Der Afrika Cup 2025/26 ist gespielt und trotz eines dramatischen Finales hat sich am Ende mit dem Senegal ein würdiger Afrika-Cup-Sieger durchgesetzt. Doch schauen wir noch einmal auf das gesamte Turnier zurück. Welche Mannschaften haben über das ganze Turnier am meisten begeistert? Welche vermeintlich kleineren Teams haben möglicherweise sogar überrascht? Und welche Teams sollte man im Auge behalten, auch mit Blick auf die kommende WM?
Das Turnier der Leidenschaft
Spieler, die nach einer Schiedsrichterfehlentscheidung das Spielfeld verlassen, Teams, die ihr letztes Trainingslager in einer Orangenplantage abhalten, Nationen, die wenige Wochen vorher noch mit zwei sich gegenseitig bekämpfenden Trainern antreten, so wie auch Balljungen, die dem Torwart das Handtuch zum Abtrocknen wegnehmen: All das sind Geschichten, die natürlich auch zur vergangenen Afrikameisterschaft dazu gehören.
Dennoch: Man würde einen großen Fehler begehen, den Afrika-Cup nur auf diese Geschichten zu reduzieren und als das vermeintliche "Rockn-Roll-Turnier" zu brandmarken in dem statt VAR-Millimeter-Abseits-Entscheidungen aufgrund irgendwelcher Haarspitzen von Spielern die Trainer auf Elefanten angeritten kommen und jeder dann zum Training kommt, wenn grade die Sonne gut steht.
Denn als jemand, der dieses Turnier, umgeben von frenetisch feiernden ägyptischen Fanmassen von Anfang bis Ende verfolgt hat, gibt es für mich keine Diskussion darüber, dass der Fußball bei diesem Turnier um Längen spritziger, proaktiver und begeisternder war als der Fußball, der beispielsweise größtenteils bei der Euro 2024 gespielt wurde.
Kaum eine Mannschaft spielte, so wie die englische Nationalmannschaft unter Gareth Southgate oder auch zu großen Teilen die französische Nationalmannschaft unter Didier Deschamps bei der vergangenen EM, rein ergebnisorientierten Fußball.
Stattdessen gab es, neben über weite Strecken unbändigem Kampfgeist und Einsatzwillen, in vielen Spielen furiose Ballstafetten, beeindruckende Konterangriffe und Traumtore auf einem Level zu sehen, von dem viele andere Turniere nur träumen können.
When acrobatics meet precision. ⚡
— TotalEnergies AFCON 2025 (@CAF_Online) December 21, 2025
Ayoub El Kaabi delivers the Goal of the Day with a bicycle kick. ⚽🇲🇦#TotalEnergiesAFCON2025 | @1xBet_Eng pic.twitter.com/ubvfbMs0LE
Nahezu jedem Spieler merkte man an, dass es für ihn das Größte war, für sein Heimatland aufzulaufen und die eigenen Fans stolz zu machen, egal, ob man für einen der Favoriten wie Senegal, Marokko oder Nigeria auflief oder eben für einen dieser unzähligen Underdogs wie Tansania, Sambia oder Sudan.
Ein Turnier, wo die Fans für die Spieler an allererster Stelle standen, die es ihnen wiederum mit einem Support dankten, der über weite Strecken atemberaubend und einmalig war.
Darüber hinaus zeigten auch die Favoriten aus Afrika, dass mit ihnen bei der kommenden WM auch im Kampf um den Weltmeistertitel zu rechnen ist.
In teils packenden Duellen gab es kaum einen Favoriten, der es nicht mindestens bis ins Viertelfinale schafte und das mit Fußball auf einem spielerisch wie auch taktischen Niveau, welches auch bei der kommenden WM jeder Top-Nation gefährlich werden könnte.
Doch kommen wir nun zu den 10 größten und positivsten Überraschungen dieses Turniers - und weil wir es sind präsentieren wir euch zuzüglich auch noch 10 der aktuell größten Top-Talente Afrikas, Spieler, die als "Player To Watch" des Turniers vielleicht noch nicht jeder von euch auf dem Zettel hat - die man aber, insbesondere auch im Hinblick auf einen großen Top-Transfer in den nächsten Jahren, mal ganz klar auf dem Schirm haben sollte. Los geht's!
PLATZ 10: TANSANIA
Mit Tansania hätte wohl kaum einer vor dem Turnier gerechnet. Was aber dabei viele nicht wissen ist, dass Tansania trotz der gewaltigen Unruhen im Land, die die Bevölkerung erst kürzlich wieder heimsuchten, zu einem der fußballverrücktesten Länder des Kontinents gehört.
