Vom 21.12.2025 bis zum 19.1.2026 fand in Marokko der Afrika Cup Of Nations (AFCON) statt. Damit hat man es geschafft, dass ein Teil der Spiele in der Winterpause stattfand, in denen die Teams aus einigen Ligen zumindest mal für eine kurze Zeit durchschnaufen konnten. (Bild: IMAGO / Sebastian Frej)
Dennoch war es für viele europäische Teams eine große Herausforderung aufgrund des Turniers so viele Stars abstellen zu müssen, wie man aktuell nicht nur in der Bundesliga an der Formkrise von Bayer Leverkusen sieht.
Insbesondere die Vereine aus den Ligen, bei denen es faktisch keine Winterpause gab (Serie A und Premier League) traf der Afrika Cup besonders hart. Hier eine Analyse, wie die 10 Vereine, die die meisten Spieler abstellen mussten, sich in der Zeit so geschlagen haben:
PLATZ 10: FC FULHAM
Der FC Fulham war die letzten Jahre so etwas wie der VFL Wolfsburg der Premier League, selten wirklich im Abstiegskampf, selten aber auch wirklich im Rennen, wenn es um den Kampf um Europa ging. Dieses Jahr sollte aber insbesondere die Zeit rund um den Afrika-Cup besonders knifflig werden.
Im Gegensatz zu anderen Vereinen, die ihre Spieler an viele verschiedene Nationen abstellen mussten, spielten Fulhams Leistungsträger, namentlich Innenverteidiger Calvin Bassey, wie auch die beiden Flügelspieler Alex Iwobi und Samuel Chukwueze, alle für Nigeria.
Dafür, dass Nigeria sogar bis ins Halbfinale einzog, haben sich die Cottagers im Gegensatz zu vielen anderen Teams in dieser TOP 10 aber trotzdem noch ganz gut geschlagen.
Mit 3 Siegen, 2 Unentschieden, wie auch 2 Niederlagen steht man auch nach dem Afrika Cup auf einem soliden 11. Platz und damit sogar drei Plätze höher als vor dem Turnier.
PLATZ 09: UDINESE CALCIO
Das Team von Ex-Lautern-Trainer Kosta Runjaic gehört zu den Teams der Serie A, die am meisten vom Afrika Cup betroffen waren. Ganze 4 Spieler musste man abstellen, darunter die beiden Außenverteidiger Jordan Zemura (Simbabwe), Rui Modesto (Angola), so wie auch die beiden Mittelstürmer Idrissa Gueye (Senegal) und Vakoun Bayo (Elfenbeinküste).
Hinzu hatten die Norditaliener keine Pause während der Weihnachtsferien - da blieb nur noch der Trost, dass zumindest Angola und Simbabwe bereits in der Vorrunde ausschieden, die Spieler daher schnell zurück kommen konnten.
Dies war allerdings auch bitter nötig, kassierte man ein Tag nach Turnierbeginn gleich mal ein 1 : 5, ausgerechnet gegen den zu dem Zeitpunkt Tabellenletzten AC Florenz.
Final result💜⚜️
— ACF Fiorentina English (@ACFFiorentinaEN) December 21, 2025
Fiorentina 5-1 Udinese#forzaviola #fiorentina #seriea pic.twitter.com/9tq80FNHqw
Auch danach gab es lediglich nur einen Sieg, 2 Unentschieden und 2 Niederlagen. Immerhin: Als einer der Überraschungen dies diesjährigen Serie-A-Saison steht man nach wie vor auf Platz 10 der Liga und konnte somit trotz des Ausfalls von insbesondere Afrikameister Idrissa Gueye (Senegal) den positiven Lauf im Großen und Ganzen halten.
PLATZ 08: EINTRACHT FRANKFURT
Einen der größten Schocks erlebte hingegen Bundesligist Eintracht Frankfurt, endete der Afrika Cup nämlich zeitgleich auch mit der Entlassung ihres Cheftrainers Dino Toppmöller.
Dabei liefen insbesondere die Januar-Spiele mit 3 sieglosen Spielen und insgesamt 9 Gegentoren so gar nicht nach dem Geschmack des Vorstands rund um Sportdirektor Markus Krösche.
