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Augsburg-Fehlstart: Waren Nagelsmann und Sandro Wagner doch das Dreamteam?

Seitdem Nagelsmann und Wagner nicht mehr zusammen arbeiten, scheint gefühlt wenig zu laufen. Was aber war es, was dieses Duo so ausmachte?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 27 September 2025, 18:28

Bis zum Sommer galten Julian Nagelsmann und Sandro Wagner noch als die Helden der Heim-EM 2024. Die Mischung aus Nagelsmanns akribischen Taktikanalysen und Wagners kumpelhaftem Auftreten war es, die Fans, Medien, wie auch Mannschaft gleichzeitig elektrisierte.

(Bild: IMAGO / Eibner)


Trotz des äußerst knappem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Spanien waren sich nach der EM alle Fans einig: Die Euphorie rund um die deutsche Nationalmannschaft ist wieder da. Dies geschah natürlich hauptsächlich wegen Julian Nagelsmann, neuen Stars wie Florian Wirtz – allerdings auch wegen ihm, Sandro Wagner, Nagelsmanns Co-Trainer und seit Jahren einer der vielleicht spannendsten und am meisten polarisierenden Persönlichkeiten im modernen Fußball. Seit Sommer 2025 ist er nun neuer Cheftrainer beim FC Augsburg.

Und doch - seitdem Sandro Wagner nun als alleiniger Cheftrainer in der Bundesliga aktiv ist scheint es irgendwie nicht mehr zu laufen. Doch was sind die Gründe für Wagners Fehlstart?

Wagners Traum vom Walkürenritt:


Als Spieler war Sandro Wagner einst eines der größten Enfant terribles der Bundesliga. Ausgebildet in der Jugend vom FC Bayern landete er schließlich über Duisburg, Bremen und Hertha BSC bei Darmstadt 98. Ausgerechnet dort gelang ihm mit dem Bundesliga-Aufsteiger der Durchbruch als Goalgetter - und das obwohl er hier bereits 27 Jahre alt war.

Mit insgesamt 14 Toren in 32 Spielen trug er dennoch maßgeblich zum souveränen Klassenerhalt des zu diesem Zeitpunkt absoluten Bundesliga-Underdogs bei. Gleichzeitig polarisierte er allerdings schon hier mit Aussagen, wie „Fußballer würden seiner Meinung nach viel zu wenig verdienen“ und "Frauen und Fußball passt nicht."

Auch bei der TSG Hoffenheim konnte er mit 12 Toren glänzen und arbeitete währenddessen weiter fleißig daran, sich doch nochmal eines Tages einen Platz in den offiziellen Kickfieber TOP 10 der größten Badboys der Bundesliga zu verdienen. So scherzte er z.B. über so genannte "dritte Halbzeiten" von Hooligans mit Sprüchen wie:

"Alles gut. jeder hat seine Hobbys. Wenn die sich die Köpfe einschlagen wollen, sollen sie es tun. Die mit den kleinen Eiern treffen sich halt vor dem Stadion, die mit den großen Eiern im Wald."

Auch Zitate wie diese gingen in die Geschichte ein:

"Alles gut. Ich fand mich auch immer hochgradig unsympathisch"

im Jahr 2017 wechselte er schließlich zurück zum FC Bayern und verpasste damit die Verpflichtung des späteren Hoffenheim-Erfolgscoach' Julian Nagelsmann unter dem er als aktiver Spieler nie spielte.

Bei den Bayern fungierte er dann viele Jahre lang als der Backup-Stürmer Nr. 1 von Robert Lewandowski und konnte auch hier immerhin 8 Ligatreffer beisteuern. Dennoch muss man rückblickend betrachten war sein Hype als Stürmer nie wieder so groß wie nach seiner Saison bei den Lilien aus Darmstadt. Auch für die WM 2018 wurde er nicht berufen, wohl auch aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem damaligen Bundestrainer Jogi Löw.

„Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse.“

(Sandro Wagner 2018 zu seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft.)

Blieb Löws Korb Sandro Wagners Antrieb?

Dennoch kehrte er 2020 zum DFB zurück und fungierte dort als Stürmertrainer der Nachwuchsnationalmannschaften, was, so wie seine Spielerkarriere beim DFB zu Ende ging, durchaus erstaunlich war. Vielleicht waren es tatsächliche seine Unstimmigkeiten mit Jogi Löw, die ihm zusätzliche Motivation brachten. Denn schon damals sagte er "Für mich ist klar, dass ich noch ein weitaus besserer Trainer als Spieler werden kann" und trotz einer sehr erfolgreichen Expertenkarriere bei u.a. DAZN war es dieser Traum, der ihn seitdem nicht mehr los ließ.

Der Chef an der Seitenlinie statt einer von Elf, der sich immer einem Team unterordnen muss? Etwas, was doch möglicherweise viel besser zu seinem Charakter passen könnte. So heuerte er zunächst bei der SpVgg Unterhaching an und führte den zu dem Zeitpunkt völlig abgestürzten Ex-Bundesligisten eindrucksvoll aus der Regionalliga in die 3. Liga zurück.


Sein Debüt als Co-Trainer der DFB-A-Nationalmannschaft gab er schließlich kurz nach der Entlassung von Hansi Flick, damals noch neben Rudi Völler, der damals übergangsweise das eine Spiel gegen Frankreich (2 : 0) als Cheftrainer übernahm. Als Wagner dann schließlich nach Einstellung von Julian Nagelsmann offiziell sein Co-Trainer wurde, war dies für ihn schon ein gewaltiger Karrieresprung, die perfekte Abkürzung zu seinem Traum vom Cheftrainer eines Bundesligisten.

Hinzu kam, dass er und Nagelsmann sich auch privat gut verstanden und Wagner zudem extrem wichtig als Sprachrohr in die Kabine für Julian Nagelsmann war, der sich im Gegenzug so weit mehr auf die Taktik konzentrieren konnte. Der Gegenentwurf eines Trainer-/Co-Trainer-Duos von Jürgen Klinsmann und Jogi Löw, wenn man es so sehen will und definitiv bislang Sandro Wagners erfolgreichste Zeit auf der Trainerbank.

Und doch - wie es zu Wagners Charakter passt - wählte er für sich den unbequemeren herausfordernderen Weg und das, obwohl es bis zu Wagners Abgang aus dem Nationalmannschafts-Trainerteam beim DFB sehr gut lief (seit dem EM-Aus 2024 war Deutschland über fast ein ganzes Jahr lang ungeschlagen).

Dennoch entschloss er sich für den FC Augsburg, einem Verein, der zuvor eigentlich alles nicht hatte, was Sandro Wagner stets auszeichnete: Strahlkraft, Skandale, wie auch die Lust am Tore schießen.

Aus graue Maus wird bunte Maus:

Nur passte dies richtig zusammen? Nun, betrachten wir das Ganze doch mal aus Sandro Wagners Perspektive. Fakt ist, er wollte schon immer Bundesliga-Trainer werden, schon zu seiner Spielerkarriere, und zwar als Chef und nicht als Co-Trainer. Allerdings waren auch Vereine wie Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim und RB Leipzig an ihm interessiert, warum also ausgerechnet Augsburg?

Vielleicht weil ihm, insbesondere bei Leipzig und Leverkusen, eins ganz genau klar war: Ein Platz im Tabellenmittelfeld oder gar drunter hätte für ihn, Trainer-Rookie hin oder her, ein sehr zeitnahes Aus bedeutet, womit sein Ruf als junges Trainertalent zunächst einmal beschädigt wäre.

Der Unterschied beim FC Augsburg hingegen war, dass für den FC Augsburg jeder Tabellenplatz, abgesehen von einem direkten Abstiegsplatz, in den letzten Jahren immer noch als okay galt. Niemand würde von ihm erwarten, dass er mit Augsburg in seiner ersten Saison auf einmal Champions League spielte und selbst bei einem 15. Platz würde die Chefetage in Augsburg sich höchstwahrscheinlich sagen: "Okay, das war jetzt noch nicht das Ziel, wir haben hier aber ein junges Trainertalent mit dem wir langfristig etwas aufbauen wollen."


Die Kommunikation:

Nun haben wir allerdings das Problem, dass Sandro Wagners sowieso schon immer sehr offene und polarisierende Art und Weise der Kommunikation sich durch diesen neuen Karrieresprung nicht geändert hat. Im Gegenteil, gleich nach dem 2. Spieltag äußerte er öffentlich, der Kader des FC Augsburg wäre auf keiner Position schlechter besetzt als der des FC Bayern. Und Hand aufs Herz, das ist natürlich Quatsch. Kein Fußballverein der Welt würde im direkten Vergleich für einen Mert Kömür mehr Geld ausgeben als für einen Michael Olise, für einen Philipp Tietz mehr Geld ausgeben als für einen Harry Kane oder für einen Keven Schlotterbeck mehr als für einen Dayot Upamecano.

Natürlich tun Kampfansagen (insbesondere gegen die Bayern) der Bundesliga gut, wenn aber z.B. Sebastian Kehl auf einmal verkünden würde die Zeit der Bayern als Meister wäre vorbei und das Ziel der Dortmunder wäre in den nächsten zehn Jahren durchgängig die Bayern von der Tabellenspitze zu verdrängen, würden auch alle lachen, insbesondere dann, wenn man als BVB dann doch mal ein Spiel verliert.

Diese Aussage fällt Sandro Wagner daher bereits jetzt vor die Füße. Hinzu kommt auch seine nicht selten doch sehr gönnerhaft wirkende Attitüde, wie "er würde bei einer Niederlage niemals zulassen, dass seine Mannschaft von den Fans ausgepfiffen würde, sondern sich in dem Fall immer selbst vor die Kurve stellen."

Auch das mag auf dem ersten Blick sehr ritterlich klingen, ist aber genauso Quatsch, da an einer Niederlage letztendlich immer Trainer und Mannschaft Schuld sind und er damit seine Spieler eher unmündig macht.

Hier muss Sandro Wagner möglicherweise noch lernen, dass flapsige Sprüche als Bundesliga-Trainer doch mehr mit Vorsicht zu genießen sind als Spieler oder TV-Experte.

Spielplan und Spielstil:


Auch der Spielplan machte es Sandro Wagner bislang nicht grade einfach, insbesondere das erste Spiel gegen den SC Freiburg. Natürlich, man kann jetzt sagen, grade dieses Spiel hat man doch mit 3 : 1 gewonnen, wenn man sich aber den genauen Spielverlauf anschaut, sieht man schon, dass hier auch eine Menge Glück dabei war, man somit diesen Sieg ein bisschen falsch eingeordnet hat.

Von der vertanen hundertprozentigen Torchance vom Freiburger Neuzugang Yuito Suzuki gleich zum Start der ersten Hälfte bis zu den beiden Standards, die der FC Augsburg mit viel Glück und ohne sonstige großartige Torchancen versenkte, in diesem Spiel lief einfach von Anfang an alles für die Fuggerstädter. Das 3 : 0 war dann schließlich nochmal ein eklatanter Fehler der Freiburger, wo nach einer missglückten Ecke Rechtsverteidiger Marius Wolf völlig frei über das gesamte Spielfeld hoppeln konnte und am Ende die Kugel nur noch am mutterseelenallein stehenden Torwart vorbei schieben musste.



Dementsprechend wurde auch die 2:3-Niederlage gegen die Bayern überschätzt, bei der man sich zum Ende hin zwar gut kämpferisch zeigte, man aber andererseits auch bereits nach 47 Minuten mit 0 : 3 hinten lag. Hinzu kamen zwei Riesenchancen der Bayern bereits in den ersten Minuten, die so hundertprozentige Torchancen waren, dass sie in 99 von 100 Fällen reingegangen wären.

Hätte beispielsweise Luis Diaz hier bereits in den ersten Minuten nicht scheinbar mit verbundenen Augen gespielt, hätte es hier auch nach 50 Minuten locker schon 5 oder 6 : 0 stehen können.

So wurde leider gekonnt ignoriert, dass insbesondere der von Wagner so groß angekündigte spielerische Ansatz größtenteils noch komplett fehlte, wie dann spätestens am 3. Spieltag nach der 1 : 2 Niederlage gegen den FC St. Pauli klar wurde.

Der Tiefpunkt kam dann schließlich am 4. Spieltag gegen Mainz 05, die zuvor noch tief in der unteren Tabellenhälfte feststeckten, den Augsburgern dann aber schließlich gleich 4 Buden einschenkten. Spätestens hier musste man sich dann doch mal fragen, ob an dem etwas zynischen Zitat eines Augsburg-Fans und Twitter-User nicht doch was dran war:

Bislang war es nur den Bayern gelungen, die sonst so sattelfeste und gefürchtete Defensive der Augsburger zur zerstören. Nun aber ist Sandro Wagner der nächste, dem das innerhalb von 4 Spielen gelungen ist.“

Nach einer weiteren 1 : 2 Niederlage gegen ausgerechnet Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim muss man daher Stand jetzt leider ganz klar sagen: Der Schuss Sandro Wagner und FC Augsburg ist bislang nach hinten losgegangen.

Nichts mit "mehr offensiver Power", sondern stattdessen einzig und allein "weniger defensive Power", beziehungsweise ein Team, was seitdem taktisch komplett zwischen den Stühlen steht und dringend zusehen muss in den nächsten Spielen (wo die Gegner mit u.a. Wolfsburg, Leipzig und Stuttgart nicht leichter werden) wieder irgendwie in die Spur zu kommen. Sonst könnte es auch für Sandro Wagner langsam eng werden und die Wagner-Festspiele in Augsburg doch schneller als erwartet vor einem jähen Ende stehen.

Fazit: Die nächsten Wochen müssen sitzen

Leon Buche
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Die gute Nachricht ist: Es sind erst fünf Spieltage vorbei. Und dank des glücklichen Siegs am 1. Spieltag steht man auch zum Glück nicht mit 0 Punkten da. Insofern sollte auch noch genug Zeit für Sandro Wagner da sein, Dinge wieder zu reparieren und als Trainer so richtig in der Bundesliga anzukommen. Des Weiteren können solche Tiefschläge jemanden wie Sandro Wagner auch dabei helfen, als Bundesliga-Trainer zu reifen und in den nächsten Wochen umso stärker wieder zurückzukommen. Ich persönlich hoffe, dass ihm das gelingen wird und er dann auch die nötige Zeit vom Verein bekommt. Denn bei aller Kritik halte ich ihn nach wie vor für einen hochintelligenten und extrem selbstreflektierten Trainer und Fußballexperten. Und sei'n wir mal ehrlich: Irgendwo wünschen wir uns Typen wie ihn doch alle in der Bundesliga.


Konrad Laimer einbürgern? Oder bleibt ER weiter Deutschlands Rechtsverteidiger Nr. 1?

Schon seit vielen Jahren hat Deutschland ein massives Problem auf der Rechtsverteidigerposition. Gibt es daher vielleicht nur eine Lösung im Hinblick auf die kommende WM?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 25 September 2025, 0:45

Vor einigen Wochen verkündete Julian Nagelsmann auf einer Trainer-Konferenz in Leipzig, dass Nationalmannschafts-Kapitän Joshua Kimmich künftig endgültig wieder im zentralen Mittelfeld und nicht als Rechtsverteidiger eingeplant sei. Die Begründung war, dass Spieler dort eingesetzt werden sollen, wo sie auch im Verein spielen. Beim FC Bayern wäre das im Falle Kimmich natürlich klar das Zentrum, beziehungsweise die Sechserposition.

