18+ | Spiele mit Verantwortung | Es gelten die AGB | Glücksspiel kann süchtig machen | Wir erhalten Provisionen von den aufgeführten Wettanbietern

  • Start
  • Max
  • Lennart Moser im Kickfieber-Interview
Lennart Moser im Kickfieber-Interview

Lennart Moser im Kickfieber-Interview

Lennart Moser blickt mit seinen 26 Jahren schon auf eine bewegte Karriere zurück. Union Berlin, Energie Cottbus, dazu Stationen in Belgien, Österreich und Dänemark stehen in seiner Vita. Im Kickfieber Interview spricht er über seinen bisherigen Weg, die aktuelle Station bei Fagiano Okayama in der japanischen J1 League, seine ehemaligen Trainer Pele Wollitz und Urs Fischer sowie seine Zukunft. (Bild: IMAGO / Gonzales Photo)

Lennart, du bist im Winter vom dänischen Zweitligisten Kolding IF nach Japan gewechselt. Wie gefällt es dir bisher?

Japan ist ein tolles Land und die Japaner sind ein unheimlich herzliches Volk. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass nicht nur die Kultur im täglichen Leben eine völlig andere ist, sondern auch das Verständnis von Fußball. Sowohl das Training als auch der Spielansatz sind mit Europa nicht zu vergleichen. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen und klarkommen. Deswegen würde ich lügen, wenn ich sagen würde, es wäre alles perfekt. Vielleicht erinnerst Du Dich an Philipp Max, der nach zwei Monaten in Japan seinen Vertrag aufgelöst hat. Es gibt schon Gründe, warum Europäer sich hier schwertun und nach kurzer Zeit wieder zurückkehren.

Was waren die größten fußballerischen Umstellungen für dich?

Das, was hier von einem Torwart verlangt wird, ist sehr viel einfacher als die Anforderungen in Europa. In Japan wird risikoarmer Fußball gespielt. Ich schlage einen langen Ball und dann gehen wir auf die zweiten Bälle. Das ist eigentlich der größte Unterschied. In Europa ist es viel komplexer. Du analysierst den Gegner und versuchst, den Ball hinten rauszuspielen, um Ballbesitz zu haben und Aktionen zu kreieren. In Japan ist das komplett anders.

Du bist im Kader von Okayama der einzige Europäer. Drei Brasilianer, ein Bolivianer und sonst nur Japaner. Wie läuft das mit der Kommunikation?

Als einziger Europäer war es für mich am Anfang sehr schwierig und kleinere Probleme gibt es nach wie vor. Fußball lebt von der Kommunikation und dafür muss ich Japanisch lernen. Auf dem Feld sprechen wir eigentlich nur Japanisch. Demzufolge musste ich die fußballspezifischen Vokabeln verinnerlichen. Auch zwischenmenschlich gibt es natürlich Hürden, da ich keine normale Unterhaltung mit irgendeinem Spieler führen kann, weil kein Englisch gesprochen wird. Ich habe einen Übersetzer, der für mich auf Englisch übersetzt. Und die Brasilianer haben einen brasilianischen Übersetzer, der dann dementsprechend auf Portugiesisch übersetzt.

Bist du eigentlich allein in Japan?

Nein, meine Freundin ist bei mir und darüber bin ich auch sehr froh.

J1 100 Year Vision League

Die japanischen Profiligen befinden sich gerade im Übergang von der Saison im Kalenderjahr auf das europäische System. Daher findet von Februar bis Juni 2026 die einmalige „J1 100 Year Vision League“ statt. Dabei werden die 20 Teams in zwei regionale Gruppen aufgeteilt, jede Mannschaft bestreitet 18 Spiele. Bei einem Unentschieden geht es sofort ins Elfmeterschießen. Einen Absteiger gibt es dabei nicht. Die beiden Gruppensieger spielen im Finale den Startplatz für die asiatische Champions League aus.