Dies liegt vor allem an den beiden rivalisierenden Top-Clubs Young Africans SC und Simba SC, die regelmäßig um die afrikanische Champions League mitspielen und einen Großteil der Nationalmannschaft stellen.
Diese Basis sorgte auch beim Turnier dafür, dass die Spieler extrem eingespielt und insbesondere in der Defensive extrem schwer zu bespielen waren. Dies bekam zunächst Nachbar Uganda (1 : 1) zu spüren, bevor man sich schließlich mit einem weiteren Unentschieden gegen Mit-Favorit Tunesien sensationell ins Achtelfinale schoss.
Dort konnte man Gastgeber und AFCON-Finalist Marokko ebenfalls lange paroli bieten, einzig und allein ein Tor von Torschützenkönig Brahim Diaz in der 69. Minute sorgte dann schließlich für die Entscheidung.
Als Co-Gastgeber des nächsten AFCONs sollte man Tansania aber definitiv im Auge behalten, auch was künftige Teilnahmen an Weltmeisterschaften angeht, wo man bislang noch nie dabei war. Um bei einem solchen Turnier mithalten zu können, müsste sich allerdings die Offensive noch verbessern, die bei diesem Turnier noch nicht mit der extrem starken Defensive der Taifa Stars mithalten konnte.
Player to Watch: Novatis Miroshi (23, Göztepe Istanbul)
Mit 1.85 Körpergröße ist der defensive Sechser aktuell einer der besten Abfangjäger der gesamten türkischen Liga. Über die heimische Liga früh nach Israel gewechselt, erkämpfte er sich über Belgien und Ukraine schließlich den Stammplatz in einer der kompetitivsten Ligen Europas.
Dabei ist er insbesondere als Zweikämpfer extrem stark, so wie auch als Balleroberer vor Konterangriffen ein echtes Monster. Mit 23 Jahren hat er zudem noch das Potenzial möglicherweise sogar nochmal bei einem größeren Club zu spielen und der vielleicht erste echte internationale Star für das von atemberaubenden Berglandschaften durchzogene Land an der Ostküste Zentralafrikas zu werden.
PLATZ 09: SUDAN
Mit einem Gesamtmarktwert von 2,73 Millionen Euro ist Sudan eines der Länder mit dem geringsten Kadermarktwert, was je bei einem großen Turnier teilgenommen hat. Selbst der Kader von Deutschlands WM-Gruppengegner Curacao (Einwohner etwa so viele wie Potsdam) ist ganze 6 mal so wertvoll wie der Kader von Sudan.
Das liegt allerdings auch an einer politischen Lage, die wenn überhaupt mit der aktuellen Situation in der Ukraine vergleichbar ist. Schon seit Jahren befindet sich das Land in einem ständigen Bürgerkrieg zweier rivalisierender Parteien, zum Teil unterstützt von Saudi Arabien und den USA: Ein Krieg, welcher zu einer der größten humanen Katastrophen unserer Zeit gezählt werden muss, über den aber trotz alledem viel zu wenig geredet wird.
Bereits 2023 musste aufgrund dieses Krieges die gesamte Fußballliga eingestellt werden, einzig und allein die beiden Top-Clubs Al-Hilal und Al Merrikh aus der Hauptstadt Khartum durften aufgrund einer Sonderregelung zunächst in der mauretanischen Liga, dann in der Liga von Ruanda weiter spielen.
Dies und die hohe Anzahl an Spielern, die für den Krieg eingezogen wurden oder als Flüchtlinge ihre Karriere beendeten, sorgte dafür, dass Trainer Kwesi Appiah vor dem Turnier auf nicht einmal 100 (!) Spieler zurückgreifen konnte, die überhaupt in einem regelmäßigen Ligabetrieb tätig waren.
Trotzdem schaffte es der Afrikameister von 1970 (auch aufgrund eines 1 : 0 Sieges gegen den AFCON-Halbfinalisten von 2022 Äquatorialguinea) sensationell in die K.O-Runden des Turniers, wo man sich dann allerdings im Achtelfinale dem späteren Champion Senegal geschlagen geben musste.
Spielerisch konnte man während des Turniers vor allem durch ein hervorragendes Pressing auf sich aufmerksam machen und einer bedingungslosen Leidenschaft, die sich von der ersten bis zur letzten Minute durch das gesamte Team zog: Fußball als etwas, was den Menschen zu Hause zwischen all den unzähligen Todesopfern, die der Krieg mit sich brachte, endlich wieder Freude und Hoffnung geben konnte.