Das klingt auf dem Papier erstmal logisch, die große Frage, die sich Fans aber zu Recht stellen: Was wird denn dann aus der Rechtsverteidigerposition? Hat Deutschland hier aktuell überhaupt eine Alternative? (Bild: IMAGO / Laci Perenyi)

Schwierige Wochen für den DFB

Denn eines ist klar: So wie in den letzten Spielen gegen Slowakei und Nordirland darf das künftig nicht mehr aussehen, wenn Deutschland bei der WM irgendeine Chance haben, beziehungsweise nicht sogar Gefahr laufen möchte, sich am Ende nicht einmal für das Turnier zu qualifizieren.

Denn solche großen Tempodefizite, wie auch grobe Fehler im Stellungsspiel gegen solche dann bei allem Respekt doch eher unterklassige Gegner: Auch wenn Angst nie ein guter Ratgeber ist, da sollte man es als Julian Nagelsmann es dann aber doch mal mit der Angst zu tun bekommen, wie das aussehen soll, wenn es zum Beispiel gegen Frankreich und Spanien, beziehungsweise direkte Gegner wie Kylian Mbappé oder Nico Williams auf dieser Position gehen sollte.

Hat sich der Bundestrainer daher mit der Entscheidung ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt, Kimmich so klar und endgültig wieder auf die Sechs zu befördern, beziehungsweise sogar "vercoacht?"

Deutschland und die Rechtsverteidiger: Das alte Lied

Was einem zumindest ein bisschen Trost geben sollte. Das Thema Rechtsverteidiger war schon bei der WM 2014 das (!) eine große Thema. Auch damals ging es um den Kapitän des späteren Weltmeisters Philipp Lahm, den man im Verlaufe der Vorbereitung auch am liebsten geklont und anschließend sowohl im Mittelfeld als auch auf der Rechtsverteidiger-Position eingesetzt hätte. Der damalige Bundestrainer Joachim Löw löste das Problem dann zunächst allerdings ziemlich galant in dem er einfach vier Innenverteidiger aufstellte, ganz nach dem alten Motto Defensive First.

Im Verlaufe des Turniers sah dann allerdings auch Jogi Löw irgendwann ein, dass er im Mittelfeld dann doch auf zu viele Weltklasse-Alternativen wie Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos zurückgreifen konnte, beziehungsweise auf seinen mit Philipp Lahm einfach wichtigsten Spieler auf der Rechtsverteidigerposition dann im Kampf um den WM-Titel dann doch nicht verzichten konnte.

Ein neues Anforderungsprofil bildet sich

Der Hauptgrund hierfür ist aus heutiger Sicht, dass sich bei diesem Turnier zum ersten Mal ein klarer Trend abzeichnete: Nicht mehr kantige Mittelstürmer der Marke Ruud van Nistelrooy, sondern blitzschnelle Flügelspieler, respektive falsche Neuner waren es häufig, die nicht nur Fans begeisterten, sondern in der Offensive die wichtigsten Spiele entschieden, allen voran natürlich Lionel Messi oder zu seiner Anfangszeit auch Cristiano Ronaldo.

Mit dem Durchbruch dieser beiden Jahrhundertspieler, wie auch noch vielen weiteren Weltklassespielern, die daraufhin nachkamen, veränderte sich folgerichtig auch das Anforderungsprofil an Außenverteidiger.

Die Zeit, wo man noch mit eher langsamen und defensiv denkenden Außenverteidigern der Marke Thomas Linke oder Guido Buchwald Turniere gewinnen konnte schien damit endgültig vorbei, zu fatal waren die Folgen, wenn man (wie z.B. auch in Deutschlands WM-Spiel 2018 gegen Mexiko) im Mittelfeld überspielt wurde und der Gegner dann auf einer Schiene plötzlich Raum zum Kontern bekam.

Ein Außenverteidiger, der hier lediglich mit Körperlichkeit und Stellungsspiel etwas entgegen zu setzen wusste, reichte hier schlicht und einfach schon alleine von der Geschwindigkeit nicht mehr aus, was bei der WM 2018 für Deutschland schließlich mit dem Vorrunden-Aus endete, nachdem man auf diese Weise von den Mexikanern einmal komplett überrumpelt wurde:

Heute, elf Jahre später, hat sich das Anforderungsprofil an Außenverteidiger noch einmal verändert. Nicht nur, dass einige Weltklasse-Flügelspieler wie Kylian Mbappé nochmal weitaus schneller geworden sind als die Generation Messi & Co., ein Außenverteidiger muss heutzutage dazu noch in der Lage sein bei erfolgreichem Ballgewinn Gegenangriffe mit einzuleiten und Flanken zu schlagen.

Einige Außenverteidiger wie Bayern-Linksverteidiger Alphonso Davies oder auch der langjährige ManCity-Rechtsverteidiger Kyle Walker perfektionierten diese Skills dann noch einmal mehr, in dem sie nicht nur in Sachen Geschwindigkeit komplett neue Weltrekorde für Verteidiger aufstellten, sondern häufig selbst fast schon als Flügelspieler agierten, wenn sie einmal Wiese vor sich hatten und die Chance bekamen einen schnellen Gegenangriff einzuleiten.

Außenverteidiger im Jahr 2025

Auf seine ganz eigene Art und Weise hat dann schließlich der Marokkaner und Paris St. Germain-Außenverteidiger Achraf Hakimi das Rechtsverteidigerspiel noch einmal revolutioniert, ein Spieler, dem man zu seiner Zeit bei Borussia Dortmund zunächst defensive Schwächen unterstellte. Was man damals aber noch nicht erkannt hat: Für Hakimi war es schon immer die gesamte Schiene, die er als sein Aufgabengebiet definierte. Damit war er einer der ersten Außenverteidiger, die in Sachen Raumverständnis nicht mehr vertikal sondern horizontal dachte.

Oder um es mit einfacheren Worten zu erklären: Viele Außenverteidiger neigen dazu auch gerne mal ins defensive Mittelfeld oder in die Innenverteidigung abzukippen, weil sie ihren Raum immer noch als ein bestimmten Abschnitt in der eigenen Hälfte definieren, der in der Regel da endet, wo die nächste Kette das Spiel übernimmt.

Bei Hakimi und anderen modernen Außenverteidigern hingegen ist es schon immer vielmehr ein bestimmter Abschnitt neben der Seitenlinie gewesen, den der Spieler klar als seinen Aufgabenbereich definiert hat, ob im Angriff oder als Verteidiger.

Nicht zuletzt war es damit auch Hakimi's Rolle, die das Spiel der Pariser unter Luis Enrique in der vergangenen Saison für Gegner so unausrechenbar machte und am Ende mit einem Champions-League-Titel und einem Top-6-Platz unter den Ballon-d'or-Siegern 2025 belohnt wurde.

Auch Rechtsverteidiger, wie die beiden Niederländer Jeremie Frimpong und Denzel Dumfries sind weitere Beispiele dafür, inwieweit sich die Rolle des Außenverteidigers auch in der taktischen Denkweise in den letzten Jahren nochmal verändert hat.

Deutschlands Optionen auf der RV-Position

Was aber kann man aus Seiten des DFBs tun, um auch auf dieser Position für das kommende WM-Turnier irgendwie gerüstet zu sein? Den Österreichischen Rechtsverteidiger Konrad Laimer kann man (aus deutscher Sicht leider:) schlecht einbürgern. Dennoch ist auch er ein weiterer Prototyp für das moderne Anforderungsprofil an Rechtsverteidiger. Denn ist er ursprünglich mal als gelernter Mittelfeldspieler von RB Leipzig zu den Bayern gewechselt, sagt er mittlerweile von sich selbst, dass er mittlerweile so viele Spiele als Rechtsverteidiger bestritten hat, dass er sich nun klar auch selbst als gelernter Rechtsverteidiger sieht.

Aktuell ist er auf dieser Position einer der wichtigsten und besten Spieler im Kader des FC Bayern. Man sieht also auch hier, die Rolle des Rechtsverteidigers ist mittlerweile weit aus mehr als die eines Verteidigers und oft sind es grade diese spielerischen Skills eines defensiven Mittelfeldspielers, die auch auf dieser Position in brenzligen Situationen entscheidend sind.

Fassen wir also zusammen: Deutschland brauchte auf dieser Position eigentlich einen Spieler, der spielstark ist, flexibel ist, anführen kann, aber auch genug Erfahrung hat um Spielszenen lesen zu können, um dann bei Bedarf auch mal die Position zu halten.

Die naheliegendsten Möglichkeiten wären hier aktuell:

1. Nnamdi Collins (Eintracht Frankfurt)

Der 21jährige Halb-Nigerianer, der sich schließlich aber doch für den DFB entschied, galt spätestens bei der diesjährigen U21-EM sicherlich als das aufregendste Talent, was Deutschland derzeit auf dieser Position zu bieten hat. Sein großer Vorteil ist, dass er viele physische Attribute erfüllt, die ein moderner Rechtsverteidiger erfüllen muss. Sein großer Schwachpunkt ist aber leider seine große Fehleranfälligkeit. In vielen Spielen wirkt er hinzu auch mental noch nicht reif genug, um Fehler wegzustecken und danach (wie im U21-EM-Finale) nicht völlig abzutauchen. Auch seine Debüt-Spiele für die Deutsche A-Nationalmannschaft waren hinzu leider bislang sehr schwach.

2. Benjamin Henrichs (RB Leipzig)

Weitaus zuverlässiger hat dann schon Benjamin Henrichs in der Vergangenheit performt. Ihm steht allerdings klar seine Verletzungsanfälligkeit im Wege. Im Mai 2025 hieß es bereits, dass er nach seinem langwierigen Achillessehnenriss wieder auf dem Weg der Besserung wäre, kurz darauf wurde dann allerdings vermeldet, er müsse noch einmal operiert werden. Das ist insofern umso mehr schade, dass Henrichs ein Spieler ist, der nicht nur spielstark, sondern auch mental immer sehr gefestigt wirkte, auch was auch sein Umgang mit der Verletzung beweist. Des Weiteren kann er ja nach System auch als Wing-Back eingesetzt werden, erfüllt also auf dem Papier durchaus das Profil eines modernen Außenverteidigers.

3. Josha Vagnoman (VFB Stuttgart)

War seine letzte Saison bei den Stuttgartern noch ein wenig holprig, konnte er sich doch zuletzt mit guten Leistungen in der Vorbereitungen zunächst seinen Stammplatz beim VFB zurückerobern. Im letzten Spiel (am 4. Spieltag gegen den FC St. Pauli) wurde ihm dann aber doch Neuzugang Lorenz Assignon vorgesetzt, den man diesen Sommer genau deswegen geholt hat, um auf die Formschwankungen von Vagnoman reagieren zu können. Die eine große Lösung für den DFB scheint daher auch Vagnoman bislang nicht zu sein, auch wenn seine Ansätze grade in Sachen Umschaltspiel, Spiel gegen den Ball und schnellen Vorstößen durchaus interessant sind.

4. Ridle Baku (RB Leipzig)

Als vielleicht bislang der größte Gewinner unter Neu-Trainer Ole Werner stand er doch zuletzt immer in der Startelf und hat bei den roten Bullen hier auch an den ersten Spieltagen mit guten Leistungen zu überzeugen gewusst. Ob seine Rückkehr in die Leipzig-Startelf allerdings auch dann noch gilt, sollte Benjamin Henrichs wieder zurück kommen, muss man allerdings erst nochmal abwarten. Zumindest stehen im Leipzig-Kader derzeit die wahrscheinlich interessantesten Kandidaten für die WM 2026, wobei Ridle Baku nochmal der deutlich offensiv denkende Spieler ist - leider aber auch nicht immer ohne Risiko, was riskante Dribblings und dementsprechend folgenschwere Ballverluste in der eigenen Hälfte angeht.

Problemstelle auf der RV-Position also größer als im Mittelfeld?

Und es ist, wie es ist: So viel mehr Alternativen hat Julian Nagelsmann dann aktuell auch leider nicht. Der erst 19jährige Frankfurter Elias Baum könnte vielleicht das interessanteste Talent für die fernere Zukunft sein, was aber gegen ihn spricht ist, dass die Frankfurter ihn aus Sicht der Spielers leider nicht mehr verliehen haben, beziehungsweise sein aktueller Trainer Dino Toppmöller ihn nach wie vor nur auf der Bank lässt.

Und was Bremen-Rechtsverteidiger Mitchell Weiser angeht, so ist dieser aktuell vom Profil her vielleicht einer der komplettesten RVs in Deutschland, aber auch hier weiß man noch nicht mit welcher Form er aus seiner Verletzung zurück kommt, beziehungsweise wie sich die Bremer in dieser Saison generell schlagen.

Im Mittelfeld hat man hingegen zumindest das Glück, dass das gesamte Rest-Bayern-Mittelfeld aus Pavlovic, Goretzka und Tom Bischof ebenfalls hochklassig und mit deutschen Nationalspielern besetzt ist, der Dortmunder Felix Nmecha unter Niko Kovac ebenfalls immer besser in Fahrt kommt, hinzu noch ein Angelo Stiller bei Stuttgart immer mehr aufblüht und sich hinzu auch Weltklassespieler wie Florian Wirtz zur Not auch mal etwas defensiver fallen lassen könnten.

Auch was die defensivere Sechserposition angeht hat man mit Robert Andrich, Pascal Groß und Anton Stach hier zumindest noch drei weitere spannende Alternativen, hier von uns auch nochmal in unserem SONDERVIDEO ZUM AKTUELLEN DFB-KADER besprochen:

Fazit: Kimmich muss zurück auf die RV-Position:

Leon Buche
Leon Buche

Es scheint also nur eine logische Folge zu geben: Wenn bei der WM weit kommen möchte führt aktuell kein Weg an Joshua Kimmich auf der Rechtsverteidigerposition vorbei. Denn natürlich reißt das gewisse Lücken im Mittelfeld nur sind diese viel leichter aufzufüllen.

Die Entwicklung der Außenverteidigerposition im letzten Jahrzehnt hingegen hat gezeigt, dass hier oft die gefährlichsten Einzelspieler als Gegner lauern und man hier unbedingt Spielstärke und vor allem auch Erfahrung brauch, um diese ansatzweise an gefährlichen Torchancen zu hindern.

Auch die Tatsache, dass man in Deutschland auf der Linksverteidigerposition mit David Raum und Maximilian Mittelstädt zwar gut, aber ebenfalls nicht Weltklasse besetzt ist, zeigt: Es brauch irgendwo einen Anführer und Kapitän auf den defensiven Außen. Und wer könnte das besser ausfüllen als der aktuelle Kapitän der deutschen Nationalmannschaft?

VfL Bochum bald in der 3. Liga? Wer holt das Team aus der Krise?

Wie kommen die Bochumer nach der Entlassung von Sportdirektor Dirk Dufner und Trainer Dieter Hecking wieder in die Spur? Eine Analyse zur aktuellen Krise beim VFL.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 24 September 2025, 15:06

Dass ausgerechnet Routinier und DFB-Pokal-Sieger Dieter Hecking der erste Trainer sein wird, der in der zweiten Bundesliga entlassen wird, damit hätte wohl niemand gerechnet. Eben so wenig, dass sich der Verein, der vor ein paar Monaten noch Bundesligist war, nach vier Pleiten in Serie, auf einmal auf einem Abstiegsplatz in die 3. Liga befindet. Doch wo liegen die wirkliche Probleme beim VFL, die sich zuzüglich zu ihrem Trainer auch noch von ihrem Sportdirektor Dirk Dufner getrennt haben? (Bild: IMAGO / Christian Schroedter)

Keine Erfolgserlebnisse mehr

„Am Ende sind es immer Erfolgserlebnisse, mit denen du den Umschwung schaffst. Die haben wir aktuell nicht – dementsprechend hocken wir in der Scheiße“.

