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Kann Dieter Hecking den VfL Wolfsburg retten?

Kann der VFL Wolfsburg wirklich absteigen? Im Moment sieht es so aus, nun aber soll wieder einmal Dieter Hecking das sinkende Schiff retten. Ob "The King", der mit dem VFL Wolfsburg 2015 noch den DFB-Pokal gewinnen konnte, das gelingt. Mit dem anderen VFL aus Bochum im letzten Jahr gelang ihm dieses Kunststueck auf jeden Fall nicht,
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 10 März 2026, 11:44

Der VFL Wolfsburg ist 2025/26 in seine 30. Bundesligasaison gegangen. Doch statt dieses Jubiläum zu feiern, muss man sich nun mit knallhartem Abstiegskampf zufrieden geben. Auf Platz 17 steht man aktuell in der Liga, die Fans haben sich groeßtenteils abgewandt und nun sind auch noch Sportdirektor Peter Christiansen und Trainer Daniel Bauer weg. (Bild: IMAGO / Darius Simka)

Einziger Trost: Mit Dieter Hecking hat man nun einen erfahrenen Trainer zurueck ins Boot geholt, einen Trainer, mit dem man bereits den DFB Pokal gewonnen hat und Vizemeister geworden ist. Hier unsere Einschaetzung der Situation in Wolfsburg:

Offensive Ineffizienz meets fehlende Mentalität

Als die Saison begann, waren die Erwartungen beim VfL Wolfsburg hoch. Intern galt ein Platz im europäischen Geschäft als realistisches Ziel, zumindest wollte man sich im oberen Tabellenmittelfeld etablieren. Doch gut zwei Monate vor Saisonende steht der Klub plötzlich auf einem Abstiegsplatz.

Dabei gehört der Wolfsburger Kader weiterhin zu den teuersten der Liga. In der Marktwert-Rangliste liegt der VfL Wolfsburg mit 250 Millionen Euro Gesamtwert auf Platz sieben der Bundesliga, das heisst - rein vom Kaderpotenzial - auf einem Europaplatz. Bei keinem anderen Bundesligaverein liegt die Diskrepanz zwischen eigentlichem Spielerpotenzial, von Christian Eriksen bis Mohamed Amoura, die beide Kapitäne oder Führungsspieler in ihren Nationalmannschaften sind, und sportlicher Realität in so einem klaren MIssverhältnis. Doch woran liegt es?

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, wie ungewöhnlich die Lage ist. In vielen physischen und kämpferischen Kategorien gehört Wolfsburg sogar zu den stärkeren Teams der Liga. Die Mannschaft läuft viel, sprintet viel und arbeitet intensiv gegen den Ball. Dennoch fehlen häufig die entscheidenden Aktionen im letzten Drittel.

In der Passquote liegt Wolfsburg nur im Mittelfeld der Liga, beim Ballbesitz ebenfalls. Besonders auffällig ist jedoch die geringe Anzahl an Torschüssen, bei der der Klub nur auf Platz 16 steht. Gleichzeitig rangiert die Mannschaft bei Laufdistanz, intensiven Läufen und Sprints in den Top sieben der Bundesliga. Das deutet darauf hin, dass Einsatz und physische Bereitschaft grundsätzlich vorhanden sind, die Qualität im Offensivspiel jedoch fehlt.

Ein besonders großes Problem ist die fehlende Torgefahr. In der gesamten Saison haben nur zwei Spieler mehr als drei Treffer erzielt. Jonas Amoura führt die interne Torschützenliste mit acht Toren an, während Wolfsburgs Youngstar Dzenan Pejcinovic immerhin fünf Treffer beigesteuert hat. Dahinter fällt die Statistik stark ab. Für einen Klub mit Ambitionen auf die obere Tabellenhälfte ist das deutlich zu wenig.

Immerhin - Dzenan Pejcinovic darf vielleicht als der eine positive Ausreißer dieser ansonten Horrorsaison beim VFL bezeichnet werden - der lebende Beweis, dass der VFL zumindest immer noch Talente ausbilden kann. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass er drei seiner fünf Tore in einem Spiel geschossen hat und die ersten Monate der Saison auch größtenteils auf der Bank sass.

Dies geschah beim 3 zu 4 gegen den SC Freiburg, ein Spiel, was man trotz des Hattricks von Pejcinovic trotzdem noch verlor: Der endgültige Beweis dafür, dass es auch mental im Team absolut nicht stimmt und selbst ein Hattrick eines eines jungen ambitionierten Stuermers die Mannschaft nicht motivieren kann, zumindest eine Niederlage zu verhindern.

Warum die Zeichen so düster erscheinen

In jeder Saison gibt es fuer gewöhnlich den einen Verein, der überraschend in den Abstiegskampf rutscht und sich auf einmal in einer Tabellenregion sieht, wo er sich selbst nie gesehen haette. Beim VFL Wolfsburg ist diese SItuation aber besonders gefährlich. Denn viele Spieler nutzen den Verein klar als Durchgangsstation, hinzu ist auch der Fansupport nicht ansatzweise in der Größe vorhanden, wie z.B. beim anderen Krisenclub Werder Bremen.

Nur zwei mal war die Volkswagen-Arena bislang ausverkauft, das war beim 30-jährigen Jubiläum und beim Auswärtsbesuch von Borussia Dortmund, was aber vor allem den Dortmunder Auswärtsfans zu verdanken war. Ansonsten war das Stadion oft zu einem Drittel leer und gehört neben dem der TSG Hoffenheim zu einem der am wenigsten besuchtesten Stadien der beiden deutschen Top-Ligen.

Nach der jüngsten Heimniederlage gegen den Hamburger SV kam es zudem zu deutlichen Pfiffen von den Rängen sowie zu Protestplakaten gegen die Mannschaft. Gerade im Abstiegskampf kann ein solches Umfeld zusätzliche Unsicherheit erzeugen und zu einer sehr toxischen Gesamtsituation fuehren.

Denn auch wenn die Fanszene der Wölfe vielleicht etwas kleiner ist, gilt sie dennoch als sehr leidenschaftlich und sensibel, wenn das Team sich nicht für den Verein aufreibt, wie auch Neu-Trainer Dieter Hecking bei seiner Einstellung klar betonte.


Der Downfall vom Mutterkonzern VW

Hinzu kommt, dass auch der Mutterkonzern des Vereins Volkswagen seit Jahren in einer handfesten Krise steckt. Ganze 60 Milliarden Euro sollen eingespart werden bis 2028, was dazu führen könnte, dass mindestens 30.000 Jobs gefährdet sind, Werke geschlossen werden und VW immer mehr zum Sinnbild der Wirtschaftskrise in Deutschland insbesondere in der Automobilindustrie wird. Dass neben der Klimapolitik in Deutschland nun auch noch die Benzinpreise aufgrund des Nahostkonflikts im Iran massiv steigen wirkt sich hier auch indirekt auf den Fussball auf. Die Sorge der Fans ist also groß, dass VW seinen Verein nach 30 Jahren Bundesliga sogar komplett fallen lassen könnte, womit klar ist:

Der VFL Wolfsburg ist definitiv kein Verein, der im Falle eines Abstiegs automatisch sofort wieder aufsteigen muss. Denn sollte sich VW als Sponsor und Geldgeber zurückziehen, würden die Woelfe zuzüglich zum fehlenden Fansupport auch noch den finanziellen Support verlieren - ihre größte Staerke, die bis bislang immer in der Bundesliga gehalten hat. Dieses Worst-Case-Szenario könnte dann sogar langfristig zu einem Totalabsturz, bzw. einem Abstieg in die 3. Liga fuehren - etwas, was man ähnlich schon mal beim 1. FC Kaiserslautern und 1860 Muenchen gesehen hat, wo die Gründe für den dauerhaften Abschied aus der Bundesliga auch vor allem auf finanzielle Fehlkalkulation der Vereinsverantwortlichen zurückzuführen war.

Auch die öffentliche Kommunikation wirkte zuletzt angeschlagen. Nach dem Spiel gegen den Hamburger SV trat Sportdirektor Pirmin Schwegler vor die Kameras und wirkte sichtbar erschüttert, fast so als wäre der VFL schon abgestiegen. Seine Aussagen klangen eher nach einer resignierten Bestandsaufnahme als nach einem kämpferischen Aufruf, währendmauch Trainer Daniel Bauer die Schuld Mal für Mal nur bei den Schiedsrichtern sah.

Warum es unter Daniel Bauer nicht lief

Als Daniel Bauer im Winter dauerhaft Cheftrainer wurde, war er ursprünglich als Übergangslösung gedacht. Der ehemalige Nachwuchstrainer sollte Stabilität bringen und die Mannschaft durch eine schwierige Phase führen. Doch dieses Experiment ging letztlich nicht auf.

Zum einen fehlte Bauer die Erfahrung auf diesem Niveau. Als er die Mannschaft übernahm, befand sich der VfL Wolfsburg bereits mitten im Abstiegskampf. In solchen Situationen setzen viele Vereine bewusst auf Trainer mit großer Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen, doch ausgerechnet hier wählte Sportdirektor Peter Christiansen den ungewöhnlichen Weg, einen jungen Trainer aus dem eigenen Stall hochzuziehen.

Hinzu kam, dass es Bauer kaum gelang, eine klare Spielidee zu etablieren. Die Mannschaft wirkte taktisch häufig unsicher. Die Pressingstrukturen waren nicht immer klar abgestimmt, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden teilweise zu groß und im Angriff fehlte es an Durchschlagskraft.

Dennoch sollte man Daniel Bauer in der Bundesliga noch nicht abhaken. Seine erste große Chance hat er jetzt natürlich erstmal vergeigt, dass er aber durchaus einige gute Ansätze hatte, beweist vor allem die Integration von Star-Mittelfeldspieler Christian Eriksen, der unter ihm zumindest wieder einige von den Stärken zeigen konnten, die den langjährigen Kapitaen der dänischen Nationalmannschaft einst so ausgezeichnet hatten.

Die Fehler von Peter Christiansen

Die größten strukturellen Probleme gehen allerdings auf die Transferpolitik von Ex-Sportdirektor Peter Christiansen zurück und das nicht nur, was seine Trainerwahl anging. Mehrere Verpflichtungen erwiesen sich als kostspielig, ohne die Qualität der Mannschaft entscheidend zu verbessern.

So zahlte der VfL Wolfsburg rund 15 Millionen Euro für den defensiven Mittelfeldspieler Vinicius Souza, dieser konnte aber die Erwartungen als Abräumer vor der Abwehr bislang kaum bis gar nicht erfüllen. Ähnliches gilt fuer den Flügelspieler Andreas Skov-Olssen, der ähnlich teuer war. aber ähnlich floppte. Auch Stürmer Jonas Amoura kostete etwa 15 Millionen Euro, wirkte aber in vielen Spielen auch phasenweise wie ein Fremdkörper, der von seinen Teamkollegen in weiten Teilen nicht mal ansatzweise richtig eingesetzt wurde. Dennoch stimmte in weiten Teilen zumindest seine Torquote, was ihn neben Torwart Kamil Grabara noch zu einem der besseren Transfers von Peter Christiansen macht.

Im Winter kamen zudem der junge Stürmer Kento Shiogai sowie Innenverteidiger Jonas Adjeteh, für die zusammen ganze 18,6 Millionen Euro investiert wurden. Besonders merkwürdig war dabei die Altersstruktur der Wintertransfers: Alle Neuzugänge waren höchstens 22 Jahre alt. In einer Phase. In der Erfahrung und Führung im Abstiegskampf gefragt gewesen wären, setzte Peter Christiansen hier ausschließlich auf junge Entwicklungsspieler, was man auch als durchaus fragwürdig bezeichnen kann.

Ein weiterer Kritikpunkt an Christiansen war sein starker Fokus auf den dänischen Markt. Zeitweise standen sechs dänische Spieler im Kader des VfL Wolfsburg. Auch Torhüter Kamil Grabara und Innenverteidiger Denis Vavro wurden vom FC Kopenhagen verpflichtet. Dadurch entstand intern und extern der Eindruck, dass sich die Transferpolitik stark an persönlichen Netzwerken orientierte und weniger an einer strukturierten Stärken-Schwaechen-Analyse des Kaders.

Dieter Hecking - Der Retter?

Mit der Rückkehr von Dieter Hecking setzt der VfL Wolfsburg nun bewusst auf Erfahrung und Stabilität. Der 61-jährige Trainer kennt den Verein aus seiner erfolgreichen Zeit zwischen 2013 und 2016 sehr genau. In dieser Phase führte er den Klub nicht nur zum DFB-Pokalsieg 2015, sondern auch zur Vizemeisterschaft und in die Champions League.

Vor allem aber gilt Hecking als Trainer, der Mannschaften strukturieren und stabilisieren kann. Seine Ansprache ist klar, direkt und sachlich. Im Gegensatz zu emotional aufgeladenen Trainertypen versucht Hecking selten, über große Gesten oder öffentliche Kritik Druck aufzubauen. Stattdessen setzt er auf klare Kommunikation, feste Rollenverteilungen und eine ruhige Autorität.

Diese pragmatische Herangehensweise hat Hecking bereits bei mehreren Stationen ausgezeichnet. Beim 1. FC Nürnberg führte er den Verein Anfang der 2010er Jahre überraschend in die obere Tabellenhälfte der Bundesliga. Beim Borussia Mönchengladbach stabilisierte er eine Mannschaft, die zuvor in einer schwierigen Phase steckte. Auch beim Hamburger SV und beim FC Schalke 04 galt er als Trainer, der Ruhe in turbulente Situationen bringen kann.

Einzig und allein bei seiner letzten Station, dem VFL Bochum in der Saison 2024/25 gelang es ihm nicht, den Verein vom Abstieg zu retten. Hier muss man aber auch dazu sagen, dass er die Mannschaft übernahm, als diese mit 1 Punkt nach 9 Spielen abgeschlagen Letzter war. Hätte Hecking das Team von Anfang an gecoached, hätte der VFL Bochum laut Hecking-Tabelle und Punkteschnitt nämlich die Klasse gehalten.

Typisch für Hecking ist zudem seine klare Erwartungshaltung an Professionalität und Disziplin. Disziplinlosigkeiten und Verspätungen, wie sie in der Vergangenheit durchaus insbesondere bei Stürmer Mohamed Amoura durchaus mal vorkamen, werden unter Hecking nicht geduldet.

