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Shopping Guide zum 1.FC Köln: Welche Transfers könnten die Kölner im Sommer 2025 verstärken?

Im Shopping Guide zum 1.FC Köln findet ihr unsere Vorschläge für Verstärkungen im Sommer 2025.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 23 Mai 2025, 10:59

Der FC Köln ist zurück. Nicht nur in der Bundesliga, sondern – nach einer einjährigen Transfersperre – auch wieder als Player auf dem Transfermarkt. Vorbei ist die Zeit, wo man zwar Spieler kaufen, diese jedoch nicht registrieren durfte. Der Effzeh kann wieder zuschlagen, natürlich mit dem Ziel die Fahrstuhlsaisons der letzten Jahre hinter sich zu lassen und wieder ein dauerhafter Bundesligist zu werden. Hier ein kleiner Blick in die Glaskugel im Hinblick auf die kommende Saison. (Bild: IMAGO / Eibner)

Aktuelle Situation

Mit zwar nicht immer berauschendem, aber dennoch effektivem Fußball schaffte der 1. FC Köln am letzten Spieltag die Zweitligameisterschaft. Damit kehrt nach dem HSV dieses Jahr ein weiterer Verein zurück ins Oberhaus, mit dessen Fan-Wucht und Stadionatmosphäre bis auf Borussia Dortmund, den Bayern, Eintracht Frankfurt und vielleicht noch den VFB Stuttgart kaum ein Verein in Deutschland mithalten kann.

Und wenn es um die Kölner Seele geht, müsste die Frage längst schon lauten, ob man damit nicht eigentlich schon wieder von Europa träumen kann. Spaß beiseite! Natürlich schätzt man die Situation realistisch ein, wenn natürlich jener immer leicht fiebrige Größenwahn der FC-Fans genauso zu diesem besonderen Club gehören muss, wie wilde Daydrinking-Eskapaden von Profispielern, inklusive Prügeleien mit im Rotlichtmilieu ansässigen Dachdeckern mit Stadiondauerkarte.


Aber halb so schlimm, Tim Lemperle: Wenn man so kurz vor einem Wechsel zu TSG Hoffenheim steht, einem Verein, wo man sich bis heute fragt, ob die Geisterspielregel dort eigentlich jemals wieder aufgehoben wurde, dann muss man natürlich in seiner letzten Woche am Rhein nochmal richtig die Sau rauslassen.

Wer kann das nicht verstehen – oder wie Thomas Müller sagen würde: „Wer wissen will, wie man 4:0 gewinnt, sollte vielleicht auch mal vor dem Spiel für drei Tage nach Ibiza fliegen“. Und wenn sich irgendein Bankbeamter am Wochenende im Kölner „Bootshaus“ mal 30 Kölsch hinter die Pudelmütze kippen darf, warum soll das ein Profi-Fußballer nicht auch dürfen.

Genau für diese etwas entspanntere Einstellung liebt man die FC-Fans. Die und deren Leidenschaft für ihren Verein und ihre Stadt sind und bleiben auch nach wie vor die große Konstante. Das ist auch wichtig, da sonst rund um den Club aktuell leider nur wenig konstant ist. Zwei Tage vor Saisonende Trainer weg, Sportdirektor weg, Top-Stürmer kriegt auf einem Badeschiff mit 2,2 Promille eins auf die Nase - das alles klingt mehr nach „Scheiß auf den FC Hollywood da im Süden. Für uns liegt Hollywood immer noch an der Westgrenze“ als nach einer ruhigen Bundesligasaison.

Und wenn dann kurz vor dem Saisonende nach dem Kölner Keller auch noch der Christian Keller (ehemaliger Sport-Geschäftsführer beim Effzeh) das Kölner Rampenlicht verlässt, brauch es auch keinen Videobeweis mehr, um zu sehen, dass es diesen Sommer definitiv viel zu tun gibt.

Immerhin eines hat man dem nördlichen Nachbarn aus Leverkusen vorraus: Im Gegensatz zur Werkself hat man seinen Invincible-Trainer nachwievor, nämlich Deutschlands Lieblingsfeuerwehrmann und 7maliger Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel - vor dem vorletzten Spieltag angerufen, eingestellt und voilà – kein Spiel verloren plus kein Unentschieden: Das hat nicht einmal Xabi Alonso geschafft.