Player To Watch: Musa Ali Hussein (19, Al Merrikh SC)
Als Riesenjuwel des heimischen Clubs Al Merrikh gilt der Flügelflitzer bereits jetzt als eines der größten Talente des afrikanischen Kontinents. Bereits letzten Sommer waren englische Clubs, wie unter anderem der AFC Sunderland und die Queens Park Rangers an dem Stürmertalent dran, womit er der erste sudanesische Spieler gewesen wäre, der direkt aus der Heimat in die Premier League gewechselt wäre.
Leider scheiterte dieser Wechsel an einer fehlenden Freigabe seines Heimatclubs, da sein Vertrag allerdings 2027 ausläuft könnte in dem Fall aufgeschoben nicht gleich aufgehoben sein.
PLATZ 08: DR KONGO
Das was Sudan, die ebenfalls eine hervorragende WM-Qualifikation gespielt hatten, am Ende verwehrt blieb, schaffte dagegen unser Platz 8 unter den großen Überraschungen des afrikanischen Kontinents: Den Einzug in die WM-Playoffs 2026.
In einer Gruppe mit Bolivien und Suriname wird die demokratische Republik Kongo, welche bislang nur einmal (1974 in Deutschland) unter dem Namen Zaire an einer WM teilnehmen konnte, Ende März noch einmal um einen WM-Platz kämpfen.
Doch auch beim Afrika Cup konnte das Team, welches auf dem Weg zur WM 2026 u.a. die beiden afrikanischen Top-Favoriten Kamerun und Nigeria ausschaltete, überraschen. So war man im ganzen Turnier das einzige Team, gegen das selbst der spätere Afrikameister Senegal nicht über ein Unentschieden hinaus kam.
Und genau da liegt auch die Stärke der Kongolesen: Bedingungslose Hingabe, was Laufleistung und Arbeit gegen den Ball angeht, man könnte aktuell sagen - das afrikanische Schalke 04.
Hierbei standen vor allem die beiden Innenverteidiger Chancel Mbemba (OSC Lille) und Axel Tuanzebe (FC Burnley) nur mit einer einzigen Mission auf dem Platz, nämlich jedem Gegner - und sei es ein Sadio Mané - das Leben auf dem Platz so unangenehm wie möglich zu machen.
Doch auch Spieler wie 22-Millionen-Mann Aaron Wan-Bissaka (West Ham) und Stürmer Cedrick Bakambu (Betis Sevilla), der u.a. das zwischenzeitliche 1 : 0 gegen Senegal schoss, konnten bei diesem Turnier begeistern.
Und sein wir mal ehrlich: Auch wenn im Afrikacup-Achtelfinale aufgrund eines Tores in der 119. Minute von Algerien leider Schluss war, hat das Team von Trainer Sebastien Desabre von allen WM-Playoff-Teilnehmern angesichts der Gegner aktuell die besten Chancen, sich im März direkt für das Turnier in den USA zu qualifizieren.
Die noch weitaus größere Party als der AFCON, nämlich als DR Kongo nach über 50 Jahren endlich wieder bei einer WM dabei zu sein, könnte also schon bald gefeiert werden.
Player To Watch: Noah Sadiki (21, AFC Sunderland)
Als eines der vielversprechendsten Premier-League-Talente ist der 21Jährige defensive Mittelfeldspieler schon jetzt einer der spannendsten jungen Spieler Afrikas. Insbesondere sein taktisches Verständnis, seine Laufleistung und seine Vielseitigkeit (vom klassischen Sechser bis zum offensiven rechten MIttelfeldspieler) stechen hier besonders hervor.
Über Union St. Gilloise kam er 2025 zum Premier-League-Aufsteiger und ist dort laut Transfermarkt mit 25 Millionen Euro der zweitwertvollste Spieler hinter dem Senegalesen Habib Diarra. Des Weiteren ist kaum ein anderer Spieler so verantwortlich für das gerade zu Beginn der Saison herausragende Comeback der Black Cats.
PLATZ 07: BENIN
Eine der wildesten Geschichten rund um den diesjährigen Afrika Cup ist allerdings die von Benin rund um den deutschen Trainer und ehemaligen Bayern-Spieler Gernot Rohr.
Als zweitkleinstes Land des Turniers nach Äquatorialguinea konnte der Coach, der von 2016-2021 schon überragende Arbeit bei Nigeria geleistet hat, auch beim diesjährigen AFCON mit dem Einzug in die K.O-Runden mehr als nur überraschen.
