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1. FC Köln: Kwasniok bald vor dem Aus?

1. FC Köln: Kwasniok bald vor dem Aus?

Schon vor der Saison wusste man in Köln, mit Lukas Kwasniok einen Trainer geholt zu haben, der anders ist als viele anderen Trainer: Weniger glattgebügelt, weniger dem typischen modernen Mainstream-Laptop-Trainer entsprechend, aber dennoch ein Trainer, der bereits in Paderborn bewiesen hat, jemand zu sein, der wie kaum ein anderer Energie und Siegeswillen in eine Mannschaft bringen kann. (Bild: IMAGO / Beautiful Sports International)

Kwasniok, der neue Baumgart - jemand, der (wie man in Bayern sagt) "sich nichts scheißt", sondern stets offen und ehrlich sein Herz auf der Zunge trägt: Eigentlich doch das perfekte Match für den Effzeh? Dachte man.

Denn trotzdem - und trotz des hervorragenden Saisonstarts - sehen viele Fans die Zusammenarbeit zwischen Lukas Kwasniok und dem 1. FC Köln jetzt schon als gescheitert an. Verschiedene Gründe, auf und neben dem Platz, trugen hier zu bei, nicht zuletzt eine weitere 1 : 2 Niederlage gegen den SC Freiburg und das damit (den Sieg gegen Mainz am 17. Spieltag ausgenommen) neunte Spiel ohne Sieg.

Hier 6 Gründe, warum es mit dem 1. FC Köln und Lukas Kwasniok bislang noch nicht perfekt zu matchen scheint:

1. ZU HOHE ERWARTUNGEN

"Hauptsache am Ende vor Gladbach stehen", das waren Kwasnioks scherzhafte Worte zu Beginn der Saison. Nun, wenn man dies betrachtet, hat der Coach eigentlich bislang alles richtig gemacht, steht man doch nachwievor, wenn auch punktgleich, einen Platz vor dem Erzrivalen vom Niederrhein.

Auch sonst kann man einen 10. Platz in der Tabelle aktuell eigentlich nur mit dem Attribut "Erwartungen übertroffen" bewerten. Zur sportlichen Wahrheit gehört allerdings auch, dass man aktuell näher am Relegationsplatz steht (5 Punkte Abstand) als an einem Europa-Platz (7 Punkte). Dennoch gab es sicherlich wenige Köln-Fans, die nach dem Aufstieg einen Platz 10 in der Bundesliga vor der Saison nicht sofort gekauft hätten.

Die Gründe für die Probleme rund um Kwasniok scheinen also über das rein Sportliche hinaus zu gehen und sicherlich auch dem hervorragenden Saisonstart, wie auch der danach plötzlichen negativen Kehrtwende geschuldet zu sein.

War man hier nach dem, für Köln-Verhältnisse, Megastart insbesondere nach dem furiosen 4 : 1 Sieg gegen den SC Freiburg in der Hinrunde vielleicht schon etwas zu sehr am Träumen?

2. MERKWÜRDIGE AUFSTELLUNGEN

Mit das Wichtigste beim 1. FC Köln scheint allerdings auch nach wie vor zu sein, dass der Plan des Vereins und des Trainers für die Fans greifbar bleibt.

Dies war unter Kwasniok diese Saison nicht immer der Fall. Kaum einen Spieltag konnte man gefühlt vorhersehen, welche Spieler Kwasniok denn diesmal aufstellen oder mit welchem System er spielen würde.

Vieles wirkte hier sehr aus dem Bauch heraus entschieden. Auch gab es viele Momente, wo der Trainer seine Fehler selbst eingestand und die Aufstellung, z.B. aufgrund eines Rückstandes, während eines Spieles selbst wieder richtig stellte.

Dies hatte zur Folge, dass man viele Spiele erst in aller letzter Sekunde gewinnen konnte, u.a. gleich zu Anfang das Pokalspiel gegen den Drittligisten Jahn Regensburg, welches nur dank zweier Tore in der 8. und 9. Minute der Nachspielzeit mit einem 2 : 1 Sieg nicht in einer kompletten Blamage endete.

