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Florian

Leon Bailey (20) – Bayers Rakete aus Jamaika

Wenn man einen Spieler in seinen Reihen haben will, um den es sowohl auf als auch neben dem Platz immer einiges zu berichten gibt, dann ist man beim jungen Leon Bailey definitiv an der richtigen Stelle. Die Frage nach dem Grund dafür ist natürlich absolut berechtigt und wir versuchen diese nun zu beantworten. Leon Bailey Butler stammt gebürtig aus Kingston, wo er im Problemviertel Cassava Piece aufwuchs. Einfach war es für ihn dort eher nicht, denn dieses Viertel ist für seine regelmäßigen Bandenkriege bekannt.

Craig Butler als großer Förderer

Bereits sehr früh wurde er von seinem Landsmann Craig Butler adoptiert, welcher bis heute auch der Berater von ihm und seinem Halbbruder Kyle Butler ist. Zwar ist dieser in seinem Heimatland als ein durchaus umstrittener und windiger Fußballunternehmer bekannt, der dort auch bereits für sechs Jahre für alle Transfergeschäfte gesperrt wurde, allerdings hat er sehr zu Baileys extrem guter Entwicklung beigetragen. Bis 2011 spielte der flinke Außenstürmer noch in seiner Heimat in der Phoenix All Stars Football Academy, bevor er den Schritt nach Europa wagte.

Beginn des Abenteuers Europa

Sein Weg führte ihn zunächst nach Österreich zur Jugend des USK Anif, welcher heute als FC Liefering bekannt ist. Dort erzielte er im U15-Team laut Aussagen von Butler in nur 16 Partien sage und schreibe 75 Treffer, jedoch wurde das nie bestätigt. Aufgrund seines herausragenden Potenzials und seiner beachtlichen Fähigkeiten wurde er 2012 bereits zum Probetraining beim belgischen Klub KRC Genk eingeladen. Doch dann der Schock für Leon und seinen Bruder Kyle! Vater und Berater Craig Butler tauchte plötzlich ab und ließ seine Söhne im Stich, die fortan als unbegleitete Minderjährige galten.

„Das war eine kranke Situation. Um zu verhindern, dass die Jungs auf der Straße herumliefen, haben wir dafür gesorgt, dass sie zur Schule gehen konnten und bei uns ausgebildet wurden", sagte Genks technischer Direktor Gunter Jacob zu dieser Situation. Nach rund vier Monaten tauchte Butler wieder auf und gab an, in Mexiko überfallen und in der Wüste zurückgelassen worden zu sein. Da die Behörden nun verständlicherweise mit Untersuchungen begannen, verschwand Butler letztendlich mit den beiden Jungen in Richtung Slowakei, wo der Linksfuß Leon bis Sommer 2015 beim AS Trencin im U19-Team spielte.

Im Jahr 2013 absolvierte Bailey auch ein Probetraining bei Ajax Amsterdam und man wollte ihn nach den gesammelten Eindrücken auch gerne verpflichten, allerdings befürchtete man letztendlich Probleme mit den Behörden und der FIFA, weswegen man von einer Verpflichtung Abstand nahm.

Schließlich führte ihn sein Weg dann doch zurück nach Belgien zum KRC Genk, wo er sich durch starke Leistungen noch mehr in den Fokus spielen konnte und so massig Interesse größerer Klubs auf sich zog.

Wechsel in die deutsche Eliteliga

Allzu lange bleiben sollte er jedoch nicht in Genk, denn bereits im Januar 2017 folgte der nächste Schritt in seiner Karriere. Der immer noch sehr junge Linksaußen wechselte für eine Ablösesumme in Höhe von rund 13,5 Mio. € nach Leverkusen. Bayer gab ihm die Rückennummer 9, stattete ihn mit einem langfristigen Vertrag bis 2022 aus und setzte damit ein dickes Ausrufezeichen, indem man sich eines der begehrtesten Talente in Europa sichern konnte. Eigentlich hatte man zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer Verpflichtung Baileys geplant beziehungsweise gerechnet, doch Leon wollte nicht mehr länger in Genk bleiben und so musste man entweder zu diesem Zeitpunkt zuschlagen oder wahrscheinlich nie.

„Mit Leon Bailey haben wir einen weiteren vielversprechenden Spieler mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Dieser Junge stand sehr weit oben auf den Wunschlisten von vielen europäischen Klubs. Das macht uns noch glücklicher, gegen diese starken Mitstreiter gewonnen zu haben“, gab Michael Schade zu Protokoll und zeigte sich sehr erfreut über den geglückten Transfer.

Seine erste Saison bei Bayer absolvierte er sehr erfolgreich und er war einer der Protagonisten in der guten Saison des Teams. In insgesamt 34 Pflichtspielen konnte er mit zwölf Treffern und sechs Vorlagen glänzen und so auch einen weiteren, wichtigen Schritt in seiner Entwicklung machen. Deswegen gilt der „Bundesliga Bolt“ mittlerweile als eines der größten Talente der Bundesliga und ist gefürchtet bei den gegnerischen Verteidigern. An diesem aktuellen Erfolg von Bailey bei Bayer soll besonders Trainer Heiko Herrlich einen großen Anteil haben, denn dieser führt viele Gespräche mit ihm, zeigt ihm so noch seine Fehler auf und will ihm damit helfen. Auf der anderen Seite genießen Bailey und Teamkollege Julian Brandt auch relativ viele Freiheiten im Spiel und können ziemlich frei aufspielen.

Leverkusen nur ein Sprungbrett?!

Doch wegen dieser guten Entwicklung kommen immer wieder Gerüchte bezüglich eines baldigen Abschieds des Flügelstürmers auf, welche sein Berater immer wieder befeuert. So kommentiert Butler über die sozialen Medien quasi jedes Gerücht um die Zukunft seines Schützlings und sorgt dadurch letztendlich für Unruhe, was bei Bayer natürlich nicht gut ankommt. Zudem gab Bailey selbst auch Anfang 2018 ein Interview, bei welchem er sich zu seiner Zukunft äußerte.

„Ich bin jung und ich habe viele junge Spieler gesehen, die zu früh einen zu großen Schritt gemacht haben und gescheitert sind. Leverkusen ist für mich perfekt. Viele große Spieler haben von ihrer Zeit in Leverkusen profitiert. Ich will mich entwickeln und kann dann irgendwann den nächsten Schritt machen. Wenn ich zu einem ganz großen europäischen Top-Klub wechsle, dann sollen mich die Leute in diesem Klub schon kennen. Ich will mir vorher auf dem höchsten Niveau einen Namen gemacht haben“, sagte er.