Und nicht nur das: Auch dort brachte man das ägyptische Team rund um Mo Salah nach 90 Minuten mit ständigen Konterangriffen an den Rand einer Niederlage, einzig und allein in der Verlängerung fehlten dann letztendlich doch die nötigen Körner für einen Einzug ins Viertelfinale.
Auch neben dem Trainer gibt es eine fast schon historische Verbindung zwischen Benin und Deutschland, von Vereinslegenden wie Cebou Souko (VFL Bochum, Arminia Bielefeld) und MIckael Poté (Dynamo Dresden) bis hin zu Spielern wie Steve Mounié (FC Augsburg), die auch heute noch eine wichtige Rolle in der Nationalmannschaft Benins spielen
Auch in der WM-Quali präsentierte man sich sensationell punktgleich mit Top-Favorit Nigeria auf dem dritten Platz und nur einem Punkt hinter Tabellenführer Südafrika. Könnte Benin daher das nächste Team aus Afrika sein, was man im Hinblick auf kommende Weltmeisterschaften durchaus mal auf dem Zettel haben sollte?
Player To Watch: Tosin Aiyegun (27, FC Lorient)
Durchaus besorgt war man von Seiten der Benin-Fans als klar wurde, dass einer der größten Stars des Teams, nämlich St. Pauli Stürmer Andreas Hountondji, verletzungsbedingt nicht zum Turnier anreisen konnte.
Diese Sorgen machte der Stürmer Tosin Aiyegun schnell vergessen, spätestens als er das entscheidende 1 : 0 beim Sieg gegen Botswana vorlegte. Auch sonst war Aiyegun einer der gefährlichsten Spieler Benins, insbesondere bei Konterangriffen. Umso bitterer, dass er dann ausgerechnet im Achtelfinale gegen Ägypten aufgrund einer Knöchelverletzung frühzeitig vom Platz musste. Wer weiß, wohin die Reise für Gernot Rohrs Beniner sonst noch gegangen wäre.
PLATZ 06: ELFENBEINKÜSTE
Auch wenn das Ergebnis für den AFCON-Sieger von 2024 Elfenbeinküste (Aus im Viertelfinale gegen Ägypten) am Ende etwas enttäuschte, konnte man dennoch grade offensiv durchaus überzeugen. Hier überraschte insbesondere die grade mal 19jährige Bundesliga-Flügelzange aus Yann Diomandè (RB Leipzig) und Bazoumana Touré (TSG Hoffenheim), die neben Manchester Uniteds Amad Diallo beide im Achtelfinale (3 : 0 gegen Burkina Faso) trafen.
Was allerdings überraschte war die defensive Anfälligkeit der Elephants, insbesondere bei Konterangriffen. Hier hatten viele Experten Deutschlands WM-Gruppengegner weitaus stabiler erwartet.
Insbesondere beim Ausscheiden gegen Ägypten kam es hier wiederholt zu hochgefährlichen Konterangriffen, wo man das Sturmduo Marmoush-Salah teilweise versuchte, mit Raumdeckung und Nach-Außen-Schieben der Innenverteidiger aufzuhalten, was den beiden Premier-League-Stürmern Freiräume gewährte wie gegen kaum ein anderes Team.
Diese Schwachstelle könnte auch für Julian Nagelsmann und das DFB-Team noch interessant werden, welches mit Spielern wie Jamal Musiala, Lennart Karl, Serge Gnabry oder Karim Adeyemi ja ebenfalls über extrem starke 1-gegen-1-Spieler verfügt.
Das gilt allerdings auch umgekehrt, denn das zeigte sich sowohl gegen Ägypten als auch beim 2 : 3 Sieg gegen Gabun: So unsicher das Team der Elfenbeinküste teilweise defensiv stand, so gnadenlos war man jedoch darin, defensive Schwächen des Gegners sofort auszunutzen und in Tore umzumünzen. Hier werden auch die deutschen Verteidiger bei der WM extrem aufpassen müssen.
Player To Watch: Yann Diomandé (19, RB Leipzig)
Auch wenn hier ein anderer Call vielleicht spannender gewesen wäre, führt hier kein Weg an dem Leipziger Flügelstürmer vorbei - einem Spieler der jetzt schon Ansätze zeigt, eines Tages in die Riege Yaya Touré oder Didier Drogba hervorzustoßen.