Dennoch ist die Hauptaufgabe von Hecking beim VFL Wolfsburg ganz klar: Die Spieler an ihrer Ehre zu packen, wenn schon nicht für den Verein (langjährige Vereinsikonen wie Kapitaen Maximilian Arnold ausgenommen), dann zumindest fuer sich selbst und fuer ihren Traum, eines Tages mal bei einem absoluten Top-Club zu spielen, der im Falle eines Abstiegs natürlich auch gefährdet wäre.

Diese Mentalität zurück ins Team zu bringen, gelang ihm zuletzt bei seinem ersten Spiel, einem 1 : 1 gegen die TSG Hoffenheim, zumindest schon mal ganz gut, einem Spiel, wo die Mannschaft deutlich stabiler stand, wesentlich besser gegen den Ball arbeitete und durchaus auch offensiv wieder Lebenszeichen sendete.

Dieter Hecking: "Zum VfL Wolfsburg zurückzukehren, bedeutet mir viel. Ich habe hier eine intensive und erfolgreiche Zeit erlebt und weiß, welche Qualität und Energie in diesem Verein steckt. Jetzt gilt es, den Fokus voll auf die kommenden Aufgaben zu richten und gemeinsam alle…

— VfL Wolfsburg (@VfL_Wolfsburg) March 8, 2026

Das Restprogramm – und ein mögliches Endspiel

Die Aufgabe bleibt dennoch sehr schwierig. Der VfL Wolfsburg hat eines der schwersten Restprogramme im Tabellenkeller. In den verbleibenden Wochen stehen mehrere Spiele gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte an, während gleichzeitig direkte Duelle gegen Konkurrenten im Abstiegskampf warten. Hinzu kommt noch ein Spiel gegen den FC Bayern, gegen den man zuletzt ganze 8 Gegentore kassierte.

Besonders brisant könnte zudem der 34. Spieltag werden. Dann trifft der VfL Wolfsburg auf den FC St. Pauli. Sollte der Abstand zwischen beiden Teams bis dahin gering bleiben, könnte diese Partie tatsächlich zu einem direkten Endspiel um den Klassenerhalt werden.


Kann der VFL Wolfsburg unter Hecking die Klasse halten?

Leon Buche
Leon Buche

Grundsätzlich erschien der VFL Wolfsburg bei Dieter Heckings Debütspiel gegen den aktuellen Tabellendritten TSG Hoffenheim wieder deutlich stabiler. Zwar war man immer noch weit weg von Zauberfußball, dennoch scheint aber unter Hecking definitiv ein Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein, was Konzentration und Kampfgeist angeht.

Dennoch: Mehr als 1 Punkt war es dann doch nicht, was man aus dem Spiel herausholen konnte. Man brauch aber definitiv (!) Siege, um den Rückstand von nun "nur" noch 3 Punkten auf den Relegationsplatz wieder aufholen zu können.

Hier ist vor allem das nächste Spiel gegen Werder Bremen ein absolutes Sechs-Punkte-Spiel, wie auch die direkten Duelle gegen Union Berlin und Borussia Moenchengladbach, zwei Mannschaften, die sich aktuell auch eher im Negativtrend befinden.

Sollte man dort überzeugende Auftritte liefern, könnte es sogar sein, dass man sich im alles entscheidenden Spiel gegen St. Pauli am letzten Spieltag sogar schon in der Poleposition um die Relegation befindet oder sich dort mit einem Sieg vielleicht sogar noch direkt in der Liga halten kann.

Falls es am Ende die Relegation wird, die Wolfsburg in den letzten 15 Jahren ja schon zwei mal erfolgreich bestanden hat, dann können sich alle Fußball-Fans aus Niedersachsen auf jeden Fall schon mal freuen:

Einer der möglichen Gegner wäre dann nämlich ausgerechnet Hannover 69, deren Fanbase auf den VFL Wolfsburg historisch betrachtet eher geringschätzig blickt, was wiederum die Wolfsburg-Fans zusätzlich motivieren könnte, gegen den Stadtrivalen nochmal alles reinzuwerfen.

Das Allerwichtigste fuer Dieter Hecking wird aber sein, die Verbindung zu den Fans wieder herzustellen. Denn sollten sich diese weiterhin von der Mannschaft abwenden, werden insbesondere die Heimspiele für die Woelfe unglaublich schwer. Hier ist man mit dem Unentschieden gegen Hoffenheim nun zumindest schon mal auf einem guten Weg.

FK Bodø/Glimt: Das Überraschungsteam der Champions League Saison 2025/26

Bodo/Glimt ist aktuell das Team der Stunde in der Champions League. Wir wollen aber nicht nur auf Bodo/Glimt schauen, sondern auf den norwegischen Fussball und deren Nachwuchsfoerderung generell. Was sind die Ursachen fuer den Aufschwung dieses kleines Landes?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 21 Februar 2026, 23:46

Mit drei beeindruckenden Siegen in der Champions League gegen Manchester City, Atletico Madrid und Inter Mailand ist Bodo/Glimt aktuell die Spitze des Eisbergs, was den Aufschwung des norwegischen Fussballs angeht.

Ein Club, der auf die Erfolge der norwegischen Nationalmannschaft noch mal einen raufsetzt, obgleich er von den Namen her eigentlich gar nicht so viel zu tun hat mit dem Nationalteam Norwegens rund um Superstar Erling Haaland - einem neuen norwegischen Nationalteam, welches nicht nur Platz 1 in der WM-Qualifikation in ihrer Gruppe belegte, sondern mit unglaublichen 37 Toren und 5 Gegentoren in 8 Spielen (mehr als 4 Tore pro Spiel) und zwei Kantersiegen gegen Italien das wahrscheinlich offensivstaerkste Team in der Geschichte der WM-Qualifikation war.

Nun zieht also auch noch Bodo/Glimt nach, ein Club aus einer der noerdlichsten und kaeltesten Staedte auf der Welt, wo noch Menschen leben, der sich nun anschickt in der Champions League der (!!!) neue Angstgegner fuer Spitzenteams zu werden. (Bild: IMAGO / Sports Press Photo)

Daher muessen wir uns spaetestens jetzt mal die Frage stellen: Was ist eigentlich los in diesem grade mal 5,5 Millionen Einwohner Land? Warum grade dort, wo doch in Laendern wie USA (wegen der Infrastruktur), China (wegen der Menge an Menschen) oder Italien (wegen der Tradition) die Voraussetzungen fuer erfolgreichen Fussball doch eigentlich so viel besser sein sollten?

Und ist das Phaenomen Norwegen und Bodo/Glimt ueberhaupt ein reines Fussball-Phaenomen? Oder vielleicht die Folge einer generellen Schulausbildung, die ob ihrer Kernphilosophie jeder anderen in Europa aktuell um Meilen vorraus ist?

Wir blicken in die Tiefe und schauen auf den Verein und die Nation mit der vielleicht aktuell einzigartigsten Talentfoerderung der Welt:


Fussball = Geborgenheit

Wenn man sich durchliest und analysiert, worauf in Nachwuchsleistungszentren in Norwegen vor allem und bis zu einem gewissen Alter bei Kindern erstmal nur (!) geachtet wird, landet man immer wieder bei diesen zwei Worten: Geborgenheit und Spass. Fussball soll fuer Kinder eine Reise des Entdeckens sein, erstmal nicht mehr und nicht weniger.

Denn bereits 1987 wurden in Norwegen Kinderrechte durchgesetzt, die nicht nur das Schulsystem beeinflussen sollten, sondern insbesondere auch den Breitensport - Kinderrechte, die 2013, 2015 und 2019 dann noch einmal erneuert und professionalisiert wurden: Hier einmal die wichtigsten Punkte, uebrigens auch nachzulesen auf der Website des norwegischen Sportbundes:


1.) Geborgenheit, Teilnahne fuer Kinder an Aktivitaeten muessen immer frei von jeglichem Druck und Zwang sein

2.) Freundschaft und Wohlergehen, der Sport soll in erster Linie auf das Foerdern von Freundschaft und neuen spannenden Bekanntschaften fuer die Kinder ausgelegt werden

3.) Meisterung, was bedeutet erlernte Faehigkeiten mit anderen zu teilen und die daraus resultierenden Gluecksmomente gemeinsam (!) zu erleben

4.) Mitbestimmung. Teilhabe an Gestaltung und Plan von sportlichen Aktivitaeten.

5.) Verantwortung: Kinder sollen schon von frueh auf alle Rollen kennen lernen, die ein erfolgreiches Sportumfeld mitbringt und diese Rollen so kreativ wie moeglich ausleben duerfen



Das heisst kurz gesagt: Als junger norwegischer Fussballspieler bekommst du nicht aufgedrueckt, wer du sein sollst, sondern du sollst finden, wer du sein willst. Und wenn das heisst, dass du als 11Jaehriger mal selber die Mannschaft trainierst, bestimmst, welche sportlichen Uebungen durchgefuehrt werden sollen und in welcher Intensitaet, dann wird das in Norwegen nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdruecklich erwuenscht.

Die Folge sehen wir im Fussball derzeit an allen Ecken und Enden: Nicht nur bei Bodo/Glimt, mit einem Kader, der fast nur aus norwegischen Spielern besteht. Sondern auch mit einer neuen Generation, die sich - natuerlich angeheizt vom Mega-Erfolg des aktuell neben Mbappe und Harry Kane vielleicht besten Stuermer der Welt Erling Haaland - mehr und mehr in den Top-Vereinen festspielt und das Sinnbild einer der groessten goldenen Generationen ist, die jemals aus so einem bevoelkerungskleinen Land kamen:

Sverre Nypan, Oscar Bobb, Antonio Nusa, Andreas Schjelderup, dazu noch weitere nachkommende junge Spieler wie Sindre Walle Egeli, Elias Solberg, Daniel Skaarud oder Victor Halvorsen, die mittlerweile auch weit mehr als nur Geheimtipps fuer nerdige Scouts sind.

Talente, die alle zeigen, dass die aktuelle norwegische Generation rund um Erling Haaland, Sander Berge und Martin Odegaard vielleicht noch nicht mal die Beste ist.

<a

The Norwegian Generation Next.

Some of Norway's best prospects born between 2001 and 2005.

Strong generation. They are doing a phenomenal job.

🇳🇴🇳🇴🇳🇴 pic.twitter.com/21F1Unphwt

— Football Talent Scout - Jacek Kulig (@FTalentScout) August 17, 2022

Modernes Sport-Crossover-System

Auch wird von einem norwegischen Nachwuchsspieler niemals verlangt, dass er - wenn er zum Beispiel Teil der Nachwuchsakademie von Bodo/Glimt ist, die neben denen von Viking Stavanger und Rosenborg Trondheim zu den besten des Landes zaehlt - sich unbedingt nur (!) fuer diesen einen Sport Fussball entscheiden musst. Ganz im Gegenteil: Offenheit gegenueber anderen Sportarten wird hier sogar explizit in den norwegischen Nachwuchsakademien gefoerdert und gewuenscht.

Basketball-Stars wie Nikola Jokic werden hier zum Beispiel als Vorbilder genannt: Ein Spieler, als dessen groesste Staerke immer seine Fussarbeit genannt wurde: Warum? Weil auch er, wie viele andere Basketball-Stars aus der NBA, eine Fussball-Vergangenheit hat.

Den umgekehrten Fall erleben wir derweile derzeit beim vielleicht heissesten Real-Madrid-Newcomer: Franco Mastantuono.

Was bei bei diesem jungen Argentinier, der in seiner Heimat schon mit Messi verglichen wurde, so heraussticht, sind neben seiner Fussarbeit vor allem sein Koerperschwerpunkt, die Art und Weise, wie er diesen verteilt, um andere Spieler vom Ball abzuschirmen und sein Dribbling auf ein neues Level zu hieven: Woher das kommt? Weil er im Gegensatz zu Messi, Maradona etc. in seiner Jugend fast nur Tennis gespielt hat, eine Sportart, wo Koerperschwerpunkt nochmal auf einem ganz anderen Level verlangt wird.

Liegt hier daher vielleicht sogar ein Stueck weit die Zukunft des Fussballs? Keine reine One-Way-Ausbildung mehr?

Und kleiner Side-Fact: Dies ist etwas, was man uebrigens derzeit auch in vielen Laendern in der Musik beobachten kann. Auch hier werden, insbesondere in Laendern wie China oder Suedkorea die Kinder nicht mehr nur auf einem Instrument ausgebildet, sondern auf mindestens zwei Instrumenten, um zum Beispiel das Gefuehl von Bindungen von Toenen und Melodiephrasierungen von der Geige dann direkt auf das Klavier uebertragen zu koennen.

Auch hier ist die Folge dieser neuen Crossover-Ausbildungsphilosophie zu sehen: Bereits jetzt sind China und Suedkorea neben Japan und Russland die groessten Exportlaender an hochqualitativen klassischen Instrumentalisten und wenn man sich die Preistraegerlisten der Nachwuchswettbewerbe anschaut, sollte man sich fragen, ob diese Laender europaeische Laender wie Deutschland, Frankreich oder Italien nicht sogar schon laengst komplett abgehaengt haben.

Und aber wieder zum Sport zurueck zu kommen: Die Ergebnisse dieser Offenheit in der norwegischen Ausbildung lesen sich daher nicht umsonst grade wie ein Buch, auch weit ueber den Fussball hinaus:

Hier nur ein kleiner Einblick in die Ergebnisse der letzten olympischen Spiele: 2022: Meiste gewonnene Goldmedaillen jemals (16 Stueck), plus dann zwei Jahre spaeter nochmal meiste gewonnene Medaillen insgesamt, darunter 4 mal Gold in den Sommerspielen, ein Erfolg, der weit ueber das hinaus geht, wofuer Norwegen vor zehn Jahren noch bekannt war, naemlich als ein Land, was ob seiner geografischen Lage sportlich vor allem im Wintersport herausragte.

Hinzu hat man auch mit Casper Ruud (Platz 12 in der Weltrangliste) derzeit einen der besten Tennis-Spieler der Welt.

Man sieht also klar: Die Folgen der norwegischen Ausbildung sind nicht nur im Fussball zu sehen, sondern in allen Sportarten.

