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Das moderne Fußballmärchen des Lucas Pérez

Das moderne Fußballmärchen des Lucas Pérez

Direkt am Strand der spanischen Atlantikküste gelegen, bietet das Estadio Riazor eine malerische Kulisse für ein Fußballmärchen. Im Jahre 2000 krönte sich der Real Club Deportivo de La Coruña hier zum ersten spanischen Meister des 21. Jahrhunderts. Lucas Pérez war damals 11 Jahre alt und leidenschaftlicher Fan des Clubs aus seiner Heimatstadt. 23 Jahre später ist er es, der ein Märchen schreibt und die Ränge des 1944 erbauten Stadions zum Beben bringt. (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)

Um die Jahrtausendwende war Deportivo einer der erfolgreichsten Vereine Spaniens. Meister 2000, Pokalsieger 1995 und 2002, Champions League Halbfinale 2004 - im Nord-Westen Spaniens war man Erfolg gewöhnt. Der polarisierende Präsident Augusto Cesar Lendoiro hatte den hochverschuldeten Zweitligisten 1988 übernommen und zu 20 Jahren Erstklassigkeit und Erfolg geführt. 2014 trat er zurück und hinterließ den Club wie er ihn einst vorgefunden hatte: Pleite und in Liga 2. Heute spielt Deportivo in der 3. Liga unter anderem gegen die Zweitvertretung des großen Rivalen Celta Vigo, vom Glanz des gefeierten "Superdepor" ist wenig übrig.

Wie viele Kinder in Galicien träumte auch der kleine Lucas Pérez davon, für seinen Lieblingsverein, damals auf seinem Zenit, zu spielen. Doch beim Vorspielen wurde er als nicht gut genug befunden. Mit 15 ging er schließlich zu einem anderen Deportivo, Alaves, um dort seine Karriere zu starten. Diese führte ihn über die 3. Mannschaft von Atletico Madrid, dem zweitklassigen Rayo Vallecano, die Ukraine und Griechenland ans Ziel seiner Träume: das Estadio Riazor.

Zwei Jahre blieb er in seiner neuen alten Heimat, aber nach einer 17 Tore Saison war der Lockruf der Premier League zu groß. 20 Millionen Euro musste der FC Arsenal für seine Dienste blechen, ein stolzer Preis für nur einen Ligatreffer. Der Transfer erwies sich als Missverständnis und so ging Pérez auf Leihbasis zurück zu Deportivo, wo er den Abstieg trotz 14 Torbeteiligungen nicht verhindern konnte.

Es folgten Stationen in West Ham, Alaves, Elche und Cadiz, für letztere erzielte er in der Hinrunde der laufenden Saison drei Treffer in der spanischen Eliteklasse. Doch der kleine Junge aus A Coruña lebte im Profifußballer Pérez weiter und er konnte es nicht ertragen, seinen Verein, seine Jugendliebe am Boden zu sehen. Und so ging er im Winter den Schritt, der ihm in der ganzen Fußballwelt Anerkennung einbrachte: er wechselte zurück ins Estadio Riazor, zu seinem Club, um zu helfen, den Aufstieg in die zweite Liga zu realisieren.

Pérez, der das letzte Mal vor über 10 Jahren in einer unterklassigen Liga aktiv war, der Toptorjäger eines Erstligisten.
Pérez, der in November noch gegen Real Madrid netzen konnte, gegen deren Zweitvertretung er im März antreten wird.
Allein der Wechsel ist schon beeindruckend, doch Cadiz wollte sich den Abschied eines wichtigen Spielers natürlich finanziell versüßen lassen, forderte eine Million Euro für den Stürmer. Diese Summe stellt für einen Drittligisten eine enorme Hürde dar, doch nichts konnte Pérez von seinem Plan abhalten. Aus eigener Tasche zahlte er die Hälfte der Ablösesumme, finanzierte seinen sportlichen Rückschritt also sogar selbst.

"A Coruña ist die Stadt, in der ich den Rest meines Lebens leben möchte." - Lucas Pérez

Am Sonntag war es dann soweit, beim Heimspiel gegen Unionistas CF stand der verlorene Sohn wieder in der Startelf seines Heimatvereins. 48 Minuten waren vergangen, als Pérez plötzlich frei vor dem gegnerischen Keeper auftauchte und ihn mit all seiner Klasse umkurvte. Was dann passiert seht ihr am besten selbst.

Unter tosendem Jubel küsst er sichtlich emotional immer wieder das Wappen, das er schon als kleiner Junge auf der Brust getragen hat. Heutzutage eine inflationär verwendete Geste, selten war sie aber so angebracht wie in diesem Fall. Balsam für die Seele aller Fußballromantiker.
Noch einen weiteren Treffer erzielte der Stürmer beim klaren 3:0 Erfolg der Galicier, der sie dem großen Ziel Aufstieg näher bringt. In diesem Fall würde sich sein Vertrag bis 2026 verlängern, 37 Jahre wäre Pérez dann. Ich persönlich wünsche ihm von Herzen, dass er seine Karriere dann beim Erstligisten Real Club Deportivo de La Coruña beenden kann.

Denn in einer Zeit, in der manch schwerreicher Fußballer seinen Karriereabend für wahnwitzige Summen in Saudi Arabien verbringt, bieten Menschen wie Lucas Pérez einen angenehmen Gegenpol.

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