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Euro 2024: Warum das keine gute EM von Deutschland war

Euro 2024: Warum das keine gute EM von Deutschland war

Euro 2024: Aus der Traum. Deutschland ist raus. Bei der Heim-Euro 2024 ist für den DFB bereits im Viertelfinale Schluss. Trotzdem wird die Mannschaft gefeiert und das Ausscheiden relativiert. Wir werfen einen kritischen Blick auf die EM der deutschen Elf und räumen mit dem Märchen auf, dass wir der Europameister der Herzen sind.

Deutschland als Europameister der Herzen?

Zugegeben: Der Titel dieses Artikels ist provokant – das muss er aber auch sein. Denn er dient als Gegenpol zur aktuellen Stimmungslage in Deutschland. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien ist in der Öffentlichkeit die Rede vom „Europameister der Herzen“, vom „Halbfinal-Klau durch den Schiedsrichter“ und davon, dass wir alle „wahnsinnig stolz“ sein können. Es wird der Eindruck vermittelt, als wäre mit uns Deutschen das beste Team dieser Europameisterschaft völlig unverdient aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Wir können nur hoffen, dass die Offiziellen des DFB diesem Märchen keinen Glauben schenken. Denn die Mannschaft ist auf einem guten Weg, aber zählt noch lange nicht zu den besten Europas.

Kein Sieg gegen eine gute Mannschaft

Blicken wir auf die reinen Ergebnisse, stellen wir sehr schnell fest, dass diese EM für Deutschland keine gute war. Von fünf Spielen konnten drei gewonnen werden: gegen Schottland, Ungarn und Dänemark. Diese drei Nationen liegen in der aktuellen FIFA-Weltrangliste auf den Plätzen 39, 27 und 21. Deutschland selbst liegt auf Platz 16, also vor den drei besiegten Teams – und das trotz zuletzt zahlreichen schwachen Turnieren. Gegen die Schweiz (Platz 19) erzwang man durch ein Tor in der 92. Spielminute noch ein Unentschieden und rettete damit kurz vor Abpfiff den Gruppensieg. Mit Spanien (Platz 8) traf man erstmals auf eine Top-Mannschaft und schied prompt aus dem Wettbewerb aus. Schlussendlich gewann die deutsche Elf lediglich gegen drei Nationalteams, gegen die sie gewinnen mussten. Bedenken wir, dass Deutschland bei allen fünf Spielen den Heimvorteil genießen durfte, wären noch schlechtere Ergebnisse geradezu peinlich gewesen.

Spanien ist das deutlich bessere Team

Vergleichen wir die Gegner der Deutschen mit den Gegnern von Spanien, wird deutlich, warum Spanien zurecht im Halbfinale steht. Während die deutsche Elf also kein einziges Spiel gegen eine Top-20-Mannschaft gewinnen konnte, bezwangen die Spanier völlig souverän Kroatien (Platz 9) und Italien (Platz 10). Gegen Deutschland (Platz 16) tat man sich überraschend schwer. Dennoch haben auch hier die Deutschen erst in Minute 89 ausgeglichen und standen – wie schon gegen die Schweiz – kurz vor einer Niederlage nach 90 Minuten. Sowohl spielerisch, als auch taktisch, hat sich Spanien bei dieser EM stärker präsentiert als Deutschland. Trotz deutlich besserer Gegner konnte Spanien alle Partien für sich entscheiden, meist ohne jegliche Zweifel aufkommen zu lassen. Natürlich hat Deutschland gegen Spanien eine gute Leistung gezeigt und natürlich hätten sie bei einem guten Schiedsrichter die Partie auch gewinnen können. Betrachten wir die gesamte EM, liegen zwischen der Qualität Spaniens und der Qualität Deutschlands aber Welten.

Nicht TOP, nicht FLOP – einfach Mittelmaß

Deutschland versteht sich als Fußballnation. Nach zahlreichen katastrophalen Turnieren war die Hoffnung groß, dass es bei dieser Heim-EM wieder für mehr reichen könnte. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Dennoch ist die Stimmungslage in Deutschland so, als hätte uns der Schiedsrichter den EM-Pokal quasi aus den Händen gerissen. Diese Wahrnehmung ist völlig realitätsfern. Bei dieser Euro 2024 gab es einige Teams, die enttäuscht haben und einige, die wirklich überzeugend waren. Deutschland gehört in keine dieser beiden Kategorien. Die Leistung der deutschen Nationalmannschaft war weder TOP, noch FLOP. Sie war schlichtweg durchschnittlich. Die deutsche Sportberichterstattung scheint biederes Mittelmaß aber leider nicht zu akzeptieren. Dabei ist – bei allem Respekt – biederes Mittelmaß für den DFB ein Fortschritt.

Hype mitnehmen, aber die richtigen Schlüsse ziehen

Bei einer Heim-EM oder -WM im Viertelfinale auszuscheiden ist kein gutes Ergebnis. Dennoch darf und muss der DFB nach dieser Europameisterschaft positiv in die Zukunft blicken. Er darf sogar den völlig realitätsfernen Hype mitnehmen und darauf aufbauen. Es ist wichtig, dass die Fans an Board sind und die Mannschaft unterstützen und feiern. Was der DFB aber nicht darf, ist, diesen Hype selbst zu glauben. Es wäre völlig wahnwitzig, wenn die „weiter so“-Mentalität fortgeführt werden würde. Denn Deutschland ist auf einem guten Weg mit Julian Nagelsmann einen echten Umbruch zu vollführen. Und dieser ist bitter nötig und fängt spätestens bei unserer Jugendarbeit an. Der Rückstand, den der deutsche Fußball auf andere Nationen hat ist beträchtlich. Und es wird viel Zeit brauchen, diesen Rückstand aufzuholen. Hoffen wir, dass die Verantwortlichen diese Zeit bekommen – auch dann noch, wenn der deutschen Öffentlichkeit das Märchen bewusst geworden ist.

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