Was macht eigentlich Tomás Rosický?

Was macht eigentlich Tomás Rosický?

Fünf Jahre verzauberte Tomás Rosický Borussia Dortmund und die Bundesliga, bevor er ein Jahrzehnt für den FC Arsenal spielte. Er galt als „Kleiner Mozart“, weil er eine Mannschaft dirigieren konnte und leichtfüßig und technisch trickreich auf dem Fußballplatz unterwegs war. Im Dezember 2017 beendete Tomás Rosický seine Karriere bei seinem Jugendverein Sparta Prag. Doch was macht der 105-fache tschechische Nationalspieler, den Joshua Kimmich zu seinen Vorbildern zählt, heute? (Foto: IMAGO / Team 2)

In der Winterpause der Saison 2000/01 gab es ein Tauziehen zwischen dem FC Bayern und dem BVB um eines der begehrtesten Talente Europas. Tomás Rosický hatte in seiner tschechischen Heimat mit guten Leistungen aufhorchen lassen und galt als begnadeter Spieler, dem die Zukunft gehört.

Am Ende sicherten sich die Dortmunder die Dienste des Mittelfeldspielers für die damalige Bundesligarekordablösesumme von 29 Millionen Mark.

Schnell verzauberte der damals 20-Jährige die Liga. Wendig, schnell und mit viel Finesse stellte er gegnerische Abwehrreihen oft vor unlösbare Probleme und mit Mitspielern wie Marcio Amoroso, Jan Koller oder Ewerthon gewann Tomás Rosický 2002 mit dem Revierclub auch die deutsche Meisterschaft.

Es folgten für den BVB jedoch turbulente Zeiten, die auch durch Finanzprobleme gekennzeichnet war. So gab es immer wieder Gerüchte über einen bevorstehenden Transfer des Tschechen, um Geld in die klammen Kassen fließen zu lassen. Real Madrid soll 2005 ein ernsthaftes Interesse gehabt haben, den Tschechen zu verpflichten. Schlussendlich wechselte Tomás Rosický in der Sommerpause 2006 zum FC Arsenal in die englische Premier League.

Zahlreiche Verletzungen verhinderten mehr

Bei den Gunners verbrachte der „Kleine Mozart“ zehn Jahre, doch in dieser Zeit konnte er nur 170 Ligaspiele bestreiten. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück. Vor allen Dingen Probleme mit dem Oberschenkel und der Achillessehne bremsten ihn oft aus.

Mit verletzungsbedingten Zwangspausen musste Tomás Rosický auch schon während seiner Dortmunder Zeit kämpfen und so kam er nach Rehabilitationen oft nicht an sein wahres Leistungsvermögen heran.

„If you love football, you love Tomás Rosický“ (Arsene Wenger)

In England machte sich Tomás Rosický jedoch schnell einen Namen. Allerdings war sein Club, der FC Arsenal, von 2006 bis 2016 wenig erfolgreich, nachdem die Gunners 2004 noch die englische Meisterschaft gewannen und in der Saison 2005/06 im Finale der Champions League standen. So gab es 2014 und 2015 lediglich zwei Erfolge im FA-Cup zu feiern. In der Premier League, und auch in der Königsklasse, blieb der FC Arsenal dagegen oft hinter den Erwartungen zurück.

Mit 35 Jahren kehrte Tomás Rosický schließlich zu Sparta Prag, seinem Jugendverein zurück. Ohnehin ist der heute 41-Jährige in seiner tschechischen Heimat ein Idol. Das liegt auch daran, dass er für Tschechien an vier großen Turnieren teilnahm. Bei der EM 2004 reichte es mit Tomás Rosický als Antreiber sogar zum Halbfinaleinzug. Insgesamt stehen 105 Länderspiele in der Vita des Mittelfeldspielers. Es hätten viel mehr sein können, wenn es nicht die vielen Verletzungen gegeben hätte.

„Es ärgert mich, dass ich nie dahin gekommen bin, wie gut ich hätte sein können.“ (Tomás Rosický)

So gilt seine Karriere, die im Dezember 2017 endete, als unvollendet. Ein halbes Jahr nach seiner letzten Partie für Sparta Prag gab es ein Abschiedsspiel. Ehemalige Weggefährten wie Petr Čech, Jan Koller oder Robin van Persie waren gekommen, doch man merkte Tomás Rosický, der nach eigenen Angaben „den Fußball liebt“, die Wehmut an.

Aber dem runden Leder ist Tomás Rosický erhalten geblieben. Seit rund drei Jahren ist er als Sportdirektor bei Sparta Prag tätig. Und das recht erfolgreich. In der letzten Saison sprang in der tschechischen Liga ein 2. Platz heraus. In der laufenden Spielzeit nimmt der Traditionsclub daher an der Europa League teil.

Tomás Rosický ist derweil privat glücklich. Mit seiner Frau Radka, mit der er seit 2014 verheiratet ist und einen gemeinsamen Sohn hat. Dieser durfte sogar bei der Abschieds-Pressekonferenz an die Mikrofone und „Dobry den“ (Guten Tag) sagen. Dagegen titelte eine tschechische Zeitung an diesem Tag, was viele dachten: „Tomás Rosický wird auf dem Spielfeld keine Freude mehr bereiten“.

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