Erfolg kein Zufall mehr

Alles dies sind Faktoren, die endgueltig beweisen: Der Erfolg von Bodo/Glimt, wie auch der der norwegischen Nationalmannschaft sind kein Zufall mehr, sie sind viel mehr ein Produkt einer komplett neuen innovativen Leistungsfoerderung, gepusht von einer komplett neuen Leistungsphilosophie.


Es geht nicht mehr darum, zu "werden wer wir sein solln", sondern zu "lernen wer wir sind"
, wie es auf der Seite der Akademie Norway Foot Academy so schoen heisst.

Oder, wie es Terje Svendsen, der ehemaliger Praesident des norwegischen Fussball-Verbands und Vorgaenger von Lise Klaveness vor ein paar Jahren formuliert hat:

"Die Motivation der Kinder ist viel wichtiger als die der Eltern oder Trainer. Wir koenen es uns als kleines Land nicht leisten, dass die Kinder nicht maximal Lust auf Sport haben."

Dabei steht ueber allem aber auch die Haltung der norwegischen Politik, dass jegliche Beschaffung von Materialien, jegliche Hierarchie in der Ausbildung wie auch jegliche Chancen, fuer die U-Nationalmannschaften nominiert werden, komplett unabhaengig von der wirtschaftlichen Situation der Eltern sind.

Auch wird darauf wert gelegt, dass Tabellen und Teilnahme an Wettbewerbe fruehestens ab dem 11. Lebensjahr erlaubt ist.

Ein klarer Fingerzeig darauf, dass die Kinder erst "entdecken" sollen, um dann ihre Ziele zu formulieren und anzustreben und auch ein klarer Fingerzeig an Deutschland:

War die Reform der deutschen Nachwuchsfoerderung durch das Funino-System vielleicht schon lange ueberfaellig? Ein System, was durch die vielen kleinen Felder, zwischen denen man als Kind je nach Erfolg hin und her switchen kann und dem damit erst auf dem zweiten Blick ersichtlichen Wettbewerbsgedanken, erstmal den Spass und die Freude am Fussball hervorheben soll?

Mario Basler wuerde vielleicht sagen:

"Nein, die Goeren sollen Tore schiessen und die Klappe halten, beziehungsweise, wenn ihnen der Druck am Fussball zu gross wird, halt Maler und Lackierer werden, bei ALDI an der Kasse tippen oder was auch immer".

Aber zeigt nicht das Beispiel Norwegen, dass vielleicht genau hier die Zukunft des Fussballs liegt?

Bodo/Glimt, die Wiege des Erfolgs

Und mittendrin Bodo/Glimt, deren unfassbare Erfolge der letzten Wochen nochmal weit aus mehr sind als ein Fingerzeig. Denn ja - viele haben die WM-Qualifikation der Norweger beobachtet, ein Team, was ueber Gegner teilweise so hinweg gefegt ist, wie "Die Voegel" ueber Bodega Bay in Alfred Hitchcocks gleichnamigen Film-Klassiker.

Die wenigstens sehen aber, dass da laengst mehr hinter steckt, als ein absolutes Jahrhunderttalent im Sturm mit Namen Erling Haaland und Norwegen 2026 noch mal ein ganz anderes Phaenomen ist als EM-Halbfinalist Wales 2016, angefuehrt von ihrem einen Superstar Gareth Bale.

Und trotzdem nein: Es sind nicht etwa Haalands Nationalmannschaftskollegen, Spieler wie Martin Odegaard (FC Arsenal), Andreas Schjelderup (Benfica Lissabon), Antonio Nusa (RB Leipzig), Andreas Moller-Wolfe (Crystal Palace), Alexander Sorloth (Atletico Madrid) oder Julian Ryersson (Borussia Dortmund), die grade dafuer sorgen, dass mit Bodo/Glimt ein kleiner norwegischer Verein aus einer grade mal 53.000-Einwohner-Stadt, welcher uebrigens eine Zahnbuerste als Maskottchen hat, am Start ist, der nun kurz davor ist, ins Champions-League-Achtelfinale zu ziehen.

Es ist viel mehr ein Team aus Spielern, deren bekanntester Spieler Jens-Petter Haugge heisst und der bislang nur als gescheitertes Frankfurt-Talent bekannt war. Doch wer sind diese Spieler eigentlich, die uebrigens letztes Jahr schon im Halbfinale der Europa League standen und auf dem Weg dorthin u.a. Jose Mourinho und die AS Rom mit einem 5 : 1 Sieg mal ganz klar wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht haben?

DIE SPIELER:

Zunaechst einmal sind 14 der aktuellen Kaderspieler von Bodo/Glimt Norweger aus der eigenen Akademie, ein Wert, wovon Top-Clubs aktuell nicht einmal traeumen koennen.

Dazu kommen Spieler wie Patrick Berg, Ulrik Saltnes, Sondre Brunstad Fed und Sondre Auklend, die ebenfalls schon lange im Verein spielen, beziehungsweise aus der Region kommen. Hinzu wurden Spieler wie Torhueter Nikita Haikin, der sich unter anderen Umstaenden sicherlich auch fuer die russische Nationalmannschaft bei der WM 2026 empfohlen haette, wie auch der daenische Stuermer Kasper Hogh gezielt verpflichtet, um den jungen Spielern eine Achse zu geben, an die sie sich halten koennen.

Hinzu sind es junge norwegische Talente, wie Magnus Rissnaes (20), Fredriik Sjovold (22), wie auch das erst 16jaehrige Megatalent Mikkel Bro Hansen, die der gesamten Mannschaft eben diese Energie geben, die nur eins sagt: Haaland und Odegard haben uns vielleicht motiviert und stehen jetzt schon eine Stufe ueber uns. Aber jetzt wollen wir es wissen.

DER ARCHITEKT DES ERFOLGES:

Und nicht zuletzt darf man natuerlich ihn nicht vergessen: Kjetil Knutsen, jemand, der nicht nur Taktikgeber, sondern auch Philosophieverfolger des Vereins ist und nicht zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt kuerzlichst als Nachfolger von Dino Toppmoeller hoch im Kurs stand.

Knutsens
Spielidee basiert dabei auf extrem hoher Intensität, aber nicht chaotisch, sondern strukturiert. Sein Team presst früh, aggressiv und vor allem koordiniert. Die vorderste Linie läuft nicht blind an, sondern lenkt den Gegner gezielt in Pressingfallen. Besonders auffällig: Bodø/Glimt verteidigt oft mannorientiert im Mittelfeld, schiebt mutig nach und versucht Ballgewinne in hohen Zonen zu erzwingen.

Im Ballbesitz setzt Knutsen dabei auf ein klares 4-3-3 mit enormer Breite. Die Flügelspieler bleiben hoch und breit, die Achter schieben dynamisch in die Halbräume, der Sechser (oft Patrick Berg) leitet dabei strukturiert das Spiel. Auffällig ist die permanente Bewegung ohne Ball: Dreiecksbildung, ständiges Freilaufen, klare Passwinkel.


Der aber wohl am meisten unterschätzte Faktor ist dabei allerdings Knutsens mentale Arbeit. Bodø/Glimt spielt gegen Topteams ohne Ehrfurcht. Das ist kein Zufall. Knutsen vermittelt eine klare Botschaft:

Wir passen unser Spiel nicht an – wir zwingen den Gegner, sich uns anzupassen.

Auch eine Einstellung, mit der man als vermeintlicher Underdog erstmal in ein Spiel gegen Manchester City gehen muss, eine Einstellung, die aber perfekt funktioniert.

Und die noch einmal mehr mehr beweist: Die Philosophie, wie man in Norwegen den Fussball sieht, ist laengst ueber die Nationalmannschaft hinaus gewachsen. Es ist eine Aufgabe, der sich alle verpflichtet fuehlen, Erfolg, ja aber nicht um des Erfolgs willen. Gemeinschaft dafuer umsomehr, und wenn als Zeichen an die Welt, dass es eben auch so geht.

Mit dem Wissen, dass Fussball am Ende einfach das ist: 22 verschwitzte Menschen, die sich um einen Ball kloppen und dabei einfach Freude empfinden.


2. Liga: Das sind die 10 heißesten Winterneuzugänge

Sach ma S******ke! Geht's eigentlich noch? Einfach mal Edin Dzeko in die zweite Bundesliga zu holen? Jo, geht! Und die anderen Zweitligavereine: Backen hier nicht viel kleinere Broetchen. Damit herzlich willkommen zu unserem TOP 10 Ranking der besten Zweitligatransfers 2025/26.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 21 Februar 2026, 23:46

War das Wintertransferfenster 2026 vielleicht das heisseste, was es jemals in der Geschichte der 2. Liga gegeben hat? Champions-League-Finalisten, WM-Halbfinalisten, deutsche U21-Nationalspieler mit Megapotenzial:
All das bot das Wintertransferfenster 2025/26 und zeigte wieder einmal, dass viele Zweitligavereine aktuell sowohl fuer junge Spieler, als auch fuer welche, die ihre Karriere in einem grossen Fanumfeld ausklingen lassen wollen und sich selbst nochmal zeigen wollen, warum sie ueberhaupt mal mit Fussball angefangen haben, weitaus attraktiver sind als der ein oder andere Bundesligist.

Wir blicken daher nun zurück auf die 10 heißesten Zweitliga-Wintertransfers dieser Saison. (Bild: IMAGO / HMB-Media)

PLATZ 10: KENNEDY OKPALA (SC Paderborn)

Der SC Paderborn - der Verein, den Stefan Effenberg einst mal als den "most sexy Verein" in Deutschland bezeichnet hat, hat sich zumindest in Sachen Jugendarbeit in den letzten Jahren angeschickt, tatsaechlich genau das zu werden. Ilyas Ansah (Union Berlin), Aaron Zehnter (VFL Wolfsburg), Luca Killian (FC Koeln), wie auch nicht zuletzt Megatalent Luis Engelns, der erst vor wenigen Wochen zur TSG Hoffenheim gewechselt ist: Alles Abgaenge, die darauf hinweisen, dass die Ostwestfalen mittlerweile mehr sind als ein reiner ambitionierter Zweitligist, dessen Ausfluege in die Bundesliga meist darin enden, dass man schneller wieder im Unterhaus ist, als man "Europa" sagen kann.

Nun hat man sich mit Kennedy Okpala von Waldhof Mannheim das naechste Top-Talent heran geschafft, wo einige Scouts schon munkeln, dass es nur noch an der Frage der Zeit ist, bis sich auch er fuers deutsche Oberhaus empfehlen kann.

Dass ihn Trainer Ralf Kettemann bislang eher behutsam und eher als Joker einsetzt, soll den langfristigen Erfolg des 21jaehrigen Fluegelstuermers daher nicht schmaelern: Ganz im Gegenteil.

Denn klar ist, dass Okpala, wenn auch nicht physisch, jetzt schon einige Parallelen zu Ilyas Ansah mitbringt: Denn auch er ist kein klassischer „nur mitlaufender“ Stürmer, sondern ein Spieler, der regelmäßig Tore selbst erzwingt – sei es durch Abschlussstärke, gute Positionierung oder Cleverness im Strafraum.

Dies haben nicht nur seine 7 Tore und 3 Assists in nur 18 Spielen in Mannheim gezeigt. Verstaendlich daher auch, dass es um den Transfer einiges an Theater gab, inklusive Vorwuerfen der Waldhof-Fans, Paderborn haette bei dem Transfer gegen klare Vertragsregeln gebrochen, beziehungsweise haette Kontakt zu dem Spieler aufgenommen, als es noch gar nicht erlaubt war.

Was auch am Ende passiert ist: Nun ist der junge Fluegelspieler auf jeden Fall da und koennte vielleicht schon diese Saison einer der "Gamechanger" werden, wenn es um die entscheidenden Spiele um den erhofften Bundesliga-Aufstieg geht.

PLATZ 09: SATOSHI TANAKA (Fortuna Duesseldorf)

Dass aus der japanischen Liga teilweise nicht nur hochtalentierte, sondern auch technisch extrem stark ausgebildete Spieler kommen, weiss man in der Bundesliga nicht erst seit Dortmund-Legende Shinji Kagawa. Spaetestens bei der WM 2022 merkte man im Eroeffnungsspiel der Deutschen gegen Japan (1 : 2) nach den beiden entscheidenden Toren von Ritsu Doan (damals SC Freiburg, heute Eintracht Frankfurt) und Takuma Asano (damals VFL Bochum, heute RCD Mallorca): Japanische Spieler und deutsche Ligen, das scheint irgendwie ganz gut zu passen - in dem Fall leider zum Leidwesen der deutschen Nationalmannschaft, die aufgrund dieser Niederlage am Ende in der Vorrunde ausschieden.

Auch bei Fortuna Duesseldorf weiss man das, hatte man mit Ao Tanaka und dem Deutschjapaner Shinta Appelkamp schon in den letzten Jahren zwei absolute Leistungstraeger mit japanischem Background im Kader.

Nun hat Diamantenauge Sven Mislinstat (Ex-Stuttgart / Dortmund), der nicht zu Unrecht lange als einer der groessten Talententdecker Deutschlands galt, sein Amt ebenfalls mit der Verpflichtung eines Japaners begonnen, naemlich mit der von Satoshi Tanaka, uebrigens nicht verwandt oder verschwaegert mit Ao Tanaka.

Aus der ersten japanischen Liga fuer etwa 1 Millionen Euro von Sanfrecce Hiroshima gekommen, gilt Tanaka vor all als klassischer defensiver Mittelfeldspieler, der aber auch als Verbindungsspieler im Zentrum eingesetzt werden kann.

Diese Vielseitigkeit ist für ein Team, das defensiv stabil stehen, aber auch Angriffsbemühungen sauber aufbauen will, enorm wichtig. Nicht zuletzt zeigte hier die zum Teil alarmierend schlechte Hinrunde, wie sehr man gerade auf der Position, die vorher ein gewisser Isak Johanesson (im Sommer zum 1. FC Koeln gewechselt) am Schwimmen war.

Mit Satoshi Tanaki will man hier nun wieder mehr Stabilitaet ins Zentrum bringen und - kleiner Side-Fact - Fortuna Duesseldorf hat uebrigens bereits jetzt eine Ausstiegsklausel von 10 Millionen Euro mit dem Spieler vereinbart: Ein kleiner Fingerzeig in die Richtung, dass man durchaus damit rechnet, dass der japanische Nationalspieler sich in den naechsten Jahren auch noch fuer hoehere Aufgaben, wie z.B. der Bundesliga, empfehlen koennte.