Es waren harte und ehrliche Worte, die Sportdirektor Dirk Dufner für den Saisonstart des VFLs wählte, nachdem man in fünf Spielen nur ein einziges Spiel gegen die SV Elversberg gewinnen konnte. Und dennoch muss man sie leider als sehr treffend bezeichnen. Es fehlen komplett die Erfolgserlebnisse, die Stand jetzt darauf schließen lassen, der VFL Bochum könne diese Saison noch irgendetwas mit dem (Wieder-)Aufstieg in die Bundesliga zu tun haben.

Dass der Vorstand rund um Ex-Augsburg- und Bochum-Torwart Andreas Luthe hier daher bereits früh auf die wahrscheinlich krasseste Art und Weise die Reißleine ziehen musste, scheint daher nur folgerichtig, auch wenn es sicherlich nicht ohne Risiko ist, sich bereits so früh von seinem Trainer und (!) seinem Sportdirektor zu trennen.

Die Frage bleibt allerdings, ob die Probleme nicht sogar noch tiefer gehen, beziehungsweise hier auch ganz eklatant bei der Kaderzusammenstellung geschlafen wurde. Denn selbst nach der Entlassung von Hecking und Dufner und unter Interimstrainer David Siebers ließ bislang nicht drauf schließen, dass sich irgendetwas verbesserte. Ausgerechnet gegen den 1. FC Nürnberg unter Miroslav Klose, dem zuvor noch Tabellenschlusslicht, verlor man nun auch noch das fünfte Spiel in dieser Saison - und das wieder einmal mit einem absolut enttäuschenden Auftritt, dem jegliche Geschwindigkeit oder Kreativität im Spielaufbau fehlte.


Die Realität zeigt also: Im Gegensatz zu anderen aktuell wackelnden Problem-Vereinen der zweiten Liga wie Nürnberg, Düsseldorf oder Hertha sind die Auftritte der Bochumer bislang leider nur eins, nämlich konstant mies.

Eine etwas bessere Leistung zeigte die Mannschaft von Dieter Hecking nur in der zweiten Halbzeit gegen die SV Elversberg – dank einer roten Kader für die Elversberger nach etwa 10 Minuten. Ansonsten offenbarten sich weit aus mehr Mängel als Stärken, so dass sich die Frage immer mehr stellt: Wie eigentlich - um es mit den Worten von Dufner zu sagen - wieder rauskommen aus der Scheiße?

Kader muss nochmal verbessert werden


Die ersten primären Fehler wurden hier bereits diesen Sommer auf dem Transfermarkt gemacht. Hier wurden insbesondere Abgänge, wie die von Lukas Daschner und insbesondere Moritz Broschinski nicht adäquat ersetzt. Hinzu kommen mit Bernardo, Tim Oermann und Ex-Kapitän Anthony Losilla drei absolut wichtige Leistungsträger in der Defensive, die ganz entscheidend für den Erfolg der Bochumer in den letzten Jahren standen.

Auch den Abgang von Kevin Stöger, der bereits einen Sommer zuvor zu Borussia Mönchengladbach wechselte, hat man nie adäquat ersetzen können, ein Abgang, der dem VFL möglicherweise mehr weh als alle anderen Abgänge tat.

Nicht nur, dass er in seiner Bochum Zeit in den (europaweiten!) Top 5 für Mittelfeldspieler mit den meisten schusserzeugenden Aktionen war, zuzüglich war er auch noch der Held in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf, wo man nach einer 0 : 3 Niederlage im Hinspiel im Rückspiel (3 : 0 / 5 : 4 nach Elfmeterschießen) am Ende doch noch sensationell die Klasse hielt.

Generell fehlt es dem aktuellen Kader an Tempo, an Pässen in die Tiefe, an Flanken und Standards auf hinnehmbarem Zweitliga-Niveau, wie auch an Kreativität und Torgefahr im Gesamten.

Hinzu fehlen erfahrene Spieler im perfekten Fußballer-Alter. Ein Großteil des Kaders (Philipp Hoffmann, Maximilian Wittek, Gerrit Holtmann etc.) sind entweder zu alt, um eben noch diese paar Prozent an mehr Geschwindigkeit geben zu können, oder wie im Falle der Dortmund- bzw. Leverkusen-Leihspieler Kjell Wätjen, Francis Onyeka und Faris Alfa-Ruprecht schlichtweg noch zu jung und unerfahren. Beziehungsweise um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Deren sicherlich großes Talent und Potenzial möchte hier absolut niemand in Abrede stellen, aber als abstiegsbedrohter Zweitligist mit einem Mittelfeld aus einem 18- und einem 19-jährigen zu starten und hier nicht vielleicht doch noch einmal mindestens einen weiteren erfahreneren Spielmacher a la Kevin Stöger zu verpflichten ist in jedem Fall - freundlich gesagt - mutig.

Nackte Zahlen

Was für die Möglichkeit einer Verbesserung im Winter allerdings sprechen könnte: Zum großen Erstaunen vieler Experten war der VFL Bochum mit nur 550.000 Euro (Quelle: Transfermarkt.de) in diesem Jahr der Zweitligist mit den wenigsten Ausgaben im Transfersommer 2025. Das ist insofern erstaunlich, weil man eigentlich meinen könnte, ein Verein, der drei Jahre lang Bundesliga gespielt hat, müsse eigentlich im Vergleich zur Konkurrenz mit dem Geld nur um sich werfen können.

Allerdings - und das spricht dann nochmal umso mehr gegen die Arbeit von Dirk Dufner als Sportdirektor: Als einer von nur fünf Zweitligavereinen hat man es auch nicht geschafft, auch nur einen Spieler für mehr als 2 Millionen Euro loszuwerden. Einzig und allein der Verkauf von Tim Oermann zu Bayer Leverkusen hat zumindest noch 1.9 Millionen Euro eingebracht.


Aber um es mit den Worten von Herbert Grönemeyer zu sagen:

Zeit, Dass Sich Was Dreht

Denn aus Sicht der Bochum-Fans bringt es nichts, den Kopf in den Stand zu stecken und den eigenen Verein, inklusive die Mannschaft mit "Schnauze voll" Sprechchören im Stadion als Loser-Gummitruppe zu verteufeln.

Denn klar ist auch, dass in diesem Kader definitiv viel Talent vorhanden ist, es muss nur richtig eingesetzt werden. Es wird also einen erfahrenen und sehr sozialkompetenten Trainer brauchen, einen, der möglicherweise für einen solchen Umschwung beim VFL sorgen und das Team im Verlaufe der Saison doch wieder in die Erfolgsspur bringen könnte.

Den Einstand hierfür hat Interimstrainer David Siebers bereits gegeben, wie man aber nach der Niederlage gegen Nürnberg auch sagen muss, leider bislang erfolglos. Es wird also höchstwahrscheinlich zeitnah einen neuen Trainer brauchen, der zumindest erstmal das schlimmste - nämlich die akute Angst in Liga drei abzurutschen, abwendet.

Hinzu müsste es ein Trainer sein, der der Mannschaft wieder Selbstvertrauen gibt und einen Spielstil implementiert, wo die Abläufe klar sind und wieder mehr auf One-Touch-Fußball gesetzt wird. Etwas, was auch Offensivspieler Gerrit Holtmann kürzlichst in einem Interview klar angeprangert hat:

"Unser Problem aktuell ist, dass wir nicht wie eine Mannschaft spielen, die 'zu gut' für den Abstiegskampf sind. In Momenten, wo wir eigentlich nur einen Ballkontakt brauchen sollten, brauchen wir derzeit eher drei, wenn nicht sogar vier oder mehr Kontakte."


Hier einige Kandidaten, die hier möglicherweise für den VFL Bochum in Frage kommen könnten:

1. Markus Anfang (ehem. FC Kaiserslautern / Dynamo Dresden)

Zunächst einmal wäre da Markus Anfang - 51 Jahre alt, in Köln geboren - und ein Trainer, der in der Vergangenheit durchaus auch über den Fußball hinaus zu polarisieren wusste.

Ob man ihm, wie es zeitweise medial der Fall war, gleich seine Trainertauglichkeit absprechen muss, nur weil er einst auch ohne eine COVID-19-Impfung Fußballtrainer sein wollte und dabei auf etwas unorthodoxere Mittel zurückgriff, muss jeder selbst wissen.

Mittlerweile ist er glücklicherweise wieder eine feste Größe im deutschen Trainergeschäft, wenn auch sein letztes Engagement beim 1. FC Kaiserslautern vergangene Saison vorzeitig endete. Aber auch hier muss man dazu sagen: Die roten Teufel vom Betzenberg haben sich nach seinem Abgang nicht verbessert, im Gegenteil: Seit ihrem Aufstieg aus Liga 3 waren sie bislang mit keinem anderen Trainer so nah am Bundesliga-Aufstieg dran gewesen, wie mit Markus Anfang.

Hinzu steht er auf strukturierten offensiven Ballbesitzfußball mit Köpfchen und kann hinzu noch auf eine Menge Erfahrung zurückgreifen, u.a. bei Kiel, Köln, Darmstadt, Bremen, Dresden und zuletzt Kaiserslautern. Einzig und allein seine Ansprachen in der Kabine kamen in der Vergangenheit nicht immer so gut an, insbesondere bei Nationalspieler Niclas Füllkrug mit dem es, während seiner Bremen-Zeit in der Kabine den ein oder anderen Eklat gab.

In jedem Fall ist Anfang ein Trainer mit eigenem Kopf, sowohl was Selbstbestimmung über seinen Körper angeht, als auch was Prinzipien angeht, die vielleicht nicht bei jedem Menschen immer gleich gut ankommen. Vielleicht auch deswegen waren seine zahlreichen Trainerstationen auch meistens - intensiv, oft erfolgreich, in der Regel aber eher kurz.


2. Robert Klauß (ehem. 1. FC Nürnberg)

Viel gegenteiliger könnte mein zweiter Kandidat kaum sein: 40 Jahre alt, einst Cheftrainer beim 1. FC Nürnberg, wie auch ehemaliger Co-Trainer von Trainergrößen wie Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann bei RB Leipzig.

Klauß ist ein ganz klarer Verfechter der Generation Laptop-Trainer, einige seine Interviews über abkippende Sechser in asymmetrischen Fünferketten gingen zeitweise sogar auf TikTok viral, denn er ist definitiv ein Trainer, der die reine Taktiktheorie liebt und sich da auch gern mal drin verfangen kann. Allerdings galt er bereits bei RB Leipzig als großer Jugendförderer, was für die Bochumer extrem gut wäre, um die jungen Top-Talente, wie Kjell Wätjen oder Francis Onyeka weiter zu entwickeln. Denn dafür, wie auch für einen klaren RB-Pressing-Stil, steht Robert Klauß zu hundert Prozent.

Und - kleine Randnotiz - sein ehemaliger Vorgesetzter, der ihn einst als Sportdirektor in Nürnberg rauswarf, wäre dann genau der Mann, den er nun in Bochum ersetzen würde, niemand anderes als Dieter Hecking.

3. Uwe Rösler (ehem. Fortuna Düsseldorf)

Oder man wählt einen völlig anderen Ansatz und versucht es mal mit Globetrotter Uwe Rösler. Dieser war vor allem als Spieler einer der vielleicht unterschätztesten deutschen Profis. Bei Manchester City ist er sogar in der "Hall Of Fame" ausgestellt und als Spieler als absolute Clublegende bekannt.

Seine letzte Bundesliga-Station war dann allerdings weniger von Erfolg gekrönt. Als Nachfolger von Feuerwehrmann-Legende Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf konnte er zwar zunächst an seine Erfolge anknüpfen, schaffte jedoch am letzten Spieltag ganz knapp den Klassenerhalt nicht.

Seine sonstigen Trainerstationen lesen sich ansonsten wie die perfekte Bagpacker-Sommerreise durch Nordeuropa: Erst in Norwegen die Clubs Lillestrom SK, Viking Staganvar und FK Molde trainiert, ging es anschließend über England (Brentford und Leeds u.a.) zum FC Malmö nach Schweden und schließlich nach Dänemark zu Aarhus GF. Hier wird also die Frage vor allem die sein, ob der ehemalige DDR-Nationalspieler überhaupt Lust hat, in einem so aufgeheizten Umfeld wie aktuell in Bochum die Trainerrolle zu übernehmen.

Fachlich wäre der 56jährige, der am liebsten mutigen Fußball im 3-5-2 spielt und aktuell auch ohne Verein da steht, aber sicherlich über alle Zweifel erhaben.

4. Tim Walter (ehem. Hamburger SV / Hull City)

Und zum Abschluss noch ein Kandidat, der von allen Trainern sicherlich die größte Frischzellenkur für den Bochumer wäre, ein Trainer, dessen kompromissloser Ballbesitzfußball sogar schon zur Marke erklärt wurde (Stichwort: Walter-Ball).

Auch hier handelt es sich um einen Trainer, der durchaus mit der ein oder anderen Aussage durchaus schon zu polarisieren wusste. Dennoch wurde er insbesondere bei den HSV-Fans, gerade in Zusammenspiel mit Manager Jonas Boldt (der im übrigen auch ein sehr spannender Kandidat für den neuen Sportdirektor des VFL Bochum wäre) sehr geschätzt. Was Walter vor allem wie kaum ein anderer beherrscht ist die Fähigkeit mit seiner Ausstrahlung Begeisterung grade auch unter den Fans zu entfachen.

Hinzu hat er nicht nur in der Jugend von Bayern München trainiert, sondern neben Stuttgart, Kiel, dem HSV auch den Champion Ship Club Hull City trainiert. Auch seine Spielidee ist klar und simpel zu vermitteln: Hohes Pressing im 4-3-3-System, was sicherlich ein paar Wochen Zeit brauchen wird, final aber möglicherweise der aktuell komplett eingeschlafenen Offensive der Bochumer endlich wieder Schwung verleihen könnte.

Und falls nicht, nun dann muss vielleicht am Ende doch der ballferne asymmetrische Zehner im Dreieck zum abkippenden Sechser der inversen flügelfernen Raute helfen. :)

In diesem Sinne: Hier zum Abschluss noch einmal das legendäre Interview von Robert Klauß im herrlichsten trainerfachchinesisch:


Borussia Mönchengladbach: Nach Seoane-Aus - wer führt das Team aus der Krise?

Gerardo Seoane wurde bei den Fohlen nach nur 3 Spieltagen entlassen. Doch wie geht es weiter mit Borussia Mönchengladbach? Könnte mit Eugen Polanski der richtige Trainer schon gefunden sein?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 16 September 2025, 12:22

Schon nach dem 3. Spieltag musste mit Gerardo Seoane bereits der zweite Bundesligatrainer seinen Hut nehmen. Die Entlassung des bis dato drittdienstältesten Trainer der Bundesliga wurde nach saisonübergreifend 10 Spielen ohne Sieg, dem eine desaströse 0 : 4 Klatsche gegen Werder Bremen folgte, bekannt gegeben. (Bild: IMAGO / Eibner)

Glaube an Seoane am Ende

Es hatte sich schon eine Nacht zuvor angekündigt, als Geschäftsführer Sport Roland Virkus nach der krachenden Niederlage gegen Werder Bremen zum Thema Seoane befragt wurde. Aussagen wie "er müsse eine Nacht darüber schlafen" sagten schon eine Menge aus, am nächsten Morgen wurde dann auch wie erwartet die Entlassung von Seoane bekannt gegeben.