Zu der extrem wackligen Defensive gehörte allerdings auch das Fehlen des defensiven Sechsers Ellyes Shkiri, der mit Tunesien bis ins Achtelfinale einzog. Auch auf den offensiven Mittelfeldspieler Fares Chaibi musste man während der gesamten Wintervorbereitung verzichten, der es mit Algerien sogar bis ins Viertelfinale schaffte.
Gut für die Frankfurter, dass die Lücke zwischen den TOP 7 der Liga und den Verfolgern Union Berlin und SC Freiburg schon vor dem Turnier so groß war, dass man aus der Sicht der Frankfurter zumindest den Conference-League-Platz auch über den Afrika Cup hinaus noch halten konnte.
PLATZ 07: MANCHESTER UNITED
Auch bei Manchester United überlebte der Cheftrainer das Ende des Afrika Cups nicht. Am 05.01.2026 war es schließlich so weit und man trennte sich nach einem enttäuschenden 1 : 1 gegen Aufsteiger Leeds United von seinem Coach Ruben Amorim.
Hierbei half es dem Trainer auch sicher nicht, dass in der entscheidenden Phase Säulen wie Noussair Mazraoui (Marokko), Amad Diallo (Elfenbeinküste) und allen voran Stürmer Bryan Mbeumo (Kamerun) allesamt wegbrachen.
Insbesondere Mbeumo war für die Red Devils der wichtigste Goalgetter der Hinrunde, so dass sicherlich einige United-Fans insgeheim schon darauf hofften, dass die Kameruner (die schon in der WM-Quali knapp an DR Kongo scheiterten) auch im Afrika-Cup früh ausscheiden würden.
Immerhin - was das Thema Chaos angeht, konnte der Kamerunische Verband Manchester United sogar noch toppen. Eine extrem angespannte Situation zwischen der Regierung und dem Fußball-Nationalverband rund um Präsident Samuel Eto'o sorgtesogar dafür, dass man vor dem Turnier kurzzeitig einfach mal mit zwei Trainern und zwei Kadern antrat.
Einem Erfolg Kameruns im Afrika Cup über das Viertelfinale hinaus verhalf dies allerdings auch nicht, dafür konnte Manchester United jüngst das Ende Afrika Cups mit einem 2 : 0 gegen Manchester City feiern.
Torschütze zum 1 : 0 natürlich - wer sonst - Afrika-Cup-Rückkehrer Bryan Mbeumo.
PLATZ 06: NOTTINGHAM FOREST
Bei Nottingham Forest ist hingegen aktuell vor allem deswegen Waldbrandgefahr-Alarmstufe 2, da man nach der sensationellen letzten Saison, die mit einer Europa-Qualifizierung endete, droht nun alles zu verspielen. Denn nachdem man mit Nuno Espirito Santo und Ange Postecoglou bereits zwei Trainer gefeuert hat, läuft es auch unter dem sonst so routinierten Coach Sean Dyche nicht viel besser.
Nur noch 5 Punkte vor dem Abstiegsplatz entfernt, hagelte es während des Afrika Cups zuzüglich noch 4 Niederlagen in Folge.
Immerhin - nachdem die beiden Leistungsträger Wilfred Bony und Ismael Sangaré beide mit ihrem Team Elfenbeinküste im Viertelfinale gegen Ägypten ausschieden, konnten nicht nur die Ägypter aufatmen.
Auch bei den Tricky Trees lief es seitdem mit dem Sieg gegen den direkten Konkurrenten West Ham und einem äußerst überraschenden 0 : 0 gegen Tabellenführer FC Arsenal wieder etwas besser.
HALF-TIME: Nottingham Forest 0-0 Arsenal
— Premier League (@premierleague) January 17, 2026
A goalless first 45 minutes at the City Ground, Gabriel Martinelli's shot which passed just wide of the goal the best chance of the half 🤏 pic.twitter.com/GdRAJmJGA5
PLATZ 05: WOLVERHAMPTON WANDERERS
Bei den Wolves muss man sich hin fragen, ob es für den Ausgang der diesjährigen Saison eigentlich überhaupt noch einen Unterschied machen würde, wenn man einfach den ganzen Kader den Rest der Saison für afrikanische Turniere abstellen müsste.