Auch die Verantwortlichen in Leverkusen haben natürlich schon längst erkannt, ihn nicht ewig halten zu können und so sprach man auch schon über einen Abgang des Jamaikaners, allerdings frühestens 2019 und in der Größenordnung von knapp 100 Mio. € Ablösesumme.

Lange Zeit hat man auch über eine mögliche WM-Teilnahme Baileys spekuliert, da er nicht für sein Heimatland Jamaika auflaufen will und auf der Suche nach einer anderen für ihn passenden Nation ist. Doch am Ende waren dies Spekulationen um nichts, denn es hat sich in dieser Angelegenheit schon länger nichts mehr getan.

Stärken:

Doch was zeichnet den jungen Jamaikaner aus? Zuerst sollte man erwähnen, dass Leon ein sehr lernwilliger Spieler ist, der sich stets weiterentwickeln und so den nächsten Schritt machen will. Auf dem Platz zeichnet ihn auf jeden Fall eine gewisse Leichtigkeit und Unbekümmertheit aus, die man nicht bei jedem Bundesligaspieler sieht beziehungsweise verspürt. Trotzdem legt er gleichzeitig ebenso die notwendige Ernsthaftigkeit an den Tag, denn zu leicht sollte und darf man keinen Gegner nehmen.

Welche Fähigkeiten sollte ein moderner Flügelstürmer mitbringen? Leicht beantwortet, wenn man sich Bailey genauer anschaut. Der Linksaußen besitzt ein unglaubliches Tempo, wodurch nur wenige Verteidiger mit ihm mithalten oder ihn gar stoppen können. In Kontersituationen, in denen Bailey steil geschickt wird, ist die Chance ihn letztendlich noch verteidigen zu können gleich null. Aber auch wenn er das Dribbling sucht, wird es für die gegnerischen Verteidiger wirklich sehr kritisch. Grund dafür ist nicht nur seine Geschwindigkeit, denn er bringt noch eine Menge anderer starker Fähigkeiten mit.

Dribbling eine der größten Stärken

Durch seine enorme Beweglichkeit und Balance schafft er es oft, den Gegner auch durch schnelle Richtungswechsel oder Körpertäuschungen aus dem Tritt zu bringen und so an diesem ganz einfach vorbeizugehen. Außerdem hat er hervorragende technische Fähigkeiten, mit denen er zusätzlich auf engstem Raum ebenfalls nur schwer vom Ball zu trennen ist. Am Ende bleibt dem jeweiligen Verteidiger oft nur die Chance ihn zu foulen, um gefährliche Situationen irgendwie noch zu vermeiden. Statistisch ist diese Stärke im Dribbling ebenfalls zu belegen, denn 43,2 % seiner Dribblings letzte Saison waren erfolgreich, womit er einen der besten Werte der 1.Bundesliga stellt.

Doch nicht nur im Dribbling, sondern auch vor dem gegnerischen Tor weiß er zu überzeugen. Er liefert nicht nur äußerst harte sowie präzise Abschlüsse, sondern glänzt auch mit einer guten Übersicht, durch die er seine Mitspieler mit Schlüsselpässen in Szene setzt. In Sachen Torschussvorlagen und kreierten Chancen ist er von der Statistik her auch einer der besten und ebenso kreativsten Spieler in der gesamten Liga.

Gefahr durch ruhende Bälle?

Doch nicht nur aus dem Spiel heraus wird es durch seine exzellente Schusstechnik oft sehr gefährlich, sondern auch bei Standardsituationen. So tritt der Linksfuß bemerkenswerte Freistöße, durch die ihm schon so einige Treffer gelungen sind. Aber auch Ecken oder Freistöße aus dem Halbfeld bringt er mit dem nötigen Effet in die Mitte und damit in die Richtung seiner Mitspieler.

Gleichfalls muss man noch erwähnen, dass Bailey eine extreme Handlungsschnelligkeit an den Tag legt, wodurch er auf die jeweilige Spielsituation blitzschnell reagieren und umschalten kann. Diese Fähigkeit macht ihn auch in eigenen Kontersituationen ungemein gefährlich und hebt ihn von anderen Spielern ab.

Abschließend kann man noch seine enorme Ausdauer hervorheben, denn durch diese ist er extrem laufstark und wurde von Trainer Heiko Herrlich deswegen schon in der 3-4-3-Formation im linken Mittelfeld aufgeboten. Die dafür notwendige Defensivarbeit hat er dank Herrlich mittlerweile gelernt und weiß daher gut nach hinten mitzuarbeiten.

Schwächen:

Doch welche Schwächen besitzt Bailey momentan? Ab und an muss er noch den passenden Zeitpunkt fürs Abspielen finden, denn manchmal ist er einfach zu ballverliebt und verpasst es dadurch, das Spiel zu beschleunigen. So unterliefen ihm mit durchschnittlich 4,54 Ballverlusten pro Spiel noch mit die Meisten in der gesamten Liga. Gleichzeitig muss er sein Passspiel noch verbessern und an seiner Präzision arbeiten, denn bei "nur" 75% angekommener Pässe in der letzten Spielzeit schenkte er einige Male, auch durch seine leichteren Ballverluste, den Ballbesitz her.

Des Weiteren ist er trotz seiner 1,80 m nicht gerade kopfballstark und verliert seine Duelle oft, was aber für Bailey nicht so wichtig ist, da er diese fehlende Komponente mit anderen Fähigkeiten mehr als ausgleicht.

Prognose:

Man kann festhalten, dass Bailey in der abgelaufenen Saison absolut gezeigt hat, was für ein riesiges Talent er ist und was wir noch von ihm erwarten dürfen. An seiner Entwicklung hat Trainer Herrlich einen sehr großen Anteil, weswegen sein Schritt nach Leverkusen letztendlich der absolute Richtige für ihn war. Doch diese Leistungsexplosion ist natürlich nicht verborgen geblieben und so muss man um den Verbleib von Bailey kämpfen. An Interesse mangelt es angeblich nicht, denn mit dem FC Barcelona, dem FC Liverpool, dem FC Chelsea London, dem FC Bayern München, Manchester City und Real Madrid werden sehr große Klubs gehandelt.