Stattdessen wird nun der ehemalige U-23-Trainer Eugen Polanski die Mannschaft fürs Erste interimsweise übernehmen. Ein Trainer, der nun in seinem ersten Spiel gegen Leverkusen zumindest schonmal überraschend ein 1:1-Unentschieden herausholte. Doch ist der Weg mit Polanski der langfristige Weg in die Zukunft für die Elf vom NIederrhein?

Roland Virkus mit Schuld an der Krise?

Zunächst muss man bei dieser Trainerentlassung natürlich auch den Vorstand rund um Roland Virkus hinterfragen. Denn so oder so ist eine solche Entlassung so früh in der Saison für eine Mannschaft immer der Worst Case, insbesondere dann, wenn es schon am Ende der vorherigen Saison genug gute Gründe für eine Trennung gibt. Denn zu einem solchen Zeitpunkt einen Trainer zu wechseln bedeutet im Umkehrschluss, dass die gesamte Sommervorbereitung auf gut deutsch gesagt für die Katz war, von den Transferbewegungen, die normalerweise für einen bestimmten Spielstil getätigt werden sollten, ganz zu schweigen.

Und im Fall Seoane reden wir nicht von einem Versehen, wie bei der Entlassung von Erik ten Hag ein Spieltag zuvor, wo man wie im Falle Bayer Leverkusen kurz daneben lang. Im Fall Seoane gab es eigentlich bereits in der Saison 2023/24 genug Gründe für eine Entlassung, als die Borussia eine ihrer schlechtesten Rückrunden in der Vereinsgeschichte spielte und in der Rückrundentabelle sogar auf einem direkten Abstiegsplatz stand. Dennoch wurde an Seoane festgehalten, mit der Begründung, man wolle hier etwas langfristiges aufbauen.

In der Saison 2024/25 spielten die Gladbacher dann eine weitaus bessere Rückrunde, standen hier sogar kurzzeitig auf Platz 5 und kurz vor einem Champions-League-Platz. Das aber nur, um dann am Ende aber doch wieder einzubrechen und alle europäischen Ziele zu verfehlen. Doch aus nach dieser Saison wurde nicht gehandelt, obwohl die Stimmung unter den Fans unruhiger denn je war.

Diese Inkonstanz, verbunden mit fehlender Mentalität, ist auch das, was die Fans der Mannschaft unter Seoane vor allem vorwarfen. In weiten Strecken fehlte der Mannschaft schlicht und einfach die Abgezocktheit über eine Saison zuverlässig zu verteidigen, wie auch Spiele, wo man früh führte, dann auch am Ende zu ziehen. Hinzu kamen alarmierende Lücken in der Abwehr, wie auch nach der Verletzung von Tim Kleindienst auch noch eine erschreckende Harmlosigkeit vor dem Tor. 5 Spiele ohne ein einziges Tor sprechen hier eine deutliche Sprache.

Die Frage, die man Roland Virkus also definitiv ankreiden muss, ist ob es viele dieser Probleme nicht schon vor der Saison gab. Spiele wie die äußerst torreiche 3:4-Niederlage gegen den zu dem Zeitpunkt schon feststehenden Absteiger Holstein Kiel (mit der man jegliche Chancen auf Europa schließlich endgültig vergeigte) hätten für die Verantwortlichen eigentlich ein warnendes Vorzeichen müssen, dass trotz kurzzeitigen guten Phase hier irgendetwas im Kern, insbesondere in der Defensive, nicht stimmte.


Verwalten statt gestalten

Unter diesem Motto könnte man den Niedergang von Borussia Mönchengladbach am besten beschreiben. Schon vor Seoane zeigte das Management rund um Roland Virkus häufig, dass man eigentlich gar keine wirkliche Vision hatte, welchen Fußball man überhaupt spielen wollte. Während unter Seoanes Vorgänger Daniel Farke versucht wurde, Ballbesitzfußball zu spielen, sollte mit Adi Hütter wiederum Pressing-Stil der RB-Schule ausprobiert werden, ergo mit fast dem gleichen Kader eigentlich genau das Gegenteil.

Auch das Umfeld wurde bei der Trainerwahl größtenteils komplett ignoriert. Hier fielen von Leuten wie Roland Virkus u.a. Sätze wie:

Natürlich wollen wir auf lange Sicht wieder einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Doch zunächst einmal steht die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund. Wir haben keine Eile.

Sätze, die eine neue Gladbacher Bescheidenheit suggerieren sollten, aber komplett an den Wünschen der Fans vorbei gingen. Altbacken, bürokratisch und visionslos - dies waren u.a. Attribute, mit denen Fans ihren Unmut bekundeten, Fans, die in den Fohlen immer noch zu Recht einen der größten Vereine Deutschlands sehen, der eigentlich ganz andere sportliche Ziele anstreben sollte.

Zu dieser Ambitionslosigkeit gehörte dann auch das lange Festhalten an Seoane. 71 Bundesligaspiele, 20 Siege, 20 Unentschieden und 41 Niederlagen, das ist ein Punkteschnitt von 1,16. Nur Michael Frontzek schaffte es in der jüngeren Vergangenheit diesen miserablen Punkteschnitt noch einmal zu unterbieten, wohlgemerkt im Jahr 2009.

Strahlende Champions-League-Nächte hingegen, wie z.B. das furiose 6 : 0 gegen Schachtar Donezk im Jahr 2020, schienen dabei hinzu immer mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören, während weder aus dem Vorstand noch von Seiten der Mannschaft irgendetwas darauf hindeutete, dass man vielleicht auch irgendwann mal wieder an diese alten Erfolge anknüpfen wolle.

Stattdessen machte sich mehr und mehr eine innere Müdigkeit bemerkbar, die teilweise schon erschreckend an die Bundesliga-Jahre von Schalke 04 nach der Vizemeisterschaft unter Domenico Tedesco erinnerte. Und wo diese Reise dann am Ende hinging, sollte ja bekannt sein.

Wer wäre der richtige Nachfolger für Seoane?

Wie aber jetzt weitermachen, um irgendwie wieder in die Erfolgsspur zu kommen?

Grundsätzlich brauch der Verein zuallerst dringend frischen Wind, kompetente Leute von außen, die neue Ideen in den Verein bringen und es schaffen das Vakuum zu füllen, was spätestens seit dem Abgang von Max Eberl alles überdeckt.

Der langfristige Plan muss überprüft werden, das Scouting verbessert werden und der Kader muss deutlich homogener werden, sonst nützt auch der beste Trainer nichts. Dennoch muss es kurzfristig (bei einem aktuellen Tabellenplatz 17) natürlich erst einmal darum gehen, schleunigst dem Abstiegskampf zu entkommen, der nochmal weit alarmierender und akuter werden könnte, wenn z.B. andere Abstiegskandidaten wie der FC St. Pauli oder der 1. FC Köln sich weiterhin nicht ans Drehbuch halten.

Auch müssen die Neuzugänge im Sturm wie Shuto Machino oder Haris Tabakovic weitaus besser integrieren werden, junge Defensivtalente wie Fabio Chiarodia oder Eigengewächs Lukas Ullrich viel besser gefördert werden und eine neue Hierarchie im Mittelfeld gebildet werden. Insbesondere aus hochtalentierten Mittelfeldspielern wie Kevin Stöger, der beim VFL Bochum einst noch unter den Top 5 europaweit für die besten torschusserzeugenden Aktionen war, schaffte man unter Seoane zum Beispiel überhaupt keinen wirklichen Mehrwert herauszuziehen.

Doch welcher Trainer wäre denn von seiner Ansprache und seinem Spielstil am Geeignetsten für die Fohlen?


1. Urs Fischer (ehem. Union Berlin)

Urs Fischer wäre sicherlich der perfekte Trainer, um wieder Ruhe in den Verein zu bringen und die Defensive zu stabilisieren. Als Union-Berlin-Trainer schaffte er es nicht nur aus einem Zweitliga-Mittelfeldclub einen kurzzeitigen Champions-League-Club zu machen, er schaffte es hinzu noch, ein System zu implementieren, bei der jeder Spieler immer genau wusste, wo er zu stehen hat und welche Laufwege er gehen muss.

Allerdings hatte er als Union-Trainer auch immer wie kaum ein anderer Bundesliga-Trainer großes Mitspracherecht in Sachen Transfers. Selbst hochtalentierte Jugendspieler, wie der immer mehr aufblühende Hoffenheim-Stürmer Fisnik Asllani bekamen zum Beispiel einst keinen Profivertrag, weil Urs Fischer für einen Spielertypen wie ihn keine Verwendung hatte und auch ansonsten wurde mit akribischer Genauigkeit darauf geachtet, Spieler zu scouten, die genau dieser extrem defensiven DNA von Fischer entsprachen.

Diese Scouting-Phase würde nun komplett wegfallen, da das Transferfenster schon geschlossen ist und der Trainerwechsel zu spät kam. Des Weiteren wäre da die Frage, ob man in einem Stadion wie dem Borussia Park wirklich diesen Fischer-typischen Defensivfußball spielen könnte, ohne dass die Fans auf die Barrikaden gehen würden.

Denn klar ist, dass ein Trainer wie Urs Fischer, der aufgrund seiner einmaligen Erfolge mit den Eisernen zu Recht vom Kicker zum Trainer des Jahres gekürt wurde, nicht auf einmal Pep-Guardiola-artigen Ballbesitzfußball spielen würde.


2. Martin Demichelis (ehem. Monterrey/Mexiko)


Weitaus spannender sind da schon die Gerüchte um den Argentinier Martin Demichelis. Die ehemalige Bayern-München-Legende (von 2003 bis 2010 im Verein) coachte zuletzt in Deutschland die 2. Mannschaft der Bayern bis es ihn über Buenos Aires (River Plate) schließlich nach Monterrey verschlug.

Der ehemalige Innenverteidiger und defensive Mittelfeldspieler, der auch im WM-Finale 2014 gegen Deutschland auf dem Platz stand, steht vor allem für eines: Unberechenbaren Angriffsfußball, gerne auch mal mit Verlagerungen auf eine Seite und großer Ausrichtung auf schnelle Flügelspieler. Hier könnte durchaus ein potenzielles Match mit den Fohlen vorhanden sein, da man mit Spielern wie Frank Honorat oder Robin Hack nicht nur flankengefährliche Flügelspieler hat, sondern eben auch robuste Stürmer wie Tim Kleindienst, die diese Flanken auffangen könnten.

Die Frage ist, ob man im Niederrhein den Mut für ein so gewagtes Experiment hätte oder hier nicht (aus aus Angst um den eigenen Job) eine sicherere Variante wählt. Andererseits - Leverkusen hat vor ein paar Jahren vorgemacht, dass es auch anders geht: Mit dem spanischen Ex-Mittelfeld-Nationalspieler Xabi Alonso, der sie schließlich zum Double führte und zuvor übrigens auch schon bei Borussia Mönchengladbach im Gespräch war.


3. Raul (ehem. Real Madrid Castilla)

Eine sicherlich auch spannende Trainerverpflichtung wäre sicher auch die von Raul, wobei hier der Name natürlich nochmal weitaus mehr Glanz hätte: als der von Vize-Weltmeister Demichelis: Glanz, die den Fohlen nach den eher trockenen und tristen Seoane-Jahren aber möglicherweise auch mal wieder ganz gut stehen würde.

Bereits zuvor waren schon Vereine wie Schalke 04 und Bayer Leverkusen am früheren Real-Madrid-Weltstar interessiert, letztendlich scheiterte es, zumindest im Fall Schalke 04, vor allem daran, dass Raul selbst noch abwarten wollte bis er sich für den für ihn nächsten Schritt als Trainer entscheiden wollte.

Laut den neusten Infos von Sport1 wurden die Gerüchte um Raul und Borussia Mönchengladbach nun aber auch bereits von Seiten seines Beraters dementiert. Somit wird die Verpflichtung eines der vielleicht torgefährlichsten Ex-Stürmers aller Zeiten wohl doch nur ein Traum bleiben.


4. Edin Terzic (ehem. Borussia Dortmund)

Oder man revanchiert sich am Niederrhein noch einmal an der anderen Borussia dafür, dass diese den Gladbachern einst ihren Erfolgstrainer Marco Rose weggeschnappt haben und holt sich mit Edin Terzic nun stattdessen einen echten Dortmunder. Hierfür gäbe es zumindest einige positive Argumente. Erstens: Terzics Spielstil ist und war immer komplett pragmatisch, so wie er selbst auch gern sagte:

Mein Ziel ist es nicht in erster Linie schönen Fußball zu spielen, sondern Spiele zu gewinnen.

Dieser Pragmatismus könnte den Gladbachern zumindest erstmal dabei helfen aus der schlimmsten Krise herauszukommen. Hinzu hat Terzic bereits einmal bewiesen, dass er ohne Probleme auch einen Verein inmitten der Saison übernehmen kann. Als er z.B. die Dortmunder für den damals entlassenen Lucien Favre führte er die Dortmunder am Ende sogar bis ins DFB-Pokal-Finale, wo man den Pokal am Ende dann sogar sensationell gewann.

Sein offenes und herzliches Auftreten könnte zudem sehr dabei helfen, die Verbindung zu den Fans wieder herzustellen und grundsätzlich erstmal wieder für eine positive Stimmung zu sorgen. Ob Terzic, der mittlerweile auch als TV-Experte arbeitet, aber wirklich schon wieder bereit ist für eine Bundesliga-Station, steht derzeit noch in den Sternen. Des Weiteren haben ihn auch mittlerweile andere Vereine wie Manchester United auf der Shortlist, die zwar in der Premier-League ähnliche Krisenkinder sind wie die Gladbacher, aber vom Namen und Gehalt sicherlich nochmal eine Stufe drüber stehen.




5. Weitermachen mit Eugen Polanski?

Am Wahrscheinlichsten wird es daher sein, dass man zunächst erstmal mit dem aktuellen Interimstrainer und Ex-Jugendtrainer Eugen Polanski weitermacht.

Eine Lösung, die sich bei anderen Vereinen in der Vergangenheit auch schon gut bewährt hat, man denke an Merlin Polzin, der den HSV nach der Entlassung von Steffen Baumgart ebenfalls als Jugendtrainer und (zunächst) Interimstrainer übernommen hat und den Verein am Ende zum langersehnten Aufstieg geführt hat.

Mit Polanski hätte man zunächst einmal einen Trainer, der "lauteren" Sorte, jemand der an der Seitenlinie auffällig agiert und die Mannschaft anheizt - ein Trainer, der vom Charakter her ganz klar weit aus mehr ein Bo-Henriksen-Typ als ein Gerardo-Seoane-Typ ist.

Auch ist sein 3-4-2-1-Spielstil deutlich offensiver als der r-2-3-1-Stil von Gerardo Seoane, lebt aber gleichzeitig aber auch von mehr Absicherung im Zentrum. Dies könnte insbesondere Außenverteidigern, wie Lukas Ullrich oder Joe Scally zu Gute kommen, die dadurch beide eine Position nach vorne rücken und so weit aus besser ihre Stärken ausspielen könnten, die bislang im offensiven Spielaufbau lagen. Als ehemaliger Jugendtrainer wäre Polanski des Weiteren gut darin, junge Spiele mehr zu integrieren, wo die Fohlen aufgrund von immer noch zahlreicher Baustellen im Kader, wie auch Verletzungen, so oder so zu ihrem Glück gezwungen werden würden.

Ob das dann aber sofort für die gewünschte Aufbruchstimmung am Niederrhein sorgen würde, die sich die Fans wünschen? Dies muss die Saison dann erstmal zeigen.