Denn wohin soll die Reise sonst gehen, wenn ein 19jähriger gleich bei seinem ersten großen afrikanischen Turnier die meisten erfolgreichsten Dribblings macht, in nahezu jedem Spiel Großchancen kreiert und auch in der Bundesliga bereits jetzt bei 8 Scorern in 16 Spielen steht: Diomandé - defintiiv eines der unfassbarsten Talente Afrikas und aktuell einer der spannendsten jungen Spieler der Bundesliga. Kein Wunder, dass ihn bereits jetzt Top-Vereine wie Manchester United und der FC Liverpool unbedingt als nächsten Youngstar verpflichten wollen:
🚨🎙️𝗤𝗨𝗢𝗧𝗘 - Yan Diomande:
— LFC Transfer Room (@LFCTransferRoom) January 10, 2026
"I want to play at Anfield, I want to play for Liverpool. Im a big Liverpool fan. My father's dream is to see me play for Liverpool." pic.twitter.com/1deE6w9zu2
PLATZ 05: MALI
So sehr der diesjährige Afrika-Cup spielerisch und taktisch begeisterte, gab es bei diesem Turnier wenige klare Überraschungen, wie z.B. der Einzug ins Halbfinale von Äquatorialguinea im vorherigen Afrika Cup.
Eine kleine Überraschung war aber dennoch der Einzug Malis in Viertelfinale. Auf dem Weg dorthin konnte man zunächst Finalist Marokko ein 1 : 1 abtrotzen, bevor man mit Tunesien anschließend noch einen weiteren Favoriten (und WM-Teilnehmer 2026) aus dem Wettbewerb warf.
Vor dem Turnier galt Mali ein bisschen als das Belgien Afrikas, mit seiner aktuellen goldenen Generation immer irgendwie Geheimfavorit, um dann am Ende aber Jahr für Jahr wieder im Viertel- oder Halbfinale auszuscheiden.
Gleiches gilt für die WM-Qualifikationen, wo die Sehnsucht nach einer Teilnahme im Land mittlerweile unermesslich ist, sieht man sich auf dem Papier doch eigentlich schon lange auf Augenhöhe mit den anderen Giganten aus Westafrika Elfenbeinküste, Ghana oder Senegal.
Da einige bekannte Stars vor dem Turnier verletzt oder zurück getreten waren, war der Druck für Trainer Tom Saintfield, der gefühlt jedes zweite Land in Afrika schon mal trainiert hat, bei diesem Turnier allerdings noch vergleichweise gering.
Umso überraschender waren dann die starken Leistungen um die Ex-Bundesligastars Amadou Haidara (RB Leipzig) und El Bilal Touré (VFB Stuttgart), die dafür sorgten, dass man sich im Viertelfinale dann auch selbst gegen Afrikameister Senegal (0 : 1) denkbar würdig aus dem Turnier verabschiedete.
Player To Watch: Mamadou Sangaré (23, RC Lens)
Für viele war Lassine Sinayoko, der in der Gruppenphase ganze 3 Tore schoss, der auf dem ersten Blick stärkste Spieler für Mali. Nur wie ist es so oft im Fußball? Jeder gute Stürmer brauch eben auch einen Denker und Lenker im Mittelfeld, der Angriffe einleitet und das Spiel dirigiert.
Dies war in diesem Turnier ohne Zweifel Mamadou Sangaré, der bei diesem Turnier schon fast so etwas wie der afrikanische Vitinha war, unglaublich pressing-resistent, mit einer unfassbaren Ruhe am Ball gesegnet und jedes Mal hochgefährlich, wenn er einen seiner Steckpässe nach vorne spielte.
Dass er zudem ein Spieler ist, der definitiv im nächsten Sommertransferfenster nochmal ein ganz heißes Thema auch für die ganz großen Clubs werden könnte, beweist zuzüglich auch noch die Tatsache, dass er mit seinem Club RC Lens derzeit auf Platz 1 der französischen Liga steht - vor dem Ligagiganten Paris St. Germain.
PLATZ 04: MAROKKO
Gastgeber Marokko galt für viele als einer der absoluten Top-Favoriten auf den Titel. Dennoch hieß es laut dem Verband, dass selbst das Heimturnier, wie auch die WM 2026, nur ein Zwischenschritt wäre: Das ganze große Ziel ist die Weltmeisterschaft 2030, bei dem man gemeinsam mit Spanien und Portugal Gastgeber ist. Dort den ersten WM-Titel für Afrika zu holen, ist und bleibt das ganze große Ziel der Atlaslöwen.