Wie stehst du zum aktuellen Spielsystem in der J1 League, gerade als Torwart mit Bezug auf das Elfmeterschießen?

Ich finde das mittlerweile eigentlich eher nervig. Du machst teilweise ein richtig gutes Spiel oder die andere Mannschaft war sehr viel besser und du spielst gerade so unentschieden, weil du in der letzten Minute noch ein Tor machst. Normalerweise nimmst du diesen Punkt sehr gerne mit und freust dich. Aber dann gibt es jetzt das Elfmeterschießen, wo du Hoffnung hast und trotzdem verlierst. Danach ist die Stimmung irgendwie gedrückt. Ich bin kein Fan von diesem Elfmeterschießen. Am Anfang war es wirklich ganz cool, aber mittlerweile ist es einfach zu viel. Ich glaube alle freuen sich, wenn es den normalen Rhythmus wieder gibt.

Ein kleiner Zeitsprung: Du warst ja zwei Jahre in Dänemark, davor warst du ein halbes Jahr vereinslos. Wie geht man vor allem als junger Profi mit so einer Situation um?

Dass ich vereinslos war, war damals eine bewusste Entscheidung von mir. Ich war in Belgien in der ersten Liga bei Eupen und Stammspieler. Dann wurde das System in Eupen umgestellt. Der Verein hat einen neuen Investor bzw. Sponsor bekommen. Dadurch kam ein neuer Trainer. Ich wurde von der Nummer eins zur Nummer drei degradiert. Deswegen habe ich keine Perspektive gesehen und den Vertrag aufgelöst. Leider hat es etwas länger gedauert, einen Verein zu finden, aber das war mir bewusst und kalkuliertes Risiko.

Das Problem war, dass wir den Vertrag aufgelöst haben, als das Transferfenster schon geschlossen war. Ich wusste, dass ich erstmal eine gewisse Zeit vereinslos sein werde. Natürlich habe ich in der Zeit gemerkt, in welchem Business ich mich bewege. Niemanden interessiert es, wer jetzt irgendwo spielt. Du wirst einfach schnell vergessen. Und dementsprechend ist es auch schwierig, wieder einen neuen Verein zu finden, wenn du vereinslos bist. Diese Zeit war sehr wertvoll, um zu lernen, was es eigentlich bedeutet, Fußballprofi zu sein. Wie schnelllebig das Geschäft ist und was alles passieren kann. Ich habe in der Phase sehr viel gelernt und deswegen war es eine gute Zeit.

Gab es in der Zeit viele Anfragen oder war Kolding der erste Verein, der ernsthaft auf dich zukam?

Ehrlicherweise gab es größere und klangvollere Namen als Kolding. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt mit kleineren Blessuren zu kämpfen und war froh über das Angebot von Kolding und den Schritt nach Dänemark. Ich habe einen ganz neuen Fußball erfahren, da ich einen spanischen Trainer hatte. Ich konnte mich sehr gut weiterentwickeln und bewerte die Zeit als positiv. Im ersten Moment dachte ich, es sei ein Rückschritt, doch wir haben in der dänischen 2. Liga einen deutlich besseren Fußball gespielt als in der 1. belgischen Liga.

Du bist bei der Berateragentur Siebert & Backs Fußballmanagement GmbH, die sich speziell auf Torhüter und Trainer spezialisiert hat. Inwiefern habt ihr Torhüter ganz andere Bedürfnisse, dass so was nötig wird und wie hilft dir das weiter?

Die Torwartposition ist eine ganz spezielle Position und mit einem Feldspieler überhaupt nicht zu vergleichen. Wir brauchen ganz anderes Training und müssen mental ganz anders fit sein. Dementsprechend ist eine Torwartagentur sehr hilfreich, weil sie weiß, was ein Torwart benötigt und was ein Verein leisten muss. Mein Berater Nico Pellatz war selber Profi-Torhüter und hat einen sehr guten Draht zu den Torwarttrainern der Vereine. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich Teil der Agentur bin. Nach meinem Gefühl hat sich die Agentur in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt und wird auch kontinuierlich weiterwachsen.