Ziel: Premier League

Besonders an einem Transfer nach England ist Bailey sehr interessiert, denn die Premier League und speziell der FC Chelsea London sind sein absoluter Traum. „Grundsätzlich war es schon immer mein Traum und ist es auch immer noch, irgendwann in England zu spielen. Wenn ich weiter hart arbeite, dann bin ich sicher, dass es funktionieren wird“, sagte er mal in einem Interview. Auch von der Spielweise her würde er wahrscheinlich am besten auf die Insel passen, also vorteilhaft, dass die meisten Interessenten von dort kommen.

Bislang ist es diesen Sommer eher ruhig um den Jamaikaner, doch bis zum Ende der Transferphase wird dies wahrscheinlich nicht so sein. Wir sehen einen Transfer zu einem Top-Klub in dieser Transferperiode allerdings als kritisch an. Er sollte eher noch eine weitere Saison in Leverkusen agieren und seine bislang gezeigten Leistungen nochmal bestätigen, was auch für seine Entwicklung förderlich wäre. Nun heißt es also abwarten, was Bailey selbst und vor allem auch sein Berater wollen und welche Pläne sie für die Zukunft haben.

Abschließend kann man sagen, dass er das Potenzial zum absoluten Weltklasse-Spieler besitzt. Er kann definitiv einer der besten und am schwierigsten zu verteidigenden Außenstürmer auf der Welt werden und die gegnerischen Abwehrreihen immer wieder aufs Neue auseinandernehmen. Besonders in der Premier League, bekanntlich einer der schnellsten Ligen der Welt, können wir ihn uns irgendwann bei einem der absoluten Top-Klubs vorstellen. Doch bis dahin hat er noch ein wenig Arbeit vor sich und muss auf dem Boden bleiben, denn nur dann ist er in der Lage, sein Potenzial auf den Platz zu bringen. Schafft er das, stehen ihm alle Türen offen.

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Florian

Richarlison (21) - Der etwas andere Brasilianer

Der FC Watford absolvierte letzte Saison unter Ex-Trainer Marco Silva (jetzt: FC Everton) eine durchaus ordentliche Spielzeit in der Premier League, welche man im gesicherten Mittelfeld abschließen konnte. Für die „Hornets“ ein absoluter Erfolg, welcher auch eine handvoll herausragender Spieler ins Scheinwerferlicht rückte. Einer von ihnen ohne Zweifel der Youngster Richarlison de Andrade, a.k. Richarlison!

Mit exzellenten Darbietungen in seiner ersten Premier-League-Saison eroberte der brasilianische Flügelspieler dank seines unfassbaren Talents, das für viele Fans an der Vicarage Road zu bestaunen war, den englischen Fußball im Sturm. Darüber hinaus gewann er laut dem englischen Internetportal Squawka.com gar die meisten Zweikämpfe, wenn man die Duelle aus Tacklings, Kopfbällen und Dribblings zusammen addiert.

Doch woher kommt dieser kleine Shootingstar? Richarlison wuchs als kleiner Junge in den Straßen von Nova Venécia auf, einer kleinen bergigen Gemeinde im Bundesland Espirito Santo an der Ostküste Brasiliens, welche für ihr hohes Granitvorkommen in der Welt bekannt ist. In der Jugend spielte er für die Internate von Real Noroeste und America Mineiro.

Im Fokus internationaler Topclubs

Im Juni 2015 gab er bereits als 17-Jähriger sein Debüt für America in Brasiliens erster Liga und überzeugte auf Anhieb. Neun Tore in 24 Pflichtspieleinsätzen machten ihn zu einem sehr begehrten Rookie und so war es nicht überraschend, dass er bereits nach seiner ersten Spielzeit aus Belo Horizonte für 2,38 Millionen Euro zum Topclub Fluminense Football Club.

Gut angelegtes Geld, wie sich später für den Club aus Rio de Janerio herausstellen sollte. Wettbewerbsübergreifend steuerte Richarlison auf Anhieb 14 Scorerpunkte (Zehn Tore, vier Assists) für den ältesten Fußballklub Brasiliens bei und avancierte somit zu einem der schillerndsten Jungstars des Landes. Chelsea, Milan, Manchester United hießen die zahlreichen Interessenten, doch das Ausnahmetalent entschied sich für eine sinnvolle Entscheidung und wechselte zum FC Watford.

Stärken:

„Für ihn ist nun der Zeitpunkt gekommen eine neue Art des Fußballs zu erlernen, er ist ein großes Talent und wir glauben an ihn“, gab der damalige Watford-Coach seine Erwartungen gegenüber dem Linksaußen im August 2017 noch zum Ausdruck. Aus dieser Aussage entwickelte sich anschließend die eindrucksvollste Eigenschaft von Richarlison: Seine unermüdliche, kämpferische Attitüde!

Die meisten jungen Flügelspieler nehmen sich oftmals aus der Pflicht mit voller Kraft defensiv zu arbeiten, doch der kleine Brasilianer hat durch den Fußballlehrer gelernt, dass pures Talent nicht alles ist im modernen Fußball ist. Richarlison hat diese Weisheit in sich aufgesaugt und sie zu seiner Mentalität gemacht. Denn er liebt es regelrecht seine Mannschaft gegen den Ball zu unterstützen. Es überrascht nicht, dass er zwei Tacklings pro Spiel gewinnt und zwei Fouls pro Spiel begeht.

Das immense Bemühen der Club-Verantwortlichen im vergangenen Sommer, sich die Unterschrift des Rohdiamants zu sichern, zahlte der 21-Jährige mit Bravour zurück. Mit fünf Tore und fünf Vorlagen war das Offensivtalent in seiner Debütsaison an rund ¼ der erzielten 44 Treffer Watfords direkt beteiligt!

Besonders bemerkenswert war, dass er alle seine Scorerpunkte in der Hinrunde sammelte und damit ein Beben in der Premier League verursachte. Dank seines Gespürs für den freien Raum kam er widerkehrend in enorm aussichtsreiche Positionen, um den Gegner zu verwunden, sei es durch einen Assist oder einen Torschuss, und so verwunderte es wohl niemanden, dass sich Richarlison in der Winterpause zu einer der heißesten Attraktionen auf dem Transfermarkt entwickelte.

Der Herr der Lüfte

Trotz einer Körpergröße von nur 179 cm und einem Gewicht von 71 kg ist Richarlison de Andrade physisch stark wie ein Elefant und schnell wie ein Gepard, das mit und ohne Ball, daher kann er diesen auch in gefährlichen Räumen empfangen und sichern. Kein Spieler, außer Raheem Sterling, hatte in dieser Saison mehr Ballkontakte in der Box als das junge Hornets-Talent.