Von der Geschichte ist Marokko aktuell etwa das, was Spanien rund um 2008 war: Heimat zwei der größten Vereine Afrikas (Wydad & Raja Casablanca), das Team mit dem auf dem Papier besten Kader, aber dennoch ein Team ohne große Titel-Historie.
Einzig und allein 1967 konnte man den Afrika Cup gewinnen, seither war man nur ein einziges Mal im Endspiel, verpasste 2010 sogar die Qualifikation für die erste Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent. Bei der WM 2022 schaffte man schließlich das Halbfinale als erste afrikanische Mannschaft aller Zeiten, ein Erfolg, dem allerdings ein langer Plan vorausging.
Bis zu 85 Millionen Dollar investierte man nach der Nicht-Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika für die King Mohammed Football Academy.
Diese gilt mittlerweile als eine der besten Nachwuchsakademien der Welt, nicht zuletzt kommen aus ihr ein Großteil der heutigen Stars wie Nayef Aguerd, Azzedine Bouanani und Youssouf En-Nesyri. Auch die aktuelle junge Generation rund um Anass Salah-Eddine, Abdellah Ouazane und Gessime Yassine wurden u.a. vor kurzem U20-Weltmeister, nach Ghana erst die zweite afrikanische Mannschaft, die das jemals geschafft hat.
The journey complete. 🏆
— FIFA World Cup (@FIFAWorldCup) October 20, 2025
Morocco are World Champions for the first time.#U20WC #LegendsInTheMaking pic.twitter.com/9SuQD4l41A
Und dennoch konnte man selbst im eigenen Land den Titel nicht holen, in einer Situation die dramatischer nicht hätte sein können.
Denn nachdem Marokko kurz vor Ende des Spiels einen umstrittenen und vielleicht ungerechten Elfmeter zugesprochen kam, verließ darauf hin die gesamte senegalesische Mannschaft aus Protest den Platz. Erst Kapitän Sadio Mané holte die Mannschaft wieder zurück, woraufhin ein gescheiterter Panenka-Elfmeter ausgerechnet von Torschützenkönig Brahim Diaz (Real Madrid) letztendlich dafür sorgte, dass man nun doch wieder warten muss - auf den ersten Afrika-Cup-Sieg seit 60 Jahren. Oder vielleicht sogar auf den ersten WM-Titel für Afrika?
Die aktuelle Generation rund um Achraf Hakimi, plus die Generation, die aktuell nachkommt, könnten auf jeden Fall vermuten lassen, dass Marokko aufgrund ihrer hervorragenden Nachwuchsarbeit in den nächsten Jahren nur noch stärker und stärker wird. Und wer weiß, was dann noch passieren kann.
Player to Watch: Bilal El-Khanouss (21, VFB Stuttgart)
Im Gegensatz zu dem aktuell etwas strauchelnden Leverkusen-Youngstar Eliesse Ben-Seghir zeigte Stuttgart-Neuzugang Bilal El-Khanouss auch beim Afrika Cup was für ein gewaltiges Potenzial in ihm steckt. Der offensive Mittelfeldspieler stand in allen entscheidenden Spielen vom Achtelfinale bis zum Finale in der Startelf, zumeist als die entscheidende Verbindungsstation zwischen Zentrale und Offensive.
Auch beim VFB Stuttgart erzielte er bereits 6 Scorer in 12 Spielen, eine beeindruckende Quote für einen Neuzugang. Kein Wunder, dass ihn bereits jetzt Premier-League-Vereine wie Newcastle United auf dem Zettel haben. Schließlich hat man dort ja auch erst kürzlich schon gute Erfahrungen mit jungen Stuttgart-Spielern gemacht (Grüße an Nick Woltemade:).
PLATZ 03: ÄGYPTEN
Ganz im Gegensatz zu Marokko ist Ägypten, was den Afrika Cup angeht, ein Team mit einer großen Geschichte: Ganze sieben mal konnte man den Titel gewinnen und war sogar beim zweiten WM-Turnier der Geschichte 1934 als erste afrikanische Mannschaft mit dabei.
Insbesondere das Team der Zehnerjahre gilt mit drei Afrika-Cup-Siegen am Stück als goldene Generation rund um Superstars wie Mohamed Zidan und Ahmed El Mohamady.
Auf diese sollte nun eigentlich die nächste noch goldenere Generation rund um Omar Marmoush (Manchester City) und insbesondere Mo Salah (FC Liverpool) folgen, doch trotz eines beeindruckenden Runs bis ins Halbfinale verpasste man wieder mal das Finale und damit die wahrscheinlich letzte Chance für Mo Salah, seine Titelsammlung auch auf Nationalmannschaftsebene nochmal zu krönen.
