
(IMAGO / MIS)
Nations League | Deutschlands Gruppe Selbstläufer oder Fallstrick?
Gruppe A2 wirkt auf den ersten Blick fair: Deutschland und die Niederlande als Favoriten, Serbien als physischer Störenfried, Griechenland als Aufsteiger in Liga A. Genau diese Sortierung verführt zum Leichtsinn.
Nach dem frühen WM-Aus und dem Start unter Jürgen Klopp entscheidet nicht der Name auf dem Papier, sondern wer gegen drei sehr unterschiedliche Gegner Punkte holt. Die ersten beiden Plätze führen ins Viertelfinale, Platz drei in die Relegation, Platz vier in Liga B. Spielraum gibt es wenig.
Die Jungs haben alle Lust, also dementsprechend empfinden wir Aufbruchsstimmung, verriet Trainer Jürgen Klopp bei der letzten PK.
Niederlande - der direkte Konkurrent
Trainer Xavi Hernández beginnt seine Amtszeit parallel zu Klopp.
Ich kenne mehr Spieler von Holland persönlich als Xavi. Ob das ein Vorteil ist, weiß ich nicht. ein Fakt ist es trotzdem, sagte Klopp.
Oranje bleibt defensiv um Kapitän Virgil van Dijk gebaut – Führungsspieler, Abwehrboss, Taktgeber. Daneben stehen moderne, schnelle Verteidiger wie Jurriën Timber, Jan Paul van Hecke, Jorrel Hato und Außenbahnspieler wie Denzel Dumfries oder Jeremie Frimpong. Das ist keine alte Garde, sondern eine Abwehr, die hochsteht und Umschaltmomente sucht.
Im Mittelfeld sind Tijjani Reijnders und Ryan Gravenberch die zentralen Taktgeber: Tempo, Passqualität, Pressing-Resistenz. Vorne bleibt Cody Gakpo die gefährlichste Konstante, dazu kommen Noa Lang, Brian Brobbey und je nach Verfügbarkeit weitere Flügelspieler.
Memphis Depay fehlt im Kader, Malen und Kluivert sind angeschlagen – trotzdem bleibt die Offensive variabel genug, um Deutschland in Amsterdam und später daheim zu fordern. Wer gegen die Niederlande unentschieden spielt, hat noch nichts gewonnen. Wer verliert, spielt den Rest der Gruppe unter enormen Druck.
Worauf es ankommt: zweite Bälle gegen van Dijk, Breite gegen Dumfries/Frimpong, und im Zentrum gerade über den defensiv anfälligen Reijnders Angriffe einzuleiten.
🇳🇱 NETHERLANDS SQUAD — UEFA NATIONS LEAGUE
The Netherlands squad features a mix of experienced internationals and exciting young talent, including Cody Gakpo, Ryan Gravenberch, Virgil van Dijk and Jeremie Frimpong. 🔥🇳🇱
Who are you most excited to see? 👀 pic.twitter.com/ynOL4yiuTA— football world euphoria (@F_W_Euphoria) September 21, 2026
Serbien - Physis, Standards, Zielspieler
Serbien hat die WM verpasst und wird deshalb unterschätzt. Das Team von Veljko Paunović (49) bleibt aber genau der Gegnertyp, an dem deutsche Mannschaften oft Probleme offenbaren: kompakt, zweikampfstark, physisch und ein schnörkelloses Spiel nach vorn.
In der Innenverteidigung ragen Strahinja Pavlović (AC Mailand) und Nikola Milenković heraus – groß, dominant in der Luft, unangenehm bei Standards. Auf den Außenbahnen können Filip Kostić oder jüngere Vollstrecker wie Kosta Nedeljković Breite und Flanken bringen. Im Mittelfeld bleiben Routiniers wie Sergej Milinković-Savić und Saša Lukić wichtig, dazu kommt mit Lazar Samardžić ein Spieler, der Tempo ins letzte Drittel bringt und mit einem Dribbling für Überraschungsmomente sorgen kann.
Vorne entscheidet das physische Duo Aleksandar Mitrović und Dušan Vlahović. Mitrović ist der klassische Zielspieler: Zweikämpfe, Ablagen, Strafraumpräsenz. Vlahović ist der beweglichere Part, und dazu mit bereits 5 Ligatoren in Topform. Dazu Ex-SGE-Stürmer Luka Jović der in der letzten Saison für AEK Athen 21 Tore erzielte. Die Partie in Belgrad, ausgetragen im November wird laut, eng und physisch. Am 1. Oktober in München muss Deutschland deshalb als Pflichtsieg behandeln – nicht als Selbstverständlichkeit.