Obwohl er hauptsächlich als linker Flügelspieler zum Einsatz kam, um nach innen ziehen zu können und dann mit seinem starken Rechten abzuschließen, kann er ebenso auf der rechten Flanke und in einer zentraleren Position spielen. Denn gerade im Zentrum kann er seine unglaubliche Lufthoheit einsetzen, eine Qualität, die ihn zu einer ernsthaften Gefahr bei Standards macht.

Zu guter Letzt sollte dich nicht überraschen, dass der ehemalige U20-Nationalspieler als Brasilianer naturgemäß im Dribbling zu überzeugen weiß. Ganze 48% seine Duelle entscheidet er für sich, straft den Gegner oft mit einem frechen „Tunnler“ oder legt die Pille im höchsten Tempo per Hacke hinter sich am Gegner vorbei und überrennt diesen anschließend einfach.

Schwächen:

Ein Bereich, indem sich Richarlison sicherlich steigern muss, ist sein mit 63,9% eher unterdurchschnittliches Passspiel. Gleichermaßen seine Flanken, die zu oft keinen Abnehmer im Strafraum finden. Zwar ist er flink und ballsicher, jedoch fehlt ihm die Gelassenheit und Genauigkeit, wenn er den Ball zu einem Mitspieler abgeben möchte. Seine fehlende Kreativität gleicht er durch ein außerordentliches Dribbling aus, daher fällt dieses Defizit nicht so schwer ins Gewicht.

So stark der Brasilianer auch in der Hinrunde war, so sehr ließ er in der zweiten Saisonhälfte nach. Die harten Anforderungen der Premier League kombiniert mit dem kräftezerrenden Spiel des Südamerikaners haben ihren körperlichen Tribut gezollt. Das Talent wirkte plötzlich etwas müde und unkonzentriert und vergab oftmals aus aussichtsreichsten Positionen beste Torchancen für die Hornissen.

Müdigkeit schützt vor schlechter Statistik nicht, daher müssen wir die ganze Spielzeit bewerten und nicht nur die Hinrunde. Saisonübergreifend schoss das Juwel 79 Mal aufs gegnerische Gebälk, doch nur fünf Mal zappelte das Runde im Netz. Daraus ergibt sich eine Abschlussquote von gerade mal 6%, was selbst für einen Flügelstürmer zu spärlich ist.

Prognose:

Ohne Zweifel war Ex-Watford-Coach Marco Silva der entscheidende Mann für Richarlison in seiner ersten Premier League-Saison, denn nach seinem Weggang im Januar brachen, wie vorhin erwähnt, die Leistungen des Brasilianers eklatant ein. "Ich schulde Marco einiges, weil er derjenige war, der mich angerufen hat, bevor ich zu Watford wechselte. Ich bin wegen ihm hierher gezogen. Er hat mir jeden Tag geholfen und war extrem nett zu mir. Er ist wie mein Vater."

Everton-Fans gegen Transfer von Richarlison

Daher sollte der Transfer des 21-Jährigen für 45 Millionen Euro zum FC Everton keine Überraschung darstellen, wobei der Druck dieser immensen Ablösesumme sich noch als negativ erweisen könnte. Denn viele Fans sprachen sich gegen eine Verpflichtung des Rechtsfußes aufgrund der wuchernden Forderung der Londoner aus, was einen sensiblen Spieler durchaus nahe gehen könnte.

Abgesehen davon wird sich Richarlison jedoch unter seinem Lieblingsmentor Silva weiterhin auf perfektem Nährboden befinden um zu reifen, wenngleich die Konkurrenz bei den „Toffees“ etwas fordernder sein wird. Sollte er dies meistern und im Goodison Park die notwendige Konstanz und Balance für sein Schaffen finden, dann wird er in nicht allzu ferner Zukunft die „Selecao“ um einen weiteren Ausnahmeakteur bereichern - und zwar um einen Offensivspezialisten, der auch gegen den Ball mit Leidenschaft kämpft - eben der etwas anderer Brasilianer.

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Florian

Federico Valverde (19) - Reals neuer Toni Kroos?

„Ich habe noch nie jemanden gesehen, der in diesem jungen Alter das Spiel schon so sehr verstanden hat!“, lobte Penarol-Coach Bengoechea den damals 16-jährigen Valverde nach seiner ersten Trainingseinheit für die erste Mannschaft des größten Verein Uruguays. Nur ein halbes Jahr später, im zarten Alter von 17 Jahren, hatte der junge „Pajarito“ bereits sechs Startelfeinsätze und sein ersten internationales Topspiel in der Copa Libertadores (ihm gelang sogar ein Assist) auf dem Konto.

Sein Durchbruch war in vollem Gange und wurde durch den Sieg im Finale der heimischen Liga, in dem er 120 Minuten auf dem Grünen stand, abgerundet. Bei seinem ersten Titel im Profibereich war er gewiss kein Nebendarsteller, denn mit seinem Wirken wertete er eine fußballerisch oft orientierungslose Mannschaft mit seiner spielerischen Stärke und Führungskompetenz auf.

Alle Verantwortlichen der „Carboneros“ waren sich im Klaren, dass hier ein Ausnahmetalent am Werk war. Doch auch den Königlichen aus Madrid war dies nicht entgangen, denn sie hatten ihre Scouts tief im Süden Südamerikas verschanzt, welche sofort zuschlugen. Im Sommer 2016 wechselte Valverde für eine stattliche Ablöse von fünf Millionen Euro in Spaniens Hauptstadt und kam in der Castilla, Reals zweiter Mannschaft, zum Einsatz.

Das Abenteuer Europa beginnt!

Oftmals tun sich junge Spieler schwer mit solch einem großen Umschwung: Ein neues Land, neue Traditionen, Klimaänderungen und primär damit, eine neue Art des Kickens zu erlernen. Doch nicht so beim Mittelfeldmann. Castilla-Coach Solari war sehr angetan über das rasche Adaptieren des Juwels, da er sein Positionsspiel und seine defensiven Skills in kürzester Zeit ungemein aufwerten konnte und sich somit nachhaltig für eine Leihe im Sommer letzten Jahres zu Deportivo La Coruna empfehlen konnte.