Im Gegensatz zu den anderen Top-Favoriten kommen bis auf Salah und Marmoush aber nahezu alle Spieler aus den drei heimischen Top-Vereinen Al-Ahly, Pyramids FC und Zamalek SC - Vereine, die allerdings in Afrika auch in etwa das sind, was Real Madrid, Atletico und der FC Barcelona in Europa sind.
Alle drei Vereine spielen regelmäßig um die afrikanische Champions League mit, ganz vorne Al-Ahly mit insgesamt 12 Champions-League-Titeln, das Team was natürlich auch die meisten Nationalspieler stellte.
Und eigentlich sollte bei diesem Turnier alles viel besser werden, insbesondere nach dem beeindruckenden Sieg gegen die Elfenbeinküste im Viertelfinale. Erst als es zu dem Battle der beiden aktuell besten Fußballer Afrikas Sadio Mané und Mo Salah kam, war es ausgerechnet Mané, der mit seinem 1-zu-0-Tor die Träume der Ägypter und Mo Sallah's abermals begrub.
Nun heißt es: Sich einmal durchschütteln und vielleicht bei der WM 2026 das nächste Marokko werden - das Team aus Afrika, was alle überrascht. Mit einer mit Belgien, Iran und Neuseeland vermeintlich leichten WM-Gruppe stehen die Voraussetzungen dafür auf jeden Fall schon mal sehr gut.
Player to Watch: Marwan Attia (27, Al-Ahly FC)
In nahezu jeder Situation gegen den Ball zu sehen, war Marwan Attia insbesondere in Spielen, wo man tief stand, der wichtigste Spieler im ägyptischen Kader. Hinzu zeigte er beim vergangenen Turnier auch noch eine herausragende Flexibilität.
Immer dann, wenn man eigentlich mit einem Konterangriff über Marmoush oder Salah rechnete, stieß er plötzlich selbst als klassischer Box-to-Box-Spieler nach vorne was im Viertelfinale gegen die Elfenbeinküste in einem wunderschönem Tor endete.
Aktuell ist es so, dass sich die meisten ägyptischen Spieler sehr mit ihren Heimatvereinen identifizieren und auch die Gehälter dort sehr hoch sind, daher ist es für die meisten Spieler gar nicht so attraktiv nach Europa zu kommen, um dann womöglich nur Reservespieler bei einem Top-Verein zu sein.
Marwan Attia wäre allerdings jemand, der diesen Sprung nochmal machen könnte und ähnlich wie Sofiane Amrabat für Marokko (zum Beispiel nach einem Überraschungserfolg der Ägypter bei der WM 2026) auch in Europa noch einmal eine spannende Karriere machen könnte. Denn so viele Spieler, die a la Rodri oder Declan Rice die Sechser- und Achterrolle im Mittelfeld auf dem Niveau spielen können, gibt es in Europa aktuell nicht.
Daher: Augen auf an alle FM-Spieler.
PLATZ 02: NIGERIA
Wenn es um das offensiv stärkste Team des diesjährigen Afrika Cups geht, führt jedoch kein Weg an der Mannschaft rund um die beiden Superstars Victor Osimhen (Galatasaray) und Ademola Lookman (Atalanta Bergamo) vorbei.
Und das obwohl das Team von Eric Chelle zuletzt eine der härtesten Rückschläge der Geschichte erleben musste: Das Verpassen der WM 2026 - und das trotz einer so goldenen Generation, die auch in der Tiefe so stark besetzt ist, dass man Spieler wie den langjährigen Premier-League-Star Simon Adingra (AFC Sunderland, Ex-Brighton) sogar einfach mal zu Hause lassen konnte.
Auch die Gruppenphase dominierte man als einziges Team (neben Algerien) mit drei Siegen komplett, worauf ein furioses 4 : 0 im Achtelfinale gegen Burkina Faso folgte, bei dem man das vermeintlich defensivstärkste Team des Turniers rund um Leverkusen-Abwehrchef Edmond Tapsoba komplett an die Wand spielte.
Erst im Elfmeterschießen gegen den Gastgeber scheiterte man dann in letzter Sekunde (so wie auch Spanien schon zuvor bei der WM 2022) an Marokkos Torwartgigant Bono, der wieder einmal bewies, warum er schon seit Jahren als einer der besten Torhüter der Welt gilt.