Denn kurz vor Weihnachten standen die Wolves mit - sage und schreibe - 2 Punkten nach 18 Spielen komplett abgeschlagen auf dem letzten Platz und stellten damit sogar den All-Time-Premier-League-Rekord für den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten ein.
With 2 points from 17 games, Wolves equal 2020-21 Sheffield United for the 𝐰𝐨𝐫𝐬𝐭 Premier League points total on Christmas Day 😳 pic.twitter.com/RpXnfyZATs
— B/R Football (@brfootball) December 20, 2025
Da ist es umso lustiger, dass ausgerechnet auf den Beginn des Afrika Cups Wolverhamptons erster Sieg (3 : 0) gegen West Ham United folgte, so wie auch wenige Tage später ein Unentschieden gegen Manchester United.
Dennoch sind es immer noch ganze 14 Punkte bis auf einen Nichtabstiegskampf, was (sollten am Deadline-Day nicht Haaland, Mbappé und Harry Kane gleichzeitig verpflichtet werden) einer "Mission impossible" gleicht.
Beim Afrika-Cup spielten indessen Verteidiger Emmanuel Agbadou (Elfenbeinküste), Jackson Tchatchoua (Kamerun), so wie auch Tawanda Chirewa (Simbabwe). Dazu wäre auch noch Simbabwes Superstar Marshall Munetsi gekommen, der sich allerdings kurz vor dem Turnier verletzte und somit letztendlich beiden Teams fehlte.
PLATZ 04: OGC NIZZA
Auf ganze 5 Spieler mussten die Südfranzosen aus Nizza verzichten und das, wo die Saison schon vor der Afrikameisterschaft alles andere als rund lief.
In der Ligue-1-Tabelle stand man zu dem Zeitpunkt nämlich lediglich auf Platz 14 und war damit nur 4 Punkte von einem direkten Abstiegsplatz entfernt. Das ist für einen Verein, der normalerweise immer den Anspruch hat, Europa- oder Conference-League zu spielen, natürlich eine absolute Horrorbilanz, weswegen Trainer Franck Haise kurz vor Weihnachten dann auch schließlich seinen Hut nehmen musste.
Dass sein Nachfolger Claude Puel dann ausgerechnet die ersten Wochen mit einem aufgrund des Afrikacups so dermaßen ausgedünnten Kader spielen musste, half dann auch nicht wirklich, so dass auch sein Trainerstuhl nach 4 Niederlagen und 1 Unentschieden nun schon wieder wackelt.
Zu den Spielern, auf die er verzichten musste, gehörten Torhüter Yehvann Diouf, Innenverteidiger Antoine Mendy (beide Senegal), Mittelfeldspieler Hicham Bouadoui (Algerien), so wie auch Flügelspieler Sofiane Dioup (Marokko).
Pech für die Nizza-Fans, dass gleich drei der Spieler bis zum Finale beim Afrika Cup blieben, Glück für die Nizza-Fans allerdings, dass zumindest Ghana sich überraschenderweise nicht für den diesjährigen Afrika Cup qualifiziert hat.
Sonst wären es mit Salos Abdil Samed und dem 20jährigen Megatalent Kojo Peprah Oppong nämlich ganze 6 Spieler gewesen, auf die man hätte verzichten müssen. So kann man nur hoffen den Abwärtstrend (aktuell Platz 17) mit den Rückkehrern irgendwie wieder zu stoppen.
PLATZ 03: FC LORIENT
Ebenfalls einen unglaublich großen Aderlass mussten die Westfranzosen aus Lorient verkraften. Die Kleinstadt, etwa 3 Autostunden südlich von Brest, hat nämlich ganze 15 afrikanische Spieler im Kader und gilt daher nicht umsonst als eine der Anlaufstellen in Frankreich für junge afrikanische Talente.
Aus Sicht der Fans glücklicherweise schafften es allerdings nicht alle 15 Spieler in die Nationalmannschaftskader des Turiers, sonst hätte der Verein, der sich aktuell auf Platz 12 in der Ligue-1-Tabelle befindet, wahrscheinlich zwischenzeitlich den Spielbetrieb einstellen müssen.
