Der FC Augsburg ist einer der aktuellen Erstligavereine in Deutschland, die am längsten ohne Unterbrechung in der Bundesliga gespielt haben. Immerhin halten sich die Fuggerstädter nun bereits seit der Saison 2011/12 hartnäckig in der Liga, auch wenn so mancher Fan dem Verein in den letzten Jahren bereits mehrfach den Abstieg gewünscht hat. Nun gab Benjamin Weber Einsichten in die Scouting-Philosophie des Klubs. Kann diese weiterhin Stabilität garantieren? (Bild: IMAGO / STEINSIEK.CH)
Die Fußball-Bundesliga hat neben dem 1.FSV Mainz 05 aktuell ein zweites Stehaufmännchen, nämlich den FC Augsburg. Egal was während einer Saison alles passiert, diese beiden Vereine halten am Ende auf fast schon magische Art und Weise die Klasse. Wahrscheinlich liegt ein Grund in der Ruhe, die in beiden Vereinen grundsätzlich herrscht. So verfällt man zumindest in der Außendarstellung selten in Panik. Das garantierte den Augsburgern in den letzten Jahren immer den Klassenerhalt, viermal denkbar knapp als Tabellenfünfzehnter.
Ein anderer entscheidender Punkt waren die klare Spielphilosophie und die darauf ausgelegte Transferstrategie. Augsburg steht nun mal, im fußballerischen Sinn, für harte Arbeit gegen den Ball und schnörkelloses Umschaltspiel mit dem Ball. Entsprechend waren zahlreiche Transfers von Spielern mit den Attributen am Ende auch erfolgreich. Musterbeispiele dafür und entsprechend passende Transfers sind wohl in den letzten Jahren Chrislain Matsima, Kristijan Jakic oder auch Rubén Vargas gewesen.
Here we go! 📸 Willkommen beim #FCA, Chrislain #Matsima! ❤️💚🤍 pic.twitter.com/rWC4Pwql4J
— FC Augsburg (@FCAugsburg) August 30, 2024
Abweichungen von Transferstrategie funktionieren nicht
Natürlich haben die Augsburger in den letzten Jahren aber auch versucht, hin und wieder spannende Spieler mit Wiederverkaufswert zu bekommen. Das hat auch einige Male geklappt wie unter anderem bei dem prominentesten Spieler und Augsburger Rekordtransfer Ricardo Pepi. Allerdings passte der Angreifer vom Spielertyp her überhaupt nicht nach Augsburg und die Bürde der Millionenablöse war ihm anzumerken. Entsprechend spielt Pepi mittlerweile längst nicht mehr in der Bundesliga.
Auch ein Tomas Koubek war ein katastrophaler Transfer, und zwar mit Ansage. In diesem Fall ist man in Sachen Torhütertransfer nicht so smart geblieben wie in den vorherigen Jahren, sondern wollte eine größere Lösung präsentieren. Es folgte der Wechsel von Koubek aus Rennes, bei dem zahlreiche Scouts sowie Transferexperten nur mit dem Kopf zu schütteln wussten. Das Ende vom Lied ist, dass sich Koubek bekanntermaßen nie in Augsburg etablieren konnte. Trotzdem bleibt der Tscheche in den Büchern als der drittteuerste Transfer der Vereinsgeschichte stehen.
Ricardo Pepi joins FC Augsburg from FC Dallas of MLS.
— FC Augsburg (@FCA_World) January 3, 2022
The forward has signed a contract to June 2026 with an option for an additional year. pic.twitter.com/iwcBNCDAYt
Strategiewechsel unter Wagner ohne Erfolg
Der Spielstil der Augsburger sorgte natürlich selten für Euphorie abseits der eigenen Fans. Entsprechend versuchte man sich im letzten Jahr an einem Strategiewechsel. Mit Sandro Wagner sollte der Spielstil erfrischender, mutiger, offensiver werden. Dafür wurden mit Fabian Rieder, Cédric Zesiger, Han-Noah Massengo, Anton Kade, Elias Saad, Robin Fellhauer und nicht zuletzt Ismaël Gharbi auch durchaus passende Spieler geholt. Trotzdem passte dieses neue Konzept nicht zur kompletten Mannschaft und Trainer Wagner zahlte am Ende eine Menge Lehrgeld.
Unter Manuel Baum wurde der Fußball in der Folge wieder simpler, pragmatischer und vor allem passender zu den Stärken der Mannschaft. Das Resultat dessen war erneut ein souveräner neunter Tabellenplatz und die Verlängerung mit Coach Baum. Das soll an der Stelle nicht bedeuten, dass die Transfers schlecht waren. Einige der Neuzugänge konnten wirklich überzeugen, doch diese Herangehensweise unter Wagner passte nicht zum Verein und auch nicht zum gesamten Kader.
Sandro Wagner wird neuer #FCA-Cheftrainer! 🤝 Der 37-Jährige unterschrieb am heutigen Mittwoch einen Dreijahresvertrag bei Rot-Grün-Weiß und wird im Anschluss an die UEFA Nations League Finals seine Arbeit in Augsburg offiziell zum Start der Vorbereitung aufnehmen! ⚽️
— FC Augsburg (@FCAugsburg) May 28, 2025
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Weber erklärt die Augsburger Scouting-Philosophie
Die Prioritäten des Augsburger Scoutings liegen also auf der Hand. Es ist die Aufgabe der Vereinsverantwortlichen, für diese neue und gleichzeitig altbekannte Spielweise wieder die richtigen Spieler zu finden. Benjamin Weber, Augsburgers Sportdirektor, bestätigte das neuerdings nochmals in einem Interview und sprach davon, dass Charakter immer wichtiger für ihn ist als Talent. Danach wolle der Klub künftig Spieler beobachten, transferieren und eine starke Gruppe bilden. Man wolle starke Charakter auf und neben dem Platz haben, denn Talent hat ab einem gewissen Level laut Weber jeder Spieler.
Diese Aussagen passen auch zu den bislang getätigten Transfers. Mit Michael Gregoritsch wurde ein absoluter Mentalitätsspieler gehalten, der für das Mannschaftsgefüge wichtig ist. Auch Rodrigo Ribeiro bleibt nach seiner letztjährigen Leihe weiterhin in Augsburg. Hinzukommen mit Hennes Behrens (TSG Hoffenheim), Sima Suso (Fortuna Düsseldorf) und Calvin Brackelmann (SC Paderborn) Spieler mit einer gesunden Einstellung, die ebenfalls in diese Strategie passen. Abgerundet wird das Transfergeschehen mit den beiden Jugendspielern Faik Sakar (RB Leipzig U19) und Tom Wisbereit (1.FC Union Berlin U19).
Sollte es der FC Augsburg schaffen, noch mehr Spieler mit passender Mentalität sowie der gleichzeitig vorhandenen Qualität oder zumindest Entwicklungspotenzial zu verpflichten, kehrt der Verein nicht nur zurück zu alten Tugenden. Gleichzeitig schafft sich der Verein so eine stabile Basis für die kommenden Jahre, in denen es gegen die Augsburger weiterhin sehr schwierig werden dürfte zu spielen. Mittelfristig könnte das der Schlüssel für weitere stabile Jahre in der Fußball-Bundesliga werden.
Alle weiteren Aussagen von Benjamin Weber gibt es im Interview bei unserem Kooperationspartner Bulinews.com.
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