Doch bevor der Rechtsfuß das Abenteuer in Spaniens höchster Spielklasse antreten durfte, galt es noch die U20-WM mit der „Mini-Celeste“ zu bestreiten, welche man auf einem beeindruckenden vierten Platz abschloss. Darüber hinaus wurde Valverde zum zweitbesten Spieler des Turniers gekürt - mit dem „Silbernen Ball“ im Gepäck ging es anschließend zu „Depor“.

Sinnbild der Stadt ist die Statue von Maria Pita, einer Heldin aus dem 16. Jahrhundert, die La Coruna vor einer Invasion rettete. Doch im Gegensatz zur altehrwürdigen Heroin konnte das Ausnahmetalent die Hafenstadt nicht vor dem nahenden Unheil schützen. Die Saison verlief nämlich für den einmaligen spanischen Meister alles andere als rosig und man stieg am Ende gar als Drittletzter ab.

Eine Verletzung lässt Träume zerplatzen

Wenngleich der junge Edeltechniker den Abstieg des spanischen Traditionsclubs aus La Liga nicht verhindern konnte, so war der Wechsel für seine persönliche Entwicklung enorm wertvoll. Valverde gehörte mehr oder weniger zum Stammpersonal der Galicier und lieferte bis zu seiner schweren Knieverletzung in der Rückrunde beeindruckende Kostproben seines Könnens ab.

Oscar Tabarez, Nationaltrainer Uruguays, entschied sich jedoch aufgrund der langen Ausfallzeit gegen den viermaligen Nationalspieler und fuhr ohne ihn nach Russland. Ein Entscheidung, die er wohl spätestens nach dem Ausscheiden gegen Frankreich bereut haben dürfte. Denn gerade nach dem Rückstand gegen die „Équipe Tricolore“ hätte das Ausnahmetalent einer spielerisch limitierten „Celeste“ den entscheidenden offensiven Impuls verleihen können.

Genug über den Background des Youngsters, nun geht es an die Essenz seines Schaffens! Wie diese genau aussieht, erfährst du jetzt:

Stärken:

Einer seiner größten Vorzüge ist tatsächlich, dass er keine signifikanten Defizite besitzt. Valverde verfügt über ein enorm vielfältiges Repertoire, dass viele seiner Trainer sich uneins über dessen beste Position sind. Während er bei der U20-WM in Südkorea 2017 als klassischer Zehner zum Einsatz kam, sieht man ihn im Real-Lager eher als Sechser, welcher das Spiel aus der Tiefe aufzieht.

Sein exzellentes und variables Passspiel kombiniert mit einer starken Antizipationskraft prädestinieren ihn sogar dafür als alleiniger Sechser aufzulaufen, da er viele Pässe des Gegners mit Leichtigkeit abläuft. Genau wie sein großes Vorbild Toni Kroos vereint er pure Spielintelligenz, Konstanz und Rhythmusgefühl in sich.

Exakt wie der deutsche Nationalspieler verlagert er das Spiel, wenn es von Nöten erscheint, und setzt dadurch seine Mitspieler gekonnt in Szene. Ist er einem unangenehmen Pressing ausgeliefert, so schafft er es dank seiner ausgezeichneten Technik die Situation spielerisch zu lösen. Neben seinen strategischen Skills ist „Fede“ als Box-to-Box-Player gleichermaßen wirkungsvoll.

Oftmals geht er in dynamischer Manier weite Wege für sein Team, profitiert dabei von seiner ordentlichen Geschwindigkeit und Ausdauer. Erstmal im letzten Drittel angekommen, kann er dank seiner Übersicht den tödlichen Pass spielen oder per Fernschuss den Torwart herausfordern. Denn seine Fernschüsse sind für sein Alter schon weit ausgereift und es bedarf nur noch der letzte Feinschliff, um die höchste Effektivität zu erlangen.

Schwächen:

Um auf allerhöchstem Niveau bestehen zu können, muss der Südamerikaner körperlich jedoch unbedingt zulegen, denn ohne die notwendige Durchsetzungskraft wird es schwer seine Qualitäten ausspielen zu können. Auch wenn Valverde in der Offensive Akzente setzen kann, fehlt ihm noch die Effizienz, Tore direkt vorzubereiten oder gar selbst zu treffen.

Darüber hinaus fällt es ihm noch schwer sein komplettes Leistungsspektrum auf La Liga-Niveau nachzuweisen. Wäre das der Fall, würde er vermutlich zu einem Protagonist auf der iberischen Halbinsel avancieren und könnte sich vor Angeboten kaum mehr retten.

Prognose:

Die Kombination aus Allrounder-Qualitäten und einer für sein Alter untypischen Reife machen Valverde zu einem der spannendsten Talente weltweit. Dieser konnte in der abgelaufenen Saison im Dienste von La Coruna ohne Zweifel sein immenses Potenzial andeuten, jedoch sollte der amtierende CL-Sieger eine weitere Leihstation in Betracht ziehen, damit das Juwel den nächsten Schritt in seiner Entwicklung vollziehen kann.

Auf der Bank der Galaktischen zu schmoren, wäre für Real Madrid und ihn selbst absolut kontraproduktiv, denn dieser Rohdiamant muss weiterhin geschliffen werden, um den höchsten Glanz zu erlangen. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte er langfristig in die Fußstapfen von Toni Kroos hineinwachsen und als neuer Dirigent das weiße Ballett zu neuen Triumphen führen.

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Florian

Omid Noorafkan (20) - Der persische Hybride

Vorläufiger Scoutbericht:

Die iranische Nationalmannschaft überraschte in der Vorrunde der diesjährigen Weltmeisterschaft in Russland so manchen Zuschauer und direkten Gegner auf dem Platz. Wenngleich es „Team Melli“ letztendlich nicht ins Achtelfinale schaffte, verdiente sich der dreifache Asienmeister eine Menge Respekt der Fußballfans und konnte sich erhobenen Hauptes aus dem internationalen Turnier verabschieden.

Für uns war dies Anlass genug ins Landesinnere des Überraschungsteams zu schauen. Was tut sich im persischen Fußball und wer könnte der nächste Protagonist in der Elf von Coach Carlos Queiros werden?

Nur wenige schafften den Sprung

Esteghlal Tehran ist neben Perspolis einer der beiden Giganten des iranischen Fußballs, jedoch besitzt keiner der beiden Vereine eine hohe Strahlkraft, um aussichtsreiche Talente für ihre Jugendakademien zu gewinnen, da es in der Vergangenheit nur die wenigsten Jungspunde in den Profikader der beiden Protagonisten der Persian Gulf Pro League schafften.

