Glaubt Mourinho noch an die Roma?

Glaubt Mourinho noch an die Roma?

Nach zuletzt drei Pflichtspielen ohne Sieg rangiert die AS Roma nur noch auf Platz sechs der Serie A mit lediglich drei Punkten Vorsprung auf den Elftplatzierten Empoli. Nach der bitteren 2:3-Auswärtspleite gegen Aufsteiger Venezia scheint Trainer Jose Mourinho (58) nicht nur aufgrund seines fragwürdigen Führungsstils stark in der Kritik zu stehen. (Foto: IMAGO / sportphoto24)

Taktisch gesehen scheint jeder durchschnittliche Trainer in der Lage seine Spielidee auszuhebeln. Mourinhos taktischer Ansatz ist meist genauso überraschend wie das Datum von morgen. Zudem demonstrierte er einen schwachen Charakter bei dem Umgang mit den jüngsten Niederlagen der Hauptstädtler.

Er wusste dass es sich um einen Verein mit neuen Eigentümern handelte, einen Verein, der sich im Umbruch befand und eine neue Identität suchte. Und Veränderungen brauchen Zeit, vor allem, wenn sie den Wechsel von einem Spielstil zum anderen beinhalten. Mourinho wusste das ganz genau.

Mou stellt Spieler an den Pranger

Trotzdem ließ er sich nach dem 1:6-Debakel in der EL gegen Bodo Glimt und auch nach der Niederlage gegen Juventus Turin öffentlich negativ über einzelne Spieler aus. Seine Opfer dieses Mal: Darboe, Reynolds, Kumbulla und Calafiori.

Allesamt junge aufstrebende Talente, deren Entwicklung eine gewisse Zeit erfordert und zudem auch starken Leistungsschwankungen unterliegt. Wenn so etwas passiert, geht es in die eine oder andere Richtung - die einen nehmen die Kritik als Motivation an, die anderen können mental nicht damit umgehen.

Wenn die Kritik dann auch noch den halben Kader betrifft, läuft man als Übungsleiter natürlich Gefahr das Team zu spalten, oder etwa die gesamte Kabine zu verlieren, was kurz oder mittelfristig meist zur Entlassung eines Trainers führt.

Neubeginn braucht Zeit

Auch wenn es gerechtfertigt ist, dass Mourinho einen besseren Kader benötigt um mit den Topclubs konkurrieren zu können, ist es nicht hinnehmbar dass er dies schon nach wenigen Monaten im Amt öffentlich kritisiert, zumal die Roma noch am Anfang eines Neubeginns steht und nicht in wenigen Wochen von Grund auf neu aufgebaut werden kann.

Der ehemalige Chelsea-Coach ist bekannt dafür ein großartiger Motivator zu sein, aber das funktioniert nicht, wenn dieser nur 13 oder 14 Spieler an Bord nimmt und die anderen im Regen stehen lässt. Damit erweist er weder der Mannschaft noch dem Verein einen Dienst, denn die Spieler die auf der Tribüne bleiben, verlieren ihren Spielrythmus, Selbstvertrauen, auf dem Markt an Wert, oder entwickeln sich eben nicht weiter.

Wenn der Trainer zum Problem wird

Romas Übungsleiter hatte bei allen Vereinen bei denen er tätig war, Probleme mit den Vorgesetzten, und das scheint auch bei den Lupi der Fall zu sein. Aber wenn das Problem bei buchstäblich jedem Verein dasselbe ist, dann ist vielleicht Mourinho selbst zum Problem geworden. Vielleicht ist er derjenige, der es nicht geschafft hat, sich an das sich ständig verändernde und kommerzialisierte Spiel anzupassen.

Die Roma ist ein Verein, der in der jüngeren Vergangenheit nachweislich mit Problemen in der Führungsetage zu kämpfen hatte. Zwei der legendärsten Persönlichkeiten des Vereins - Daniele de Rossi und Francesco Totti – können das aus der Pallotta-Ära nur mehr bezeugen.

Geduld und Diskretion ist gefragt

Der Klub befindet sich unter dem neuen US-Eigentümer Dan Friedkin (56) in einer Übergangsphase was Kultur, Versprechen, Spielstil und Ehrgeiz angeht - Sie sehen Mourinho als das Gesicht von all dem. Für den Portugiesen sollte klar sein welch große Verantwortung er in diesem Konstrukt trägt.

Er muss geduldig und diskret sein, nicht ungeduldig und öffentlich - auch wenn er an Letzteres gewöhnt ist. Wir sind hier nicht bei Manchester United, Chelsea, Tottenham oder Real Madrid. Die Dinge können und werden mit Sicherheit ihre Zeit brauchen, wenngleich die Giallorossi zu den Vereinen in Europa gehörten, die im Sommer am meisten in neue Transfers investierten.

In der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung war einer von Mourinhos ersten Sätzen: "Die Roma will nicht heute den Erfolg, sondern ein nachhaltiges Projekt für die Zukunft sein. Deshalb bin ich hier." Indem sich José so verhält, scheint er jedoch der Erste zu sein der nicht an das glaubt, was er gesagt hat…

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