Dass man da sofort für eine weitere Saison verlängern muss, liegt natürlich auf der Hand, der ungeliebte Pillenclub, der da am Open-Air-Parkhaus vor den Kölner Stadttoren auch noch so’n bisschen Bundesliga spielt, könnte ja sonst womöglich auf falsche Gedanken kommt. Immerhin sucht man auch dort ja noch nach einem neuen Trainer.

Oder bringt mal doch mal echten Pep in die Bude und holt sich Sandro Wagner an die Seitenlinie des Rhein-Energie-Stadions? Ein immer im Schaufenster stehender Trainer mit echter „Edel-Assi“-Attitüde wäre doch nur gemacht dafür, Ruhe in die hitzige Kölner Medienlandschaft zu bringen (Ironie aus). Dann vielleicht doch lieber Horst Steffen, der saarländische Albus-Dumbledore, der in Elversberg aus irgendwelchen No-Name-Leihspielern plötzlich Ballzauberer und deutsche Nationalspieler macht. Und last but not at least wäre da ja auch noch Lukas Kwasniok? Vorherige Station Paderborn, leicht wahnsinnige Atittüde an der Seitenlinie, hält Torhüter, die sich zu Boden werfen, wenn sie, bei – 5 Grad bibbernd im Tor stehend - von Union-Fans liebevoll ein Feuerzug zugeworfen bekommen, für Weicheier: Da fehlt doch eigentlch nur noch die Schiebermütze. Lukas Kwasniok, der neue wiederauferstandene Geist von Steffen Baumgart? Wobei – lieber nicht, sonst ruft noch Aki Watzke über den S.O.S.-Notruf an.

Soviel zur aktuellen Situation in Köln. Nun aber wieder zu den ernsten Dingen im Leben. Schauen wir auf den Kader:

Außenverteidiger

Auf der Torwartposition ist zumindest erstmal alles fein. Marvin Schwäbe hat sich nach dem überraschend erfolgreichen Abgang von Jonas Urbig zum FC Bayern wieder gut durchgesetzt und auch mit Anthony Racioppi und Matthias Köbbing verfügt man über gute Alternativen.

Auf der Linksverteidigerposition sieht es da schon kniffliger aus. Denn leider sieht es aktuell danach aus, dass mit Max Finkgräfe mal wieder ein aus der eigenen Jugend hochgezogenes Talent den Verein verlassen könnte. Bliebe noch Leart Paqarada, genannt „Packer“, allerdings schaffte es auch dieser es bislang noch nicht an seine alte Form beim FC St. Pauli heranzukommen.

Besfort Zeneli (22, IF Elfsborg) wird hier derzeit als eine der heißesten Alternativen gehandelt. Der Halbschwede/Halbkosovare ist sowohl auf der LV-Position, als auch auf der linken Schiene zu Hause und könnte damit dem zuletzt etwas starren Spiel der Kölner wieder deutlich mehr Unberechenbarkeit verleihen. Allerdings läuft sein Vertrag beim schwedischen Erstligisten Elfsborg noch bis 2028 und sein Marktwert wird auf 2,5 Millionen Euro geschätzt, was für die Kölner durchaus ein Risiko darstellen könnte. Denn trotz guten Leistungen in Schweden muss er sich in einer großen Liga erst noch beweisen. Eine weitere interessante Alternative könnte Lasse Günther (22, Karlsruher SC) sein, der im Sommer eventuell sogar ablösefrei zu haben wäre.

Auf der Rechtsverteidigerposition hingegen könnte der Däne Kasper Jörgensen (25, Aalborg BK) ein interessanter Kandidat sein, zumindest erstmal als Backup für Jusuf Gazibegovic, der die Position derzeit als Stammrechtsverteidiger belegt. Dieser Spieler könnte, was die Mischung aus Erfahrung, Flexibilität und Preis angeht, ein echter Coup sein. Denn als ablösefreier Spieler mit einem Markwert von 1,2 Millionen Euro stellt er für den Verein so gut wie gar kein finanzielles Risiko dar. Hinzu ist er 1,85 groß, sehr athletisch und kann sowohl in einem 4-2-3-1-, wie es Friedhelm Funkel zuletzt spielte, als auch in einem 3-4-1-2 als rechter Innenverteidiger spielen.