Leihstationen

Von Union Berlin wurde Lennart Moser 2019 nach Cottbus, 2020 zu Cercle Brügge sowie ebenfalls 2020 an Austria Klagenfurt verliehen.

Du kommst ja aus der Jugend von Union Berlin, hattest dann von Union aus drei Leih-Stationen und seitdem auch eher kurze Stationen. Wie schwierig ist es, sich da immer wieder neu zu orientieren?

Mir fällt es nicht schwer, mich häufiger umzustellen und es macht mir grundsätzlich Spaß, Neues zu erleben. Ich bin wissbegierig und lerne gerne andere Kulturen kennen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich für Japan entschieden. Bei meinen Leihstationen konnte ich es mir häufig nicht immer aussuchen. Ich war für ein Jahr ausgeliehen und bin zu meinem Stammverein zurückgekehrt. Natürlich gibt es immer Situationen, in denen du dich einfach nicht wohlfühlst. Meine längste Station in Kolding hat mir sehr gut gefallen und ich wäre gerne länger geblieben, aber es war dann der richtige Zeitpunkt für Veränderungen.

Du warst auch bei Energie Cottbus, die jetzt in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Damals hast du schon unter Pele Wollitz gespielt. Wie ist es eigentlich unter einem Trainer und Menschen wie Pele Wollitz zu kicken?

Es hat sehr großen Spaß gemacht. Ich habe nur positive Erinnerungen an meine Zeit in Cottbus. Energie war der Verein, bei dem ich als junger Spieler das erste Mal Männerfußball gespielt habe. Wollitz ist ein erstklassiger Trainer, der einfach für den Verein brennt. Er stellt sich immer vor die Mannschaft und gibt 100 Prozent. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu viel an der Außenlinie und in der Coachingzone, aber menschlich und charakterlich ein super Trainer, der die ganze Mannschaft mitnimmt und weiß, wie man seine Spieler motiviert. Pele hat Cottbus im Blut. Er passt super und das merkt man. Es hat sich ausgezahlt und ich gönne es dem Verein.

Bei Union hattest du Urs Fischer, der ist dann natürlich ein ganz anderer Typ Mensch und Trainer, oder?

Ganz anders, ja. Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, die das deutlich gemacht hat, was Urs Fischer für ein Typ ist. Wenn Du bei Union aus der Jugend gekommen bist, hattest Du eigentlich keine Chance. Das war damals bei Lennard Maloney so und bei mir ebenfalls. In einem Gespräch mit Urs hat er mir gesagt, dass ich einen super Job mache und er sich nicht beklagen könnte. Doch für ihn ist ein guter Torwart einer, der alt und erfahren ist. Da wusste ich, dass ich nicht spielen werde, so lange Urs Fischer bei Union ist. Deswegen wurde ich dreimal ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln.

Du bist aus Berlin, bei Union dann in der Jugend gewesen und zum Profi geworden. War Union immer dein Herzensverein?

Ich bin ehrlich. Ich bin ein relativer Freigeist. Egal, für welchem Verein ich spiele, ich werde alles geben. Union war einfach der nächste Verein. Wir haben in Treptow-Köpenick gewohnt. Das liegt in der Nähe von Union Berlin und somit war Union der nächste Verein. Deswegen habe ich meine ganze Jugend bei Union gespielt. Ich hätte mir natürlich gewünscht, auch mal als Profi für Union zu spielen, aber man weiß ja nie, was noch passiert in der Karriere.

Das wäre jetzt tatsächlich meine nächste Frage, liebäugelst du insgeheim mit einer Rückkehr zu Union?

Im Moment nicht, weil mein Karriereweg aktuell in eine andere Richtung verläuft, als dass ich für Union interessant wäre. Aber sicherlich wird mein nächster Karriereschritt zurück nach Europa oder vielleicht in die MLS sein. Ich denke, wenn ich in einer ersten Liga in Europa oder in der MLS spiele, kann der Weg in die zweite Liga als Stammtorhüter oder auch vielleicht als Nummer zwei bei einem Bundesligisten möglich sein.

