„Mein Ziel ist es, irgendwann Champions League zu spielen." (Yasin Zor über seine Ambitionen)
Die Zielsetzung von Yasin Zor, aktuell für Astoria Walldorf in der Regionalliga aktiv, ist so klar wie ambitioniert. Im Sommer zieht es den 20 Jahre alten Offensivspieler zuerst in das wenige Kilometer entfernte Hoffenheim. (Bild: IMAGO / foto2press)
In der U10 schon zog es Zor aus seiner Geburtsstadt Bretten in das Nachwuchsleistungszentrum nach Karlsruhe. Dort traf ihn ein Schicksal, das viele hoch talentierte Kicker ereilt: Nach nur vier Jahren wurde Zor aussortiert, galt als körperlich zu schwach. Über Waldhof Mannheim landete er schließlich in Kaiserslautern, wo er in der vergangenen Saison für die Zweitvertretung in der Oberliga zum überragenden Mann avancierte. Nach 36 Torbeteiligung in 32 Ligaspielen stand ein Profivertrag im Raum, doch eine dauerhafte Teilnahme am Profitraining sicherte man Zor nicht zu. Somit entschied er sich, beim frisch in die Regionalliga abgestiegenen SV Sandhausen zu unterschreiben, die jedoch nicht bereit waren, die fällige Ausbildungsentschädigung zu entrichten. Beide Vereine dürften diese Entscheidungen heute bereuen.
Nach einem turbulenten Transfersommer unterschrieb Zor spät bei Astoria Walldorf, Ligakonkurrent Sandhausens. Dort ist der variable Offensivmann der überragende Mann, nicht nur seines Teams sondern der ganzen Liga. 25 Torbeteiligungen in ebensovielen Spielen, 13 Tore und 12 Vorlagen, sprechen eine eindeutige Sprache. Darüber hinaus vereint er den Spielwitz eines klassischen Straßenkickers mit dem Spielverständnis eines modernen Akademiespielers. Dabei glänzt er vor allem mit seinen Dribblings, denen die Verteidiger der Regionalligisten selten gewachsen sind. Außerdem weisen die Statistiken ihn als einen erstklassigen Spielmacher aus, der regelmäßig gefährliche Bälle in das letzte Drittel spielt.
Daher ist es keine Überraschung, dass er mit gerade mal 20 Jahren in der Scorerliste noch vor erfahrenen Spielern wie Fabian Eisele und Pascal Testroet, der über 150 Spiele in der 2. Bundesliga aufweisen kann, steht. Zor zeigt sich als Prototyp eines Spielers, der in der Zeit des leistungsorientierten Jugendfußballs oft auftritt. Körperliche Spätentwickler, die trotz technischer und taktischer Überlegenheit aussortiert werden, da sie kurzfristig nicht mit ihren größeren, stärkeren und schnelleren Altersgenossen mithalten können. Viele geben danach den Traum vom Profifußball auf, doch nicht so Yasin Zor. Er ging den Umweg, legte die Extraschichten ein und wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen ersten Profivertrag unterschreiben können. Im Gegensatz zu vielen Spielern seines Alters kann er dabei bereits auf zwei Jahre als Stammspieler im Herrenbereich zurücksehen, die ihn körperlich auf ein sichtbar höheres Niveau gehoben haben.
„Ich komme eher über meine Dribblings." (Yasin Zor über seine Stärken)
Dass er mit seinen Leistungen das Aufsehen diverser Zweitligisten sowie der TSG Hoffenheim geweckt hat, ist keine Überraschung. So gingen im vergangen Sommer mit Noah Pesch und Leon Opitz zwei junge Topscorer der Regionalliga den Schritt in die 2. Liga - nachhaltig überzeugen konnten beide jedoch nicht. Sollten diese Beispiele möglichen Interessenten Sorgen bereiten? Ich denke nein. Denn Pesch und Opitz glänzten neben nicht zu leugnender fußballerischer Qualität in der Viertklassigkeit vor allem durch ihr Tempo. In den zwei oberen Ligen Deutschlands, wo Sprintgeschwindigkeiten über 34 km/h keine Seltenheit sind, sind die Verteidiger deutlich schwieriger zu überlaufen als zwei Ligen tiefer. Zor hingegen ist kein großer Sprinter, er ist der Liga in seinem ersten Jahr schlichtweg fußballerisch entwachsen. Und so sehe ich es als wahrscheinlich an, dass er auch in der kommenden Saison seinen Weg gehen wird, wenn auch mit anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten.
Die Leihe für Leon Opitz hat sich bisher ja super rentiert…. pic.twitter.com/LIchp0SKEf
— julian (@juliansvwb) October 19, 2025
In Hoffenheim ist Zor zunächst für die Zweitvertretung in der 3. Liga eingeplant, der Schritt nach oben in das Bundesligateam scheint unter Coach Christian Ilzer jedoch nicht weit entfernt.
Yasin ist ein sehr spannender Offensivspieler mit einem guten Abschluss und einer guten Agilität, dem in der aktuellen Saison in Walldorf in der Regionalliga Südwest in beeindruckender Weise der Durchbruch gelungen ist.
(Hoffenheims Sportdirektor Frank Kramer)
Und so rückt für Zor der Traum von internationalen Einsätzen, und sei es nur die Euro League, schneller als zunächst erwartet in greifbare Nähe. Noch diese Woche habe ich einen Wechsel in die 2. Bundesliga prognostiziert, für die Karriereplanung Zors könnte der nun erfolgte Schritt jedoch genau der richtige sein.



