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Altinordu Izmir – die Talentschmiede der Türkei

Altinordu Izmir – die Talentschmiede der Türkei

Die Türkei ist ein fußballverrücktes Land, das ist allgemein bekannt. Doch für ein Land mit ähnlich vielen Einwohnern wie Deutschland haben die Türken in diesem Jahrhundert auffällig wenige Talente produziert. Ein Zweitligist sagt diesem Zustand mit einem hochinteressanten Konzept den Kampf an und konnte schon Spieler wie Cengiz Ünder und Caglar Söyüncü hervorbringen: Altinordu Izmir. (Foto: IMAGO / Seskim Photo)

Im gleichen Jahr wie die Türkische Republik, 1923, wurde Altinordu Izmir durch eine Abspaltung vom heutigen Erstligisten Altay gegründet. Der Verein spielte bis 1970 zehn Jahre lang in der erstklassigen Süper Lig und ist der fünfterfolgreichste Club aus der Stadt an der Ägäis. Danach stürzte Altinordu bis in die Viertklassigkeit ab, seit 2014 ist man immerhin wieder zweitklassig. So weit so unspektakulär.

Doch seit Seyit Mehmet Özkan den Verein im Jahre 2012 als Präsident übernahm, ist er in der Türkei in aller Munde. Dieser hatte nämlich zuvor Bucaspor, ein weiterer Verein aus Izmir, zu einer Talentschmiede und einem Erstligisten geformt. Nach einem Konflikt in der Führungsetage verließ er Buca gemeinsam mit vielen Talenten und heuerte bei Altinordu an. Seitdem vollbringt man in Izmir Außergewöhnliches, wie mir Timur Temeltas, selbst von 2013 bis 2016 für Altinordu am Ball, bestätigte.

„Altinordu hat in der Jugendförderung großes geleistet, in der Türkei und vor allem für die Türkei. Sie haben viele Top Talente wie Cengiz Ünder und Caglar Söyüncü herausgebracht, mit denen ich auch zusammengespielt habe.“ – Timur Temeltas

Während in der Süper Lig viele ausländische Spieler, teils schon weit über ihrem Zenit, am Ball sind, setzt Altinordu ausschließlich auf türkische Akteure. Viele davon stammen aus der eigenen Nachwuchsakademie. 2017 verkündete Özkan, so bis 2020 die Süper Lig und bis 2023 den europäischen Wettbewerb erreichen zu wollen. Dieses Ziel wurde zwar nicht erreicht, doch Ungeduld scheint in Izmir trotzdem nicht auszubrechen. So teilte der Präsident während der letztjährigen Play Offs um den Aufstieg bereits mit, der Club sei noch nicht bereit für einen Aufstieg.

„Ich glaube nicht, dass sie ausländische Spieler verpflichten werden. Weil es eine der wichtigsten Ideologien des Vereins ist kann ich mir nicht vorstellen, dass sie davon abweichen.“ – Timur Temeltas

Neben dieser Ideologie unterscheidet Altinordu von den anderen Vereinen der Türkei, dass sie „langfristig denken und viel Geld in die Jugendakademie investieren“, so Temeltas. Der Unterschied zu einem deutschen NLZ sei dabei gering, sagte der bei Alemannia Aachen ausgebildete Mittelfeldmann. Es wird großen Wert auf Schulbildung, soziales Verhalten und Disziplin gelegt.

Unsere Philosophie lautet „Diese Kinder sind unsere Zukunft.“, deswegen müssen wir sie gut erziehen. Wir wollen, dass sie gute Sportsmänner sind, aber auch gute Bürger, die ihrem Land dienen.“ – Hasip Ertürk, Akademieleiter

Eine weitere große Philosophie der Ausbildung lautet „Gute Einzelperson, guter Bürger, guter Fußballer“, genau in dieser Reihenfolge, darauf besteht Özkan. Das zeigt sich auch, wenn Kinder aus dem Nachwuchs Altinordus bei Heimspielen der Profis dem gegnerischen Team mit Gesängen ihren Respekt zollen.

Doch nicht nur die persönliche Entwicklung steht auf dem Plan, auch herausragende Spieler bringt der kleine Verein regelmäßig hervor. Die bereits genannten Söyüncü und Ünder, beide schon über 35-mal für das Nationalteam im Einsatz, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auch Berke Özer von Fenerbahce Istanbul, Enis Destan, der sich erst im Winter zu Trabzonspor verabschiedete und unzählige andere Spieler im türkischen Fußball entstammen der Akademie des Athletic Bilbao der Türkei.

Auch in der Bundesliga dürfen wir bald wieder ein Talent aus den Rängen Altinordus bestaunen. Der im Winter für eine halbe Million Euro nach Bielefeld gewechselte Burak Ince feierte am vergangenen Wochenende gegen Mönchengladbach sein Kaderdebüt. Der 18-jährige beackert bevorzugt das zentrale Mittelfeld und gilt als großes Versprechen für die Zukunft. Auch deswegen verzichteten die Türken auf eine höhere Ablösesumme und bestanden auf eine Beteiligung an zukünftigen Transfers. Von einem ähnlichen Vorgehen profitierten sie bereits beim 20 Millionen Transfer von Caglar Söyüncüs von Freiburg nach Leicester.

„In Izmir gibt es viele Traditionsvereine wie Altay und Göztepe, die eindeutig die Platzhirsche in der Stadt sind. Allerdings verbindet man mit Altinordu nur Positives, nicht nur in Izmir, sondern in der ganzen Türkei. Jeder wünscht dem Verein das Beste, weil sie außergewöhnlich sind mit ihrer Jugendarbeit.“ – Timur Temeltas

Weit über die Grenzen der eigenen Stadt geschätzt, könnte das Vorbild Altinordus in den kommenden Jahren zu einem Umdenken im türkischen Fußball führen. Es ist diesem Verein zu wünschen, dass er die vom Präsidenten und Vordenker Özkan gesetzten Ziele erreichen kann. „Und wenn wir in die Süper Lig kommen, werden wir immer noch konkurrenzfähig sein. Wenn wir nach Europa kommen, werden unsere Kinder zeigen, dass türkische Spieler erfolgreich sein können.“

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