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Tottenhams neuer Sportdirektor | Fabio Paratici im Porträt

Tottenhams neuer Sportdirektor | Fabio Paratici im Porträt

Die Londoner fahnden in den letzten Wochen intensiv nach einem neuen Sportdirektor und sollen in Italien fündig geworden sein. Niemand geringeres als Juventus‘ ehemaliger starker Mann Fabio Paratici (48) soll die Spurs wieder zurück auf die Siegerstraße bringen. Laut mehreren Medien soll seine Unterschrift kurz bevor stehen.

"Paratici kam hier als Junge an und ging als Mann, vor allem als Gewinner." So fasste Andrea Agnelli den Weg des ehemaligen Sportdirektors, der 2010 sein Amt bei den Juventus Turin begann, treffend zusammen. Er folgte Giuseppe Marotta von Sampdoria und baute zusammen mit Antonio Conte eine der erfolgreichsten Mannschaften in der Geschichte des italienischen Calcio auf.

Die erste Saison der Ära Marotta-Paratici beendete die „Alte Dame“ auf dem siebten Platz und verpasste damit knapp eine europäische Platzierung. Doch in der folgenden Saison kehrte der italienische Rekordmeister auf die Siegerstraße zurück, und wie.

19 Trophäen in elf Spielzeiten konnte Paratici am Ende seiner Ära vorweisen, eine mehr als beeindruckende Leistung des 48-järhigen Italieners. Zunächst war dieser Marotta direkt unterstellt - dem ehemaligen Geschäftsführer des Vereins und vor allem dem Mann, der ihn damals auch zu Sampdoria gelotst hatte.

Ronaldo Coup nicht der beste

Paratici hatte als Fußballer nur in den unteren Ligen Italiens gespielt. Er war ein zentraler Mittelfeldspieler, hatte aber keine bemerkenswerte Spielerkarriere. Seine Zeit in der dritten Liga half ihm sicherlich auch dabei, eine einzigartige Qualität zu entwickeln, talentierte Spieler auf allen Ebenen und in jedem Alter zu erkennen.

Er gilt als der Mann, der Cristiano Ronaldo von Real Madrid verpflichten konnte, wenngleich dieser Coup seiner Meinung nach nicht der beste seiner Karriere war. "Wenn ich einen auswählen müsste, dann [Andrea] Barzagli", sagte er in seiner Abschieds-Pressekonferenz bei Juventus, bei der er mehrmals die Tränen zurückhalten musste.

"Er hat viele Jahre bei uns verbracht und er wurde von vielen massiv unterschätzt. Wir alle wissen, wie wichtig er war und was er diesem Verein gegeben hat." Der ehemalige italienische Innenverteidiger war im Januar 2011 für gerade einmal 300.000 Euro aus Wolfsburg zu den Bianconeri gewechselt und avancierte zu einer der Hauptakteure des Clubs.

Pogba-Deal machte Juve reich

In seinen letzten Jahren in Turin wurde Paratici zum Spezialisten für Transfers im großen Stil. Er verpflichtete 2018 Cristiano Ronaldo für 112 Millionen Euro und 2019 Matthijs de Ligt für 84 Millionen Euro. Aber das war nicht immer so. Dass der ehemalige Akteur des FC Piacenza einmal Transfers in dieser Größenordnung tätigen darf, hat er anderen Deals zu verdanken.

Man denke nur an den ablösefreien Transfer von Paul Pogba im Jahr 2012, gefolgt von denen von Dani Alves und Patrice Evra. Allein die Ablöse die Juve für den aktuellen United-Spieler kassierte, übersteigt das Transferbudget der halben Liga.

Er hat nicht alles richtig gemacht, aber wie er in seiner Abschiedspressekonferenz sagte: "Der Beste in diesem Job ist nicht derjenige, der keine Fehler macht, sondern derjenige, der die wenigsten macht".

Ehrgeizig selbst im Jugendsektor

Der italienische Sportdirektor ist der richtige Mann, um ein langfristiges Projekt zu beginnen. Auch bei seiner letzten Pressekonferenz in Turin gab er zu, dass er "wirklich wütend" wird, wenn er es nicht schafft, ein 15-jähriges Talent zu verpflichten. Was eine Menge über ihn aussagt.