Ob dann aber wirklich als Spieler der Fortuna oder doch fuer einen anderen Verein, das muss man erstmal abwarten. Logisch, dass alle Fortuna-Fans sich natuerlich ersteres wuenschen wuerden, wenn nicht diese Saison, dann zumindest naechste.

PLATZ 08: UMUT TOHUMCU (Holstein Kiel)

Wenn es um absolute Talente-Highlight-Transfers geht, kommt man aber auch ganz klar nicht um seinen Namen drum herum: Umut Tohumcu, ein 21jaehriger Mittelfeldspieler, dessen Marktwert bereits jetzt auf 5 Millionen geschaetzt wird und der bereits mehrere Einsaetze fuer die deutsche U21-Nationalmannschaft hatte.

Nicht zuletzt ist die TSG-Hoffenheim-Leihgabe einer der wenigen Zweitligaspieler, die bereits in europaeischen Wettbewerben getroffen hat, u.a. erzielte er fuer die Kraichgauer den Fuehrungstreffer gegen Olympique Marseille.

Was ihn aber vor allem so stark macht, ist seine taktische Intelligenz, etwas, was man bis zu seinem Abgang auch Armin Gigovic attestierte: Ein ausgezeichnetes Stellungsspiel, ein Gefuehl dafuer, wann er sich zwischen die Linien bewegen muss und wie er im engen Raum Lösungen findet, ohne aber dabei die Kontrolle zu verlieren.

Natuerlich kann man darueber diskutieren, inwiefern die Leihe den Stoerchen wirklich langfristig etwas bringt und ob hier nicht am Ende doch der abgebende Verein (Hoffenheim) oder der Spieler nicht die wahren Sieger sind.

Aus Sicht des DFBs wird man aber sicherlich sehr genau auf den Transfer schauen, beziehungsweise darauf was passiert, wenn ein so grosses Talent bei einem Zweitligisten endlich mal regelmaessige Spielzeit bekommt (Stichwort: Dennis Seimen beim SC Paderborn).

Denn sollte der Transfer einschlagen, koennte Tohumcu vielleicht sogar fuer die DFB-Elf nochmal ein Thema werden. Oder, falls nicht das, dann zumindest mal wieder:

Party fuer Influencer wie Abdu, wenn es heisst Tohumcu goes tuerkische Nationalmannschaft. Fuer diese koennte er naemlich langfristig ebenso auflaufen.

PLATZ 07: IMAD RONDIC (Preussen Muenster)

Eigentlich sollte der Transfer von Imad Rondic zum 1. FC Koeln im Winter 2025 ein Grund sein, puenktlich zu Beginn der Karnevalssaison die Koelsch-Korken mal richtig knallen zu lassen: Zum einen, weil man nach der einjaehrigen Transfersperre, die schliesslich auch zum Abstieg fuehrte, endlich ueberhaupt mal wieder einen Spieler verpflichten durfte, zum anderen, weil man seitens des Sportvorstands rund um Christian Keller endlich mal wieder davon ueberzeugt war, mit dem Bosnier einen wahren Rohdiamanten gefunden zu haben.

Doch wie das blutruenstige, gemeine und gnadenlose Fussballgeschaeft eben so ist: Wie schon der Rapper Eko Fresh in seinem Song Koeln, Kalk, Ehrenmord so schoen betonte "Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt". (Originalphrase uebrigens von Max-und-Moritz-Autor Wilhelm Busch).

Das galt auch fuer Imad Rondic, denn bevor ich jetzt anfange, hier mittels Statistiken und Spielzeiten auf dem Spieler herumtrampeln zu wollen: Er floppte halt. Und Koeln stieg wieder auf, allerdings - so ehrlich muss man sein - nicht wegen ihm, sondern trotz ihm.

Aber nicht jedes Ende muss ja unbedingt heissen: "Kein neuer Anfang", besonders wenn im Ex-Verein mal ein gewisser Markus Anfang trainiert hat und der neue Trainer Alexander Ende heisst, kleiner Radiowitz am Rande.

Unter ihm soll Rondic naemlich nun seine zweite Chance bekommen und passt mit seinem Arbeitsethos und seiner Statue von 1.90 m auf dem Papier erstmal perfekt zu dem, was Alexander Ende von seinen Spielern verlangt: Immer alles geben, egal wie schwer es ist.

Die grosse Frage ist nun: Kann Rondic vielleicht diesen Weg gehen, den in der Hinrunde bereits ein gewisser Ivan Prtjain vom 1. FC Union beim 1. FC Kaiserslautern gegangen ist? Die Physis und die Mentalitaet dafuer hat er, hinzu hat Ende bislang zu 100 Prozent auf ihn gesetzt. Das entscheidende Argument, warum dieser Transfer aber vielleicht sogar der Entscheidende sein koennte, der Preussen Muenster am Ende den Klassenerhalt beschert:

Mit Oliver Battista-Meier hat er naemlich diesmal genau den Spieler neben sich, der ihn perfekt ergaenzt, nicht physisch robust, aber dafuer spielintelligent und technisch stark. Insbesondere dieses Duo koennte sich daher zu einer echten Ueberraschung der Rueckrunde entwickeln.

Und selbst wenn nicht, hat Muenstler hier, angesichts der Tatsache, dass es sich um einen reinen Leihtransfer handelt, quasi nichts zu verlieren.

PLATZ 06: ELIAS SAAD (Hannover 69)

Wenn man einem Zweitligisten diese Saison klar das Praedikat Der Verein, der den Aufstieg am meisten will geben muss, dann ist das zu 100 Prozent Hannover 69. Denn weder haette Schalke mit einer solchen Hinrunde gerechnet, noch sind Darmstadt, Paderborn oder Elversberg Vereine, die per se aufsteigen muessen.

Bei Hannover 69 hingegen war sowohl mit der Verpflichtung von Christian Titz als auch mit einem der spannendsten und ambitioniertesten Kaderumbrueche waehrend des Sommertransferfensters 2025 schon klar: Dieses Jahr will man es wissen.

Und immer noch ist Hannover 69 ganz klar das spielstaerkste Team der Liga, ganz entscheidend werden aber weiterhin die Ergebnisse, wie das 3 : 2 gegen Hertha BSC sein, Ergebnisse, wo man sich gegen direkte Konkurrenten behauptet und verlorene Punkte in der Hinrunde wieder gut macht.

Da ist es nur verstaendlich, dass man sich Spieler holt, die es schon einmal geschafft haben - diesen Kampf, wenn es am Ende nur noch heisst: Zittern und um jeden Punkt kaempfen.

Elias Saad war fuer den FC St. Pauli in der Aufstiegssaison 2023/24 mit insgesamt 9 Scorern ein genau solcher Spieler, schaffte es aber auch in der Bundesliga mit 5 Scorern einer der entscheidenden Bausteine fuer die Kiezkicker zu sein und mehrfach im "Team Of The Day" zu landen:

Dass es beim FC Augsburg diese Hinrunde nicht funktionierte: Geschenkt. Denn jetzt soll das zweite grosse Kapitel des tunesischen Nationalspielers folgen: Nach St. Pauli mit Hannover 69 den zweiten Nordclub zum Aufstieg schiessen. Die Tatsache, dass der ballbesitzorientierte Spielstil von Christian Titz zudem nach allem Scouting-Statistiken viel besser zu dem inversen Fluegelspieler passt, als der Gegen-Den-Ball-Stil von Alexander Blessin, koennte daher Grosses hoffen lassen.

PLATZ 05: DAVID MOKWA (SV Elversberg)

Wenn man in der zweiten Liga aktuell das Praedikat "Diamantenauge der Liga" verteilen muesste, kommt man allerdings auch an ihm nicht vorbei: Nils-Ole Book. Ob als Nachwuchscout oder Geschaeftsfuehrer: Er ist der Architekt dieser riesigen Erfolgsgeschichte im Saarland, einem Club, der - obwohl er nach dem Scheitern in der Relegation nicht nur Trainer, sondern auch gefuehlt alle wichtigen Spieler verlor - jetzt schon wieder auf Platz 3 der zweiten Liga und damit mitten im Aufstiegsrennen steht.

Die grosse Frage war allerdings, ob man nach dem Abgang von Fisnik Asllani, Muhammed Damar und Elias Baum den Winterabgang von seinem neuen Starstuermer Younes Ebnoutalib (13 Tore in 16 Spielen) jetzt auch noch mal kompensieren kann oder ob spaetestens das den Verein ins Schleudern und raus aus dem Aufstiegskampf bringen koennte.

Die Antwort war: Nope. Elversbeg macht weiter Elversberg-Dinge. Denn nach zu Anfangs etwas unsicheren Niederlagen gegen Nuernberg (2 : 3) und Hertha (0 : 3) ist das Team von der Kaiserlinde mittlerweile wieder voll im Soll. Sieg gegen Lautern, Sieg gegen Dresden, Sieg gegen Braunschweig.

Das Motto beim Mokwa-Transfer dabei: Never change a winning team. Denn aehnlich wie schon bei Damar und Asllani setzte man hier auch wieder voll und ganz auf die Hoffenheim-Akademie und holte David Mokwa fuer 2 Millionen Euro ins beschauliche Saarland, der bereits jetzt bei 2 Toren in 5 Spielen steht.

Anders als Ebnoutalib ist David Mokwa dabei aber nicht nur ein reiner Knisper, sondern auch ein Spieler, der mitgestalten kann. Torinstinkt, aber auch Gefuehl fuer die Mitspieler, Siegeswillen, aber auch Bewegung zwischen den Linien, Koerperlichkeit, aber auch Dynamik in den Raeumen hinter der Abwehr: Dieses Gesamtpaket macht den jungen Franzosen so stark und schon aufgrund des Umfelds zu einem der spannendsten Wintertransfers dieser Saison.


PLATZ 04: DJENAN LJUBICIC (Schalke 04)

Wenn man einen Transfer ganz klar mit dem Praedikat "Soforthilfe-Transfer" belegen kann, dann ist das ganz klar der von Dzenan Ljubicic zum FC Schalke 04. Denn klar, Fans haben sich ueber die Hinrundenmeisterschaft gefreut, weil es eben so weit von dem eigentlich Erwarteten war - dennoch gab es auch viele Experten, denen klar war: Um wirklich bis zum Ende durchzuhalten und am Ende tatsaechlich aufzusteigen, kann Schalke 04 so eigentlich nicht weiter spielen.

Es braucht definitiv noch zwei Schluesselspieler, naemlich einen Kreativspieler im Mittelfeld und einen Stuermer. Hier hat sich dann am Ende bezahlt gemacht, sich mit Frank Baumann einen Sportvorstand geholt zu haben, der die Dinge nicht mit "Schalke-Fanbrille" betrachtet, sondern mit Erfahrung und analytischem Verstand.

Denn Dzenan Ljubicic ist eben auch genau das: Ein kreativer MIttelfeldspieler mit Erfahrung. Ueber 100 Spiele bestritt er fuer den 1. FC Koeln in der Bundesliga, hinzu kommen Auftritte in der Conference-League, wie auch in der oesterreichischen Nationalmannschaft. Dabei kann er als Achter, Zehner, Fluegelspieler, teilweise sogar als zweiter Stuermer spielen.

Damit kann er genau die Luecke fuellen, den ein zuletzt etwas wackliger Kenan Karaman hinterlaesst, was nicht heisst, dass er ihn ersetzt: Er macht es Karaman nur leichter, weil nicht mehr alles auf ihn gesetzt ist und damit die gesamte Schalke-Offensive dadurch unberechenbarer bleibt.

Und 2,5 Millionen Euro fuer einen Verein, der insgeheim doch eigentlich wieder dahin will, wo ein Grossteil der Fans ihn noch immer sieht, naemlich in die Bundesliga? Das ist dann auch kein so grosses Risiko fuer einen Spieler, dessen Marktwert zwischenzeitlich sogar mal auf bis zu 10 Millionen Euro geschaetzt wurde:

Ein klarer Fall fuer unsere Top 4, auch weil es keine Leihe ist, sondern ein Spieler, der den Koenigsblauen am Ende, im Falle eines Aufstiegs, auch in der Bundesliga sehr helfen koennte.

PLATZ 03: IMMANUEL PHERRAI (SV Elversberg)

Leihen kann man hingegen nachwievor beim SV Elversberg gut, sehr gut sogar. Nick Woltemade, Paul Wanner, Fisnik Asllani, Muhammed Damar - alles Leihen, fuer die das saarlaendische Umfeld (Damar aktuell noch etwas ausgeklammert, der aktuell angesichts der extrem hohen Konkurrenz bei der TSG Hoffenheim ein wenig um Spielzeit kaempfen muss) das Sprungbrett zu einer grossen internationalen Karriere wurde.

Nun kommt die naechste Leihe und die hat es in sich: Eines der groessten Zweitliga-Talente der Saison 2023/24, vielleicht das groesste Talent, was Eintracht Braunschweig jemals im Kader hatte. Dennoch aber ein Spieler, der nun beim HSV auch seinen ersten Ruechschlag erleben musste: Immanuel Pherrai, Nationalspieler fuer Suriname und vielleicht, sollten die interkontinentalen Playoffs im Maerz gewonnen werden, sogar noch WM-Teilnehmer 2026.

Der 24-Jaehrige war bei Eintracht Braunschweig weit mehr als nur ein kreativer Mittelfeldspieler – er war das Herzstück, der Rhythmusgeber und gleichzeitig der Unterschiedsspieler. 10 Tore und 5 Assists, und das noch nicht mal als klarer Offensivspieler, das hatte alles schon beinahe ein bisschen Mini-De-Bruyne-Vibes, wenn man auf dessen Zeit beim Nachbarclub VFL Wolfsburg blickt.


Das Problem war nur: Diese Positionsflexiblitaet war nicht nur Pherrais groesste Staerke, sondern auch seine groesste Schwaeche. Sobald er sich in ein Offensivpuzzle aus festen Rollen (beim HSV Dompe, Glatzel, Reis etc.) einordnen musste, fuehlte er sich unsicher und das, was ihn einst so ausgezeichnet hat, wurde zu seinem groessten inneren Gegner: Zu viel Freiheitsdrang und zu wenig Moeglichkeiten in Top-Teams, diesen auszuleben - im Kleinen vielleicht auch ein bisschen das, was mit Florian Wirtz nach seinem Wechsel zum FC Liverpool passiert ist.