Und bevor man womöglich noch auf die Idee kommt Marco Rose oder Lucien Favre wieder zurückzuholen wäre das dann sicherlich doch die etwas mutigere Version, Mut - den sich alle Gladbach-Fans aktuell wohl mehr als alles andere wünschen.


Wer hat das Klassenziel erreicht? Unsere Transferzeugnisse für alle 18 Bundesligaclubs

Welche Clubs haben wie gut im Transferfenster gearbeitet? Hier unser offizielles Top-18-Ranking inklusive Schulnoten.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 11 September 2025, 10:04

Victor Boniface zu Werder Bremen, Fabio Vieira zum Hamburger SV und nicht zuletzt Christian Eriksen zum VFL Wolfsburg: Insbesondere zum Ende hin konnte das Sommertransferfenster 2025 durchaus noch einmal mit einigen spannenden Neuzugängen überraschen. (Bild: IMAGO / Sven Simon)

Dies, wie auch die vielen kleineren Transfers, wie sie insbesondere Vereine wie der FC St. Pauli, der VFB Stuttgart und der 1. FC Köln getätigt haben, machen durchaus Hoffnung auf eine äußerst spannende Bundesligasaison, wo insbesondere der Abstiegskampf, das Rennen um Europa, wie auch das Rennen um den Vizemeister-Titel so spannend werden könnte wie schon lange nicht mehr.

Denn natürlich machen die vielen Bundesliga-Abgänge, insbesondere in die auf dem Transfermarkt mittlerweile alles dominierende Premier League, vielen Fans Sorgen. Und natürlich macht man sich der ein oder andere auch seine Gedanken, wenn mittlerweile selbst junge Spieler wie Enzo Millot lieber dem Ruf des Geldes aus Saudi-Arabien folgen anstatt in einer sportlich relevanten Liga wie der Bundesliga zu spielen, weil die Spielergehälter dort so viel höher sind als in Deutschland.

Und sicherlich macht es insbesondere Bayern-Fans Sorgen, dass ihr Lieblingsverein mittlerweile, wie im Fall Nick Woltemade, nicht einmal mehr Ziel Nr. 1 für junge vielversprechende deutsche Spieler ist.

Doch sollte man deswegen den Kopf in den Sand stecken, 50+1 in Frage stellen oder (wie Uli Hoeneß jüngst im Sport1-Doppelpass) solche Transfers als "für den Fußball nicht mehr relevant" bezeichnen, weil sie ja "nicht von normalen Fußballvereinen sondern von Öloligarchen getätigt werden?".

Dies ist die Falle, in die die Bundesliga gerne mal tappt, denn zur Wahrheit gehört auch: Ob man diese Entwicklung im Weltfußball gut findet oder nicht, sie ist anno 2025 nun mal real.

Dabei aber, im Falle der Bundesliga, die eigenen Stärken klein zu reden und nicht (dann erst Recht!) umso mehr auf Fankultur, solide wirtschaftende Vereine, volle Stadien und jährlich aufkommende neue spannende Talente zu setzen, kann aber umso mehr keine Lösung sein.

Um so mehr freuen wir von Kickfieber uns nun, euch unsere Einschätzung zu geben, welche Vereine diesen Sommer am Kreativsten, am Mutigsten und am Vielversprechendsten agiert haben, was Neuzugänge, Leihen und insbesondere die Kompensation der Problemstellen angeht.

Hierbei sei noch einmal ausdrücklich angemerkt, dass unsere Top-18-Tabelle, die nun folgt, keine Prognose auf die Bundesliga-Abschluss-Tabelle im Sommer 2026 ist, sondern sich lediglich auf das vergangene Transferfenster bezieht.

Bis dahin sei allen Lesern hiermit auch nochmal unser Diskussionsvideo ans Herz gelegt in dem wir noch einmal ausführlicher auf die jeweiligen Vereine und deren Transferaktivitäten eingehen:

Nun aber lasst uns keine Zeit verlieren, los geht es mit unserer Transfersommer-Bundesliga-Tabelle und natürlich unseren Noten:

PLATZ 18: 1. FC HEIDENHEIM (Note: 5)

Spannendster Transfer: Arijon Ibrahimovic (19 Jahre, Leihe vom FC Bayern, Offensives Mittelfeld)

Leider hat der Verein, den die meisten unserer Redakteure auch in unserer offiziellen Bundesliga-Prognose (siehe Video) auf Platz 18 getippt haben, es auch in puncto Transferzeugnis nicht weiter geschafft.

Denn genau hier liegt das Problem: Es ist etwas anderes, wenn ein Verein wie Mainz 05, der letzte Saison sensationell auf Platz sechs gelandet ist, seinen Kader nicht nominell verbessert, als wenn das ein Verein macht, der schon letzte Saison nur in letzter Sekunde dank eines Tors von Leo Scienza und einer sensationellen Vorbereitung von Paul Wanner in der Relegation dem Abstieg entkommen ist.

Beide Spieler hat man nun verloren, dazu noch mit Norman Theuerkauf einen langjährigen Führungsspieler, der über zehn Jahre im Verein war. Auch ein Stürmer a la Tim Kleindienst, dem man zutraut, zuverlässig und im höheren zweistelligen Bereich zu treffen, fehlt den Heidenheimern nachwievor.

Und ja, natürlich darf man bei der Bewertung nicht außer Acht lassen, dass der 1. FC Heidenheim mit 54,20 Millionen (Quelle: Transfermarkt) den zweitkleinsten Etat der Liga hat. Wenn man aber bedenkt, was der FC St. Pauli diesen Sommer alles getan hat, um seinen Kader zu verbessern (ein Verein der mit 51,65 Millionen sogar einen noch kleineren Etat hat), dann liegen hier in puncto Scouting-Arbeit und Kreativität doch Welten.

Hinzu hat man sich auch auf der Torwartposition mit der Leihe von Diant Ramaj von Borussia Dortmund eine völlig unnötige Problemstelle aufgemacht, wo man doch genau auf dieser Position mit Kevin Müller eine absolut zuverlässige Nr. 1 im besten Torwartalter hatte.

Positiv bewerten kann man eigentlich nur die Last-Minute-Verpflichtung des Linksverteidigers Leart Paqarada vom 1. FC Köln, der sich nun allerdings zu allem Überfluss auch noch einen Kreuzbandriss geholt hat.

Hierfür können die Verantwortlichen natürlich nichts, trotzdem wirkt kein anderes Transferfenster so ambitionslos.

Die einzige Hoffnung auf den Klassenerhalt für die Heidenheimer bleibt daher wieder einmal - ihr Erfolgstrainer Frank Schmidt - seit 2006 im Amt und damit einer der dienstältesten Trainer Europas. Ob dieser aber mit diesem Kader in der Saison 2025/26 erneut das Wunder des Klassenerhaltes schaffen kann (denn nichts anderes wäre ein Klassenanhalt in dieser Saison, auch angesichts der starken Aufsteiger) - dahinter steht aktuell nur ein großes warnendes Fragezeichen. Aber wie Nena schon gesungen hat: "Wunder gibt es immer wieder."

PLATZ 17: 1. FC UNION BERLIN (Note: 4-)

Spannendster Transfer: Ilyas Ansah (20 Jahre, für 4,0 Millionen vom FC Paderborn, Flügelstürmer)

Auch der 1. FC Union Berlin ist in den Augen vieler Experten in dieser Saison einer der Abstiegskandidaten Nummer eins, wo man sich zunächst fragt: Sollte mit der Verpflichtung von Ex-Köln-Trainer Steffen Baumgart nicht eigentlich eine neue Euphorie entfacht werden? Hierbei hat das vergangene Sommertransferfenster auf jeden Fall nicht geholfen.

Der Grund ist auch hier ganz klar fehlender Mut und fehlende Kreativität, das, was die Köpenicker eigentlich mal so ausgemacht hat. Natürlich ist die Zeit von Glamour-Transfers wie Robin Gosens, Kevin Volland oder Leonardo Bonucci (die wenn man ehrlich ist auch nie wirklich funktioniert haben), was aber den Verein aus der alten Försterei aber immer ausgemacht hat war ein nahezu teuflisch-geniales Händchen für Spieler, die bei ihrem Verein grade aus einer Verletzung kamen, von anderen Spielern partiell auf ihrer Position überholt wurden oder aus anderen Gründen, sei es persönliche Differenzen mit ihrem Trainer, zum Zeitpunkt des Transfers außen vor waren.

Von dieser Union-Transfer-DNA ist im Jahr 2025 leider nur noch wenig üblich. Denn zwar tütete man mit Oliver Burke von Werder Bremen bereits früh einen Stürmer ein, der zumindest ansatzweise noch in die oben genannten Kategorien fallen könnte, insbesondere auf den wirklichen Problemstellen wie z.B. einen kreativen Mittelfeldspieler oder Backups auf der Innenverteidigerposition passierte diesen Sommer nur sehr wenig.

Hinzu kommt eine erschreckende Vorbereitung auf die man seitens des Managements überhaupt nicht reagiert hat, wie auch gefühlt das Fehlen jeder Ambition in naher Zukunft noch einmal an die erfolgreiche Zeit unter Urs Fischer anzuknüpfen in der man Jahr für Jahr um Europa mitspielte, beziehungsweise letztendlich drei mal in Folge das internationale Geschäft sogar erreichte. Ob die Einstellung von Horst Heldt als neuer Sportdirektor hier wirklich die absolut richtige Wahl war, man weiß es nicht.

Positiv anzumerken bleiben höchstens noch die Transfers von Linksverteidiger Derrick Köhn und Flügelstürmer Ilyas Ansah für insgesamt 8 Millionen, die (neben den beiden Innenverteidigern Danilo Doekhi und Diogo Leite, die man auf den letzten Metern des Transfersommers zum Glück noch halten konnte) einen Abstieg zumindest noch abwenden könnten.

Hoffnung auf höhere Ziele macht der aktuelle Kader der Unioner aber unserer Meinung nach leider nicht, trotz des hervorragenden Debüts und den zwei Toren von Ilyas Ansah, der damit wohl zu Recht unser Player To Watch bei den Unionern Ist - wie hier in unserem diesjährigen Kickfieber-Talent-Countdown noch einmal zu sehen ist:

PLATZ 16: SV WERDER BREMEN (Note: 4)

Spannendster Transfer: Cameron Puertas (27 Jahre, Leihe von Al-Quadsiah/Saudi Arabien - offensives Mittelfeld)

Mit mehr Glück als Verstand hat der SV Werder Bremen am Deadline-Day in unserer Bewertung noch die Note 4,0 und damit das Klassenziel erreicht. Denn mit vorausschauender Planung hatte die Last-Minute-Leihe des Ex-Leverkusen-Stürmers Victor Boniface nun wirklich nichts zu tun, wenn man bedenkt, dass ein Wechsel des Spielers zum AC Mailand schon nahezu sicher schien und nur aufgrund des Medizinchecks am Ende doch nicht zustande kam.

Und hier liegt schon das erste Problem: Ist Victor Boniface überhaupt körperlich fit genug, um als alleinige Sturmspitze (nach den Abgängen von Marvin Ducksch und Oliver Burke und mit dem ebenfalls letzte Saison dauerverletzten Youngstar Keke Top als einzige Alternative auf der neun) die komplette Verantwortung für den Toroutput der Bremer tragen zu können?

Vergangene Verpflichtungen, wie die von Naby Keita, wo man ebenfalls mit Ansage einen großen Namen verpflichtet hat ohne ausreichend auf seinen körperlichen Zustand geachtet zu haben, sollten hier eigentlich ein warnendes Beispiel sein.

Mehr Las-Vegas-Glücksspiel als vorausschauende Planung gilt des Weiteren ebenso für den Transfer von Samuel Mbangula, mit 10 Millionen der zweitteuerste Transfer der Bremen-Geschichte, der dann allerdings zur Folge hat, dass man sämtliche weiteren Spieler nur noch (größtenteils ohne eine realistische Chance auf eine Kaufoption) leihen konnte.

Horst Steffen wird also eine ähnliche Lage vorfinden, wie in Elversberg: Einen Kader, der für die Ziele der Fans eigentlich zu schwach ist, aber irgendwie mit Leihen noch aufgepeppt wurde.

Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass die Leihen in Teilen durchaus spannend sind. Sowohl die Leihe von Yukinari Sugawara vom Premier-League-Absteiger FC Southampton, mit dem man die langfristige Verletzung von Mitchell Weiser auf der Rechtsverteidigerposition zu kompensieren versucht, als auch die von Maximilian Wöber und Isaac Schmidt vom Premier-League-Aufsteiger Leeds United könnten, zumindest was die aktuelle Saison angeht, durchaus helfen.

Bliebe schließlich noch der Transfer von Cameron Puertas besonders positiv hervorzuheben, unser Player To Watch, der vor seinem Wechsel nach Saudi Arabien zumindest in Belgien bei Union St. Gilloise mit 85 Spielen und 15 Toren einer der auffälligsten Spieler auf der Spielmacherposition war. Diese Last-Minute-Transfers, wie auch junge eigene Spieler wie Patrice Covic könnten in Zusammenhang mit dem bisherigen Spieler-Beuteschema von Horst Steffen dann doch wieder das ein oder andere Bremer Herz höher schlagen lassen.

PLATZ 15: BORUSSIA DORTMUND (Note: 4)

Spannendster Transfer: Jobe Bellingham (19 Jahre, für 30,5 Millionen vom FC Sunderland - offensives Mittelfeld)

Wo ist eigentlich das ganze Geld aus der Klub-WM hin in der man als Borussia Dortmund zumindest mal das Viertelfinale erreichte? Und sollte mit dem Geld, wie auch mit dem Verkauf von Youngstar Jamie Gittens (für 60 Millionen zum FC Chelsea), wie auch mit dem Last-Minute-Champions-League-Einzug unter Trainer Niko Kovac nicht ursprünglich mal der Grundstein gesetzt werden für den aus Sicht vieler Fans schon lange überfälligen Umbruch?

Was das angeht schauten viele Fans nach Ende des Transfers dann eher enttäuscht drein. Umso größer wurde der Unmut auf die Vereinsführung dann nach dem ersten Spieltag nach dem 3 : 3 gegen den FC St. Pauli, wo man (wieder einmal) eine Führung gegen einen potenziellen Abstiegskandidaten verspielte und aufzeigte, dass man es augenscheinlich abermals nicht hinbekommen hat die offensichtlichen Schwächen im kreativen Mittelfeld wie auch in der Innenverteidigung mit ausreichend hochqualitativen Neuzugängen zu schließen.

Darüber hinaus waren es dann noch Aussagen seitens des BVB-Managements rund um Sebastian Kehl wie "das Geld wurde in eine neue Küche investiert", "der Markt wäre so überhitzt" oder "die Reisekosten in den USA wären so hochgewesen", wo man sich als BVB-Fan schon irgendwann man mal fragte: Hat der BVB eigentlich irgendetwas aus den Fehlern der vergangenen Saison gelernt? Oder endete das Erreichen des absoluten Minimal-Ziels (Platz 4 und damit die CL-Qualifizierung) dann doch wieder einmal in einem schulterzuckenden "Weiter so, lief doch am Ende alles gut", woraus sich wiederum die Frage ableitet "Wie tief muss der BVB denn fallen, damit wirklich mal was passiert?"