Dieses System spielte man zum Beispiel beim Zweitliga-Topspiel gegen den HSV, allerdings mit dem Manko, dass durch die Verschiebung von Timo Hübers nach rechts schließlich Eric Martel in die Innenverteidigung abrücken musste. In einer Viererkette musste wiederum in der vergangenen Saison oft der für diese Position viel zu offensive Jan Thielmann aushelfen, was aber überhaupt nicht funktionierte. Kasper Jörgensen hingegen wäre ein Spieler, für den zuallererst das Verteidigen Priorität hätte, was gegen in der Bundesliga nochmal offensiv deutlich stärkere Gegner definitiv sehr hilfreich wäre. Auch Simon Asta (24, Fürth) könnte in dieses Profil passen.

Innenverteidiger

In der Innenverteidigung hat sich Timo Hübers inzwischen zum klaren Abwehrchef entwickelt. Die Frage ist allerdings, wer künftig neben ihm die Arbeit macht. Luca Killian fällt derzeit aufgrund eines Kreuzbandrisses aus, Dominik Heintz, hat in der Rückrunde zwar seine Form wieder gefunden, hat aber immer noch mit dem Ball seine eindeutigen Schwächen und Joel Schmied und Julian Pauli sind zwar vielversprechende Ergänzungsspieler, wirkliche Bundesliga-Erfahrung fehlt ihnen allerdings auch.

Diese hingegen hat Bernardo (30, Bochum) zur Genüge und wäre nicht nur deswegen für Köln ein echter Top-Transfer. Von 2016-2018 für RB Leipzig unterwegs, zwischenzeitlich dann nochmal 3 Jahre beim Partnerclub RB Salzburg, schaffte er es allerdings erst beim VFL Bochum richtig durchzubrechen. Insbesondere in der Saison 2024/2023 war er für die Bochumer der Rückhalt in der Defensive und die Lebensversicherung für den Klassenerhalt. Mit 22 geführten Zweikämpfen pro 90 Minuten führte er in dieser Saison die meisten Zweikämpfe aller (!) Verteidiger in der Bundesliga. Extrem starke 72 % Prozent dieser Duelle entschied er dabei für sich. Für die Kölner könnte er damit gemeinsam mit Timo Hübers ein Innenverteidigerduo bilden, was selbst Bundesligisten aus der oberen Tabellenhälfte das Leben extrem schwer machen könnte. Und auch wenn sein Marktwert mit 5,5 Millionen Euro relativ hoch ist, ist die Verhandlungsposition der Kölner im Fall Bernardo aufgrund der Tatsache, dass Köln und Bochum grade die Ligen getauscht haben, grade diesen Sommer besser denn je. Andere spannende Alternativen in der Innenverteidigung könnten Cedric Zesiger (26, Wolfsburg), wie auch Weltmeister-Bruder Felix Götze (27, Paderborn) sein.

Oder man wagt noch mal etwas ganz abgefahrenes und nimmt mal Maxwell Gyamfi (25, Osnabrück) genauer unter die Lupe. Dieser ist zwar in den letzten Jahren mit seinem Verein bis in die 3. Liga abgerutscht, war aber zu Zweitligazeiten der Dreh- und Angelpunkt der Osnabrücker. Neben seiner Athletik und Körpergröße (1,85), ist es aber vor allem seine Schnelligkeit, die für den Effzeh grade in Umschaltsituationen interessant werden könnte. So war mit 36,5 km/h zwischenzeitlich der schnellste Zweitligaspieler aller Zeiten.

Und welches System auch immer nächste Saison in Köln gespielt wird: Dass eine Dreierkette aus zwei absichernden Innenverteidigern, zum Beispiel Bernardo und Hübers plus einem weiteren Innenverteidiger, der bei Balleroberung blitzschnell umschaltet und die Offensivspieler in Szene setzt, grade in der Bundesliga eine äußerst spannende Taktik wäre, steht außer Frage. Und hier wäre ein Verteidiger, der mit solch einer Geschwindigkeit umschalten kann und zuzüglich ablösefrei zu haben wäre natürlich eine absolute Waffe. Allerdings buhlt der 1.FC Kaiserslautern bereits um die Dienste von Gyamfi und der Wechsel soll nahezu durch sein. Man müsste sich also beeilen.

Zentrales Mittelfeld

Umso mehr braucht es dann aber natürlich im Mittelfeld eine weitere Absicherung, eine „Holding 6“, wie Thomas Tuchel sagen würde. Und warum hier nicht mal einen Mittelfeldspieler der alten Schule verpflichten, einen der im Kölner Spiel in jeder Hinsicht das Prädikat „Harter Hund“ verdient hätte? Die Rede ist von dem Dominik Kohr der zweiten Liga: Dzenis Burnic (26, Karlsruher SC).

