt. Trotzdem bin ich mit meinen Leistungen in dieser Saison sehr zufrieden. Ich glaube, wenn ich gespielt habe, hatte ich einen guten Impact auf die Mannschaft und das Spielgeschehen.
Die Statistiken bestätigen den persönlichen Eindruck des Spielers. Sowohl nach vorne als auch in der Defensivarbeit zeigt er überzeugende Leistungen. Mit seinen 1,86 Metern gewinnt er weit über die Hälfte seiner Luftzweikämpfe, zudem gewinnt er 70 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden. Im Offensivspiel glänzt er mit 2,65 progressiven Carries pro Spiel. Durch seine präzisen Flanken, von denen er fast drei pro Spiel ins Zentrum bringt, konnte er bereits drei Treffer vorbereiten. „Mit einem Quäntchen mehr Glück könnte die Anzahl meiner Assists noch höher sein“, so Lukas dazu. Diese seltene Kombination aus solider Defensivarbeit und gutem offensiven Output sieht Lukas selbst vor allem in seiner Physis begründet. „Sowohl für körperlich betonte Duelle als auch für Laufduelle bringe ich viel mit.“ Verbesserungspotenzial sieht der Student der Sportwissenschaften derweil im letzten Pass sowie in der Spielauflösung über das Zentrum. Tatsächlich hält er noch sehr stringent die Außenbahn, agiert eher selten invers.

Auch wenn der Linksverteidiger aktuell eher dosiert zum Einsatz kommt, dürfte das sehr wahrscheinlich kein Dauerzustand sein, zu groß ist das Talent des Dauerläufers. Sein großes Problem ist, dass sein Konkurrent Erik Lanfer seit Jahren einer der besten Außenverteidiger der Liga ist. Dieser wurde in der Vergangenheit jedoch schon regelmäßig in der Mittelfeldzentrale eingesetzt. Gut möglich, dass Erfolgstrainer Julian Hesse erneut diesen Weg geht, um seine zwei Topspieler gemeinsam auf den Platz zu bringen.
Kickfieber-Prognose

Mit der in jungen Jahren wichtigen Spielpraxis dürfte sich Justin Lukas rapide weiterentwickeln. Gut möglich, dass er in den kommenden Jahren wieder im Kader eines Zweitligisten auftaucht. Mit seiner beeindruckenden Physis sowie seiner im Bielefelder NLZ geschliffenen Technik bringt er ein Profil mit, das den meisten Clubs gut zu Gesicht stehen würde. Zuerst steht aber die Mission Aufstieg mit dem FC Gütersloh auf dem Programm, auch wenn Lukas dieses Ziel professionell dementiert.

22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.
Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!
In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.
Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.