Über all diese grundsätzlichen Fragen konnten auch die Last-Minute-Transfers von Karney Chukwuemeka, die Leihe von Anselmino (beide vom FC Chelsea geholt) nicht hinwegtäuschen, ebenso wenig wie die Verpflichtung eines Backup-Stürmers für Serhou Guirassy mit dessem Toroutput das BVB-Spiel aktuell steht und fällt. Denn ob sein direkter Stellvertreter Fabio Silva körperlich wirklich fit ist aktuell ebenso wenig klar, wie ob das jetzt wirklich die Lösung für die auch offensiv extrem schwache Hinrunde der Schwarzgelben in der vergangenen Saison war.

Der einzige wirkliche Statement-Transfer bleibt damit die Verpflichtung von Jobe Bellingham - dem 19jährigen Bruder des Ex-Dortmunders und mittlerweile Real-Madrid-Superstars Jude Bellingham, ein Spieler dessen großes Talent unbestritten ist, wo aber natürlich auch erst einmal abgewartet werden muss, ob er dem alleine durch den Nachnamen bedingten Druck wirklich standhalten und zu diesem Führungsspieler im Mittelfeld heranwachsen kann, den der BVB nach der letzten Saison eigentlich unbedingt gebraucht hat.

Auch muss der BVB unserer Meinung nach aufpassen, den Anschluss als Talent-Import-Export-Verein in Deutschland nicht zu verlieren. Nicht nur Eintracht Frankfurt unter Markus Krösche, sondern auch Vereine wie der VFB Stuttgart, RB Leipzig und die TSG Hoffenheim haben mittlerweile ein hervorragendes Scouting und drohen damit das einstige Alleinstellungsmerkmal des BVBs Talente wie z.B. Erling Haaland oder Ousmane Dembelé früh zu entdecken, um sie dann einige Jahre später für 70 Millionen plus zu verkaufen zu verwässern.

Auch der große Fokus des BVB-Managements auf die Premier League sorgt bei vielen Fans für großes Stirnrunzeln. War die Premier League, die mit Abstand teuerste Liga der Welt, was Spielermarktwerte angeht, nicht einst mal der Abnehmer des BVBs? Fragen über Fragen auf die wir von Kickfieber nochmal ausführlicher in unserem Dortmund-Special Talk "Warum der BVB seit Jahren auf der Stelle tritt"" besprechen.

Solange muss man weiter auf Niko Kovac hoffen, und dass der BVB zumindest wieder das Minimalziel erreicht: Das Erreichen der Champions League.

PLATZ 14: BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH (Note: 4+)

Spannendster Transfer: Shuto Machino (25 Jahre, für 8 Millionen von Holstein Kiel - Mittel-/Flügelstürmer)

Nur bedingt besser sieht es bei der anderen Borussia aus, wobei hier insbesondere die Abgänge von Abwehrchef Ko Itakura und Flügelstürmer Alassane Plea besonders ins Gewicht fallen. Was darüber hinaus ins Gewicht fällt ist ein Verein, dem ähnlich wie bei Werder Bremen seit einigen Jahren gefühlt komplett der Biss fehlt, mal wieder eine wirkliche Aufbruchstimmung in Richtung Europa zu erzeugen.

An der immer noch riesigen Fanbase des Traditionsvereins aus dem Niederrhein wird dies sicherlich am wenigsten liegen, umsomehr aber an dem doch nachwievor etwas graumäusigen Auftreten der Gladbacher, sowohl was Spielweise, als auch was Transferpolitik angeht. Hier scheinen die Zeiten, wo man zeitweise sogar Vereine wie Schachtar Donezk mit 6 : 0 aus der Champions-League-Gruppenphase schoss, mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören und ob dies in einer Nach-Gerardo-Seoane-Ära nun anders wird, muss man erstmal abwarten.

Insbesondere die Defensive bleibt bei den Fohlen weitern eine Problemstelle, wo man sich zu Recht fragt, warum auf den Außenverteidigerpositionen nicht endlich mal die nötige Erfahrung verpflichtet wurde, wie sie sich z.B. Bayer Leverkusen mit Lucas Vazquez diesen Sommer ins Team geholt hat. Weder Luca Netz noch U21-Nationalspieler Lukas Ullrich strahlten hier auf der linken Seite in der Vergangenheit wirklich Sicherheit aus, ebensowenig wie Joe Scally auf der rechten Seite. Dennoch entschied man sich dazu weiterhin einzig und allein auf das schon vorhandene Personal zu setzen.

Was man aber nicht leugnen kann ist, dass einige Transfers durchaus spannend sind, ganz vorne der von Shuto Machino, der sich in der vergangenen Saison mit dem absoluten Außenseiter der Liga Holstein Kiel mit 15 Toren bis in die TOP 16 der Bundesliga-Torschützenliste spielen konnte. Auch, was das Mittelfeld angeht, hat man sich mit Giovanni Reyna, Jens Castrop und Leihspieler Yannik Engelhardt mit durchaus vielversprechenden jungen Spielern verstärkt. Das, wie auch die Verpflichtung von Haris Tabakovic (Zweitligatorschützenkönig der Saison 2023/24) als Ersatz für den nachwievor verletzten Tim Kleindienst macht zumindest Hoffnung, dass die Elf vom Niederrhein zumindest wieder mal eine sorgenfreie Saison spielen könnte, was den Abstieg angeht. Ob dies aber die Ansprüche der Fans komplett befriedigt und ausreichen wird, um nach dem Rauswurf von Trainer Gerardo Seoane wieder für eine positivere Stimmung zu sorgen?

PLATZ 13: BAYER LEVERKUSEN (Note: 3-)

Spannendster Transfer: Eliesse Ben-Seghir (20 Jahre, für 32 Millionen von der AS Monaco - Linksaußen)

Zu viele Transferbewegungen auf einmal: Dies ist - in fünf Worten zusammen gefasst - unser Hauptkritikpunkt am diesjährigen Transferfenster von Bayer Leverkusen. Denn natürlich konnte man viele Abgänge, wie die von Florian Wirtz und Jonathan Tah (bedingt auch durch den Abgang von Star-Trainer Xabi Alonso zu Real Madrid) schon ein wenig vorhersehen, dass aber mit Kapitän Hradecky, Frimpong, Hincapie, Tah, Adli, Xhaka, Wirtz und Boniface in seinem Transfersommer nahezu eine komplette Startelf einen Verein auf einmal verlässt, kann nie gut sein.

Hinzu kommt noch die völlig gescheiterte Verpflichtung von Trainer Erik ten Hag, den man schon nach zwei Spieltagen aufgrund von Differenzen mit den Spielern, wieder feuerte und die natürlich insofern in die Bewertung des Transferfensters mit einfließen muss, als dass man ein Großteil der Kaderplanungen diesen Sommer mit ihm gemeinsam getätigt hatte.

Dieser neue Kader muss sich so nun noch ein weiteres Mal auf einen völlig neuen Trainer wie Kasper Hjulmand einstellen, der wiederum weder eine Vorbereitung mit den neuen Spielern machen konnte, noch bei den Neuzugängen mitreden durfte.

Dennoch kann man nicht leugnen, dass viele der neuen Spieler von Bayer Leverkusen sicher noch nicht ganz auf dem Level der abgewanderten Stars, aber durchaus sehr interessante Talente sind, die mit ein wenig Geduld in diese Rollen noch hineinwachsen könnte. Hierunter fallen Spieler wie Ex-Bayern-Youngstar Malik Tillman, Ibrahim Maza (der "Player To Watch" in der letzten Saison bei Hertha BSC), Jarrel Quansah (FC Liverpool), Eliesse Ben-Seghir (AS Monaco), Loic Badé (FC Sevilla) oder das von Manchester City ausgeliehene Megatalent Claudio Echeverri.

Mit dem EX-Freiburger Keeper Mark Flekken wie auch Champions-League-Sieger Lucas Vazquez von Real Madrid hat man sich zuzüglich noch etwas Erfahrung mit in den Verein gebracht, die die vielen jungen Spieler unbedingt brauchen werden.

Am schwersten könnte (neben natürlich dem von Florian Wirtz) allerdings der Abgang von Granit Xhaka das Spiel der Leverkusener beeinflussen, ein Spieler, der in den letzten Saisons der Dreh- und Angelpunkt schlechthin im Spielaufbau war. Denn auch wenn man mit Equi Fernandez noch last-minute einen vielleicht ähnlichen Spielertypen aus Saudi Arabien für eine ähnliche Position geholt hatte, war Xhaka grade für die Hierarchie der Mannschaft auf und neben dem Platz vielleicht der wichtigste Spieler der Werkself.

Dies wird nun die Hauptaufgabe von Kasper Hjulmand werden: Eine neue Hierarchie, wie auch neue Führungsspieler zu entwickeln. Denn das Potenzial hinter den neuen Spielern ist definitiv vorhanden, bis sich dies aber auch in voller Gänze auf dem Platz zeigt, bleibt die neue Mannschaft aber dennoch zunächst einmal weiter ein großes Fragezeichen.

PLATZ 12: HAMBURGER SV (Note: 3)

Spannendster Transfer: Rayan Philippe (24 Jahre, für 2.5 Millionen von Eintracht Braunschweig - Rechtsaußen)

Der Hamburger SV ist einer von mehreren Vereinen, dessen Transferaktivitäten wir im großen und ganzen als okay bewerten. Insbesondere die beiden Deadline-Day Transfers Alberti Sambi Lokonga und Fabio Vieira vom FC Arsenal waren hier durchaus positive Überraschungen oder eben die dringende Reaktion der Vereinsführung auf die miserable Vorbereitung der Rothosen.

Hinzu kamen mit Nicolas Capaldo von RB Salzburg und Nicolai Remberg von Holstein Kiel noch zwei defensiv orientierte Mittelfeldspieler, die gemeinsam mit Vieira als absoluter Star-Transfer ein komplett neues Mittelfeld bilden, wo man zumindest darauf hoffen kann, dass diese Spieler die Abgänge von Spielern wie Ludovit Reis, Ex-Kapitän Sebastian Schonlau und Goalgetter Davie Selke vergessen lassen könnten. Beim Thema Selke bleibt allerdings noch anzumerken, dass dieser nicht nur als Führungsspieler extrem wichtig war, sondern auch Torschützenkönig der letzten Aufstiegssaison war.

Ob hier ein Spieler wie Yussuf Poulsen als neuer Kapitän diesen Toroutput auffangen kann, darf hier mal durchaus in Frage gestellt werden, wo insbesondere seine letzten Jahre bei RB Leipzig nicht grade von viel Spielzeit und vielen Toren durchzogen waren.

Auch in der Abwehr gibt es noch das ein oder andere Fragezeichen: Jordan Torunarigha galt zwar zu anfangs als großer Statement-Transfer, ist aber bislang überhaupt noch nicht angekommen, wohingegen Wamed Omari aus einer langen Verletzungspause kommt und nach seiner Rückkehr bislang auch noch nicht gezeigt hat, dass er wieder der Spieler ist, der er vor seiner Verletzung war.

Weitaus vielversprechender sind da schon Talente, wie Luka Vuskovic von Tottenham oder Ex-Manuel-Neuer-Backup-Keeper Daniel Peretz, der nun den langjährigen HSV-Schlussmann Daniel Heuer Fernandes herausfordern soll.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass der HSV für einen Aufsteiger durchaus sehr aktiv auf dem Transfermarkt war, ob das aber am Ende alles so zusammen passt, dass es für das Minimalziel, den Klassenerhalt, reicht, wird sich erst noch zeigen müssen. Ebenso wie die Frage, ob Aufstiegstrainer Merlin Polzin nicht nur Fanliebling, sondern auch Bundesligatrainer sein kann, wird sich irgendwann stellen müssen, beziehungsweise die Frage, wie lange ein notirisch unruhiger Verein wie der HSV wirklich an ihm festhält, sollte der Klassenerhalt nach der langersehnten Rückkehr in die Bundesliga nach sieben Jahren doch schwerer als gedacht werden.

PLATZ 11: MAINZ 05 (Note: 3)

Spannendster Transfer: Benedict Hollerbach (24 Jahre - für 10 Millionen von Union Berlin - Mittelstürmer)

Kann der Abgang von Jonathan Burkardt aufgefangen werden? Insbesondere bei der neuen Dreifachbelastung, die sich die Mainzer aufgrund ihrer Qualifikation für die Conference League mit einem sensationellen Platz 06 in der Liga erspielt hatten?

Das wird wohl die Kernfrage für die nächste Saison sein. Denn ansonsten ist die Stimmung bei den Mainzern wie jedes Jahr gut. Mit seinem Backupstürmer Nelson Weiper hat man sich wieder versöhnt, plus dazu auch noch mit William Beving von Sturm Graz und Benedict Hollerbach von Union Berlin noch zwei durchaus spannende neue Namen für die Offensive geholt.

Doch dass es durchaus weh tun kann ausgerechnet in einer Europa-Saison seinen mit Abstand besten Stürmer zu verlieren, davon können die Heidenheimer aus der letzten Saison nach ihrem Verlust von Tim Kleindienst sicherlich ein Lied singen. Die Verantwortung hier auf mehrere Schultern zu verteilen, war hier also durchaus folgerichtig.

Ansonsten ist der Kader eigentlich größtenteils so geblieben wie er ist: Ein Kader, der trotz des holprigen Saisonstarts schon gut und breit aufgestellt sein sollte, um eine sorgenfreie Saison in der Bundesliga zu spielen, aber möglicherweise dann doch nicht breit genug, um in Europa wirklich etwas zu reißen oder wie vergangene Saison wieder um die Champions-League-Plätze mitspielen zu können. Aber das ist ja vielleicht auch nicht der Anspruch der Mainzer.

PLATZ 10: FC BAYERN MÜNCHEN (Note: 3)

Spannendster Transfer: Tom Bischof (20 Jahre, für 300.000 von der TSG Hoffenheim, Zentrales Mittelfeld)

Weit aus mehr zu berichten gab es diesen Sommer über den FC Bayern, ob all die gefühlt hundert Millionen Namen von Flügelstürmern, an denen die Bayern laut gewissen Transferjournalisten diesen Sommer dran waren, alle immer komplett der Wahrheit entsprachen, sei aber mal dahin gestellt.

Dennoch kann man nicht umhin, zuzugeben, dass die Bayern sich für einen Verein dieser Größe diesen Sommer überraschend schwer damit taten, große Namen zu verpflichten. Wo es zum Beispiel vor einigen Jahren noch völlig selbstverständlich war, dass junge aufstrebende deutsche Nationalspieler als allererstes zum FC Bayern wollten, gab es diesen Sommer alleine mit Nick Woltemade und Florian Wirtz gleich zwei Spieler, die sich letztendlich für andere Vereine entschieden.

Was aber viele dabei vergessen, ist dass, wenn man die Kommunikation der Bayern-Führungsriege in der Außendarstellung mal ausklammert, die vier Neuzugänge Luis Diaz, Tom Bischof, Jonathan Tah und Nicolas Jackson im Großen und Ganzen ordentliche Transfers sind und Transfers, die auch was die jeweiligen Positionen angeht, durchaus Sinn machen.


Kritisch muss man, was die reine Transferleistung angeht, allerdings anmerken, dass einige der Transfers (Diaz, Jackson) definitiv zu teuer waren und dass der Kader von der Tiefe her komplett auf Kante genäht ist.

Hier hat man nicht wirklich etwas gelernt von der Verletzungsmisere der letzten Saison, die am Ende das Aus im Viertelfinale der Champions League bedeutete. Hier brauch es dieses Saison definitiv auch eine große Portion Glück, dass die Langzeitverletzten wie Alphonso Davies (Kreuzbandriss) und Jamal Musiala (Knöchelbruch) wirklich im Vollbesitz ihrer fußballerischen Kräfte zurück kommen und - vor allem - keine neuen Verletzten dazu kommen - insbesondere, was die Champions-League-Ziele der Bayern angeht.

