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Der VfL Wolfsburg unter Florian Kohfeldt

Der VfL Wolfsburg unter Florian Kohfeldt

Drei Siege zum Auftakt – nach dem früh beendeten Experiment mit Mark van Bommel mit zuletzt acht sieglosen Partien scheint es beim VfL Wolfsburg unter dem neuen Coach Florian Kohfeldt plötzlich wieder bergauf zu gehen. Doch was konnte der Bremer Abstiegstrainer, einst als großes Trainertalent gefeiert, innerhalb weniger Tage im Amt verändern? (Foto: IMAGO / regios24)

Dafür bietet sich zuerst ein kleiner Blick in die Vergangenheit an. Unter Erfolgstrainer Oliver Glasner wurde über zwei Saisons ein lauf- und zweikampfintensives Spiel mit schnellen Gegenstößen etabliert. Mit nur 51% durchschnittlichem Ballbesitz, Platz acht der Liga, konnte sich der VfL so in der vergangenen Saison für die Champions League qualifizieren. Einen großen Anteil hatte dabei die starke Defensive der Niedersachsen, nach RB Leipzig die zweitbeste der Liga.

Als dann im Sommer Mark van Bommel den nach Frankfurt abgewanderten Österreicher ersetzte war schnell klar, dass ein taktischer Umbruch ansteht. Zwar veränderte der frühere Weltklassespieler wenig am Personal, doch taktisch lag der Fokus plötzlich auf Ballbesitz und einem langsamen doch dominanten Fußball, die Stärken der Vergangenheit wurden in der Autostadt neutralisiert. Und so war es nur konsequent, dass die sportliche Führung um Jörg Schmadtke frühzeitig die Reißleine zog.

„Kohfeldt hat einen wichtigen Impuls geleistet“ – Maximilian Arnold

Nun also Florian Kohfeldt, der zu Beginn seiner Zeit in Bremen mit einem aufregenden Ballbesitzspiel zu begeistern wusste, später angesichts eines schwachen Kaders jedoch immer häufiger einen deutlich pragmatischeren Defensivfußball spielen ließ. Doch welches Gesicht zeigt der 39-Jährige bisher in Wolfsburg? Zuerst fällt auf, dass der als guter Kommunikator bekannte Kohfeldt in der Kabine exzellent ankommt. Kapitän Maximilian Arnold spricht von einem „wichtigen Impuls“, den Kohfeldt geleistet habe. Auch erkannte der Leitwolf schon nach dem ersten Spiel unter dem neuen Coach „eine Änderung in der Philosophie“. Auch der wieder erstarkte Joshua Guilavogui redet in höchsten Tönen von seinem neuen Vorgesetzten, attestiert ihm, „sofort in unserem Kopf“ gewesen zu sein. Großes Lob zweier Führungsspieler, jedoch auch offensichtliche Kritik an van Bommel, dessen Ideen die Mannschaft blockierten. Kohfeldt hat das Team des Werksclubs erreicht und auch wenn nach zwei Wochen im Amt noch längst nicht alle Automatismen greifen: es ist klar zu erkennen, wohin der Weg gehen soll.

Intensität und 3-4-3 – so lässt Kohfeldt spielen

Wie schon letzte Saison hört man ein Wort in Wolfsburg besonders oft: Intensität. Die Niedersachsen verteidigen wieder intensiver als unter van Bommel. Außerdem wird fast jeder Angriff in hohem Tempo und mit Zug zum Tor ausgespielt. Dabei zeigt der ehemalige Torhüter Kohfeldt wie schon in Bremen, dass er sich an die Gegebenheiten eines Kaders anpassen kann. Zur Stabilisierung der Defensive wurde der gelernte Sechser Guilavogui auf die Position des zentralen Innenverteidigers in einer 3er Kette gezogen. Diese Umstellung erlaubt den offensivstarken Außenverteidiger, Nationalspieler Ridle Baku und dem lange verletzten Otavio, im eigenen Ballbesitz sehr breit und hoch zu stehen. Abgesichert durch den erfahrenen Arnold im Mittelfeldzentrum ziehen vorne zwei Offensivakteure auf den Halbpositionen, verstärkt durch einen in den Zehnerraum stoßenden Achter sowie den Torjäger vom Dienst, Wout Weghorst, variabel ihre Kreise. So zeigte sich Wolfsburg in den bisherigen Partien unter Kohfeldt schwerer ausrechenbar als noch in den letzten Monaten.

Und auch wenn die teilweise schwächeren Leistungen gegen Bielefeld und in der Champions League gegen den FC Sevilla, Kapitän Arnold analysiert, dass er und seine Kameraden „nur weil wir einen neuen Trainer haben, nicht über alles hinwegfegen“, die Aufbruchsstimmung etwas dämpften: es geht wieder aufwärts in der Volkswagenarena. Denn wie der Shootingstar Lukas Nmecha, der sich seit der vergangenen Länderspielpause deutscher Nationalspieler nennen darf, zusammenfasst: „Wir haben einfach das Selbstvertrauen zurückbekommen.“

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