Umso gesuender fuehlt sich nun der Wechsel zum SV Elversberg an, ein Verein mit fast gar keinem Druck, ein Verein, der (siehe der 8 Millionen-Abgang vom Hinrunden-Liga-Torschuetzenkoenig Ebnoutalib) auch unter Vincent Wagner weiterhin als vielleicht die (!) Talentschmiede der zweiten Liga bekannt ist. Dazu noch ein Verein, der zuzueglich auch dafuer bekannt ist, Spielern wieder aus einem Loch zu helfen, siehe Nick Woltemade, der zu diesem Zeitpunkt bei seinem Stammverein Werder Bremen auch kein Land sah:

Fuer uns daher ein Transfer mit einem extrem hohen Potenzial und darum Platz 3 in unserem Ranking.

PLATZ 02: JOSIP BREKALO (Hertha BSC)

Und nun zu einem Transfer, der eigentlich in jedem normalen Winter-Transfer-Zweitliga-Ranking auf Platz eins stehen muesste: Denn - um es kurz zu machen - wir reden hier von einem WM-Halbfinalisten, einem Spieler, der bei der WM 2022, wenn auch als Einwechselspieler, mit Kroatien den dritten Platz belegte.

Ausgebildet wurde Brekalo beim VFL Wolfsburg, fuer die er ganze 122 Spiele, u.a. auch in der Champions League, spielte. Dass er Aufstiegskampf kann, bewies er zuzueglich 2017 als Spieler des VFB Stuttgart. Wie der Weg von vielen kroatischen Nationalspielern fuehrte dann auch sein Weg nach Italien, zunaechst zum FC Turin, spaeter dann zum AC Florenz. Zuletzt spielte er beim aktuellen Tabellenletzten der ersten spanischen Liga Real Oviedo, der klassische Fall einer Karriere, die sich so ein bisschen im Nirgendwo verloren hat.

Doch genau fuer diese Transfers war Hertha BSC in der Vergangenheit schon so manches Mal gut, wenn man mal die "Big City Club" Zeiten unter Lars Windhorst und Juergen Klinsmann ausklammert.

Da macht der Transfer von Brekalo schon deutlich mehr Sinn, da er auch genau das ausfuellt, woran es der alten Dame in der Hinrunde so mangelte und was der Grund ist, warum man eben nachwievor nicht ganz oben im Aufstiegsrennen mitmischt: Fehlende Durchschlagskraft im Mittelfeld, zu wenig individuelle Klasse, was Spieleroeffnung aus dem Mittelfeld ausmacht und zu wenig Spieler, die aus dem Nichts etwas Kreiern.

Und wenn man dann noch satte 0 Euro dafuer an Abloese zahlt, wer soll diesen Transfer eigentlich noch toppen?

PLATZ 01: EDIN DZEKO (Schalke 04)

Wenn da eben nicht er noch waere: Der Transfer dieses Transferwinters, vielleicht sogar beide deutschen Ligen zusammen genommen: Edin Dzeko zum FC Schalke 04.

Raul laesst gruessen. Wieder einmal holen die Schalker hier einen Spieler, der vielleicht sogar in noch ganz andere Sphaeren (Stichwort: Ballon d'or) aufgestiegen waere, wenn er nicht an dem beruehmten George-Best, beziehungsweise Erling-Haaland-Syndrom leiden wuerde: Er ist nicht Franzose, Spanier oder Argentinier, sondern Bosnier. Und da sind WM und EM-Titel eben schwierig.

Denn nur um seine Karriere nochmal kurz abzureissen: 120 Scorer, inklusive Torjägerkanone und Meistertitel für den VFL Wolfsburg, 100 Scorer für Manchester City, 173 Scorer für die AS Rom, wie auch nicht zuletzt 64 Scorer für Fenerbahce Istanbul: Das sind Zahlen, die nicht weit weg von den Zahlen eines Cristiano Ronaldos oder eines Lionel Messis sind.

Und klar ist natuerlich auch: Dzeko ist im Spaetherbst seiner Karriere, er ist 39 Jahre alt und damit nochmal deutlich aelter als Schalkes wohl legendaerster Koenigstransfer Raul, aber - Schalke ist aktuell eben auch (noch) Zweitligist. Und fuer diese Liga ist so ein Transfer nicht nur eine Bereicherung, sondern ein Geschenk.

Und ein Privileg fuer jeden Zweitliga-Fan einfach nur zu beobachten, wie dieser Mann immer noch Bock am Fussball spielen hat und das bei einem so emotionalsgeladenen Verein wie Schalke 04 auslebt: Ein Geschenk fuer den deutschen Fussball, der doch am Ende genau solche Geschichten liebt.

Tottenham wieder in der Krise – kann Igor Tudor die Saison retten?

Wieder einmal steckt Tottenham Hotspur in der Krise, so dass man sich fragen muss, ab das wirklich noch am Trainer liegt. Denn nach der Entlassung von Thomas Frank ging man zuletzt auch unter Interimstrainer Igor Tudor gegen Arsenal mit 1 : 4 unter. Was also sind die eigentlichen Ursachen fuer den Downfall der Nordlondoner?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 17 Februar 2026, 17:37

Mit nur 7 Siegen und 11 Niederlangen in 26 Spielen schaffte es der ehemalige Brentford-Trainer Thomas Frank tatsächlich, die (den Europa-League-Titel ausgenommen) schlechteste Saison der Spurs in der Vereinsgeschichte unter Ange Postecoglu innerhalb eines halben Jahres noch einmal zu unterbieten. (Bild: IMAGO / IPS)

Nach einer weiteren 1 : 2 Niederlage gegen Newcastle United und zahlreichen Fanpfiffen war damit die Entlassung Franks die einzige logische Konsequenz.

Nun soll der ehemalige Juventus- und Lazio-Trainer Igor Tudor den Verein, der mittlerweile auf Platz 16 der Premier League nur noch 4 Punkte vor einem Abstiegsplatz steht, interimsweise übernehmen. Nach dem Sommer möchte man dann, laut Sportdirektor Thomas Lange, die Situation evaluieren und entscheiden, ob man mit Tudor weiter macht oder nach einer langfristigeren Lösung sucht.

Inwiefern die Entscheidung richtig war, einen Trainer zu holen, der noch nie in der Premier League trainiert hat und dessen Stationen bei Verona, Marseille, Lazio und Juventus auch von wenig Erfolg gekrönt waren, das schauen wir uns nun an. Und blicken damit zunächst einmal ein bisschen zurück.

Die goldenen Zeiten unter Pochettino

Es war die Saison 2018/2019 und der Verein Tottenham Hotspur befand sich kurz vor seinem grössten Triumph. Nur noch ein Finalsieg war man davon entfernt, das Image des ewig-titellosen Vereins loszuwerden. Damit war man kurz davor, seine jahrelange gute Arbeit unter dem heutigen US-Bundestrainer Mauricio Pochettino mit dem grösstmöglichen Sieg zu belohnen, der im Clubfussball möglich ist: Dem Gewinn der Champions-League-Trophäe.

Dass es am Ende dann doch der FC Liverpool unter Jürgen Klopp war, der sich, angeführt von seinem kongenialen Sturmtrio aus Mo Salah, Sadio Mane und Roberto Firmino, am Ende mit dem ersten Titel nach 14 Jahren belohnen konnte, mag vielleicht schon der Beginn des schleichenden Zerfalls dieses einst so grossen Vereins Tottenham Hotspur gewesen sein.

Denn ja - wenn es irgendeinen englischen Pendant zu Bayer Leverkusen vor dem Xabi-Alonso-Double im englischen Fussball gab, dann war das sicherlich Tottenham Hotspur. Nicht zuletzt hat am Ende selbst Harry Kane, der drauf und dran war für die Spurs so etwas wie der englische Francesco Totti zu werden (eine One-Club-Legende, von denen man heutzutage anderswo nicht einmal mehr zu träumen wagt) sich am Ende deswegen für den FC Bayern entschieden: Die Bayern waren für ihn die Gewissheit neben seinen vielen Einzeltrophäen (mehrmaliger Torschützenkönig der Premier-League) endlich nochmal Clubtitel, zumindest auf nationaler Ebene zu gewinnen.

Das eigentliche Problem aber war: Statt sich ueber die hervorragenden Ergebnisse unter Pochettino zu freuen (Platz 5, 4, 2, 3, und 4 in der Premier League + Einzug in Champions League Finale) frass man sich, seitens der Vereinsfuehrung, mit seinem unbedingten Willen nach Titeln am Ende selber auf. Denn statt auf die Ergebnisse stolz zu sein, versuchte man schliesslich sich, als einer zu dem Zeitpunkt 10 umsatzstaerksten Vereine der Welt, den Titel irgendwie "einzukaufen".

Vom Special One zum Unknown One


Die Antwort erschien zunächst logisch: Man holt sich einfach den Trainer ins Haus, der über Jahrzehnte einer der, was Titel angeht, erfolgreichsten Trainer der Welt war und die Champions League mit Real Madrid, Inter Mailand und sogar mit dem FC Porto gewann: The Special One - Jose Mourinho.

Nur war diese Entscheidung nicht wirklich logisch, weil Fussball nicht so funktioniert. Auf einen schnellen Umschaltfussball, wie man ihn noch unter Pochettino spielte, einen Trainer zu holen, der für ekliges Spiel gegen den Ball und Notfalls-Den-Bus-Hinten-Reinstellen steht, funktioniert eben nicht. Auch unter seinen Nachfolgern Antonio Conte und Nuno Espirito Santos, die nochmal für ganz anderen Fussball standen, funktionierte es nicht viel besser, zumindest selbst unter Conte nie konstant über eine ganze Saison.

Ausgerechnet Ange Postecoglu sollte es dann sein, der mit seiner rauen polarisierenden Art und einer gesunden grossen Klappe (z. B. "egal, wo ich war, am Ende habe ich immer Titel gewonnen, wenn man mir nur Zeit gab" mitten im Abstiegskampf zu sagen) wieder frischen Wind in den Club bringen sollte.


🏆 Ange Postecoglou when asked if Tottenham can win a trophy this season:

“I don’t usually win things, I always win things in my second year." pic.twitter.com/DI1WxA4AqY

— Football Tweet ⚽ (@Footballtweet) September 15, 2024


Aus Schottland von den Glasgow Rangers gekommen, sollte der Australier mit einer Truppe junger hungriger Talente, wie u.a. Archie Gray, Lucas Bergvall und Wilson Odobert, nach den teils zermürbenden Mourinho- und Conte-Jahren, wieder Fussball spielen, der spritzig ist, intensiv und die Fans begeistert.

Das Problem war nur: Innerhalb kürzester Zeit war die Mannschaft so überspielt, dass fast ein Drittel des Kaders verletzt war und der Rest defensiv teilweise so desolat verteidigte, dass Tottenham zwischenzeitlich schon fast zur Schiessbude der Liga wurde.

Zum ersten Mal ging es nicht mehr um Champions-League-Plätze, geschweige denn um Titel: Es ging darum, ob man auch künftig überhaupt noch gut genug für die erste englische Liga war oder ob es vielleicht sogar direkt runter ging. Zur Ironie des Schicksals gehörte dann aber auch schliesslich: Postecoglus letzte Amtshandlung bei Tottenham war zumindest, seinen Satz "Egal, wo ich war, am Ende habe ich immer Titel gewonnen" sogar wahr zu machen.

In einem absoluten Krisen-Finale gegen den zu dem Zeitpunkt Tabellenfünfzehnten der Premier League Manchester United konnte man sich schliesslich mit der zweitgröesten europäischen Trophäe belohnen: Dem Gewinn der Europa League.


Dennoch endete Postecoglus Zeit wenig spaeter. Denn nach der Trennung von ihm, wie auch dem jahrzehntelangen Vereinspraesidenten Daniel Lewy, wollte man es jetzt mal mit einem ganz anderen Ansatz versuchen. Man holte einen Trainer, der international noch gar keinen grossen Namen hatte, sondern stattdessen bei einem einstigen englischen Underdog-Zweitligisten namens FC Brentford 7 Jahre hervorragende Arbeit machte und diesen am Ende als neuen Premier-League-Mittelfeldclub etablierte: Thomas Frank - the unknown one".

Der dänische Horst Steffen

Schon alleine bei dieser kurzen Beschreibung kann man schon einige Parallelen zu dem ebenfalls gerade erst entlassenen Werder-Bremen-Trainer sehen. Beide kamen zu einem, vom Namen her, deutlich grösseren Verein, beide hatten vorher (Horst Steffen bei Elversberg, Thomas Frank bei Brentford) über fast ein Jahrzehnt bei einem kleineren Verein super Arbeit geleistet, beide kamen ein bisschen mit dem Image "der freundliche bescheidene Geographie-Lehrer - und beide hatten am Ende aber auch die Grösse des neuen Vereins schlichtweg unterschätzt.

Bei Thomas Frank begann es schon damit, dass er sich in die erste PK hinsetzte und gleich zu Beginn Sätze sagte wie:

"Klar sollte erst mal sein: Wir werden auch Spiele verlieren".

Natürlich stimmt dieser Satz, jedes Team verliert Spiele (selbst Xabi-Alonsos Invincible-Leverkusener mussten dies am Ende im Europa-League-Finale gegen Bergamo zur Kenntnis nehmen), ob das aber ein guter Opener in einer PK eines Vereins ist, der, was "Gewinnen" angeht, ohnehin schon immer ein bisschen als "Chokerverein" verschrien ist, muss jeder selbst entscheiden.

Dazu kam noch, dass er in der Kabine und auch öffentlich extrem für den Spielstil vom FC Arsenal unter Mikel Arteta schwärmte, dem absoluten Erzrivalen der Spurs. Dies ging sogar soweit, dass ihm ein Fan nach einem Spiel gegen den AFC Bournemouth eine FC-Arsenal-Tasse in die Hand drückte, woraufhin überall im Netz Mimes entstanden, die Thomas Frank in Arsenal-Bettwäsche, mit Arsenal-Fanschal oder im Arsenal-Schlafanzug zeigte.