Auch Verbesserungen in der Kommunikation der Führungsriege rund um Uli Hoeneß und Max Eberl, auch was die Einheitlichkeit ihrer Aussagen angeht, wäre allen Bayern-Fans sehr zu wünschen, da diese in einigen Fällen nicht grade geholfen haben, gewisse Wunschspieler wie Florian Wirtz zu bekommen.

PLATZ 09: FC AUGSBURG (Note: 2-)

Spannendster Transfer: Han-Noah Massengo (24 Jahre, für 3 Millionen vom FC Burnley, Zentrales Mittelfeld)

Von solchen zusätzlichen Herausforderungen wie Dreifachbelastung bleibt der FC Augsburg diese Saison zum Glück verschont, weniger aber von den eigenen neu geschürten Erwartungen - den Erwartungen, mit Sandro Wagner wieder schöneren und offensiveren Fußball zu spielen und auch neben dem Platz für mehr Glamour und Aufmerksamkeit zu sorgen.

Zweiteres ist Sandro Wagner, das beweisen schon die bisherigen PKs, definitiv mehr als zuzutrauen, nach wirklich viel Offensivfußball sieht der aktuelle Kader trotz Neuzugänge allerdings noch nicht aus.

Insbesondere der Abgang von Frank Onyeka schmerzt hier beträchtlich, auch wenn man bereits versucht hat mit Han-Noah Masengo einen weiteren offensiven Mittelfeldspieler als direkten Ersatz zu holen. Auch mit Anton Kade (FC Basel), Elias Saad (St. Pauli), Robin Fellhauer (SV Elversberg) und nicht zuletzt dem ehemaligen PSG-Talent Ismael Gharbi (Sporting Braga) hat man sich mit durchaus interessanten Leuten verstärkt.

Im Fokus der Augsburger soll aber diese Saison ganz klar die Jugendarbeit sein, wo insbesondere die eigenen Talente Noakai Banks und Mert Kömür herausstechen.

Im Großen und Ganzen kann man daher sagen, dass die Fuggerstädter sich hier durchaus auf einem guten langfristigen Weg befinden, ob der Kader aber für die ganz große Euphorie, gleich in Sandro Wagners erster Saison sorgen wird, das muss man erstmal abwarten.

PLATZ 08: SC FREIBURG (Note: 2-)

Spannendster Transfer: Igor Matanovic (22 Jahre, für 6,7 Millionen von Eintracht Frankfurt, Mittelstürmer)

Auch beim SC Freiburg heißt unsere Einschätzung ganz klar: Stillstand auf, gemessen an den finanziellen Möglichkeiten, sehr (!) hohem Niveau. Eine Entwicklung wie bei Eintracht Frankfurt ist hier nach Ablauf dieses Transferfensters zwar noch nicht zu erkennen, solide gewirtschaftet wurde hier aber allemal, so wie man es eben von den Breisgauern kennt.

Hinzu sind einige Neuzugänge im Kader, deren nächster Entwicklungsschritt für viele spannend zu sein könnte, darunter Derry Scherhant (Hertha BSC) und Igor Matanovic (Eintracht Frankfurt).

Während es bei Matanovic vor allem die Konkurrenz im Eintracht-Kader war, die seinen nächsten Schritt zum Top-Bundesliga-Stürmer bislang verhinderte, waren es bei Scherhant eher charakterliche Schwierigkeiten in einem unruhigen Trainerumfeld. Hier sieht der SC Freiburg für beide auf jeden Fall wie ein guter nächster Karriereschritt aus.

Als eines der spannendsten Talente ist sonst mit Sicherheit Cyrique Irié zu nennen, ein junger Westafrikaner, der fast seine gesamte Jugend in Burkina Faso gespielt hat und erst spät nach Europa gekommen ist. Auch mit Yuita Suzuki hat man noch einen weiteren Offensivspieler geholt, der wohl noch am ehesten den Abgang seines Landsmanns Ritsu Doan wettmachen sollte. Hier liegt auch unser einziger Kritikpunkt: Der Abgang von Doan wurde unserer Meinung nach qualitativ nicht ausreichend ersetzt, damit der SC Freiburg noch einmal eine Fast-Champions-League-Saison wie in der letztjährigen Debüt-Saison unter Julian Schuster spielen könnte.

Andererseits, wie oft hat man das jetzt bei den Breisgau(n)ern predicted und wie oft haben sie einen dann doch wieder eines besseren belehrt?

PLATZ 07: FC St. Pauli (Note: 2)

Spannendster Transfer: Joel Chima Fujita (23, für 3,5 Millionen vom VF St. Truiden, Zentrales Mittelfeld)

Nicht wenige hatten den Verein mit dem kleinsten Etat der Bundesliga schon klar auf einem Abstiegskampf vermutet, insbesondere als dann mit der Zeit klar wurde, dass mit Elias Saad, Philipp Treu und Top-Goalgetter Morgan Guilavogui gleich drei Top-Spieler den Verein verlassen würden.

Dass ein Club wie St. Pauli, dessen Gesamtetat mit rund 50 Millionen grade mal das umfasst, was alleine ein Jamal Musiala bei den Bayern in zwei Jahren an Gehalt bekommt, das kompensieren kann, hätte wohl vor dem Beginn des Transferfensters kaum jemand gedacht. Doch dann füllte sich der Kader nach und nach immer mehr und erst als mit 20-Tore-Mann Martijn Kaars vom 1. FC Magdeburg dann noch ein (zumindest für Zweitligakenner) Top-Knipser ans Millerntor kam, merkte man plötzlich wie gut die Mannschaft eigentlich schon war.

Insbesondere das Verlangen nach mehr Offensivqualität von Trainer Alexander Blessin hat bei der Vereinsführung ganz offensichtlich Gehör gefunden, hat man hier doch mit Stürmer Matias Pereira Lage (Stade Brest), Ricky Jade Jones, Schienenspieler Arkadiusz Pyrka plus Leihspieler und Mittelstürmer Andreas Hountondji gleich vier offensiv-orientierte Spieler geholt. Neue Ausrichtung also bei den Kiezkickern?

Die ersten Spiele, u.a ein 3 : 3 gegen den BVB am ersten Spieltag (nach 1 : 3 Rückstand wohlgemerkt) könnte das durchaus vermuten lassen. Wenn dann noch Verteidiger wie Eric Smith und Hauke Wahl, die letzte Saison gemeinsam mit Top-Torwart NIkola Vasilj und Elfmeterkiller die zweitbeste Defensive der Liga stellten, wieder an die letzte Saison herankommen, könnte auch St. Pauli ein Verein sein, der dank dieses äußerst kreativen Transferfensters, weitaus schneller als von vielen erwartet, den Klassenerhalt sichern könnte.

PLATZ 06: RB LEIPZIG (Note: 2)

Spannendster Transfer: Conrad Harder (20 Jahre, für 24 Millionen von Sporting Lissabon, Mittelstürmer)

Auch bei RB Leipzig hat man diesen Sommer einen großen Umbruch zu verzeichnen, im Gegensatz zu Leverkusen hat man hier jedoch zumindest im Mittelfeld und in der Defensive seine Achse größtenteils halten können.

Dennoch fragt man sich bei den Leipzigern seit Jahren ein wenig, wo die Reise langfristig hingehen soll. Hierfür sorgten nicht nur Aussagen, wie die von Oliver Mintzlaff "RB Leipzig könne mit den Ergebnissen der letzten Saisons nicht zufrieden sein" (wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, wo man noch Champions League spielte), sondern auch die ebenso medienwirksame wie polarisierende Einstellung von Jürgen Klopp im RB-Kosmos.

Wer damit aber erwartete, dass man in Johann-Sebastian-Bach-Stadt mal einen neuen Weg gehen könnte, der nicht nur heißt, junge Talente zu entwickeln, um sie auf ihrem Piek wieder zu verkaufen, der sah sich diesen Sommer dann doch bitter enttäuscht.

Das mit insgesamt 32 Toren herausragende Top-Trio im Sturm Lois Openda (zu Juventus Turin gewechselt), Xavi Simons (zu Tottenham gewechselt) und Benjamin Sesko (Abgang zu Manchester United) wurde hier stattdessen einfach mal komplett verkauft und die Neuzugänge sind auch alles größtenteils Spieler unter 22 Jahren, wo trotz teilweise hoher Ablösen jetzt schon klar ist, dass das natürlich noch keine fertigen Spieler sind.

Dennoch ist das Potenzial von Spielern wie Johan Bakayoko, Ezechiel Banzuzi, Yan Diamondé und Andrija Maksimovic, wie auch dem neuen Sturmduo Romulu und Conrad Harder natürlich unbestritten. Somit werden die Roten Bullen unter Ex-Bremen-Trainer Ole Werner in dieser Saison (ihrer ersten Bundesliga-Saison, wo sie nicht gleichzeitig europäisch spielen) vor allem Eines sein: Eine Wundertüte, wo aktuell sowohl nach oben als auch nach unten alles möglich zu sein scheint.

PLATZ 05: VFB STUTTGART (Note: 2)

Spannendster Transfer: Chema Andrès (20 Jahre, für 3 Millionen von Real Madrid Castilla, Zentrales Mittelfeld)

Das Transferfenster der Stuttgarter stand in diesem Sommer hingegen ganz klar im Schatten von einem Namen: Nick Woltemade, dem Stürmer der kaum mehr als eine halbe Saison Bundesliga spielte und dennoch gefühlt jede Woche schon auf dem Absprung zu den Bayern oder einem anderen Top-Club stand.

Letztendlich ist es dann allerdings Newcastle United geworden, die sich die Dienste des Goalgetters am Ende für schlappe 90 Millionen Euro gesichert hatten: In puncto Einnahmen für die Stuttgarter wahrscheinlich der erfolgreichste Transfer in der Vereinsgeschichte, wenn man bedenkt, dass man ihn einen Sommer zuvor noch ablösefrei aus Bremen geholt hatte.

Als einzigen Kritikpunkt kann man daher eigentlich nur nennen, dass es aufgrund der Kürze der Zeit am Ende nicht mehr gelungen ist, für Woltemade noch einen passenden Ersatz zu finden.

Während man zuvor für den nach Saudi Arabien abgewanderten Enzo Millot mit neuen extrem spannenden Spielern im Mittelfeld, wie Noah Darvich, Lazar Jovanovic, Tiago Tomas, Chema Andrès und nicht zuletzt Megatalent Bilal El-Khanouss noch einmal richtig gut nachlegen konnte, war am Ende im Fall Woltemade einfach die Zeit zu knapp.

Auch die in der letzten Ligasaison manchmal etwas wacklige Defensive hat man in unseren Augen ein bisschen vernachlässigt, beziehungsweise hier einzig und allein mit Lorenz Assignon auf der Rechtsverteidigerposition als Vagnoman-Backup nochmal wirklich nachgelegt. Ein mindestens gutes Transferfenster haben die Stuttgarter diesen Sommer aber definitiv hingelegt.

PLATZ 04: VFL WOLFSBURG (Note: 2+)

Spannendster Transfer: Vinicius Souza (26 Jahre, für 15 Millionen von Sheffield United, defensives Mittelfeld)

Auch wenn die letzte Saison mit Platz 11 wieder einmal eine Enttäuschende war, hat das nichts an dem Selbstbewusstsein der Wölfe auf dem Transfermarkt geändert. Mit Jonas Wind und vor allem Mohammed Amoura, dem Top-Stürmer der letzten Saison, gleich beide seiner wichtigen Goalgetter gehalten, hinzu noch mit Vinicius Souza endlich den Abräumer geholt, den eher kreativere Mittelfeldspieler wie Maximilian Arnold unbedingt neben sich brauchen.

Auch der sehr dänisch-orienterte Anschlag der Transfers mit nun Dänen fünf und sechs im Kader (Adam Daghim) und Ex-Frankfurt-Star Jesper Lindström zeigen, dass man in Wolfsburg nicht nur neue Wege gehen möchte, was die Auswahl an Märkten angeht (Grüße an den BVB), sondern der derzeit amtierende Geschäftsführer Sport Peter Christiansen auch keinen Hehl aus seinen guten Kontakten in sein Heimatland macht.

Der überraschendste Transfer war sicherlich noch der Nach-Deadline-Day-Transfer des zu dem Zeitpunkt vereinslosen Mittelfeldspielers Christian Eriksen, der wahrscheinlich bekannteste und beste dänische Nationalspieler der letzten fünfzehn Jahre.

Ganz im Gegenzug dazu steht dann allerdings die Trainerverpflichtung von Rookie Paul Simonis oder Talenten, wie Aaron Zehnter, der vor diesem Transferfenster bislang nur FM-Zockern und Zweitligafans ein Begriff war, umso mehr aber Potenzial hätte, diese Saison noch mal den nächsten Schritt zu gehen. Hier setzt man seitens der Vereinsführung wieder ganz klar auf Risikobereitschaft und Experimentierfreude.

Sollte das Trainerexperiment klappen, könnte den Wölfen daher durchaus dank eines gut bis sehr guten Transferfensters wieder eine erfolgreichere Saison bevorstehen.

PLATZ 03: TSG HOFFENHEIM (Note: 1-)

Spannendster Transfer: Leon Avdullahu (21, für 8 Millionen vom FC Basel, zentrales Mittelfeld)

Ebenso wie bei Bayer Leverkusen könnte man auch bei der TSG Hoffenheim einen kompletten Kickfieber-Artikel damit füllen, einfach nur alle Namen der Neuzugänge aufzulisten: Großer Umbruch war auch hier das Stichwort, angesichts der letzten Horrorsaison, die auf Platz 15 endete, aber auch verständlich.

Dennoch muss man sagen, dass die Hoffenheimer gewisser Klischees zum Trotz nicht einfach nur Geld aus mysteriösen Quellen rausgeballert haben, sondern wirklich klug agiert haben.

Zum einen hat man sich mit Spielern Stanley N'soki, Florian Grillitsch und Pavel Kaderabek erfolgreich von einigen Altlasten getrennt, zum anderen hat man auch seine Jugendarbeit extrem entwickelt.

Insbesondere die Leihrückkehrer der vergangenen Saison, ganz vorne die beiden Ex-Elversberg-Stars Muhammed Damar und Fisnik Asllani könnten diese Saison für die Kraichgauer möglicherweise schon mehr wert sein als fünf Zwanzig-Millionen-Transfers.

Auch seinen Top-Mittelfeld-Mann Anton Stach hat man für genau diese 20 Millionen erfolgreich an Premier-Leagist Leeds United abgegeben, sich im Gegenzug aber sofort wieder mit neuen spannenden MIttelfeldspielern wie Wouter Burger, Leon Avdullahu, wie auch Innenverteidiger Bernardo verstärkt, der lange den Rekord für den schnellsten Innenverteidiger der Bundesliga hielt.

Auch dass man auf die schwere Verletzung des Neuzugangs Koki Machida bereits innerhalb weniger Tage Albian Hajdari als weiteren Neuzugang reagieren konnte, zeigte, dass man diesen Sommer wirklich auf alles vorbereitet war. Bleibt nicht zuletzt noch die ablösefreie Verpflichtung von Köln-Stürmer Tim Lemperle, die auf eine deutlich erfolgreichere Saison der Hoffenheimer schließen lässt.

