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Max

Ralf Rangnick – der neue starke Mann bei Manchester United

Die Meldung traf die Fußballwelt am gestrigen Donnerstag völlig unvorbereitet: Ralf Rangnick wird neuer Trainer des englischen Fußballriesen Manchester United. Das englische Portal “The Athletic“ berichtete zuerst davon, mittlerweile soll Rangnick auch schon Glückwünsche entgegengenommen haben – der 63-Jährige unterschreibt bis Saisonende als Interimstrainer, erhält zusätzlich einen Anschlussvertrag über zwei Jahre als Berater. Ein seltenes Konzept, dessen Hintergründe es zu beleuchten gilt. (Foto: IMAGO / Eibner)

Zuerst lohnt es sich, einen Blick auf die Vergangenheit des gebürtigen Schwaben zu werfen. Als aktiver Fußballer kam der studierte Lehrer für Englisch und Sport nicht über die damals drittklassige Oberliga hinaus. In seiner Trainerlaufbahn sollte er schnell in andere Sphären vordringen.

Nach einigen Stationen im Amateurfußball landete er über Reutlingen beim Regionalligisten SSV Ulm. Diesen führte er innerhalb von zwei Jahren zur Herbstmeisterschaft der 2. Bundesliga. Dabei begeisterte er Fußballdeutschland mit Viererkette und Pressing – damals galt das als Innovation. Vor allem ein Auftritt im aktuellen Sportstudio brachten ihm den Spitznamen Fußballprofessor ein.

Es folgten Stationen in Stuttgart, Hannover und auf Schalke, bei denen er sich als einer der besten deutschen Trainer etablierte, ehe er die TSG Hoffenheim aus der Regionalliga direkt in die Bundesliga und dort furios zur Herbstmeisterschaft führte. Nach einer erneuten Tätigkeit beim FC Schalke 04, die er aus gesundheitlichen Gründen nach einem halben Jahr beendete, folgte ab 2012 eine langjährige Tätigkeit im Fußballkosmos von Red Bull.

Rangnick als Vordenker

Dort übernahm Rangnick als Sportdirektor zuerst die Geschicke beim Salzburger Ableger, wo er unter anderem den unbekannten Senegalesen Sadio Mané entscheidend förderte. Danach ging es nach Leipzig, wo der Fußballlehrer als Sportdirektor sowie zwei Jahre lang als Cheftrainer maßgebend am rapiden Aufstieg der Sachsen beteiligt war.

"Dank mir wurde Thomas Trainer. Er war mein Spieler beim FC Ulm und musste seine Karriere wegen Knieproblemen beenden. Ich habe ihm einen Trainerjob im U15-Team gegeben. Er wollte nicht einmal Trainer werden, er arbeitete in einer Bar in Stuttgart" – Ralf Rangnick über Thomas Tuchel

In dieser Zeit prägte er federführend die heute berüchtigte RB-DNA – einen blitzschnellen Umschaltfußball mit extremem Pressing. Diese Taktik gilt heute als eine der effektivsten im Weltfußball. Nicht umsonst stammen acht aktuelle Bundesligatrainer sowie Nationalcoach Flick aus dem RB Kosmos und viele andere Spitzentrainer wurden von Rangnick maßgebend beeinflusst.

Nach seinem Rückzug von RB im Jahre 2020 soll Rangnick ein Angebot des FC Chelsea mit dem Hinweis, er sei kein Interimstrainer, abgelehnt haben. Nun landet der Fußballprofessor aber mit einem kurzen Abstecher als Geschäftsführer von Lokomotive Moskau in ebendieser Rolle in Manchester. Warum?

Berater mit Entscheidungskompetenzen

Entscheidend dafür dürfte ein zweijähriger Anschlussvertrag als Berater mit Entscheidungskompetenzen sein – eigentlich ein Widerspruch in sich. Diese doch sehr vage Formulierung lässt vermuten, dass Rangnick zukünftig eine noch nicht näher definierte Rolle in der Führungsriege – eventuell als Head of Football – übernehmen wird.

Somit würde er ein dort seit Jahren herrschendes Vakuum an Fußballkompetenz füllen. Dazu passt der geplante Abgang von CEO Ed Woodward, einem Investmentbanker und Buchhalter.

„Ich glaube nicht, dass Ralf Rangnick Ed Woodward neben sich haben will und das wird er sicherlich auch genau so verbalisiert haben: dass er der Boss ist und nicht Ed Woodward.“ – Uli Hebel (Kommentator; Klick & Rush Podcast)

Somit schickt sich der einstige Ulmer an, in seiner zweiten Station in England – als Student war er ein Jahr beim unterklassigen FC Southwick aktiv – die Geschicke eines der wertvollsten Sportteams der Welt zu prägen. Über die genauen Pläne einer der größten Vordenker unseres Sports zu spekulieren möchte ich mir nicht anmaßen. Eines dürfte jedoch klar sein: ein akribischer Arbeiter wie Rangnick hat schon jetzt einen klaren Plan, wie er Mannschaft und Verein nach einer lange Durststrecke nach vorne bringen kann. Seine Vergangenheit lässt erwarten, dass er damit Erfolg haben wird.