Das grösste Problem war aber, dass Thomas Frank seine fussballerische DNA mehr und mehr verlor. Denn das, was ihn beim FC Brentford immer ausgezeichnet hat, war Arbeit gegen den Ball und Standards. Hier war er in seiner letzten Brentford-Saison, was Tore nach ruhenden Bällen angeht, sogar Platz 3 in der Liga, sowie auch Platz 7, was Expected Goals Against angeht. Mit 1,5 erwarteten Gegentoren pro 90 Minuten war er in dieser Saison hingegen nur auf Platz 16, heisst genauso schlecht wie der Tabellenplatz.

Die Fans frustrierten hinzu mehr und mehr die Versuche Thomas Franks die Situation herunter zu spielen und nie mal wirklich Tacheles zu reden.

Die toten Knie von London

Nun - ganz so dramatisch wie im Edgar-Wallace-Filmklassiker "Die Toten Augen Von London", wo aus einem Blindenheim nach und nach Leute verschwanden und blinde Hausierer von einem Gängsterbrüderpaar ausgenutzt wurden, um Millionäre in der Themse zu versenken und sich anschliessend derer Lebensversicherungssummen zu bemächtigen, ist die Lage bei Tottenham sicherlich nicht.

Dennoch ist die Anzahl der Spieler, die aufgrund von Knieverletzungen Saison für Saison aus dem Tottenham-Kader verschwanden, von der Anzahl her schon bedenklich. Hier geben einige Kritiker auch Ange Postecoglu und seinem intensiven Spielstil die Schuld, zur Wahrheit gehort aber auch, dass die Spurs Jahr für Jahr Spieler einkaufen, die schon eine gewisse Verletzungshistorie mitbringen, u.a. den letzten Sommer aus Leipzig gekommenen MIttelfeldspieler Xavi Simons.


Klar ist: Kaum ein Verein auf der Welt ist seit zwei Saisons so sehr von Verletzungen geplagt, wie die Nordlondoner. Alleine die aktuelle Verletztenliste: Ben Davies, Destiny Udogie, Pedro Porro, Rodrigo Bentancur, Lucas Bergvall, Dejan Kulusevski, James Maddison, Wilson Odobert, Mohammed Kudus und Richarlison: Alleine das ist schon eine ganze Startelf. Dazu kommen noch Langzeitverletzte, wie der erst kürzlich zurückgekehrte Stürmer Dominic Solanke, plus die Spieler, die immer wieder und regelmässsig aufgrund von kleineren Verletzungen ausfallen, darunter Cristian Romero, Micky van de Veen und bereits erwähnter Xavi Simons.

Natürlich kann man Verletzungen nie planen, bei so einer Häufung, auch unter Thomas Frank, dessen Spielstil deutlich weniger auf Sprints und Intensität ausgerichtet war, ist aber auch der Blick in die medizinische Abteilung ein Muss.

Wie geht es weiter?

Dies ist nun die grosse Frage: Vielleicht damit, dass man die erste Mannschaft wird, die absteigt und gleichzeitig die Champions League gewinnt? Dort steht man aktuell nämlich auf einem hervorragenden Platz 4. Bei dieser Platzierung muss man aber etwas vorsichtig sein, da das Losglück hier auch klar auf Seiten der Spurs war. Von den Top-Teams Europas hatte man in der Ligaphase kein einziges weiteres Top 8 Team als Gegner, beziehungsweise mit Paris St. Germain und Borussia Dortmund nur zwei Teams, die in den letzten Jahren um den Titel mitgespielt haben. Dafür hatte man 4 Teams als Gegner, die sich nicht einmal mehr für die Playoffs qualifizierten.

Daher sollte (auch wenn das Achtelfinal-Los mit dem Sieger aus entweder Juventus-Galatasaray oder Atletico-Brügge es ebenfalls gut mit den Spurs meint) dieser Erfolg besser nicht zu sehr überbewertet werden.

Viel wichtiger ist nun die Aufgabe, zumindest dem Abstiegskampf zu entrinnen und vor allem seine erschreckende Heimbilanz wieder zu verbessern.

Ist Igor Tudor der Richtige?

Und damit zur entscheidenden Frage. Klar ist: Igor Tudor steht für Intensität, physische Präsenz und klare Strukturen. Seine Teams agieren meist in einer 3-4-2-1- oder 3-4-3-Formation. Das Spiel ist vertikal angelegt: schnelle Ballgewinne, direkter Weg nach vorne, hohe Laufbereitschaft

Das Problem ist allerdings, dass Tudors Stil, ähnlich wie der von Postecoglu, wieder sehr auf Intensität ausgerichtet ist, und das bei einem Kader, der ohnehin schon Verletzungen gebeutelt ist. Hinzu bemängeln Kritiker regelmässig, dass seine Teams im Ballbesitzspiel nicht immer die kreative Variabilität besitzen, um tief stehende Gegner konstant zu knacken.

Und genau das war es, was Fans wiederum an Thomas Frank am meisten kritisierten: Dass man - statt kreative Lösungen im vorderen Angriffsdrittel zu suchen, immer wieder über die Aussen kam, um einen Stürmer mit Flanken zu füttern, der (namentlich Dominic Solanke) verletzt zu Hause im Bett lag oder auf der Bank sass.

Wenn man fies ist, könnte man daher durchaus fragen: Igor Tudor = Worst of both worlds?


Was aber zumindest ein bisschen für Igor Tudor spricht, ist dass er sehr über Kontrolle durch Struktur und Kompaktheit kommt. Taktische Stabilität, gepaart mit kroatischer Mentalität, wie es aus seine Heimat kennt, das sind seine Kernattibute. Dies könnte zumindest kurzfistig helfen, das Schlimmste (Den Abstieg) zu vermeiden und gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte weniger Punkte zu lassen, ob das aber die Tottenham-Fans, bei den (!) kostspieligen Investitionen, die der Verein mittlerweile für neue Spieler tätigt, langfristig zufrieden stellt, darf dann doch stark bezweifelt werden.

Hinzu hat Tottenham mittlerweile auch ein Problem, was junge Eigengewächse angeht. War Tottenham hier einst mal das Aushängeschild, gerade was junge aufstebende englische Nationalspieler wie Harry Kane, Dele Alli, Danny Rose, Kyle Walker oder Eric Dier angeht, sind hier Vereine wie Manchester City, Liverpool oder Arsenal mittlerweile, was Talententwicklung und deren Einbindung in den Profi-Kader angeht, klar vorbeigezogen.

Sollte man daher im Sommer nach einer langfristigen Lösung suchen, wäre es dringend empfohlen, einen Trainer zu suchen, der auch gut darin ist junge Spieler zu fördern.

Fazit: Stabilisation statt Titelhunger

Leon Buche
Leon Buche

Die beste Nachricht ist daher wahrscheinlich diese: Durch den Gewinn der Europa League im letzten Jahr hat Tottenham Hotspur endlich nicht mehr diesen riesigen Titeldruck, wo sich selbst ein Finaleinzug in der Champions League schon wie eine Niederlage anfühlt. Denn den einen grossen Titel hat man jetzt und damit ist dieses Thema zumindest erstmal erledigt.

Umsomehr aber wird es nun wichtig sein, mit konstanter Arbeit unter guter Führung wieder ein Verein mit Identifikationsfaktor zu werden, der sich langsam wieder stabilisiert um im Verlaufe der nächsten Jahre auch mal wieder oben in den Top 6 angreifen zu können.

Das sind die 10 heißesten Wintertransfers diese Saison

In nur wenigen Tagen schließt das Wintertransferfenster erneut. Wir von allen aber trotz alledem schon mal zurückblicken auf die heißesten und spannendsten Transfers dieses Winters.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 20 Januar 2026, 23:35

Hurra, Hurra, Hurra, das Transferfenster ist wieder da.

Denn auch wenn die ganz großen welterschütternden Transfers diesen Winter insbesondere in der Bundesliga bislang ausblieben, gab es auch in diesem Wintertransferfenster schon einige sehr heiße und spannende Transfers, insbesondere mit Blick auf die kommende WM, zu vermelden.

Hier ein Blick auf die (Stand 27.01.) bislang heißesten Transfers auf dem europäischen Markt. (Bild: IMAGO / Every Second Media)

PLATZ 10: JEREMY AREVALO (Racing Santander zum VFB Stuttgart)

Alemania, Esperamos Verte.

Diese Worte (zu deutsch "Deutschland, wir freuen uns auf euch") könnten mittlerweile der Schlachtruf der Ecuadorianer mit Blick auf die kommende WM sein. Denn Deutschland und dritte Gruppenspiele, da war doch was (Grüße an Südkorea 2018).

Aber halb so schlimm. Solange die Ecuadorianer nur defensiv gut stehen und in ihrem 300 Meter über den Wolken liegenden Stadion ihren Gegnern das Gefühl geben, sich grade auf einem Tauchtrip in der Nähe des Mariannengrabens zu befinden, dabei aber keine Tore schießen (5 Gegentore in 18 Spielen in der WM-Quali):

Da spielt man dann eben 0 : 0, holt dann für 2 Minuten nochmal kurz Oliver Neuville aus der Rente und macht es wie gegen Polen beim Sommermärchen 2006: Schnell noch das 1 : 0 und Haken dran. Deutschland ist eben doch eine Turniermannschaft.

Doch ist es wirklich nur noch der schon seit 10 Jahren vom Stein-Der-Weisen-Elixier naschende ewig junge Enner Valencia (36), der gefühlt noch bis zur nächsten Eiszeit für Ecuador auf Torejagd geht?

Ausgerechnet die neue Talent-Hochburg für ambitionierte DFB-Spieler VFB Stuttgart soll diese Frage nun beantworten.

Denn dort knipst ab jetzt ein 20-jähriger ecuadorianischer Youngstar, der mit 8 Toren in 18 Spielen nicht nur seinen Verein Racing Santander mal eben auf Platz eins der zweiten spanischen Liga schoss, sondern zuzüglich aktuell zu einem der aktuell heißesten Talente Südamerikas zählt.

Auch Vereine wie Frankfurt, Brighton und Atalanta Bergamo waren an dem Youngstar dran, letztendlich aber machte der VFB Stuttgart das Rennen.

Dort erhielt Arevalo einen Vertrag bis 2031 und kostete dem Verein dafür eine Ablösesumme von 7 Millionen Euro.

Naja, immerhin - wird sich der Bundestrainer denken - potenzielle WM-Defensivspieler wie Jeff Chabot, Maxi Mittelstädt oder vielleicht sogar Finn Jeltsch könnten sich dann ja im VFB-Training gleich schon mal ein bisschen für das alles entscheidende WM-Gruppenspiel einspielen.

PLATZ 09: JOVAN MILOSEVIC (VFB Stuttgart zu Werder Bremen)

Tore schießen möchte man auch in Bremen demnächst mal wieder, insbesondere nach der jüngsten 0 : 3 Pleite gegen Dortmund, welche wieder mal bewies, dass selbst ein durchwachsener BVB mit 53 Ballbesitz noch lange nicht dafür sorgt, dass man an der Weser mal wieder ansatzweise das Tor findet. Es sei denn natürlich die Defensive heißt Eintracht Frankfurt, aber gegen die würde ja aktuell sogar jede Drittliga-Mannschaft drei Tore schießen.

Denn Keke Top, der nach wie vor leider so "Top Top Top" ist, wie Pep Guardiola's Stimmung nach einer 0 : 6 Niederlage gegen Manchester United und der nach einem halben Jahr wieder abgewanderte "Königstransfer" Victor Boniface, dessen Medizincheck vor der Saison gefühlt etwa genau so detailliert verlief wie die gewollte Ausmusterung eines bereits 30 mal wegen illegalem Waffengebrauchs verurteiltem Serienkillers bei der Bundeswehr: Torgefahr sieht auf jeden Fall anders aus.

Und wenn Werder-Sportmanager Clemens Fritz dann morgens schlaftrunken in die Küche torkelt, mit seinem Handy durch die Weiten des weltumspannenden Netzes scrollt und auf der den meisten Lesern sicherlich unbekannten Geheimtipp-Seite für Sportmanager transfermarkt.de plötzlich liest, dass er ja tatsächlich noch Spieler leihen darf, ist der Hörer natürlich schneller gezückt, als das Wasser die Weser runterfließt.

Könnte die Leihe des 20jährigen Stuttgart-Talents Jovan Milosevic nun tatsächlich noch einmal Schwung in die Bremer Offensive bringen?

Denn im Gegensatz zu Boniface ist er auch der Typ mitspielender Stürmer, wie ihn Trainer Horst Steffen bereits mit Fisnik Asllani in Elversberg hatte: Es ist also nicht auszudenken, dass - insbesondere im Zusammenspiel mit Flügelflitzer Samuel Mbangula - der serbische Nationalspieler vielleicht wirklich nochmal der Unterschiedsspieler für die Grünweißen im Kampf um den Klassenerhalt werden könnte.

Denn sein wir mal ehrlich - wer, wenn nicht er? Den Bremen-Fans wäre es mehr als zu wünschen.

PLATZ 08: ARNAULD KALIMUENDO (Nottingham Forest zu Eintracht Frankfurt)

Und jetzt die große Preisfrage an alle Football-Manager-Zocker:

Was macht man als Manager, wenn man mit 39 Toren die zweitbeste Offensive der Liga stellt, die Defensive allerdings weiterhin alles tut, in Sachen Gegentore dem All-Time-Torrekord der Bayern (101 Tore) nachzujagen?

Richtig, man verpflichtet einfach noch einen weiteren Stürmer. Die Defensive fängt ja schließlich vorne an, wie Stefan Effenberg immer so schön sagt. Und der muss es ja wissen.

Arnauld Kalimuendo, ein Spieler, der es die vergangene Jahre schaffte, selbst die langweiligste Transfer-Update-Die-Show-Folge dank irgendwelcher Gerüchte mit Leben zu füllen, hat es damit nun tatsächlich geschafft, bei der Eintracht zu landen, per Leihe vom abstiegsbedrohten Premier-Ligisten Nottingham Forest.

Steht also nun die nächste Torparty für die Eintracht bevor nach Omar Marmoush und Randal Kolo Muani?

Kolo Muani und Kalimuendo klingt ja zumindest vom Namen her schon mal ähnlich, Franzosen sind sie auch beide - ob das aber auch vom Toroutput ähnlich sein wird, wird die Zeit zeigen.

Bei 2 Ligatoren in 2 Spielen steht der Neuzugang allerdings schon jetzt, nachdem er letzte Saison beeindruckende 17 Tore und 3 Vorlagen für den französischen Erstligisten Stade Rennes erzielte.