Unser heutiges Talent Omid Noorafkan stellt da eine der wenigen Ausnahmen dar, die in den letzten Jahren erfolgreich den Sprung von der Jugendakademie direkt in die erste Mannschaft Esteghlals meisterten. Vor Beginn der letzten Saison hielt er gar den Rekord des jüngsten Debütanten in der Geschichte des zweifachen AFC-Champions-League-Siegers, als er im Alter von nur 18 Jahren und 271 Tagen zum ersten Mal in Irans höchster Spielklasse auflief.

Vom Linksverteidiger zum Sechser

Es gibt viele Eigenschaften, die Noorafkan zu einem herausragenden Talent machen. Iran produziert im Allgemeinen technisch starke Mittelfeldspieler oder hart arbeitende, ballgewinnende Zweikämpfer. Noorafkan entpuppte sich in dieser Hinsicht als menschlicher Hybride, welcher beide Eigenschaften in sich vereint.

Er startete als Linksverteidiger, als er für den achtfachen persischen Meister debütierte. Seine beeindruckenden Leistungen veranlassten Mansour Pourheidari, Vorgänger vom heutigen Estheghlal-Coach Winfried Schäfer, dazu, den persischen Rookie immer weiter ins Zentrum zu ziehen und ihn sich auf der defensiven Sechs oder der etwas offensiveren Acht beweisen zu lassen .

Sicherheit ist seine oberste Devise

Der iranische Neu-Nationalspieler verfügt über eine enorme Ausdauer, taktisches Bewusstsein und Disziplin, wie es für einen jungen Mittelfeldspieler selten der Fall ist. Er ist tapfer und zieht vor keiner Herausforderung zurück, am Ball bevorzugt er in der Regel die Sicherheit, bevorzugt daher ein einfaches Passspiel.

Seine Führungsqualitäten kristallisieren sich bereits heraus, wenngleich er von einigen namhaften Führungsspielern umgeben ist, die einige Jahre älter sind als er. Der 1,82 Meter große Mittelfeldakteur hat auf verschiedenen Ebenen den Iran international vertreten und war 2017 Kapitän der Nationalmannschaft bei der U20-Weltmeisterschaft in Südkorea.

Aufgrund seines schnellen Aufstiegs und seiner konstanten Leistungen wurde er von Irans portugiesischem Volkshelden und Nationaltrainer Carlos Queiroz in die A-Nationalmannschaft eingeladen, in welcher er am 17. März diesen Jahres zum ersten Mal beim 4:0 Erfolg über Sierra Leone direkt 90 Minuten für „Team Melli“ auflief.

Irans Sechser der Zukunft?

Durch sein taktisches Verständnis und seine Vielseitigkeit hebt das Kraftpaket sich von vielen Talenten seiner Altersgruppe ab. Wenn man bedenkt, dass er einen sehr reifen Charakter für einen 20 Jahre alten Jungen besitzt, wird er hart auf und neben dem Platz arbeiten, um weiterhin seine Ziele zu realisieren.

Noorafkan hat sein Potenzial mehrmals angedeutet, sodass er in nicht allzu ferner Zukunft eine tragende Säule für die iranische Nationalmannschaft werden könnte. Mit dem 21-jährigen Saeid Ezatolahi vom russischen Erstligisten Amkar Perm hätte Nationaltrainer Queiroz ein kongeniales Duo im defensiven Mittelfeld für die nächsten Jahre sicher.

Noorafkans Wechsel diesen Sommer in die Jupiter Pro League zum Tabellendritten RSC Charleroi ist ein kluger Schritt, um im europäischen Profi-Fußball Fuß zu fassen, da Belgiens höchste Spielklasse erfahrungsgemäß ein optimales Sprungbrett für junge aufstrebende Talente darstellt. Und wer weiß, vielleicht sieht man den jungen Perser bald auch schon in der Bundesliga …

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Florian

Pablo Maffeo (20) - Der Messi und CR7-Bezwinger in Diensten des VfB

Allgemeines:

War es auch ein Hauch von Schicksal, dass Pablo Maffeo als gebürtiger Katalane gerade in der katalanischen Stadt Girona in vergangenen Saison für Furore sorgte. Manchester City, vor seinem Wechsel zum VfB sein besitzender Verein, wurde von Pep Guardiola geführt, während dessen Bruder gar Anteile am spanischen Erstligisten aus Girona innehielt. Außergewöhnliche Konstellationen, die wirklich nur das Leben bietet.

Vor seinem Wechsel zu Girona verbrachte der Rechtsverteidiger, der in Barcelona geboren wurde, zehn Jahre in der Akademie von Barcas Stadtrivale Espanyol, bevor er 2013 als gerade mal 15-jähriger Bub‘ von City abgeworben wurde. Ein Tapetenwechsel, der für den generell heimatverbundenen Spanier gewiss nicht einfach war:

"Es ist schwierig, weil man seine Familie zurücklässt. Aber man wird dafür auch belohnt", sagte er über seinen frühen Wechsel ins Ausland.

Als Neuling nahm sich ein alteingesessener Gaucho diesem an:

“In meinen Augen ist Zabaleta der Beste”, schwärmte Maffeo. “Er ist wie mein Vater hier! Er ist sehr nett zu mir; als ich das erste Mal hierhin kam, sprach er mich direkt an. Er zeigte Interesse an meiner Familie und wollte wissen wie es mir geht. Ich denke er ist der netteste Mensch hier.“

Durchbruch in La Liga

Mehr wie einige Pokalspiele 2015 und 2016 sprangen leider nicht für Maffeo bei den„Citizens“ heraus, doch seine Leihgabe an Girona im Januar 2017 war sein persönlicher Durchbruch. Nachdem die Leihe für ein weiteres Jahr verlängert wurde, avancierte er zu einem der drei Top-Performer des Tabellenzehnten der La Liga.

Besonders herausragend waren seine Darbietungen gegen Messi und CR7. Ja du hast richtig gelesen. Gegen die beiden Weltfußballer spielte der 1,73 Meter kleine Wadenbeißer dermaßen stark, dass es anschließend vor Anfragen nur so hagelte.

"Sehr viele Anfragen aus England und Spanien", habe es für Maffeo gegeben, bestätigte Reschke. "Dennoch hat er sich für den VfB entschieden.“ Neun Millionen Euro waren die Dienste des Defensivmannes den Schwaben wert – Rekord in der Vereinsgeschichte der Stuttgarter. Doch wie genau sieht das Repertoire des kleinen Spaniers aus, mit dem er unter anderem die beiden noch aktiven Legenden ausschaltete?

