Nach den namhaften Abgängen im Sommer wurde der sogenannte Schattenkader von Bayer Leverkusen, eine Mannschaft hinter der Mannschaft, medial stark aufgebauscht. Diese Gruppe hochtalentierter Spieler, teils leihweise bei anderen Vereinen untergebracht, soll langfristig in die erste Mannschaft rutschen und diese über Jahre hinweg prägen. Ist dieser hoch angepriesene Weg die Zukunft oder erweist er sich als großer Flop? (Bild: IMAGO / Sportfoto Rudel)
Ein Spieler hat diesen Schritt bereits nachhaltig geschafft. Christian Kofane, im Sommer für 5 Millionen Euro mit der Erfahrung von nur 20 Zweitligaspielen aus Spanien verpflichtet, ist aus der Mannschaft von Kaspar Hjulmand nicht mehr weg zu denken. 15 Scorerpunkte in 39 Spielen trotz der namhaften Konkurrenz durch Patrick Schick sprechen eine eindeutige Sprache. Mit seinen erst 19 Jahren vereint er die für den modernen Stürmer wichtigen Attribute aus Tempo und Körperlichkeit mit seiner Größe von knapp 1,90 m mit einer beachtlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Kofane ist längst aus dem Schatten getreten, ihm gehört die Zukunft im Leverkusener Sturmzentrum.
Ibrahim Maza (20) x Christian Kofane (19) for Bayer Leverkusen! pic.twitter.com/fKuBe7apXo
— EuroFoot (@eurofootcom) March 5, 2026
Vor der Saison hatten ihn die wenigsten Beobachter auf dem Schirm, in den vergangenen Wochen gehört jedoch ein junger Mann regelmäßig zum Stammpersonal: Montrell Culbreath. Der 18-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs füllt gemeinsam mit Ernest Poku die Lücke, die die verletzten Vasquez und Arthur auf der rechten Seite hinterlassen. Im variablen System Hjulmands tritt er somit sowohl offensiv als auch als Außenverteidiger an. Mit seinem hohen Tempo, gegen den FC Bayern war er mit über 33 km/h schnellster Leverkusener, und starken Flankenbällen sorgt der DFB-Junior vor allem offensiv für Akzente, zeigt sich dabei aber auch defensiv bemüht. Nach seinem Debüt in Leipzig, bei dem er sich als Torschütze auf Platz 4 der jüngsten Leverkusener Torschützen hinter die durchaus namhaften Wirtz, Brandt und Havertz einreihen konnte, war noch der Plan, ihn im Sommer für Spielpraxis zu verleihen. Aktuell ist realistischer, dass Culbreath schon einen festen Kaderplatz ergattern wird.
Montrell Culbreath so impressive on just his second start in the Bundesliga yesterday.
— Bence Bocsák (@BenBocsak) March 15, 2026
Won the most duels (10) and tackles (7) vs Bayern Munich.
Typically an attacker at youth level but the 18-year-old has been playing as a wing-back in Leverkusen’s system and it suits… pic.twitter.com/zZQ8CyJWr6
Für Axel Tapé (18) hingegen könnte eine Leihe im Sommer eine Möglichkeit sein, auf wertvolle Spielzeit zu kommen. Seit seinem ablösefreien Wechsel von Ausbildungsclub PSG im Sommer kam der variabel einsetzbare Defensivspieler erst auf knapp über 200 Bundesligaminuten, wurde für Spielpraxis bereits drei mal in der U19 Bundesliga eingesetzt. Sein Potenzial konnte der französische U19 Nationalspieler durchaus unter Beweis stellen, mit seinem Tempo von über 34 km/h ist er prädestiniert für die rechte Seite einer Dreierkette. Im Sommer sehe ich ihn beispielsweise in der niederländischen Erendivisie.
Dort spielt aktuell Artem Stepanov. Seine bullige Statur und seine langen blonden Haare, aber auch seine beeindruckende Torquote in der Jugend Leverkusens brachten dem Stürmer schon sehr schnell Vergleiche zu Erling Haaland ein. Große Fußstapfen für einen 18 Jährigen, die er bei seiner ersten Leihstation in der abgelaufenen Hinrunde nicht annähernd füllen konnte. In einer formschwachen Nürnberger Mannschaft konnte der Ukrainer in 13 Zweitliga-Einsätzen keinen Scorer beisteuern. Aufgrund dieser Erfolglosigkeit wurde das Leihverhältnis beendet, Stepanov zog direkt weiter zum niederländischen Erstligisten Utrecht. Dort zeigt er aktuell in Abwesenheit des ehemaligen Dortmunders Sebastien Haller, warum man in Leverkusen so große Stücke auf ihn hält: In der Rückrunde gelangen ihm bereits drei Treffer, zwei davon in den vergangenen zwei Partien. Beim Blick auf diesen wunderschönen Treffer ist klar: auch von Stepanov werden wir noch viel zu sehen bekommen.
