Torgefahr, Spielmacherqualitäten, Laufstärke, Defensivarbeit - die Anforderungen an einen modernen Mittelfeldspieler sind enorm. Gleichzeitig lesen sie sich wie ein Profil des 22 Jahre jungen Martin Adeline, der mit ESTAC Troyes kürzlich den Aufstieg in die Ligue 1 feiern durfte. Kein Wunder also, dass mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln zwei deutsche Traditionsvereine um den Franzosen buhlen. (Bild: IMAGO / Icon Sport)
Gerade mal 16 Jahre alt war Adeline, da lag bereits ein Profivertrag bei Meister Paris Saint Germain auf dem Tisch. Zwei Jahre lang spielte er zuvor in den Jugendmannschaften des Hauptstadtclubs, war davor schon in Trainingscamps der Pariser aktiv. Doch das Talent, das den Schritt in die erste Mannschaft von PSG weiterhin als Karriereziel bezeichnete, lehnte ab. Stattdessen ging er nach Reims, um wieder näher bei seiner damals kranken, alleinerziehenden Mutter zu sein. Es folgten Höhen und Tiefen in der noch jungen Karriere. Sein Profidebüt feierte er noch gemeinsam mit Hugo Ekitiké, doch während sich der Stürmer Adelines Traum von PSG erfüllte und schließlich über Frankfurt für 95 Millionen Euro beim FC Liverpool landete, ging es für Adeline in die Ligue 2.
Info : Le milieu polyvalent du @PSG_inside Martin Adeline est en négociations avancées avec le @StadeDeReims. Le joueur de 17 était sous contrat aspirant jusqu'en 2021.
— Santi Aouna (@Santi_J_FM) July 29, 2020
(Crédit : https://t.co/ha0yTqw6um) pic.twitter.com/XsTkik2Bn5
Eine Leihe zu Rodez, wo er als kleiner Junge das Kicken lernte, danach eine Saison bei Annecy. Keine schlechte Leistungen, aber auch keine Konstanz, die Ligue 1 immer weiter entfernt. Für 600.000 € folgte der Wechsel zu ESTAC Troyes. Auch an die Seine, doch eben nicht Paris. Doch für Adeline ging es seitdem bergauf, nach einer noch durchwachsenen Vorsaison folgte in der abgelaufenen Runde nun der Durchbruch. 32 Spiele, 10 Tore und 11 Vorlagen sprechen Bände. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Tawfik Bentayeb, der vor einem Wechsel zum FC Schalke 04 stehen soll, führt der Mittelfeldspieler die Scorerliste an, dazu kommt der verdiente Meistertitel und somit Aufstieg in die Ligue 1.
نجم نادي Troyes المتصدر 🔥🔥
— Haythem (@99_haythem) May 3, 2026
و أحد أفضل لاعبي الدرجة الثانية الفرنسية هذا الموسم
كلامي على صاحب 22 سنة 🌟🇫🇷
الجوكر أو محرك الفريق الفرنسي Martin Adeline
10 أهداف ⚽️ و 10 أسيست 🅰️ في 32 مباراة
يستحق المتابعة 👀pic.twitter.com/jWTlaAvwir
Noch beeindruckender wirken die Werte, wenn man bedenkt, dass Adeline bei Troyes keinesfalls den klassischen Zehner gibt. Vielmehr taucht er an beiden Enden des Platzes regelmäßig auf, zeigt sich somit als Verkörperung des Box to Box Spielers. Glanzpunkte setzt er dabei vor allem als Spielmacher, dessen Bewegungen von einer beeindruckenden Eleganz geprägt sind und der ein fantastisches Auge für seine Mitspieler hat. Zum Abschluss der oft selbst eingeleiteten Angriffe findet er regelmäßig den Weg in den Strafraum, in dem er alle seine zehn Ligatore erzielen konnte. Das spiegelt sich auch in der Statistik der meisten Angriffsläufe wider, wo er in den Top 5 der Liga steht - gemeinsam mit ausschließlich reinen Offensivspielern. Auch seine Arbeit im Pressing ist erwähnenswert, mehr als sechs mal pro Spiel gewinnt er im Durchschnitt den Ball in der gegnerischen Hälfte. In Troyes wird Adeline meist auf der linken Acht eingesetzt, auch eine zentralere Position ist ihm zuzutrauen.
Wohin zieht es Adeline?
Ohne Zweifel wird Martin Adeline in der kommenden Saison in einer ersten Liga antreten. Ob Troyes, dem sowieso der Ausverkauf seines Tafelsilbers droht, den ambitionierten Spielmacher halten kann, ist ungewiss. Mit dem RC Lens lockt der Vorjahres-Zweite der Ligue 1, doch auch der Wechsel in die Bundesliga ist denkbar. In Köln, das sein Werben in den vergangenen Tagen intensiviert haben soll, könnte er in Konkurrenz zum selten überzeugenden Isak Johannesson treten. Doch in Köln, das mit Eric Martel seinen defensiven Anker verliert, dürfte der Fokus eher auf einem klassischen Sechser liegen.
Mit Martin Adeline (22,OM,🇫🇷) würde der HSV an Torgefahr+Flexibilität gewinnen. In der jetzigen Formation wäre LF/ZM denkbar.
— Jan Schultz (@jahesch0) May 17, 2026
Adeline überzeugt mit seiner Ballführung, Zug zum Tor und Gespür für Räume.
Troyes gerade aufgestiegen und Teil der City Group, Vertrag läuft 2027 aus. https://t.co/jbsCVPOxzS pic.twitter.com/6pymxSiasQ
In Hamburg hingegen wird der Schlüsselspieler der vergangenen Saison den Club verlassen - Fabio Vieira. Ein fester Transfer dürfte an den hohen Ablöseforderungen seines Stammvereins, dem englischen Meister Arsenal London, scheitern. Vieira ist ein lauf- und spielstarker Achter/Zehner, der sowohl selbst Torgefahr ausstrahlen als auch Chancen für seine Kollegen kreieren kann. Ein Profil, in das auch Martin Adeline perfekt passt. Auch er dürfte kein Schnäppchen sein, sein Zweitliga-Gehalt lässt jedoch ein deutlich günstigeres Gesamtpaket zu, als bei Premier League Veteran Vieira. Zudem bietet er mit seinen 22 Jahren eine Menge Entwicklungs- und dadurch auch Wiederverkaufspotenzial. Als Zehner hinter zwei Spitzen oder auf der Halbposition könnte er in Hamburg seine offensiven Qualitäten voll zur Geltung bringen, auch sein Fleiß im Spiel gegen den Ball kommt dem Fußball von Trainer Merlin Polzin sehr entgegen. Mit seinen Stärken im Pressing könnte er der Elf aus Hamburg zudem helfen, im Jahr 2 nach dem Wiederaufstieg das gesamte Spiel weiter in die gegnerische Hälfte zu verlagern.
Wie unschwer zu erkennen ist, sehe ich den HSV als die geeignete nächste Station in der jetzt schon bewegten Karriere des Martin Adeline. Ihm traue ich zu, ohne große Anlaufschwierigkeiten das Spiel des HSV zu bereichern. Und wer weiß, vielleicht lebt dann der Traum von Paris wieder auf. Er wäre nicht der Erste, der den Sprung aus der Bundesliga in die Stadt der Liebe schafft.



