Seinen Bruder Yasin haben wir vor einigen Wochen an dieser Stelle bereits vorgestellt (Link zum Artikel), damals war Danyal Zor (19) noch Spieler der Zweitvertretung des Karlsruher SC in der Oberliga. Ein vielversprechendes Talent, ausgestattet mit einem Profivertrag, jedoch im Schatten der großen Talente Ben Farhat, Pinto Pedrosa oder Laghrissi. Unter Neutrainer Maximilian Senft hat sich der Sechser nun zu einem Anwärter auf die Startelf gemausert, wird voraussichtlich am 8. August gegen Bielefeld starten. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)
Schon seit der U9 war Zor Teil des Karlsruher Nachwuchses, unterschrieb im vergangenen September seinen ersten Profivertrag. Unter dem langjährigen Coach Christian Eichner durfte Zor zwar regelmäßig mit den Profis trainieren, sein Profidebüt blieb ihm allerdings verwehrt. Dabei galt seine Position im defensiven Mittelfeld als eine der Schwachstellen im Kader der Badener, im Winter wurde mit Hyeok-kyu Kwon ein Spieler mit Ligue 1 Erfahrung dazu geholt. Auch er brachte die erhoffte Besserung nicht, weder er noch Nicolai Rapp, Andreas Müller und WM-Fahrer Dzenis Burnic konnten das Zentrum dicht machen, der Spielaufbau blieb ebenfalls ausrechenbar. Nichtsdestotrotz wurde Zor seine Chance verwehrt, er galt im Sommer als klarer Kandidat für einen Abgang, per Leihe oder fest.
Dann kam der Start der Vorbereitung, schon in den Leistungstests soll Zor mit eindrucksvollen Werten auf sich aufmerksam gemacht haben. In der Folge stand der 19 Jährige in jedem Testspiel auf dem Platz, konnte überzeugen. Während Rapp nach Dresden ging und Kwon in die Innenverteidigung versetzt wurde, ließ der Deutsch-Türke auch den zweitligaerfahrenen Müller sowie den ihm letzte Saison noch vorgezogenen Meiko Wäschenbach hinter sich. Beide gelten aktuell als klare Kandidaten für einen Abgang. So bildete Zor auch am vergangenen Sonntag gegen Inter Mailand das Herzstück des Karlsruher Mittelfelds.
Gegen eine Zentrale aus klangvollen Namen wie Barella, Mkhitharyan und Stankovic (der Sohn des großen Goran) wusste der Sechser mal wieder zu beeindrucken. Mit seiner Laufstärke passt er perfekt in das intensive Pressing Senfts, läuft konsequent Lücken zu. Plötzlich spazierten die gegnerischen Mittelfeldspieler nicht mehr ungestört durch die Reihen der Karlsruher, wie das in der Vorsaison häufig zu beobachten war. Auffällig war auch die Ruhe, mit der Zor auch unter erheblichen Gegnerdruck oft mit einem Kontakt den Ball verteilte. Damit bestätigte er die Eindrücke aus der U19 Bundesliga, wo er in der Vorsaison beinahe 90% der Pässe an den Mann brachte. Dazu traute er sich mehrfach, mit dem Ball am Fuß durch die Mittelfeldkette Mailands zu brechen. Auch damit war er in der Jugend erfolgreich, mehr als 60% seiner Dribblings waren erfolgreich, viele davon durch die Zentrale.
Zusammen mit seinem Nebenmann, dem auch erst 20 Jahre jungen Kevin Wiethaup, bildete er ein zwar noch etwas rohes, aber in höchstem Maße agiles, laufstarkes und technisch versiertes Duo. Die nach dem Seitenwechsel ins Spiel gebrachten Tim Civeja und der neu verpflichtete finnische Nationalspieler Santeri Väänänen, Zors direkter Konkurrent auf der Sechs, fielen dabei auffällig ab. Auch deswegen ist davon auszugehen, dass der noch zwei Jahre an Karlsruhe gebundene Zor am 1. Spieltag gegen Bielefeld bei seinem Profidebüt gleich starten wird. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich dieser positive Eindruck verfestigen kann oder ob ihm Väänänen den Stammplatz streitig machen wird.
Klar ist, dass der 1,74 Meter große Zor körperlich noch weiter an sich arbeiten muss, um mit den Hünen der 2. Bundesliga mithalten zu können. Doch Spieler wie Soufiane El-Faouzi zeigen, dass auch kleinere Sechser mit Einsatz und spielerischer Klasse das Mittelfeld in Liga 2 dominieren können. Sollte Zor also an die bisher gezeigten Leistungen anknüpfen können, ist er das nächste Juwel aus der eigenen Akademie, das den Durchbruch in der Fächerstadt schafft.
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