Stärken:

Es gibt wirklich nicht viele, die Messi ausschalten können, aber Maffeo tat dies mit Bravour. Während Girona das Spiel ironischerweise gerade wegen der allgemeinen Manndeckung verlor, vollzog Maffeo seinen Job mit eherner Entschlossenheit. Indem er die Stärken von Messi neutralisierte und ihm unermüdlich auf dem Platz folgte, demonstrierte er seine Fähigkeit, taktischen Anweisungen diszipliniert zu folgen und sich selbst für das Team zu opfern.

Maffeo ließ sich vom argentinischen Nationalspieler auch durch blitzschnelle Körpertäuschungen nicht abwimmeln und störte die Aktionen Messis das ganze Spiel über. Manch einer scherzt, dass er den Gaucho bis heute noch verfolgt, denn dieser wirkte sehr genervt und konsterniert, beschwerte sich wiederholt beim Schiedsrichter über seinen treuen Begleiter.

Wie ein kleiner Pitbull

Maffeo ist kein stereotypischer Außenverteidiger: Anstatt sich ausschließlich auf sein Tempo zu verlassen, überzeugt der Außenverteidiger auch mit Raffinesse und ausgeglichener Balance in seinem Umschaltspiel. In der Vorbereitung der Saison 2016/17 traf Manchester City auf den FC Bayern. Pep schickte das Greenhorn gegen keinen geringeren als Dribbelkönig Franck Ribery ins Rennen.

Maffeo spielte unbeeindruckt dessen mit überragendem Selbstvertrauen. Darüber hinaus erkannte er rasch Gefahrenherde, die vom Bayern-Stürmer ausgingen, und wusste auf Anhieb mit ihnen umzugehen, notfalls auch mit aggressiven und kompromisslosen Tacklings. Kein Zögern, keine Angst, keine Unentschlossenheit. Maffeo, selbst ein Hundeliebhaber, geht wie ein kleiner Pitbull auf seine Gegner los. Name, Statur und Alter seines Kontrahenten beeindrucken ihn keineswegs.

Auch am Ball eine Wucht

Neben seiner außergewöhnlichen Schnelligkeit, Bissigkeit und Leidenschaft im Zweikampf, mit denen er den ehemaligen französischen Nationalspieler in Schach hielt, erkannte er auch Lücken in der eigenen Defensive und schloss diese bevor die Bayern sie bespielen konnten. Im darauffolgenden Spiel gegen den BVB bestätigte er seine Leistung ein weiteres Mal.

Aber auch am Ball macht der 1,73 Meter kleine Wirbelwind eine richtig tolle Figur, vor allem wenn es ums Dribbling geht. Maffeo scheut kein 1-gegen-1-Duell, da er genau weiß wie exzellent er in dieser Disziplin ist. Er liebt es mit seinem Gegner „Katz und Maus“ zu spielen, düpiert seine Widersacher mit schnellen Drehungen um die eigene Achse oder mit blitzschnellen Tempodribblings und gutgetimten Finten, die in des Gegners Hälfte meist in einem präzisen Flankenspiel münden.

Zu guter Letzt kannst du dir natürlich vor Augen halten, dass jemand mit solchen Eigenschaften nicht nur eine Position bekleiden kann. Denn der rechte Verteidiger spielte schon so gut wie alles. In der Jugend wurde er gar als Innenverteidiger eingesetzt, da er trotz seiner geringen Größe auch in Luftduellen zu überzeugen weiß (laut whoscored.com seine größte Stärke). Vor seinem Wechsel zum VfB spielte er 28 Mal im defensiven Mittelfeld und könnte daher zusammen mit dem impulsiven Santiago Ascacibar eines der aggressivsten Sechserpaare der Bundesliga bilden.

Schwächen:

Zwar imponiert Maffeo mit seinen tollen Dribblings, jedoch muss er in Sachen Passspiel definitiv noch zulegen. In der abgelaufenen La Liga kam er auf eine Passquote von nur 74%, was für einen defensiven Außenspieler ausbaufähig ist. Daraus resultiert gleichermaßen seine verbesserungswürdige Effizienz. In 32 Einsätzen für den FC Girona konnte er lediglich ein Tor assistieren und kein Tor erzielen.

Zudem hat man das Gefühl bei ihm, dass er lernen muss, seine Kräfte über 90 Minuten besser einzuteilen, da er beispielsweise mit seinen zahlreichen 1-gegen-1-Duellen ein sehr kräfteraubendes Spiel besitzt. Das ein oder andere Passspiel würde ihn in solchen Situationen entlasten. Des Weiteren fängt er pro Spiel nur 1,5 Pässe des Gegners ab, was im mittelmäßigen Bereich anzusiedeln ist. Möchte er zur Elite aufschließen, dann benötigt er ohne Zweifel ein besseres Antizipationsvermögen, um Gefahrenherde bereits im Keim ersticken zu können.

Prognose:

Dass VfB-Chef Michael Reschke ein Auge für aussichtsreiche Talente hat, dürfte das jüngste Beispiel Benjamin Pavard mit Nachdruck demonstrieren. Dass man bereit war, nun Pablo Maffeo zum Vereins-Transferrekord zu machen, lag auch daran, dass der ehemalige Bayern-Scout ihn schon lange beobachtete.

"Wir haben ihn schon im Jugend- und Übergangsbereich gesehen, kamen da bei der Konkurrenz aber einfach nicht an ihn ran. Nun hat sich eine andere Situation ergeben – und wir waren vorbereitet", so Reschke. „Pablo ist ein Spieler mit einem großen Herzen und einer enormen Wucht, der als Außenverteidiger eine große Zukunft vor sich hat."

Worte, die demonstrieren, dass man im VfB-Lager von den Qualitäten Maffeos absolut überzeugt ist. Auch deswegen trauen wir ihm zu, dass er von Anfang an beim VfB als Stammspieler Fuß fassen wird und in den nächsten Jahren zu einem der Leistungsträger bei den Stuttgartern avanciert. Somit könnte der Katalane im Schwabenland zum nächsten „Pavard“ mutieren und dem dreimaligen deutschen Meister eine weitere saftige Ablösesumme bescheren.