Auch die Grundformationen wechselte Kwasniok wie gefühlt andere ihre Unterhose. Vom 4-3-3-System (z.B. am 2. Spieltag gegen Freiburg) bishin zu einem 4-2-2-2 bzw. kurz darauf einem völlig anderen deutlich defensiveren 3-4-3 (wie bei der 0:1-Niederlage gegen Dortmund) war hier so ziemlich alles dabei, was auf eine Taktiktafel passt. Auch die Erklärungen nach den Spielen wirkten hier nicht immer schlüssig.

Denn natürlich muss ein Trainer seine Aufstellung auch immer ein Stück weit an den Gegner anpassen, wenn allerdings eine Niederlagenserie aufgrund einer allgemeinen Unsicherheit in der Mannschaft zu erkennen ist, sollte für jeden Trainer zunächst Priorität haben, klare Abläufe und Struktur zu schaffen. Dies ist bei ständig wechselnden Aufstellungen und Formationsveränderungen, teilweise mitten im Spiel, natürlich schwierig.

3. VERLETZUNGEN

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass viele von Kwasnioks Startaufstellungen, wie z.B. Tom Krauß auf der Linksverteidigerposition, auch der hohen Anzahl an Verletzungen insbesondere in der Defensive geschuldet waren.

Grade die schwere Knieverletzung von Abwehrchef Timo Hübers wog hier besonders schwer, doch auch andere Verletzungen wie die von Dominique Heintz, Luca Kilian, Joel Schmied und Rav van den Berg spielten hier eine große Rolle.

Gegen die Bayern spielte man mit Winterneuzugang Jamai Simpson-Pusey beispielsweise nur mit einem einzigen Innenverteidiger, wo es fast schon einem Wunder gleich kommt, in diesem Spiel "nur" drei Gegentore kassiert zu haben.

Kein Wunder, dass Kwasniok in seinen PKs auch oft das Thema Belastungssteuerung erwähnt - gern auch mal mit für die etwas sensiblere FC-Köln-Fan-Seele deftigeren Aussagen, wie (im Fall Cenk Özkazar):

"Wenn ich ihn aktuell 90 Minuten spielen lasse, kann ich ihn danach mit einem Ganzkörperkrampf vom Platz tragen."

4. KOMMUNIKATION NACH AUSSEN

Und da kämen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt, warum die Kritik an Lukas Kwasniok trotz des nach wie vor guten Tabellenstands nicht leiser wird: Seine Kommunikation nach Außen wirkt für viele Fans des heutigen glattgebügelten Profi-Fußballs ein bisschen aus der Zeit gefallen.

Denn auch wenn der ein oder andere, mir inklusive, eine gewisse Rawness im Profi-Fußball immer wieder mal ein bisschen vermisst:

Wir leben anno 2026 nun mal nicht mehr in Zeiten von Ede Geyer, wo man sich mit PK-Aussagen wie "manche Spieler haben die Einstellung zum Profisport wie die Nutten auf St. Pauli", "Da kann ich auch meine Frau hinten reinstellen" oder "gegen mein Training ist die Bundeswehr wie Urlaub" lange auf einem Trainerstuhl halten kann.

Ganz so deftig waren die Aussagen von Lukas Kwasniok freilich bislang nicht, trotz alledem war er schon als Trainer des SC Paderborn dafür bekannt, nicht selten auch mal einzelne Spieler, wenn nicht sogar die ganze Mannschaft anzuzählen.

Das mag in Paderborn funktioniert haben, so mancher Köln-Fan fand das allerdings die letzten Monate nicht immer so ganz lustig. Hinzu kommt, dass Kwasniok vor Köln noch nie einen Bundesliga-Club trainiert hat, Sprüche, wo er zu sehr austeilt, ihm daher nicht selten auch mal als arrogant ausgelegt werden.

Auch zeigte er sich - selbst nach Fanplakaten wie "KWASNI YOK", was auf türkisch so viel wie "Kwasniok nicht" bedeutet, nur wenig kritikfähig, was sein Standing bei den Fans auch nicht grade leichter machte.

5. DER FALL WALDSCHMIDT

Hinzu kamen schließlich noch Unruhen in der Kabine, nicht zuletzt die Degradierung von Stürmer und Führungsspieler Luca Waldschmidt. Dieser hatte sich zuvor bei einem autorisierten (!) Interview über zu wenig Einsatzzeiten beklagt, woraufhin Kwasniok zunächst sehr dünnhäutig reagierte und ihn kurzerhand aus dem Kader warf.