Du hast also auch einen klaren Karriereplan im Kopf?

Ich muss realistisch sein und schauen, welche Ziele in meinem Alter noch erreichbar sind.

In der näheren Zukunft steht nächste Saison schon die J League auf dem Plan, oder?

Das ist schwierig zu sagen. Fußball ist sehr schnelllebig. Ich muss schauen, wie alles zusammenpasst, da ich ja auch mit meiner Freundin hier bin. Wenn irgendwas kommt, was für mich und meinen Verein lukrativ ist, würde ich definitiv nicht ablehnen. Im Moment habe ich noch einen Vertrag für zwei Jahre und den will ich erfüllen. Meine Priorität ist Japan.

Hast du von Japan selbst schon viel gesehen und mitbekommen, trotz Fußballeralltag?

Ich habe schon einige Ausflüge gemacht. Ich nehme alles mit, was geht. Wenn wir frei haben, unternehmen wir immer etwas. Okayama selbst ist nicht so attraktiv, aber man fährt maximal 45 Minuten mit dem Zug und ist in einer schönen Stadt.

Okayama

Okayama liegt im Westen Japans am Seto-Binnenmeer und ist für sein mildes und sonnenreiches Klima bekannt. Mit dem Shinkansen-Schnellzug ist die Millionen-Metropole Osaka in unter einer Stunde erreichbar.

Zum Abschluss habe ich noch die zwei klassischen Kinderfragen. Als erstes, wer war dein bester Mitspieler?

Das ist interessant. Möchtest du jetzt wissen, wer mein bester Mitspieler war, mit dem ich aber selber nicht gespielt habe, oder ein bester Mitspieler, mit dem ich selber aktiv auf dem Feld gestanden habe?

Gerne beides.

Mein bester Mitspieler war wahrscheinlich Max Kruse zu seiner besten Zeit. Der war schon wirklich gut. Aber ich habe selber nicht mit ihm aktiv gespielt. Und wenn es rein ums aktive Spielen geht? (Überlegt lange) Ich würde tatsächlich sagen, einer in meinem aktuellen Team. Ataru Esaka ist echt ein Wahnsinnskicker. Der ist schon ein bisschen älter, aber er hätte 100 % La Liga und so spielen können. Der ist wirklich richtig gut.

Und dann noch dein bester Gegenspieler?

Da kommen viele in Frage, vor allen Dingen in Belgien. Doku, Nainggolan, Alderweireld, Vertonghen, Kompany. Mit Cottbus haben wir damals im DFB-Pokal gegen Bayern gespielt, da wurde ich Man of the Match. Das war eines meiner besten Spiele. Da könnte ich es mir einfach machen und Lewandowski, Kimmich oder Neuer sagen.

Wenn man gegen Lewandowski, Kimmich und Neuer gekickt hat, ist das schon eine Sache, die man erwähnen darf.

Wahrscheinlich schon. Von daher nehmen wir das. Kompany war auch nicht schlecht. Ich habe gegen ihn gespielt, da ist er gerade neu zu Anderlecht gekommen und hat seine ersten Spiele gespielt. Ich stand im Tor. Aber die letzten Saisonspiele war er schon Trainer. Ich war sozusagen in einem seiner letzten Karrierespiele im Tor gewesen. Jetzt sieht es sogar so aus, als ob er vielleicht eine noch erfolgreichere Karriere als Trainer haben wird. Gegen Salzburg habe ich auch gespielt und dort waren ebenfalls sehr gute Spieler wie Adeyemi und Sesko, der es zu Manchester United geschafft hat.

An dieser Stelle vielen Dank an Lennart Moser für dieses Interview, wir werden seine weitere Karriere mit großem Interesse verfolgen!

Teile den Post