Die Nerazzurri kehrten nach der Enttäuschung in München zum ersten Mal nach San Siro zurück, mit ihrem neuen Coach Cristian Chivu (44) auf der Trainerbank. Ein 5:0-Kantersieg gegen den Toro war die Antwort auf die Zweifel vieler Kritiker gegenüber dem unerfahrenen rumänischen Cheftrainer. (Bild: IMAGO / aal.photo)
Das letzte Mal, als Inter Mailand im San Siro vor heimischem Publikum spielte, verabschiedete sich der Verein mit der ersten großen Enttäuschung der vergangenen Saison. Es war der 18. Mai 2025, die Nerazzurri spielten unentschieden gegen Lazio Rom und verpassten damit den Sprung an die Tabellenspitze vor Napoli, das gegen Cristian Chivus Parma gepatzt hatte. Das Ende kennen wir alle.
Einen Sommer später kehrte die Mannschaft in ihre heimische Spielstätte zurück. Hinter sich lagen die Enttäuschung von München, der Abschied von Simone Inzaghi, eine negative Klub-Weltmeisterschaft und die Kontroversen und Zweifel, die wochenlang die Nerazzurri umgaben. Vor ihnen stand wieder Marco Baroni, diesmal aber nicht auf der Bank der Laziali, sondern im Dienste von Torino. Die Nerazzurri hingegen wurden von Cristian Chivu in seinem ersten Serie A-Spiel als Trainer von Inter im Meazza-Stadion angeführt.
Es gab viele Fragen dazu, wie die Mannschaft nach der Niederlage gegen PSG reagieren würde. Und es gab viel Neugierde darauf, wie sich Cristian Chivu einleben würde. Die Antwort war wahrscheinlich die bestmögliche. Teilweise überraschend. Und das nicht nur wegen des 5:0 (das gleiche Ergebnis wie im Champions-League-Finale), sondern vor allem wegen der gezeigten Einstellung, Begeisterung und Gelassenheit.
Debutto a San Siro come allenatore dell'Inter di Cristian Chivu 📹
— Inter ⭐⭐ (@Inter) August 28, 2025
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ThuLa strahlt wieder
Es war der Abend von "ThuLa" (Thuram/Lautaro), die nach dem Sommer wieder zu strahlen begannen. Es war der Abend der Fans im San Siro, ausverkauft und an der Seite ihrer Helden. Es war der Abend der Neuzugänge, mit Sicherheit von Sucic und Bonny. Es war vor allem der Abend von Chivu und der ersten Impression eines neuen Zyklus.
Der rumänische Fußballlehrer zeichnet sich durch eine ruhige und positive Art aus. Ja, Ruhe und Positivität. Das waren die beiden Leitlinien des Trainers während der 90 Minuten. Er stand immer aufrecht da, um die Mannschaft anzufeuern, das Pressing zu diktieren und den Spielern Mut zuzusprechen. Das ist vielleicht das, was am meisten auffällt. Seine beständige und überzeugte Haltung, seine Jungs an der Seitenlinie zu unterstützen.
Ein Trainer an ihrer Seite. Ruhige Jubelgesten, Zufriedenheit beim Anblick des gut umgesetzten Pressings und der geschlossenen Passwege, das High Five für alle seine Mitarbeiter am Ende des Spiels. Er hat die richtigen Saiten angeschlagen. Das war nicht einfach, aber das Spiel im San Siro ist die Geschichte eines wiedergefundenen und in gewisser Weise wiedergeborenen Inter.
Bestätigungen und Neues
Und dann sind da noch die Spieler. Die Startaufstellung war dieselbe wie im CL-Finale, außer Sucic anstelle von Calhanoglu. Auch das 3-5-2-System ist dasselbe. Es zeichnet sich jedoch eine andere Interpretation ab, die der „flüssigen Philosophie” seines Trainers entspricht. Der Eindruck ist von Anfang an klar: Inter scheint den Kopf frei zu haben. Frei von den Geistern und den Altlasten aus München und dem Sommer.
Nach 18 Minuten geht Inter nach einer Ecke durch Bastoni in Führung. Sein Jubel, voller Energie und Gefühl, schmeckt nach Befreiung und Erleichterung. Nach einem Punkt, der endgültig der Vergangenheit angehört. Und wenn wir schon beim Jubel bleiben, dann gibt es noch den von Thuram und Lautaro.
Der des Franzosen ist fröhlich und mit seinem üblichen Lächeln gewürzt. Der des Kapitäns ist wütend und leidenschaftlich. Ein Kapitän, der in der ersten Halbzeit einen Einwurf bejubelt hatte, den er dank einer Grätsche erobert hatte. Das Bild eines Menschen, der nie aufgehört hat, daran zu glauben und sich für das Team aufzuopfern - Missstände anzusprechen!
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— Inter ⭐⭐ (@Inter) August 8, 2025
Sucic und Bonny überzeugen
Und für alle, die Zweifel an "ThuLa" hatten, kam die Antwort. In ihrer Umarmung, in ihrem Verständnis, in ihrer Stärke. Schließlich gibt es noch die Neuen. Allen voran die Nummer 8, Petar Sucic (21), der gar nicht neu wirkte. Eine Leistung voller Selbstvertrauen, Spielintelligenz und Persönlichkeit. Eine tolle Vorstellung. Und dann war da noch der von Parma gekommene Ange-Yoan Bonny (22), der bei seinem Debüt auf Anhieb ein Tor erzielte und ebenfalls einen starken Eindruck hinterließ.
Nach einem 5:0 im Finale neu durchstarten und dabei einen motivierten Neuanfang machen. Wer weiß, wie viele am 18. Mai an ein Inter ohne Inzaghi auf der Bank erwartet hätten. Wer weiß, wie viele Tifosi nach dem vergangenen Sommer an diese Leistung geglaubt hätten. Das (große) Debüt von Cristian Chivu ist mehr als geglückt und das mit einer Spielidee die durch hohes Anpressen geprägt ist.
Die Lombarden zeigten keinerlei Umstellungsprobleme unter ihrem neuen Coach und demonstrierten, anders als der Erzrivale Milan, dass der Kader flexibel ist und auch mit dem hohen Pressing ihres neuen Trainers klar kommt. Die Stärke bei Standards bleibt auch unter Chivu erhalten und könnte auch in Zukunft die großen Spiele entscheiden.
Jetzt bleibt es lediglich abzuwarten ob diese Spielidee konstant und vor allem gegen qualitativ bessere Teams ebenfalls durchgezogen werden kann. Wie wird das Team bei schlechten Ergebnissen zu ihrem eher unerfahrenen Trainer stehen? Diese Fragen werden durch ein Spiel nicht beantwortet, aber das Grundgefühl gegenüber Chivu und Inter darf definitiv als positiv bewertet werden.