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Florian

Diogo Dalot (19) - Von null auf hundert in nur acht Spielen

Eine berühmte Fußballerweisheit besagt „Nach der Saison ist vor der Saison“. Getreu diesen Mottos schlug United-Coach José Mourinho eiskalt auf dem Transfermarkt zu. Nach einer meisterlosen Premier-League-Spielzeit hat „The Special One“ den Entschluss gefasst, seinen Kader in der Defensive aufzuwerten und bei seinem ehemaligen Verein, dem FC Porto, gewildert. Objekt der Begierde, der gerade mal 19-jährige Rechtsverteidiger Diogo Dalot. Dieser konnte sein Glück kaum fassen:

"Zu Manchester United zu wechseln, ist eine unglaubliche Möglichkeit für mich. Ich bin in Portos Akademie groß geworden und bin so dankbar für alles, was sie für mich gemacht haben. Aber die Chance, zu einem der größten Klubs der Welt zu wechseln, konnte ich einfach nicht ausschlagen“, gab Portos Youngster zu Protokoll.

Die perspektivische Lösung für Valencia?

Der Transfer verdeutlicht, dass der Trainer der „Red Devils“ Defizite auf den defensiven Außenbahnen ausgemacht hat, da man mit zwei umfunktionierten Flügelstürmern, und zwar Young und Valencia, die vakanten Stellen bisher besetzte. Talent Luke Shaw und der Italiener Matteo Darmian konnten die Ansprüche des englischen Rekordmeisters oftmals nicht erfüllen und sollen abgegeben werden. Ein entscheidender Umstand, der „Mou“ dazu bewogen haben muss, mit Diogo Dalot die Weichen für die Zukunft neu zu justieren.

Der englische Rekordmeister machte Gebrauch von der Freigabeklausel und überwies eine Ablösesumme in Höhe von 20 Millionen Euro in die portugiesische Hafenstadt. Aber wer ist dieser Teenager, welcher wettbewerbsübergreifend nur acht Einsätze benötigte, um den generell kritischen Fußballlehrer von seinen Qualitäten zu überzeugen und was kann er dem Old-Trafford-Club bieten?

Stärken:

"Diogo ist ein extrem talentierter, junger Verteidiger mit allen Qualitäten, um ein großartiger Spieler für diesen Klub zu werden", schwärmt Mourinho über den Rookie. "Er hat alle Attribute, die ein Außenverteidiger braucht: Körperlichkeit, taktische Intelligenz und technische Qualität."

Besonders auffällig zeigte der U17-Europameister von 2016 diese Qualitäten im CL-Rückspiel gegen den späteren Finalisten aus Liverpool. Dalot bekam es mit dem agilen Sadio Mané zu tun und sorgte dafür, dass Reds-Coach Jürgen Klopp den Senegalesen in der 75. Spielminute konsterniert vom Feld nahm.

Denn Dalot bot dem Senegalesen nicht nur zweikampftechnisch die Stirn, sondern vollzog ein dermaßen gelassenes Aufbauspiel mit hoch gespielten Seitenwechseln, beeindruckenden ersten Kontakten und ein sicheres Pass- und Stellungsspiel, sodass die United-Scouts ihre Bestätigung bekamen, dass der Portugiese es weit bringen kann.

Darüber hinaus gilt es zu erwähnen, dass Dalot unfassbar flexibel einsetzbar ist. Denn gegen Sadio Manè verteidigte der eigentliche Rechtsverteidiger auf der für ihn ungewohnten linken Außenbahn. Zudem spielte er in der Jugend lange Zeit auf den Außenpositionen im Mittelfeld, weshalb der Defensivspezialist auch offensiv eine entscheidende Rolle spielen kann.

Typ moderner Außenverteidiger

Eine wunderschöne Überleitung zu einem seiner nächsten großen Vorzüge. Seine Aktie stieg nach der erwähnten Liverpool-Performance ebenso sprunghaft an, weil er seine defensive Entschlossenheit mit offensiven Nadelstichen aufwertete, während letzteres gewiss eines seiner herausragendsten Attribute ist. Die Fähigkeit, fließend von der Defensive zum Angriff überzugehen, ist eine Facette des modernen Außenverteidigers, die in einem traditionelleren Verteidiger selten zu finden ist, aber der Jungspund kombiniert diese außergewöhnlichen Fähigkeiten in seinem Spiel. In der Offensive setzt Dalot am meisten durch seine Flankenläufe Akzente.

Diese sind dermaßen präzise, dass oftmals eine Großchance daraus resultiert. Seine unfassbare Schnelligkeit kombiniert mit einem soliden Dribbling machen ihn zu einem wahren Allrounder. Das bestätigte auch der bekannte portugiesische Fußballanalyst Tiago Estevao gegenüber den Medien: "Er ist physisch immens stark, schnell, unermüdlich und ein exzellenter Flankengeber. Er hat mit Leichtigkeit den Sprung in den Profifußball geschafft."

Schwächen:

Wir haben uns wirklich bemüht, Defizite bei ihm auszumachen. Doch bei seinen acht Profiauftritten haben sich keine signifikanten Schwächen herauskristallisiert. Lediglich seine Entscheidungsfindung ist ausbaufähig, jedoch ist das für einen so jungen Mann absolut normal und wird mit steigender Spielzeit erfahrungsgemäß optimiert.

Prognose:

Diogo Dalot war der jüngste Akteur, der in dieser Saison sieben Spiele in der Liga NOS gewann. Der daraus resultierende kometenhafte Aufstieg machte ihn für sämtliche Top-Klubs interessant. Auch der FC Bayern München streckte seine Fühler nach dem Ausnahmetalent aus, was zeigt, wie schnell es im heutigen Profifußball gehen kann. Doch dies birgt auch Gefahren, denn wie wird das ehemalige Porto-Talent mit diesem Aufstieg mental umgehen. Wie wird er mit dem Druck beim Manchester-Klub klarkommen?

Zweifellos besitzt der portugiesische U21-Nationalspieler ein unfassbares Potenzial, jedoch bleibt es abzuwarten, ob er lediglich einen zweimonatigen Lauf hatte oder ob er tatsächlich auch schon die notwendige Kontinuität besitzt, um den Anforderungen im Old-Trafford gerecht zu werden. Generell sehen wir diesen Transfer eher kritisch, jedoch ist Diogo Dalot in seiner Entwicklung schon so unglaublich weit, dass wir ihm zutrauen, diesen Schritt in nicht allzu ferner Zukunft dennoch zu meistern.

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