Artem Stepanov maakt na een heerlijke actie de 2-0 voor FC Utrecht! #utrgae pic.twitter.com/EKnh4vhpfX
— ESPN NL (@ESPNnl) March 22, 2026
Im Gegensatz zu Stepanov wusste ein weiterer 18 Jähriger in der 2. Bundesliga zu überzeugen. Ohne große Anlaufzeit wusste Francis Onyeka beim VfL Bochum zu überzeugen, spielte sich auf der 10 des Revierclubs fest. Dort ist er, neben einem bundesligaerfahrenen Sturmtank namens Philipp Hofmann, mit 8 Treffern Toptorschütze. Mit einer exzellenten Technik, starken Abschlüssen und einer für einen Zehner ungewöhnlichen Größe von 1,86 m erinnert der Linksfuß stark an ein früheres Talent des Werksclubs: Kai Havertz. Ob sich Onyeka in der Zukunft wie Havertz zum Stürmer entwickelt, Spielmacher bleibt oder die bei seiner Laufstärke und Physis auch passende Rolle des Box to Box Spielers füllt steht in den Sternen. Dass er trotz namhaftem Interesse aus dem Ausland ein Teil des Leverkusener Kaders der neuen Saison sein wird gilt als wahrscheinlich. Wichtig wird, dass er im quantitativ und qualitativ stark besetzten Mittelfeld Leverkusens auf die in jungen Jahren so wichtige Spielzeit kommt.
🤩🌪️ Francis Onyeka (18) with a great goal for Bochum in Bundesliga 2! 🇩🇪/🇳🇬 pic.twitter.com/zQNtOsQPIU
— EuroFoot (@eurofootcom) October 22, 2025
Dabei trifft er auf den letzten Teenager unserer Liste, den ebenfalls 18 Jahre alten Kerim Alajbegovic. Der bosnische Nationalspieler, der mit seinem verwandelten Elfmeter gegen Wales die WM Hoffnung seines Landes am Leben hielt, schnürt diese Saison bei RB Salzburg die Schuhe. Dorthin verkaufte ihn Bayer im vergangenen Sommer für 2 Millionen Euro, jedoch nicht ohne sich eine Rückkaufoption zu sichern. Diese haben die Verantwortlichen um Simon Rolfes in der vergangenen Woche bereits gezogen. Sieben Treffer in der Liga sowie überzeugende Auftritte in der Euro League machten den Transfer über 8 Millionen Euro zu einem No Brainer für Leverkusen. Schließlich hätte Salzburg auf dem freien Markt bereits einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen können. Der schussgewaltige Rechtsfuß, der am liebsten über den linken Flügel kommt, zählt zu den aufregendsten Spieler seines Jahrgangs und könnte diese Summe, sollte er sich an die Qualität der Bundesliga schnell gewöhnen können, bald vervielfachen können.
Insane strike from 18-year-old Alajbegović #UEL | @RedBullSalzburg pic.twitter.com/CtMc3ubEuz
— UEFA Europa League (@EuropaLeague) January 24, 2026
Neben den genannten stehen auch die Zugänge der Stürmer Aleksa Damjanovic (17) und Ndjicoura Bomba (18) fest. Bei beiden gilt abzuwarten, ob sie einen Kaderplatz bekommen oder sich wie Onyeka, Stepanov und Alajbegovic an anderer Stelle beweisen müssen.
Beim Blick auf diese Talente, alle noch keine 20 Jahre alt, sieht die Zukunft von Bayer Leverkusen rosig aus. Doch wichtig ist nun, diesen jungen Talenten auch nachhaltig das Vertrauen zu schenken. Der durch die Rückkehr der Leihspieler zusätzlich aufgeblähte Kader Leverkusens muss dringend verschlankt werden, kostspielige externe Zugänge wie Eliesse Ben Seghir, Martin Terrier oder Equi Fernandez sollten den Verein zugunsten der eigenen hochveranlagter Talente verlassen. Nur so kann diese Strategie auf Dauer Erfolg haben, nur so kann man Talente auch zukünftig von Leverkusener Weg überzeugen, nur so kann der Schattenkader ins Licht treten und die Zukunft unterm Bayerkreuz prägen.