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Max

Der VfL Wolfsburg unter Florian Kohfeldt

Drei Siege zum Auftakt – nach dem früh beendeten Experiment mit Mark van Bommel mit zuletzt acht sieglosen Partien scheint es beim VfL Wolfsburg unter dem neuen Coach Florian Kohfeldt plötzlich wieder bergauf zu gehen. Doch was konnte der Bremer Abstiegstrainer, einst als großes Trainertalent gefeiert, innerhalb weniger Tage im Amt verändern? (Foto: IMAGO / regios24)

Dafür bietet sich zuerst ein kleiner Blick in die Vergangenheit an. Unter Erfolgstrainer Oliver Glasner wurde über zwei Saisons ein lauf- und zweikampfintensives Spiel mit schnellen Gegenstößen etabliert. Mit nur 51% durchschnittlichem Ballbesitz, Platz acht der Liga, konnte sich der VfL so in der vergangenen Saison für die Champions League qualifizieren. Einen großen Anteil hatte dabei die starke Defensive der Niedersachsen, nach RB Leipzig die zweitbeste der Liga.

Als dann im Sommer Mark van Bommel den nach Frankfurt abgewanderten Österreicher ersetzte war schnell klar, dass ein taktischer Umbruch ansteht. Zwar veränderte der frühere Weltklassespieler wenig am Personal, doch taktisch lag der Fokus plötzlich auf Ballbesitz und einem langsamen doch dominanten Fußball, die Stärken der Vergangenheit wurden in der Autostadt neutralisiert. Und so war es nur konsequent, dass die sportliche Führung um Jörg Schmadtke frühzeitig die Reißleine zog.

„Kohfeldt hat einen wichtigen Impuls geleistet“ – Maximilian Arnold

Nun also Florian Kohfeldt, der zu Beginn seiner Zeit in Bremen mit einem aufregenden Ballbesitzspiel zu begeistern wusste, später angesichts eines schwachen Kaders jedoch immer häufiger einen deutlich pragmatischeren Defensivfußball spielen ließ. Doch welches Gesicht zeigt der 39-Jährige bisher in Wolfsburg? Zuerst fällt auf, dass der als guter Kommunikator bekannte Kohfeldt in der Kabine exzellent ankommt. Kapitän Maximilian Arnold spricht von einem „wichtigen Impuls“, den Kohfeldt geleistet habe. Auch erkannte der Leitwolf schon nach dem ersten Spiel unter dem neuen Coach „eine Änderung in der Philosophie“. Auch der wieder erstarkte Joshua Guilavogui redet in höchsten Tönen von seinem neuen Vorgesetzten, attestiert ihm, „sofort in unserem Kopf“ gewesen zu sein. Großes Lob zweier Führungsspieler, jedoch auch offensichtliche Kritik an van Bommel, dessen Ideen die Mannschaft blockierten. Kohfeldt hat das Team des Werksclubs erreicht und auch wenn nach zwei Wochen im Amt noch längst nicht alle Automatismen greifen: es ist klar zu erkennen, wohin der Weg gehen soll.

Intensität und 3-4-3 – so lässt Kohfeldt spielen

Wie schon letzte Saison hört man ein Wort in Wolfsburg besonders oft: Intensität. Die Niedersachsen verteidigen wieder intensiver als unter van Bommel. Außerdem wird fast jeder Angriff in hohem Tempo und mit Zug zum Tor ausgespielt. Dabei zeigt der ehemalige Torhüter Kohfeldt wie schon in Bremen, dass er sich an die Gegebenheiten eines Kaders anpassen kann. Zur Stabilisierung der Defensive wurde der gelernte Sechser Guilavogui auf die Position des zentralen Innenverteidigers in einer 3er Kette gezogen. Diese Umstellung erlaubt den offensivstarken Außenverteidiger, Nationalspieler Ridle Baku und dem lange verletzten Otavio, im eigenen Ballbesitz sehr breit und hoch zu stehen. Abgesichert durch den erfahrenen Arnold im Mittelfeldzentrum ziehen vorne zwei Offensivakteure auf den Halbpositionen, verstärkt durch einen in den Zehnerraum stoßenden Achter sowie den Torjäger vom Dienst, Wout Weghorst, variabel ihre Kreise. So zeigte sich Wolfsburg in den bisherigen Partien unter Kohfeldt schwerer ausrechenbar als noch in den letzten Monaten.

Und auch wenn die teilweise schwächeren Leistungen gegen Bielefeld und in der Champions League gegen den FC Sevilla, Kapitän Arnold analysiert, dass er und seine Kameraden „nur weil wir einen neuen Trainer haben, nicht über alles hinwegfegen“, die Aufbruchsstimmung etwas dämpften: es geht wieder aufwärts in der Volkswagenarena. Denn wie der Shootingstar Lukas Nmecha, der sich seit der vergangenen Länderspielpause deutscher Nationalspieler nennen darf, zusammenfasst: „Wir haben einfach das Selbstvertrauen zurückbekommen.“

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