Ob dieser Transfer tatsächlich die wirklichen Probleme der Eintracht lösen kann, kann aktuell nur der liebe Gott (oder im Idealfall Frankfurt-Sportmanager Markus Krösche) wissen.

Und falls nicht, dann muss Kalimuendo wohl 4 Tore pro Spiel schießen: Auch mal eine ganz nette Challenge, für einen Stürmer, der mit 24 Jahren nach wie vor auf eine Nominierung und einen Durchbruch in der französischen A-Nationalmannschaft wartet.

PLATZ 07: BRENNAN JOHNSON (Tottenham Hotspur zu Crystal Palace)

Nun aber zu Ex-Frankfurt-Trainer und Europa-League Sieger Oliver Glasner:

Denn bevor dieser noch völlig ausrastet, beziehungsweise Angst bekommt, nach den neuesten Gerüchten rund um seinen Top-Stürmer Jean-Philippe Mateta bald nur noch mit Balljungen trainieren zu können, jetzt mal ein kleiner Blick in die Premier League.

Denn auch dort gab es diesen Winter einige spektakuläre Transfers, darunter der Transfer von Brennan Johnson von Tottenham Hotspur zu Crystal Palace.

Der walisische Flügelstürmer soll dort den immer noch schmerzhaften Abgang von Ebereche Eze zum FC Arsenal vergangenen Sommer kompensieren, was die Eagles sich ganze 35 Millionen Euro kosten ließen, vereinsinterner Rekord-Transfer.

17 Tore und 5 Vorlagen erzielte er letzte Saison für die Spurs und war damit noch einer der wenigen Leistungsträger in einer (den Europa-League-Titel ausgenommen) Premier-League-Saison zum Vergessen.

Nun soll Brennan Johnson also den aktuellen englischen Pokalsieger wieder zu neuer Kraft verhelfen - und in den Playoffs im März vielleicht noch nebenbei Wales zur WM schießen.

Was wiederum bedeuten würde: Die italienische Nationalmannschaft würde eine dritte WM in Folge auf die Flugkosten ihrer Nationalmannschaft für eine Weltmeisterschaft verzichten und damit erneut einen entscheidenden Teil zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen.

Ob ein hashtag - stay at home aber so im Sinne der Fans der Squadra Azzurra wäre: Wohl eher nicht.

PLATZ 06: MARC GUEHI (Crystal Palace zu Manchester City)

Doch was war es eigentlich, was Crystal-Palace-Coach Oliver Glasner zuletzt "das Herz gleich zwei mal aus der Brust riss", wie er selbst nach der 1:2-Niederlage gegen "Sunderland" verkündete: Natürlich der plötzliche Verkauf der Vereinsführung seines Abwehrchefs und Kapitäns Marc Guehi zu Manchester City, angeblich völlig überraschend und ohne Absprache.

Und das wo, nachdem Ausscheiden des Titelverteidigers gegen den Fünftligisten Macclesfield im FA-Cup, doch mit der Conference League zumindest noch ein Titel realistisch wäre.

Zur Wahrheit an diesem Transfer gehört allerdings auch: Wenn ein Verein für einen Spieler, der im Sommer den Club ohnehin ablösefrei verlassen würde, noch 35.5 Millionen Euro bekommt und diesen folglich ziehen lässt: Kann das dann für einen so erfahrenen Trainer wie Oliver Glasner wirklich so (!!!) überraschend sein?

Oder möchte hier einer aktuell einfach nur noch weg, bzw. schielt hier möglicherweise schon auf einen neuen Job? (Grüße an Manchester United).

Der Wechsel von Marc Guehi, der nun die anhaltende Verletzungsserie in der Defensive der Skyblues kompensieren soll, ist nun zumindest vollzogen: Ein Grund mehr für die Bayern den Vertrag von ihrem Innenverteidiger Upamecano schnellstmöglich zu verlängern, bevor deren anderer Alternativ-Wunschkandidat Nico Schlotterbeck womöglich auch noch beim BVB verlängert.

Und für Crystal Palace und Oliver Glasner heißt es nun: Mund abputzen, weiter machen und sich klar werden: Selbst für die Premier-League-Clubs, die Könige der Tiere im weltweiten wirtschaftlichen Vergleich, gibt es eben immer noch den einen König der Löwen, den Verein, der in der Nahrungskette dann eben noch mal darüber steht: In dem Fall (wieder mal) Manchester City.

PLATZ 05: MARC-ANDRÉ TER STEGEN (FC Barcelona zum FC Girona)

Doch kommen wir zurück zur deutschen Nationalmannschaft: Dort sieht es nämlich aktuell so aus, als ob das Torwart-Battle um den WM-Platz Oliver Baumann vers. Marc-André Ter Stegen in dieser Rückrunde doch nochmal spannend werden könnte.

Das, was Leverkusen nämlich bis 2024 in puncto Titel waren, war der langjährige Barcelona-Kapitän Marc-André Ter Stegen bislang in Sachen Nr.-1-Torwart-für-Deutschland sein: Immer im Rennen, aber am Ende nie gut genug, um an einem Manuel Neuer vorbei zu kommen.

Das könnte sich, trotz Ausmusterung beim FC Barcelona ausgerechnet unter dem ehemaligen Deutschland-Trainer Hansi Flick, jetzt allerdings noch mal ändern - und das sogar ganz ohne Umzug, ganz nach dem Motto egal ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien, beziehungsweise im Fall Ter Stegen Egal ob Montilivi oder Camp Nou, Hauptsache Barcelona.

Im mit vollem Namen "Estadi Municipal de Montilivi" soll Ter Stegen nun nämlich für den FC Girona das Tor hüten, einem Verein, der letzte Saison noch sensationell in der Champions League mitspielte, diese Saison allerdings akut abstiegsbedroht ist.

Könnte dieser Transfer daher die letzte Chance für Ter Stegen sein, nach dem Rücktritt von Manuel Neuer nach der Heim-EM 2024 seinen ewig unerfüllten Traum nochmal wahr zu werden?

Nun, Julian Nagelsmann wird ihn sicher ganz genau im Auge behalten. Und 80 Millionen weitere deutsche Bundestrainer sicherlich auch.:)

PLATZ 04: ENDRICK (Real Madrid zu Olympique Lyon)

Was aber ist eigentlich los mit Brasilien?

Von der Nation, die einst für den schönsten und fairsten Fußball dieses Planeten stand, ist nämlich Stand jetzt nicht mehr viel mehr übrig geblieben, als eine Mannschaft die konstant unterperformed (lediglich Platz 5 in der Qualifikation hinter Kolumbien, Uruguay und Deutschland-Gruppengegner Ecuador) und zuzüglich mehr und mehr Anstalten macht, FIFA-Weltranglisten-Erster in Sachen Das "mit Abstand unsympathischste Team der Welt" zu werden.

Einige Premier-League-Fans erinnern sich möglicherweise an die jüngste Aktion von Brasilien-Flügelstürmer Gabriel Martinelli (FC Arsenal), wo er seinen grade schwer verletzten Gegenspieler Conor Bradley im Top-Spiel gegen Liverpool versuchte vom Spielfeld zu treten - vom an Mobbing grenzenden und absolut bodenlosen Machtkampf von Real-Madrid-Star Vinicius Junior gegen Xabi Alonso, welche am Ende für die Entlassung Alonsos sorgte, wollen wir hier gar nicht erst reden.

Verglichen mit solchen Führungsspielern wirken die "Wälzmeister"-Schwalben von Neymar mittlerweile schon fast wie das Intro eines Vorzeigevideos einer Benimmschulung für junge Nachwuchsfußballer.

Da machen sich viele Brasilien-Fans trotz der Verpflichtung von Ex-Real-Trainer Carlo Ancelotti zu Recht große Sorgen darüber, ob die Brasilianische Nationalmannschaft nicht vielleicht sogar die Enttäuschung der kommenden WM wird.

Fakt ist, dass Brasilien aktuell unbedingt einen neuen Knipser brauch, der sich fernab vom aktuell chronisch vergifteten Real-Madrid-Umfelds behutsam auf die WM vorbereiten kann: Könnte Endrick möglicherweise dieser Knipser sein?

Der Spieler, der vor ein paar Jahren noch mit grade mal 15 Jahren als der neue Pelé, das größte brasilianische Talent seit 10 Jahren galt und für eine Rekordablösesumme von 72 Millionen Euro noch vor seinem 16. Lebensjahr zu Real Madrid wechselte?

Die Zeichen stehen nach seinem Leihwechsel zu Olympique Lyon auf jeden Fall nicht schlecht. Auf Platz 1 der Europa-League-Tabelle hat man dort nämlich derzeit große Chancen auf den Titel des vermeintlich "Kleinen Bruders der Champions League."

Mit 4 Scorern in 2 Spielen legte Endrick bei den Franzosen des Weiteren bereits jetzt einen wahren Kickstart hin. Könnte der Wechsel zum Verein, bei dem auch einst ein gewisser Karim Benzema seinen Durchbruch schaffte, daher vielleicht der entscheidende Schritt gewesen sein?

Die Rückrunde wird es zeigen, auch wenn man nicht vergessen darf, dass in der Premier League beim FC Brentford mit Igor Thiago grade ein weiteres brasilianisches Megatalent (Platz 2 in der Torjägerliste hinter Erling Haaland) auf sich aufmerksam macht.

PLATZ 03: EDIN DZEKO (AC Florenz zum FC Schalke 04)

Die Bundesliga eine One-Club-Liga, Brasilien nicht mehr 11 strahlende Sunny-Boys, die einfach nur atemberaubenden Fußball spielen und daran zu allem Überfluss auch noch Spaß haben - und selbst in der Premier League eine Situation, wo sich ein Großteil der Vereine nur noch wie Ausbildungsvereine für die noch größeren Player fühlen:

Gibt es da überhaupt noch Anlass für Fußballromantik?

Ja, gibt es!. und darum auch unser Platz drei: Edin Dzeko zum FC Schalke 04.

Man stelle sich einfach vor - und so ähnlich soll es ja abgelaufen sein: Da ruft ein bosnischer Nationalspieler, der vom reinen Toroutput zu den vielleicht erfolgreichsten Fußballern der letzten 20 Jahre gezählt werden muss, von sich aus bei den Königsblauen an, etwa mit den Worten:

"Hey Leute, hab da ein paar Angebote aus Saudi Arabien, aber irgendwie hat mich da gestern so'n Nationalmannschaftskollege namens Sead Kolasinac angerufen, mit der Frage, ob ich nicht vielleicht doch lieber noch mal was cooles erleben will? Zum Beispiel Schalke 04 vor 75.000 Fans zum Aufstieg zu schießen? Wie sieht's aus? Habt ihr nicht vielleicht doch noch ein Platz frei?"

Und nur nochmal, dass jedem nochmal bewusst wird, über was für einen Stürmer wir hier reden: 120 Scorer, inklusive Torjägerkanone und Meistertitel für den VFL Wolfsburg, 100 Scorer für Manchester City, 173 Scorer für die AS Rom, wie auch nicht zuletzt 64 Scorer für Fenerbahce Istanbul: Das sind Zahlen, die nicht weit weg von den Zahlen eines Cristiano Ronaldos sind.

Und natürlich darf man hier nicht komplett vergessen, dass Dzeko mittlerweile auch schon 39 Jahre alt ist - dass dieser Transfer, aber ganz klar (neben dem Transfer von Raul) einer der spektakulärsten Schalke-Transfer und vielleicht der spektakulärste Zweitliga-Transfer aller Zeiten ist, steht allerdings außer Frage.

Insbesondere dann, wenn dieser Stürmer dann auch gleich in seinem ersten Schalke-Spiel trifft und den Fans mit einer kongenialen Brustannahme zeigt, dass hier vielleicht bald sogar noch größere Träume wahr werden könnten.

PLATZ 02: NICLAS FÜLLKRUG (West Ham United zum AC Milan)

Und zum Thema Fußballromantik:

Was könnte romantischer sein als die Wiederauferstehung von "Uns Lücke", Niclas Füllkrug in Mailand, ausgerechnet der Stadt, die einst die Erfolgshochburg für DFB-Legenden im Ausland wie Andreas Brehme, Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann war.

Während genannte Spieler allerdings alle für den Stadtrivalen Inter Mailand aufliefen, wechselte der möglicherweise doch heimliche Urheber des Smashhits "Füllkrug mit Bier" zum vielleicht noch cooleren Stadtrivalen.

Zur emotionalen Karriere-Achterbahnfahrt von Niclas Füllkrug in den letzten Jahren haben wir hier bereits alles geschrieben (wer es noch nicht gelesen hat, gerne HIER klicken), nun aber könnte es sein, dass sich die Story vielleicht doch nochmal zum Positiven wendet.

In 5 Spielen (1 Tor) konnte Füllkrug bereits beweisen, dass er für Trainer Massimiliano Allegri weit aus mehr als nur ein Ergänzungsspieler werden könnte.

Und man stelle sich es sich nur mal vor: Ausgerechnet Füllkrug als derjenige, der die Rossoneri, einen Verein, der diese Saison nicht einmal europäisch spielt, der aber aktuell dennoch mit nur knapp hinter dem Erzrivalen Inter Mailand auf Platz 2 steht, am Ende wirklich zur Meisterschaft schießt, um dann mit Pauken und Trompeten bei der WM 2026 sein Comeback im deutschen Nationaldress zu feiern.

Das steht zwar bislang noch in den Sternen, aber immer dann da zu sein, wenn niemand mehr mit ihm rechnet: Zu welcher Karriere würde dies besser passen als zu der von Niclas Füllkrug?

PLATZ 01: ANTOINE SEMENYO (AFC Bournemouth zu Manchester City)

Und unsere Goldmedaille für den bislang heißesten Transfer diese Wintertransferphase: Der muss trotzallem an Antoine Semenyo gehen, auch wenn ich mich als aktuell vielleicht Der Fußballromantiker im Kickfieber-Team ein bisschen dagegen gewehrt habe.

Doch zu unschlagbar scheinen die Skyblues auf dem Papier mit diesem neuen Dreiersturm Antoine Semenyo, Omar Marmoush und Erling Haaland, wenn man an den jüngst etwas strauchelnden einzigen wirklichen Konkurrenten FC Arsenal denkt (2 : 3 gegen Manchester United + ein äußerst uninspiriertes 0 : 0 gegen den FC Liverpool), dann um so mehr.