Player To Watch: Raphael Onyedika (24, FC Brügge)
Noch immer fragt man sich, wie es eigentlich sein kann, dass mit Onyedika eins der größten Mittelfeldtalente Europas immer noch "nur" in Brügge spielt. Schon vergangenen Sommer waren Top-Clubs wie der AC Milan, Galatasaray und Aston Villa an dem Super-Eagles-Star dran, dennoch sollte es abermals nicht zu einem Wechsel kommen.
Beim vergangenen Afrika-Cup zeigte Onyedika aber noch einmal mehr, dass es keinen Osimhen und keinen Lookman gibt ohne dieses Passmonster im Mittelfeld, der hinzu schon fast Toni-Kroos-artig eine beeindruckende Ruhe ausstrahlt wie kaum ein anderer afrikanischer Spieler aktuell.
Dazu ist er auch noch offensiv gefährlich, wie seine 2 Tore innerhalb von 5 Minuten im Spiel gegen Uganda zeigten, wo er auf einmal selber zum Ademola Lookman wurde und komplett aufdrehte:
Onyedika, oder Dikki, wie ihn die Fans nennen: Der perfekte Dirigent im Mittelfeld und insbesondere für Ballbesitzmannschaften mit torgefährlichen Stürmern ein absoluter Traum.
PLATZ 01: SENEGAL
Und schließlich wäre da noch der Turniersieger, wo man in dem Fall nur sagen kann: Absolut zu Recht. Mit drei Siegen zeigte man schon in der Gruppenphase, dass Senegal das Team in diesem Turnier sein würde, was es zu schlagen galt, am Ende sogar für Gastgeber Marokko.
Insbesondere Ex-Bayern und Liverpool-Star Sadio Mané blühte hier auf eine Weise auf, wie man es schon seit langem nicht mehr gesehen hat, doch auch andere Starspieler wie Innenverteidiger Moussa Niakhaté (Olympique Lyon), Pape Gueye (FC Villarreal) oder auch Final-Siegtorschütze Idrissa Gueye (FC Everton) zeigten hier noch einmal, was es ihnen bedeutete, ihr Heimatland nochmal zu einem großen Titel zu schießen.
Was bei Senegal aber vor allem heraus stach, war die unglaublich intensive Arbeit gegen den Ball. In jeden Ball wurde sich reingeworfen, Stürmer wurden mal für mal gnadenlos abgelaufen und insbesondere das Positionsspiel im hinteren Drittel war auf eine Art und Weise perfekt, dass selbst ein Pep Guardiola neidisch geworden wäre.
Kurz gesagt: Bei diesem Team traf afrikanische Leidenschaft auf europäische Perfektion, die Senegal auch ganz klar zu einem der erweiterten Favoriten für den WM Titel 2026 macht - ein Land mit grade mal 19 Millionen Einwohnern, wo man aber dennoch keine zwei Meter an einem Strand entlang laufen kann ohne spielende Kinder zu sehen, die mit einem Ball am Fuß an der Küste entlang jagen: Ein Land, was irgendwann gemerkt hat, dass man mit der Bereitschaft groß zu träumen aber dennoch alles für seinen Traum zu geben, alles erreichen kann.
In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch an Senegal, den völlig verdienten Afrika-Meister 2025/26.
Player To Watch: Ibrahim Mbayé (17, Paris St. Germain)
Auch wenn kaum eine afrikanische Nation derzeit mit so vielen herausragenden jungen Talenten bestückt ist, ist es dennoch Ibrahim Mbayé auf den aktuell alle Augen gerichtet sind - ein Spieler, der bereits jetzt beim aktuellen Champions-League-Sieger Paris St. Germain in der ersten Mannschaft spielt, beim Afrika Cup neben regelmäßigen Einsätzen auch ein wunderschönes Tor gegen den Sudan schoss und alle Voraussetzungen dafür hat der nächste ganz große Superstar Afrikas zu werden.
Hier trifft herausragende Dribbling-Technik auf Geschwindigkeit und Torgefahr, die teilweise schon fast an Lamine Yamal erinnert, hinzu spielt er bei einem der wenigen Top-Vereine, die mittlerweile ganz klar auf hochtalentierte Eigengewächse setzen und bereit sind, diese auch auf der ganz großen Bühne spielen zu lassen. Ibrahim Mbayé daher vielleicht schon bald der neue Sadio Mané?
Für uns auf jeden Fall der aktuell spannendste und vielversprechendste junge Spieler Afrikas.