Worauf es ankommt: Ein schnelles Umschalten und das schwache Stellungsspiel von Strahinja Pavlović in der Viererkette auszunutzen. Zudem wird es auch elementar wichtig sein den physisch starken Mitrović früh vom Ball zu trennen, damit er seine Rolle als Zielspieler nicht erfüllen kann.
Serbia squad for the Nation's League.
I'll starr with the positives. Well deserved calls for Cvetkovic, Dzodic & Sukacev. Tadic & Babic are welcome returns.
The bad though.....this defense is frightening. Milenkovic is a massive loss but there has to be better options out… pic.twitter.com/q2hE7b7Mj0— Serbian Football (@SerbianFooty) September 18, 2026
Griechenland - neu in Liga A, aber kein Sparringspartner
Griechenland spielt erstmals in der höchsten Nations-League-Liga. Trainer Ivan Jovanović (64) sagt offen, das Ziel sei der Klassenerhalt. Das klingt bescheiden, beschreibt aber den Spielplan: kompakt stehen, Umschalten, Standards. Genau das unangenehme Profil, mit dem Deutschland bei der WM mit Paraguay nicht klarkommen konnte.
Hinten organisieren Konstantinos Mavropanos (West Ham) und Konstantinos Koulierakis (AS Rom) die Zentrale, Kostas Tsimikas (Liverpool) bringt auf links Offensivdrang und Flankenqualität. Im Mittelfeld/Angriff sind die Schlüsselspieler klarer als der Außenseiterstatus vermuten lässt:
Vangelis Pavlidis (Benfica) als Mittelstürmer mit Abschluss und stark mit Rücken zum Tor, Christos Tzolis (Arsenal) als dynamischer Flügel, Konstantinos Karetsas (BVB) als junger Kreativspieler und Dribbelkünstler.
Augsburg am 27. September darf kein „muss reichen“-Spiel werden. Thessaloniki am 4. Oktober wird enger, lauter und wahrscheinlich standardlastiger. Wer dort nur auf Ballbesitz setzt und keine Breite respektive ein schnelles Kombinationsspiel findet, verschenkt Punkte an einen Gegner, der genau darauf wartet.
Worauf es ankommt: Geduld gegen den tiefstehenden Block, Außenbahn gegen Tsimikas, und Spieler wie Tzolis und Karetsas im Umschaltmoment zu isolieren und direkt bei der Ballannahme aggressiv zu stören.
Greece 🇬🇷 head into League A of Nations League with a hefty slate of matches against 🇷🇸🇳🇱🇩🇪.
No new faces.
🔙 Giannis Michailidis (PAOK 🇬🇷, last: Nov 2025), Manolis Saliakas (Olympiacos 🇬🇷, last: Sep 2024), Konstantinos Karetsas (Borussia Dortmund 🇩🇪, last: March but withdrew… pic.twitter.com/pV22gQu68T— The International Window (@windowintlpod) September 21, 2026
Prognose

Die Gruppe ist lösbar, weil Deutschland und die Niederlande die breiteste Qualität haben. Sie ist jedoch kein Selbstläufer, weil jeder Gegner eine andere Baustelle öffnet: Oranje über Tempo und Struktur, Serbien über Körper und Zielspieler, Griechenland über Kompaktheit und Konter.
Klopp hat zwei Kader nominiert und viele neue Gesichter geholt. Das hilft nur, wenn die Mannschaft die jeweiligen Schlüsselspieler der Gegner konkret zustellt. Schnelle Kombinationen und Automatismen werden sehr wahrscheinlich aufgrund der vielen neuen Gesichter schwer umzusetzen sein.
Daher gehe ich davon aus, dass die Niederlande und Deutschland um Platz 1 spielen, während Griechenland den dritten Rang belegen wird. Serbien wird aufgrund der zu schwachen Defensive auf Platz vier landen. Der erste Maßstab kommt für Klopps Mannen in Amsterdam. Danach zeigt sich schnell, ob A2 nur auf dem Papier machbar war.

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PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.