Denn - ohne etwas jinxen zu wollen - man muss kein Premier-League-Experte sein, um erahnen zu können, dass sich die Zeit von Pep Guardiola bei Manchester City dem Ende zuneigt.

Doch wer Guardiola zutraut den Verein, mit dem er über Jahre hinweg die beste Liga der Welt dominiert hat, ausgerechnet in einer Schwächephase zu verlassen, der hat Pep Guardiola nie gekannt.

Denn so sicher, wie das Amen in der Kirche oder die Verschiebung der Dreiecke auf dem Rasen (was im Falle Guardiolas etwa aufs Gleiche hinauskommt) ist klar, dass der vielleicht erfolgreichste Trainer des 21. Jahrhunderts Manchester City nicht ohne einen letzten Titelkampf verlassen wird: Bei dem er am Ende das tut, was er am liebsten tut: Titel zu gewinnen.

Nicht anders ist diese plötzliche Winter-Transferoffensive von Manchester City zu erklären?

Und was sind schon 72 Millionen Euro für einen neuen Stürmer?

Am Ende eben das, wofür Geldquellen ohne Limit am Ende sorgen:

Antoine Semenyo zu Manchester City, der nicht nur teuerste, sondern auch spektakulärste Wintertransfer 2025/26.

1. FC Köln: Kwasniok bald vor dem Aus?

Nach 8 sieglosen Spielen konnte der Effzeh zuletzt endlich wieder gewinnen. Dennoch fordern viele Fans trotz aktuell Platz 10 bereits den Rauswurf von Trainer Lukas Kwasniok. Doch was sind die wahren Gründe dafür?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 20 Januar 2026, 4:00

Schon vor der Saison wusste man in Köln, mit Lukas Kwasniok einen Trainer geholt zu haben, der anders ist als viele anderen Trainer: Weniger glattgebügelt, weniger dem typischen modernen Mainstream-Laptop-Trainer entsprechend, aber dennoch ein Trainer, der bereits in Paderborn bewiesen hat, jemand zu sein, der wie kaum ein anderer Energie und Siegeswillen in eine Mannschaft bringen kann. (Bild: IMAGO / Beautiful Sports International)

Kwasniok, der neue Baumgart - jemand, der (wie man in Bayern sagt) "sich nichts scheißt", sondern stets offen und ehrlich sein Herz auf der Zunge trägt: Eigentlich doch das perfekte Match für den Effzeh? Dachte man.

Denn trotzdem - und trotz des hervorragenden Saisonstarts - sehen viele Fans die Zusammenarbeit zwischen Lukas Kwasniok und dem 1. FC Köln jetzt schon als gescheitert an. Verschiedene Gründe, auf und neben dem Platz, trugen hier zu bei, nicht zuletzt eine weitere 1 : 2 Niederlage gegen den SC Freiburg und das damit (den Sieg gegen Mainz am 17. Spieltag ausgenommen) neunte Spiel ohne Sieg.

Hier 6 Gründe, warum es mit dem 1. FC Köln und Lukas Kwasniok bislang noch nicht perfekt zu matchen scheint:

1. ZU HOHE ERWARTUNGEN

"Hauptsache am Ende vor Gladbach stehen", das waren Kwasnioks scherzhafte Worte zu Beginn der Saison. Nun, wenn man dies betrachtet, hat der Coach eigentlich bislang alles richtig gemacht, steht man doch nachwievor, wenn auch punktgleich, einen Platz vor dem Erzrivalen vom Niederrhein.

Auch sonst kann man einen 10. Platz in der Tabelle aktuell eigentlich nur mit dem Attribut "Erwartungen übertroffen" bewerten. Zur sportlichen Wahrheit gehört allerdings auch, dass man aktuell näher am Relegationsplatz steht (5 Punkte Abstand) als an einem Europa-Platz (7 Punkte). Dennoch gab es sicherlich wenige Köln-Fans, die nach dem Aufstieg einen Platz 10 in der Bundesliga vor der Saison nicht sofort gekauft hätten.

Die Gründe für die Probleme rund um Kwasniok scheinen also über das rein Sportliche hinaus zu gehen und sicherlich auch dem hervorragenden Saisonstart, wie auch der danach plötzlichen negativen Kehrtwende geschuldet zu sein.

War man hier nach dem, für Köln-Verhältnisse, Megastart insbesondere nach dem furiosen 4 : 1 Sieg gegen den SC Freiburg in der Hinrunde vielleicht schon etwas zu sehr am Träumen?

2. MERKWÜRDIGE AUFSTELLUNGEN

Mit das Wichtigste beim 1. FC Köln scheint allerdings auch nach wie vor zu sein, dass der Plan des Vereins und des Trainers für die Fans greifbar bleibt.

Dies war unter Kwasniok diese Saison nicht immer der Fall. Kaum einen Spieltag konnte man gefühlt vorhersehen, welche Spieler Kwasniok denn diesmal aufstellen oder mit welchem System er spielen würde.

Vieles wirkte hier sehr aus dem Bauch heraus entschieden. Auch gab es viele Momente, wo der Trainer seine Fehler selbst eingestand und die Aufstellung, z.B. aufgrund eines Rückstandes, während eines Spieles selbst wieder richtig stellte.

Dies hatte zur Folge, dass man viele Spiele erst in aller letzter Sekunde gewinnen konnte, u.a. gleich zu Anfang das Pokalspiel gegen den Drittligisten Jahn Regensburg, welches nur dank zweier Tore in der 8. und 9. Minute der Nachspielzeit mit einem 2 : 1 Sieg nicht in einer kompletten Blamage endete.

Auch die Grundformationen wechselte Kwasniok wie gefühlt andere ihre Unterhose. Vom 4-3-3-System (z.B. am 2. Spieltag gegen Freiburg) bishin zu einem 4-2-2-2 bzw. kurz darauf einem völlig anderen deutlich defensiveren 3-4-3 (wie bei der 0:1-Niederlage gegen Dortmund) war hier so ziemlich alles dabei, was auf eine Taktiktafel passt. Auch die Erklärungen nach den Spielen wirkten hier nicht immer schlüssig.

Denn natürlich muss ein Trainer seine Aufstellung auch immer ein Stück weit an den Gegner anpassen, wenn allerdings eine Niederlagenserie aufgrund einer allgemeinen Unsicherheit in der Mannschaft zu erkennen ist, sollte für jeden Trainer zunächst Priorität haben, klare Abläufe und Struktur zu schaffen. Dies ist bei ständig wechselnden Aufstellungen und Formationsveränderungen, teilweise mitten im Spiel, natürlich schwierig.

3. VERLETZUNGEN

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass viele von Kwasnioks Startaufstellungen, wie z.B. Tom Krauß auf der Linksverteidigerposition, auch der hohen Anzahl an Verletzungen insbesondere in der Defensive geschuldet waren.

Grade die schwere Knieverletzung von Abwehrchef Timo Hübers wog hier besonders schwer, doch auch andere Verletzungen wie die von Dominique Heintz, Luca Kilian, Joel Schmied und Rav van den Berg spielten hier eine große Rolle.

Gegen die Bayern spielte man mit Winterneuzugang Jamai Simpson-Pusey beispielsweise nur mit einem einzigen Innenverteidiger, wo es fast schon einem Wunder gleich kommt, in diesem Spiel "nur" drei Gegentore kassiert zu haben.

Kein Wunder, dass Kwasniok in seinen PKs auch oft das Thema Belastungssteuerung erwähnt - gern auch mal mit für die etwas sensiblere FC-Köln-Fan-Seele deftigeren Aussagen, wie (im Fall Cenk Özkazar):

"Wenn ich ihn aktuell 90 Minuten spielen lasse, kann ich ihn danach mit einem Ganzkörperkrampf vom Platz tragen."

4. KOMMUNIKATION NACH AUSSEN

Und da kämen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt, warum die Kritik an Lukas Kwasniok trotz des nach wie vor guten Tabellenstands nicht leiser wird: Seine Kommunikation nach Außen wirkt für viele Fans des heutigen glattgebügelten Profi-Fußballs ein bisschen aus der Zeit gefallen.

Denn auch wenn der ein oder andere, mir inklusive, eine gewisse Rawness im Profi-Fußball immer wieder mal ein bisschen vermisst:

Wir leben anno 2026 nun mal nicht mehr in Zeiten von Ede Geyer, wo man sich mit PK-Aussagen wie "manche Spieler haben die Einstellung zum Profisport wie die Nutten auf St. Pauli", "Da kann ich auch meine Frau hinten reinstellen" oder "gegen mein Training ist die Bundeswehr wie Urlaub" lange auf einem Trainerstuhl halten kann.

Ganz so deftig waren die Aussagen von Lukas Kwasniok freilich bislang nicht, trotz alledem war er schon als Trainer des SC Paderborn dafür bekannt, nicht selten auch mal einzelne Spieler, wenn nicht sogar die ganze Mannschaft anzuzählen.

Das mag in Paderborn funktioniert haben, so mancher Köln-Fan fand das allerdings die letzten Monate nicht immer so ganz lustig. Hinzu kommt, dass Kwasniok vor Köln noch nie einen Bundesliga-Club trainiert hat, Sprüche, wo er zu sehr austeilt, ihm daher nicht selten auch mal als arrogant ausgelegt werden.

Auch zeigte er sich - selbst nach Fanplakaten wie "KWASNI YOK", was auf türkisch so viel wie "Kwasniok nicht" bedeutet, nur wenig kritikfähig, was sein Standing bei den Fans auch nicht grade leichter machte.

5. DER FALL WALDSCHMIDT

Hinzu kamen schließlich noch Unruhen in der Kabine, nicht zuletzt die Degradierung von Stürmer und Führungsspieler Luca Waldschmidt. Dieser hatte sich zuvor bei einem autorisierten (!) Interview über zu wenig Einsatzzeiten beklagt, woraufhin Kwasniok zunächst sehr dünnhäutig reagierte und ihn kurzerhand aus dem Kader warf.

Hier hätte er vielleicht mal ein paar Meilen nach Norden zu seinem Trainerkollegen Niko Kovac schauen sollen, der vor ein paar Wochen eine ähnliche Situation mit seinem Abwehrchef Nico Schlotterbeck elegant mit den Worten "genau diese Gier will ich von meinen Spielern sehen" wegmoderierte.

Mit der kurzzeitigen Degradierung von Luca Waldschmidt hat sich Kwasniok ein Stück weit selbst unnötig unter Druck gebracht, da er dadurch etablierte Spieler wie Waldschmidt oder auch den ehemaligen Kapitän Florian Kainz gegen sich aufbrachte: Eine Drucksituation, die der Trainer am Ende selbst nur noch lösen konnte, in dem er schnell den Schritt zurück machte, Waldschmidt wieder zurück holte, um ihn schließlich nach seinem Tor vor allen Kameras abzuklopfen und zu herzen: Eine Aktion, wo sich so mancher Köln-Fan danach auch fragte: Willst du hier stur dein Ding durchziehen oder ist für dich am Ende doch nur die Anerkennung der Fans wichtig?

DER FALL EL-MALA

Der schwierigste Fall in der Kommunikation von Lukas Kwasniok ist und bleibt allerdings der Fall Said El-Mala. Der letzte Saison noch in die dritte Liga verliehene Shooting-Star ist aktuell wahrscheinlich der beste Spieler des Effzehs seit Lukas Podolski, rettet er doch Spiel für Spiel der Mannschaft wichtige Punkte und ist zuzüglich noch Liebling aller Fans.

Dennoch wirkte es zum Teil so, dass Kwasniok den (mittlerweile) deutschen Nationalspieler absichtlich nicht voran kommen lassen wollte, mit teilweise wechselnden Begründungen von "ich möchte nicht derjenige sein, der ihn verheizt. Am Ende bin ich Wegbegleiter und nicht Fan" bis hin zu "seine Stärken kommen immer dann am Besten zur Geltung, wenn die Gegner müde gelaufen sind."


Denn klar ist auch, dass ein Spieler mit der Qualität eines Said El-Mala wahrscheinlich nur noch bis zum Ende der Saison für die Kölner spielen wird ehe es zu einem größeren Verein geht. Da scheint es nur logisch, dass viele sich sagen: Warum nicht diesen Glücksfall maximal ausnutzen und El Mala jedes Spiel für 90 Minuten spielen lassen?

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass El Mala trotz seiner immensen Torgefahr noch Luft nach oben in der Arbeit gegen den Ball hat. Vielleicht der eigentliche Grund für Kwasniok, ihn oft erst nach 60 Minuten kommen zu lassen, den er sich nur nicht traut auszusprechen?

Auch hier gingen diverse Hin-und-Her-Entscheidungen und unklare Aussagen ein Stück weit auf Kosten von Kwasnioks eigener Authentizität, etwas, wo der auch durchaus polarisierende Ex-Köln-Trainer Steffen Baumgart dann doch konsequenter und klarer in seiner Kommunikation agierte.

Nur Punkte helfen aktuell

Leon Buche
Leon Buche

Klar ist, dass jedes weitere verlorene Spiel das Standing von Lukas Kwasniok beim Effzeh nicht stärkt. Allerdings wusste man auch vor seiner Verpflichtung schon, was für eine Art Charakter man sich hier nach Köln holt, sollte daher, sollte das Team nicht in ernsthafte Abstiegsgefahr geraten, jetzt auch dazu stehen.

Kwasniok hingegen sollte, so unterhaltsam es für Fans und Medien ist, vor so mancher Aussage vielleicht doch mal seinen Medienberater zu Rate ziehen oder sich mal ein paar Tipps von Vincent Kompany holen, wie man es schafft, sympathisch und trotzdem authentisch rüber zu kommen, ohne dabei so zu polarisieren.

Denn klar ist auch, dass die Zeiten von Trainerpersönlichkeiten wie Ede Geyer, Christoph Daum, Hans Meyer oder Jürgen Klopp ein Stück weit vorbei sind und anno 2025 jedes Wort auch aufgrund von Social Media nochmal mehr auf die Goldwaage gelegt wird.

Hier vielleicht zumindest in der Anfangszeit die ein oder andere Pressekonferenz etwas passiver zu gestalten, könnte daher schon helfen, so wie natürlich: schnellstmöglich wieder Siege und Punkte.