Hier hätte er vielleicht mal ein paar Meilen nach Norden zu seinem Trainerkollegen Niko Kovac schauen sollen, der vor ein paar Wochen eine ähnliche Situation mit seinem Abwehrchef Nico Schlotterbeck elegant mit den Worten "genau diese Gier will ich von meinen Spielern sehen" wegmoderierte.

Mit der kurzzeitigen Degradierung von Luca Waldschmidt hat sich Kwasniok ein Stück weit selbst unnötig unter Druck gebracht, da er dadurch etablierte Spieler wie Waldschmidt oder auch den ehemaligen Kapitän Florian Kainz gegen sich aufbrachte: Eine Drucksituation, die der Trainer am Ende selbst nur noch lösen konnte, in dem er schnell den Schritt zurück machte, Waldschmidt wieder zurück holte, um ihn schließlich nach seinem Tor vor allen Kameras abzuklopfen und zu herzen: Eine Aktion, wo sich so mancher Köln-Fan danach auch fragte: Willst du hier stur dein Ding durchziehen oder ist für dich am Ende doch nur die Anerkennung der Fans wichtig?

DER FALL EL-MALA

Der schwierigste Fall in der Kommunikation von Lukas Kwasniok ist und bleibt allerdings der Fall Said El-Mala. Der letzte Saison noch in die dritte Liga verliehene Shooting-Star ist aktuell wahrscheinlich der beste Spieler des Effzehs seit Lukas Podolski, rettet er doch Spiel für Spiel der Mannschaft wichtige Punkte und ist zuzüglich noch Liebling aller Fans.

Dennoch wirkte es zum Teil so, dass Kwasniok den (mittlerweile) deutschen Nationalspieler absichtlich nicht voran kommen lassen wollte, mit teilweise wechselnden Begründungen von "ich möchte nicht derjenige sein, der ihn verheizt. Am Ende bin ich Wegbegleiter und nicht Fan" bis hin zu "seine Stärken kommen immer dann am Besten zur Geltung, wenn die Gegner müde gelaufen sind."


Denn klar ist auch, dass ein Spieler mit der Qualität eines Said El-Mala wahrscheinlich nur noch bis zum Ende der Saison für die Kölner spielen wird ehe es zu einem größeren Verein geht. Da scheint es nur logisch, dass viele sich sagen: Warum nicht diesen Glücksfall maximal ausnutzen und El Mala jedes Spiel für 90 Minuten spielen lassen?

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass El Mala trotz seiner immensen Torgefahr noch Luft nach oben in der Arbeit gegen den Ball hat. Vielleicht der eigentliche Grund für Kwasniok, ihn oft erst nach 60 Minuten kommen zu lassen, den er sich nur nicht traut auszusprechen?

Auch hier gingen diverse Hin-und-Her-Entscheidungen und unklare Aussagen ein Stück weit auf Kosten von Kwasnioks eigener Authentizität, etwas, wo der auch durchaus polarisierende Ex-Köln-Trainer Steffen Baumgart dann doch konsequenter und klarer in seiner Kommunikation agierte.

Nur Punkte helfen aktuell
Leon Buche

Leon Buche

Klar ist, dass jedes weitere verlorene Spiel das Standing von Lukas Kwasniok beim Effzeh nicht stärkt. Allerdings wusste man auch vor seiner Verpflichtung schon, was für eine Art Charakter man sich hier nach Köln holt, sollte daher, sollte das Team nicht in ernsthafte Abstiegsgefahr geraten, jetzt auch dazu stehen.

Kwasniok hingegen sollte, so unterhaltsam es für Fans und Medien ist, vor so mancher Aussage vielleicht doch mal seinen Medienberater zu Rate ziehen oder sich mal ein paar Tipps von Vincent Kompany holen, wie man es schafft, sympathisch und trotzdem authentisch rüber zu kommen, ohne dabei so zu polarisieren.

Denn klar ist auch, dass die Zeiten von Trainerpersönlichkeiten wie Ede Geyer, Christoph Daum, Hans Meyer oder Jürgen Klopp ein Stück weit vorbei sind und anno 2025 jedes Wort auch aufgrund von Social Media nochmal mehr auf die Goldwaage gelegt wird.

Hier vielleicht zumindest in der Anfangszeit die ein oder andere Pressekonferenz etwas passiver zu gestalten, könnte daher schon helfen, so wie natürlich: schnellstmöglich wieder Siege und Punkte.

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