Mit Arthur Awam, Dalin Yomgwa (beide Kamerun), Ayeko Tosin (Benin), Arsena Kwasi (Burkina Faso) und Montassar Talbi (Tunesien) fehlten dennoch gleich fünf wichtige Spieler.
Nur gut für den Club, der sich aktuell auf Platz 12 der Tabelle befindet, dass in Frankreich im Winter nicht durchgespielt wurde. So konnte man sich mit 2 Siegen und 3 Unentschieden zumindest noch halbwegs aus der Affäre ziehen.
PLATZ 02: BAYER LEVERKUSEN
Einer der größten Verlierer des Afrika Cups ist ganz klar Bundesligist Bayer Leverkusen. Hat man vor der Winterpause noch sensationell Mitkonkurrent RB Leipzig mit 3 : 1 geschlagen, gibt es für das neue Jahr mittlerweile nur noch eine Beschreibung: Fehlstart mit Großbuchstaben und zehn Ausrufezeichen.
Nichts mehr ist zu spüren vom zuletzt positiven Lauf unter Trainer Kasper Hjulmand, folgte auf eine 1 : 4 Klatsche gegen den VFB Stuttgart zuletzt ein 0 : 1 gegen Hoffenheim, wie auch ein peinliches 0 : 2 gegen Olympiakos Piräus in der Champions League, welches den Einzug in die Top 8 kostete.
Für diesen Negativlauf sorgte nicht zuletzt das Fehlen von gleich vier Spielern während des Afrika-Cups, allen voran Stürmer Christian Kofane (Kamerun), Eliesse Ben-Seghir (Marokko), Abwehrchef Edmond Tapsoba (Burkina Faso) und allen voran Kreativspieler Ibrahim Maza (Algerien), der auch für Tunesien als einer der Überraschungsspieler des Turniers brillierte.
Gerade Maza hatte unter Hjulmand eine beeindruckende Entwicklung genommen und sich vom jungen Ex-Hertha-Talent zu einem absoluten Führungsspieler entwickelt. Auch sonst hatte sich diese komplett neu zusammen gestellte Mannschaft grade gefunden, es wird also sicherlich mehr als ein paar Ansprachen des Trainers brauchen, den Bock für die nächsten Spiele gegen Werder Bremen und den FC Villarreal schnellstmöglich wieder umzustoßen.
PLATZ 01: AFC SUNDERLAND
Am härtesten traf es allerdings Premier-League-Aufsteiger AFC Sunderland, ausgerechnet das Überraschungsteam der Hinrunde, welches zwischenzeitlich sogar auf einem Champions-League-Platz stand.
Reinildo Mandava (Mosambik), Habib Diarra (Senegal), Bertrand Traoré (Elfenbeinküste), Chemsine Talbi (Marokko), Arthur Masuaku und Noah Sadiki (beide Kamerun) - alle 6 Spieler fehlten den Black Cats über Wochen, so dass man schon fast von Glück reden konnte, dass ausgerechnet der auf dem Papier beste Spieler, nämlich Sunderland-Flügelstürmer Simon Adingra überraschenderweise nicht für den Kader der Elfenbeinküste nominiert wurde.
Dennoch konnte man während des Afrika Cups ganze 6 Spiele hintereinander nicht gewinnen und flog zuzüglich auch noch im Achtelfinale des FA Cups vorzeitig aus dem Turnier - eine Siegflaute, die wie bei keinem anderen Team exakt auf den Beginn des Afrika Cups fiel und mit dem Finale des Afrika Cups (durch einen Sieg gegen Crystal Palace am 17.1.2026) auch wieder endete.
Eine Siegflaute die noch einmal mehr unter Beweis stellte: So sehr der Afrika Cup mit all seinem Charme die Fans begeistert, ist er grade für die Ligen, die die Saison durchspielen, oft extrem schwer zu händeln.
Hier muss weiterhin an Lösungen gearbeitet werden, den Spielern und Vereinen die nötigen Pausen auch für solche Turniere zu geben, insbesondere auch um die Anzahl an Verletzungen nicht noch mehr zu steigern.
Ob dies allerdings im Interesse der FIFA, der UEFA und den Liga-Verbänden ist, für die mehr Spiele immer noch mehr Geld bedeutet, darf angesichts der aktuellen Entwicklung im Weltfußball leider stark bezweifelt werden.