PLATZ 02: EINTRACHT FRANKFURT (Note: 1-)

Spannendster Transfer: Ritsu Doan (27 Jahre, für 21 Millionen vom SC Freiburg, offensives Mittelfeld)

Scheinbar unscheinbar, aber umso effektiver hat die Eintracht diesen Sommer auf dem Transfermarkt agiert. In Sachen Ablösen seit Jahren sowieso schon der Top-Verkäufer der gesamten Bundesliga, ist man in diesem Jahr auch in Sachen Käufen sogar noch mal cleverer vorgegangen als in der Vergangenheit.

Dennährend man in den vergangenen Jahren immer sehr auf junge Talente gesetzt hat, ist man in diesem Jahr schon fast bayern-esk eher danach gegangen: Wie können wie unseren Kader kurz und langfristig verstärken - und vor allem auch - wie schwächen wir damit vielleicht auch indirekt unsere direkte Konkurrenz?

Denn darum und nur darum wird es bei der Eintracht in den nächsten Jahren gehen, dieses neue Image als regelmäßiger Europa-, wenn nicht sogar Champions-League-Club irgendwie zu halten.

Hierfür sind Transfers wie Ritsu Doan (SC Freiburg) wie auch der langjährige Mainz-05-Starstürmer und Nationalspieler Jonathan Burkardt natürlich perfekt. Ein kleines Fragezeichen steht höchstens noch in der Entwicklung von Ellye Wahi, den man schon in dem vorherigen Wintertransferfenster geholt hat und der seinen hohen Kaufpreis bislang noch schuldig geblieben ist. Gelingt es Dino Toppmöller Ellye Wahi auch noch gut in die Mannschaft zu fügen könnte mit ihm und Burkardt bereits schon wieder das nächste Stürmer-Top-Duo der Marke Ekitiké und Marmoush bereit stehen - so wie auch sonst eine Mannschaft, die bis auf den abgewanderten Innenverteidiger Tuta in großen Teilen zusammen geblieben ist und dessen junge Talente vom letzten Jahr wie Jean-Michel Bahoya und Can Uzun nun auch alle noch einmal ein Jahr älter und reifer geworden sind.

In diesem Sinne - trotz weniger Kaderbewegungen wieder einmal die Note "1" für Manager Markus Krösche. Mit dem kleinen minus in puncto Ellye Wahi, dessen möglicher wahres Potenzial sich dann spätestens diese Saison auch wirklich zeigen muss, damit der Abgang von Ekitiké nicht im Verlauf des Saison doch noch mehr nachwirkt, als Fans bislang vermuten.

PLATZ 01: 1. FC KÖLN (Note: 1)

Spannendster Transfer: Isak Johannesson (22 Jahre, für 5,5 Millionen von Fortuna Düsseldorf)

Wie kann man seinen größten Erzrivalen am meisten ärgern? Vielleicht in dem man ihn sowohl im Aufstiegskampf schlägt und damit für die kommende Saison den Spaß eines direkten Derbys nimmt, als auch ihm dann noch seinen besten Spieler wegkauft?

Isak Johannesson (Fortuna Düsseldorf) war dieser erste Transfer, wo man als Köln-Fan schon ein bisschen das Gefühl hatte - wow, da geht was. Als dann kurzzeitig später auch noch Neu-Trainer Lukas Kwasniok verpflichtet wurde, begann es dann schließlich: Nach der leidigen einjährigen Transfersperre das vielleicht krasseste Transferfenster der jüngeren Kölner Vereinsgeschichte.

Ragnar Ache, Top-Stürmer vom FC Kaiserslautern, dazu noch Marius Bülter von der TSG Hoffenheim, Weltmeister Ron-Robert Zieler von Hannover 69 plus dann auch noch spannende Namen wie Kristoffer Lund (Palermo), Sebastian Sebulonsen (Brondby) und Alessio Castro-Montres, ein weiteres Top-Talent des früheren Victor-Boniface-, Mo-Amoura und Deniz-Undav-Clubs Union St. Gilloise, der mehr und mehr zu Deutschlands Lieblings-Talentschmiede für Offensivspieler geworden ist.

Diese Transfers machten dann schon fast vergessen, dass man Spieler wie Tim Lemperle und Dzenan Ljubicic ablösefrei verloren hat, denn generell hat sich die neue Führungsrige um Keller-Nachfolger Thomas Kessler seit Der Verpflichtung von Kwasniok verhalten wie absolute Bosse - wie ein Verein, der ganz klar sagt: Abstiegskampf? damit sollen sich andere Vereine befassen. (Dies bewiesen dann auch schon die ersten Saisonspiele: Völlig wilde Vorbereitungsspiele wie ein 4 : 0 gegen Champions-Ligist Atalanta Bergamo, wie auch ein furioses 4 : 1 gegen Europa-Teilnehmer Mainz 05.)

Und ja - natürlich muss man bei einem Verein wie dem Effzeh immer aufpassen, die Erwartungen nicht zu hoch zu hängen, das abgelaufene Transferfenster (dazu noch junge Talente wie der bislang herausragend aufspielende Leihrückkehrer Said El-Mala) wie auch der bisherige Saisonstart verdienen aber bislang nur eine Note:

Eine glatte Eins plus der wohlverdiente erste Platz in unserem Kickfieber-Ranking.

5. Niederlage trotz Martijn Kaars: Was ist los mit St. Pauli?

Eigentlich sollte Neuzugang Martijn Kaars der Stürmer sein, der den defensivstarken Kiezkickern nun auch offensiven Glanz verleiht. Doch mit bislang 0 Toren kommen und er sein Team bislang noch nicht so wirklich gut in die Saison. Woran liegt es?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 29 August 2025, 22:42

Mit Martijn Kaars vom 1. FC Magdeburg hat der FC St. Pauli nun endlich den von den Fans langersehnten Neuner geholt, mit 19 Toren den zweittorgefährlichsten Stürmer der vergangenen Zweitligasaison.

Die Frage sollte nach den ersten beiden Bundesligaspieltagen (4 Punkte in 2 Spielen) daher eigentlich schon zu Recht lauten, ob die Kiezkicker die Nase voll davon haben nur als Defensivmacht der Liga zu gelten, waren sie doch in der zweiten Liga einst als die Mannschaft bekannt, die unter Fabian Hürzeler mit den schönsten und begeisterndsten Offensivfußball gespielt haben, die man seit Jahren in dieser Liga gesehen hat. (Bild: IMAGO / DeFodi Images)

Nach einer eher defensiv starken ersten Bundesligasaison unter seinem Trainernachfolger Alexander Blessin deutete diese Saison zumindest vieles darauf hin, dass man in dem sonst so gefürchteten "verflixten zweiten Bundesliga"-Jahr nun den nächsten Schritt gehen wollte, was offensive Spritzigkeit und Spielfreude angeht.

4 ungeschlagene Spiele in Serie zum Saisonstart (wo man u.a. sogar gegen Niko Kovac's BVB-Defensivbollwerk 3 Tore schoss) deuteten daraufhin, dass dies tatsächlich auch gelingen könnte.

Doch seit 5 Spielen läuft auf einmal alles gegen die Kiezkicker. Warum aber funktioniert der neue Plan auf einmal nicht mehr?

Unglückliche Situationen

Wie sagt man so schön: "Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu". Dies trifft auf jeden Fall auf viele Spielsituationen der St.-Paulianer in den letzten fünf Spielen zu.

Sei es ein frühes Gegentor im 0 : 1 gegen Werder Bremen, ein passives Abseitstor (welches gleichzeitig auch das erste Saisontor für Martijn Kaars hätte werden können) gegen die TSG Hoffenheim, wie auch unglückliche extrem bittere Verletzungen, wie die von James Sands oder Karol Metz.

Es schien, als ob das Schicksal es irgendwie wollte, dass der Verein mit dem niedrigsten Kadermarktwert der gesamten Liga wieder dort eingestuft wird, wo er sich wahrscheinlich auch selbst vor der Saison gesehen hat - natürlich super schade für die Fans und die grade aufgekommene Euphorie.

Unglückliche Chancenverwertung

Dennoch muss man leider auch die Chancenverwertung der Stürmer ansprechen, wenn man über die aktuelle Krise der Hamburger spricht. Als Verein, der in Sachen Torschüssen nach wie vor auf Platz 8 der Ligatabelle steht mit nur einem Tor in 5 Spielen herauszukommen - das ist definitiv zu wenig.

Und das ist sogar nur die halbe Wahrheit: Wenn man sich nämlich die Anzahl der Angriffe in gefährlichen Zonen anschaut, wird klar, dass es häufig sogar nicht mal der letzte Abschluss, sondern oft sogar schon der entscheidende Pass zuvor war, der ins Leere ging.

Im Mittelfeld oft noch extrem pressingstark, dann meist über den nach wie vor starken Joel Chima-Fujita kommend, war es dann nicht selten Andreas Houtondji, wie auch sein Stürmer Mathias Pereira Lage, denen es in den entscheidenden Situationen rapide an Entscheidungsfindung mangelte. "Spiel ich jetzt ab oder probiere ich es selbst? Geh ich ins eins gegen eins oder spiel ich nochmal zurück?" Nicht selten kam dann beim Zuschauer irgendetwas dazwischen heraus, was bekanntlich selten gut geht, wie hier im letzten Spiel gegen Eintracht Frankfurt (0 : 2) unter anderem zu sehen ist:

Unglückliches Passspiel

Obwohl man in Sachen Passquote auf einem passablen Platz 13 liegt, muss man aber auch hier klar differenzieren zwischen Pässen im hinteren und Pässen im vorderen Drittel. Hier zeigte sich der vordere Teil der Mannschaft zwar immer ambitioniert und weit entfernt von der defensiven Harmlosigkeit der Kiezkicker in der letzten Saison, nur wirkte es eben oft noch sehr unausgegoren.

Das typische Aufwärtsraunen eben, wenn das ganze Stadion das Gefühl hat, jetzt kommt es zu einem toll ausgespielten Angriff, gefolgt von dem typischen Abwärtsraunen, wenn der Ball dann doch wieder nur irgendwo im Nirvana landet. Auch die Einbindung von Martijn Kaars funktionierte aufgrund dieser Mängel bislang noch nicht wirklich.

Diese Tendenz hat sich sogar bereits in den ersten Spielen angedeutet, wo man zwar z.B. gegen den BVB ein 1 : 3 noch in der Schlussphase zu einem 3 : 3 ummünzte, dies allerdings auch nur dank eines Elfmeters und eines Fernschusses von Verteidiger Eric Smith.

Und klar - man darf hier nicht unerwähnt lassen, dass fast die gesamte Offensive aus Fujita, Kaars, Hountondji, und Pereira Lage aus Neuzugängen besteht: Neuzugänge, die vielleicht einfach noch Zeit brauchen, um sich einzuspielen und einzeln sicherlich alle unbestritten ihre Qualität haben:

Defensive Probleme

Allerdings hat auch die Defensive diese Saison so seine Probleme - und das obwohl man diese überraschenderweise mit Eric Smith, Hauke Wahl, Karol Mets und Adam Dzwigala diesen Sommer fast vollständig halten konnte, beziehungsweise mit den beiden Außenverteidigern Arkadiusz Pyrka und Bielefeld-Pokalhelden Louis Oppie sogar noch verstärken konnte. Innenverteidiger Hauke Wahl brachte dies schon nach dem 3 : 3 am 1. Spieltag in einem Interview auf den Punkt:

"Ich bin froh über die Aufholjagd und dass wir drei Tore geschossen haben. Aber defensiv können und müssen wir besser arbeiten, uns fehlt aktuell die Konzentration hinten."

Dies zeigt auch der Blick auf die Statistik: War St. Pauli letzte Saison noch das (!) Team der Extreme (Platz 1 in Sachen wenigste Tore, aber gleichzeitig auch Platz 1 in Sachen wenigste Gegentore in der gesamten Liga) sieht das diese Saison schon etwas anders aus.

Denn hier steht man in Sachen Offensive mit 8 Ligatoren zwar immer noch nicht toll da, zumindest aber aktuell vor Mönchengladbach (6), Heidenheim (7) und auch dem Stadtrivalen HSV (7). Dafür ist man aber mit insgesamt 13 Gegentreffern in Sachen gute Defensivarbeit aktuell nur noch Elfter.

Erleben wir hier möglicherweise ein ähnliches Problem wie aktuell beim FC Augsburg, der als ein Verein, der ebenfalls immer Defensive First dachte, aktuell unter Sandro Wagner mit 20 Gegentreffern sogar die schlechteste Defensive der Liga stellt? Das Problem, dass Teams mit geringerem Kadermarktwert in dem Moment, wo sie versuchen schöneren und offensiveren Fußball zu spielen von den Teams mit teureren Kadern einfach aufgefressen werden?

Die Tendenzen sind hier vielleicht noch nicht so dramatisch wie beim FCA, aber auch St. Pauli muss, was das angeht, in der Bundesliga aufpassen.

Spielplan bringt Hoffnung

Der Spielplan könnte dann aber wiederum wieder Grund zur Hoffnung geben. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass die vergangenen Gegner Hoffenheim, Frankfurt, Leverkusen und Dortmund schon alles ziemliche Brocken waren, Teams mit extrem starken Offensiven, wo man sehr schnell mal Tore fressen kann, wenn man nicht höllisch aufpasst.

Der kommende Spielplan meinst es dann schon wieder besser mit den Kiezkickern: Auf zwei Heimspiele gegen die TSG Hoffenheim (DFB-Pokal) und Tabellenschlusslicht Borussia Mönchengladbach folgt ein Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg. Letzteres mag sich erstmal gar nicht so leicht anhören, aber Kenner werden sich an die vielleicht lustigste Statistik der letzten Saison:

So wie der FC St. Pauli badenwürttembergischen Boden betraten, gewannen sie ihre Spiele allesamt, ganz egal, ob die Gegner Hoffenheim, Stuttgart, Freiburg oder Heidenheim hießen.

Ganz entscheidend werden dann aber die Spiele danach, wo mit Union, Köln, Heidenheim und Mainz genau die Gegner kommen gegen die man unbedingt Punkte holen muss, um dramatischere Abstiegssorgen zu verhindern.

Und wer weiß, vielleicht bekommt in diesen Spielen dann auch Martijn Kaars nochmal einen ähnlichen Lauf wie in der vergangenen Saison beim 1. FC Magdeburg. Zu wünschen wäre es dem Niederländer, der in der vergangenen Saison in Sachen Tempo, Einsatzwillen, Ausdauer und Abschlusstärke definitiv einer der komplettesten Stürmer der beiden deutschen Top-Ligen war, allemal.

Fazit: Ruhe bewahren und weiter machen

Leon Buche
Leon Buche

5 Niederlagen und nur 1 Tor in 5 Spielen sind ein Brett. Dennoch sehe ich die Krise bei St. Pauli noch nicht so dramatisch, wie bei Vereinen wie Augsburg, Gladbach oder auch Mainz. Denn im Gegensatz zu diesen Vereinen waren bei St. Pauli Verein und Fans immer und schon vor der Saison auf den Abstiegskampf auch im 2. BuLi-Jahr vorbereitet.

Die größere Überraschung als die aktuelle Formkrise war eigentlich eher der überraschend gute Saisonstart, wo man vier Spiele hintereinander ungeschlagen blieb und auch fußballerisch wirklich überzeugt hat.

Ruhe bewahren und weiter machen, sollte daher das Kredo lauten - und wenn man sich damit abfinden muss, dabei doch wieder das St. Pauli der letzten Saison zu werden - ein Team, was einfach defensiv gut steht, nicht immer die Sterne vom Himmel spielt, aber am Ende eben die Punkte holt, die für den Klassenerhalt ausreichen.