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Im Fokus: Senkrechtstarter Wilfried Gnonto

Im Fokus: Senkrechtstarter Wilfried Gnonto

Fünf Minuten stand Wilfried Gnonto auf dem Platz, da vergoldete der Italiener sein Länderspieldebüt für die Azzurri mit einem mustergültigen Assist. Nicht erst seit dieser beeindruckenden Vorstellung stehen die Interessenten für den 18-jährigen beim FC Zürich Schlange. Wer ist dieser Senkrechtstarter, der auch in Hoffenheim und Freiburg sowie bei Union Berlin auf der Liste stehen soll? (Foto: IMAGO / Action Plus)

Degnand Wilfried Gnonto wurde als Sohn ivorischer Einwanderer am Lago Maggiore geboren. Früh war sein fußballerisches Talent zu erkennen und so schloss er sich noch vor seinem zehnten Geburtstag der Akademie von Inter Mailand an. Der in Italien berüchtigt schwere Übergang in den Profibereich veranlasste ihn, mit gerade mal 16 Jahren den Weltverein in Richtung Zürich zu verlassen.

200.000€ Ausbildungsentschädigung für ein Talent, das bereits mit den Profis von Inter Mailand trainiert und außerdem bei der U17-WM als jüngster Torschütze brillierte? Das war schon aus damaliger Sicht ein Schnäppchen. Heute ist der Tempodribbler eines der gefragtesten Talente Europas – und 10 Millionen Euro wert. Doch was macht ihn so besonders?

Zuerst das Offensichtliche: Gnonto ist schnell, blitzschnell sogar – fragt mal bei Thilo Kehrer nach. Außerdem erkennt man an seiner starken Ballbehandlung die Ausbildung in einer renommierten Akademie. Mit wettbewerbsübergreifend 15 Toren wies er vergangene Saison außerdem eine für sein Alter beindruckende Torgefahr nach. Dabei agierte er zumeist als zweiter Stürmer, auch auf der Außenbahn fühlt er sich heimisch.

Nun das weniger Offensichtliche: für einen 18-jährigen Tempodribbler, der nur 1,70m misst, verfügt er über eine enorme Physis. Mit seinem kompakten Körperbau und seinem niedrigen Schwerpunkt ist er extrem schwer zu Fall zu bringen. So kann er sich auch gegen deutlich größere Gegenspieler durchsetzen. Bei der Sichtung von Videomaterial kam mir gleich dieser Beitrag von Yaya Touré in den Sinn: auch Gnonto weiß sein Hinterteil exzellent einzusetzen!

Natürlich ist auch der Neu-Nationalspieler nicht ohne Fehler. Hin und wieder will er zu viel, sucht das Dribbling anstatt den einfacheren Pass zu wählen. Die so beeindruckende Power, die gegen Deutschland das Stadion mehrfach zum Raunen brachte, kann er noch zu selten über 90 Minuten generieren. Außerdem sollte man Flanken auf ihn tunlichst vermeiden. Doch mit seinen gerade mal 18 Jahren steht Gnonto noch ganz am Anfang seiner Entwicklung, die ich mit Spannung beobachten werde.

Sein neuer Verein darf sich also auf einen Spieler freuen, der den Fans Spaß macht und gegnerische Verteidiger das Fürchten lehrt. Sowohl in einer Doppelspitze, auf den Halbpositionen oder klassisch auf dem Flügel einsetzbar, verleiht er einer Mannschaft sowohl Durchschlagskraft als auch Tempo. Attribute, nach denen man vor allem in Freiburg aktuell explizit sucht. In Berlin würde er im Angriff mit Jamie Leweling und Sheraldo Becker auf zwei vergleichbare Spielertypen treffen. Für die TSG aus Hoffenheim spricht hingegen, dass Gnontos Mentor André Breitenreiter ab nächster Saison dort als Übungsleiter antritt.

Trotzdem bin ich persönlich der Meinung, dass Gnonto perfekt nach Freiburg passen würde. Im schon berühmten ruhigen Umfeld könnte er sich optimal an die neue Herausforderung gewöhnen und aufgrund der Dreifachbelastung viel Spielzeit sammeln. Doch eines muss ich noch festhalten: Gnonto mag zwar Nationalspieler Italiens sein, doch man darf keinen Spieler vom Format eines Lorenzo Insignes erwarten. Roberto Mancini ist bekannt dafür, auch unbekannteren Talenten die Chance zu geben, sich zu beweisen.

Ein solches war Wilfried Gnonto – bis zur 70. Minute am vergangenen Samstag.

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