Paratici ist nicht nur ein Mann, der 'Instant-Teams' aufbaut, sondern ein wahrer Fachmann, der sich um die Zukunft des Vereins kümmert, für den er arbeitet, und der sich gleichermaßen auf die Jugend-Akademie des Vereins konzentriert und versucht, die besten Spieler auf jedem Niveau zu holen.

Paratici ist ein Chefscout, der auch in der Lage ist, großartige Deals abzuschließen, aber die Umgebung, in der er sich am wohlsten fühlt, ist am Rande des Fußballplatzes und nicht in einem Büro.

Juventus lud Paratici zu viele Aufgaben auf

In seinen ersten Jahren bei Juventus reiste er durch ganz Europa, um sich Spiele anzuschauen, aber es war nicht nur die Pandemie, die ihn in den letzten Jahren davon abhielt. 2018 verließ Marotta den Verein gen Inter und Juventus beauftragte ihn damit, fortan auch die Bücher in Ordnung zu halten, während er weiterhin für die Transfers zuständig war.

Er hat den Job immer erledigt, aber man hatte das Gefühl, dass er sich in seiner neuen Rolle nicht mehr so wohl fühlte. Sein Verhältnis zu den Medien hat sich dennoch im Laufe der Jahre verbessert, aber wir können davon ausgehen, dass er es nicht vermissen wird, vor jeder Juve-Partie mit Sky Sport Italia oder DAZN zu sprechen. Paratici hält sich lieber im Hintergrund, als im Mittelpunkt zu stehen.

Der Suarez-Skandal

Der gebürtige Emilianer hatte sicherlich auch schwierige Zeiten in Turin. Vor allem bei dem Versuch Luis Suarez zu verpflichten, wurde gegen ihn wegen falscher Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft ermittelt. Der damalige Barcelona-Stürmer bot seine Dienste dem Vizepräsidenten Pavel Nedved an, aber es war Paratici, der Gespräche mit seinem Agenten und mit Barcelona führen musste.

Als der Deal in greifbare Nähe gerückt schien, fand er heraus, dass die EU-Arbeitserlaubnis des Uruguayers in Spanien in Italien nicht gültig war, so dass der Stürmer vor seinem Wechsel nach Turin erst eine Staatsbürgerschaftsprüfung ablegen musste.

Paratici scheut keine Konfrontation

Die Geschichte wurde zu einem regelrechten Skandal, da gegen den Rektor und einige Professoren der Universität von Perugia, an der Suarez sein Examen ablegte, bereits aus verschiedenen Gründen ermittelt und ihre Telefone abgehört wurden. Daher fanden die Ermittler sofort heraus, dass Suarez die Fragen im Voraus gekannt hatte.

Darüber hinaus gilt Paratici als schwieriger Charakter, welcher schon mehrfach wegen Schiedsrichterbeleidigung verurteilt wurde und auch mit seinem ehemaligen Vorgesetzten Beppe Marotta nicht das beste Verhältnis pflegte. Um genau zu sein, sollen die beiden im Streit auseinander gegangen sein.

Große Zukunft für die Spurs?

Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Spurs in naher Zukunft einen Profi von Inter Mailand verpflichten werden. Mit Mauro Icardis Personalie könnte es dagegen sehr interessant werden, da Paratici den Argentinier bereits 2011 zu Sampdoria transferierte und auch im Dienste der alten Dame um den Gaucho buhlte. Zudem scheint Harry Kane vor einem Abgang zu stehen, was die Vakanz im Sturmzentrum signifikant erhöhen wird.

Konstatieren wir Fabio Paraticis Vita, dann bekommt Tottenham den besten italienischen Sportdirektor der letzten Dekade. Schafft dieser ein produktives Arbeitsverhältnis mit dem neuen Trainer aufzubauen und bekommt gleichermaßen vom Club den Rücken in Bezug auf bürokratische Tätigkeiten freigehalten, dann können sich die Londoner auf einen Paratici in Bestform freuen.

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