Ganze 31 von 34 Spiele bestritt er für die Jungs aus dem Wildparkstadion und sammelte dabei mal eben fünfzehn gelbe Karten ein – den Höchstwert der vergangenen 2.-Liga-Saison. Hinzu war der, einst in der Jugend von Borussia Dortmund ausgebildete, zentrale Mittelfeldspieler mitverantwortlich für den sensationellen Aufstieg vom FC Heidenheim im Jahr 2023. Dennoch entschloss er sich nach dem Aufstieg dazu, den Weg in die Bundesliga nicht mitzugehen, sondern stattdessen beim Karlsruher SC nochmal zwei weitere Jahre Zweitligaerfahrung zu sammeln. Nun aber möchte er den nächsten Schritt wagen und wäre für Köln mit einem Marktwert von 1,2 Millionen Euro auch finanziell kein Hexenwerk.

Ein weiterer Vorteil an einem solchen Transfer wäre zudem, dass Eric Martel, in der abgelaufenen Saison Kölns spielstärker Mittelfeldmann, damit endlich mal die Chance hätte, sich auch am offensiven Kreativspiel zu beteiligen mit dem Wissen, da ist jemand, der ihm den Rücken sichert. Das wird auch bitter nötig sein, da der ablösefreie Abgang von Dejan Ljubicic im offensiven Mittelfeld wahrscheinlich der bitterste Abgang für den Effzeh ist. Hier fragen sich bereits viele FC-Fans, wie man diesen denn jetzt auch noch kompensieren soll.

Ein Traum für viele Fans wäre natürlich eine Rückkehr von Salih Özcan (27, Dortmund). Kaum ein Spieler verkörpert so sehr die erfolgreiche Zeit unter Steffen Baumgart und tatsächlich konnte er weder bei Borussia Dortmund, noch bei seiner Leihstation VfL Wolfsburg so richtig Fuß fassen. Der Knackpunkt ist allerdings sein noch bis 2027 gehender Vertrag und sein hohes Gehalt beim BVB, was man in Köln kaum stemmen könnte. Für Sportchef Thomas Kessler wäre der Fall Özcan daher eine echte Herausforderung, auch wenn es durchaus Optionen wie z.B. eine Leihe mit Kaufoption gäbe. Die Frage ist nur, ob die Dortmunder da mitgehen würden, denn sollte man in Dortmund selber nochmal ernsthaft mit Salih Öczan planen, wäre die Geschichte für Köln definitiv gegessen.

Eine Alternative zu Öczan könnte Tim Breithaupt (23, Augsburg) sein, körperlich unglaublich robust, sehr pass-sicher und beim Karlsruher SC jahrelang absoluter Leistungsträger im offensiven Spielaufbau. Sein Wechsel zum FC Augsburg entpuppte sich dann allerdings als Flop. Er bekam kaum Spielzeit und wurde schließlich nach nur einem halben Jahr an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen, wo er dann allerdings sofort wieder als Führungsspieler aufblühte.

Wenn man sich Breithaupts Karriere der letzten Jahre anschaut, ist hier durchaus ein Muster zu erkennen: Der Spieler setzt sich bei jedem Zweitligisten sofort als Führungsspieler durch, möchte aber unbedingt Bundesliga spielen, eine Historie, die – auf die letzten Jahre bezogen – durchaus auch auf den 1. FC Köln zutrifft. Breithaupt und Köln also das vielleicht sogar das perfekte Match? Beschäftigen sollte man sich mit dem 22-Jährigen auf jeden Fall mal. Gleiches gilt für Yannik Engelhardt (24, FC Como) und Jermaine Consbruch (23, Fürth), die ebenfalls spannende Alternativen sein könnten.

Angriff

Nun aber zur vielleicht größten Baustelle für die kommende Bundesligasaison: Was macht man, wenn man sich schon in der 2. Liga jeden Sieg mit einem 1:0 errungen hat, um dann mit Tim Lemperle auch noch seinen besten Stürmer zu verlieren? Vielleicht sollte man sich hier mal wieder mit Steffen Baumgart treffen, er und sein Team von Union Berlin hatte nämlich in der vergangenen Saison ein ähnliches Problem. Somit wurde sogar schon in den sozialen Medien gewitzelt, dass man aktuell vor einem Union-gegen-Köln-Duell die Tore vor dem Spiel gar nicht erst aufstellen müsste, so ungefährlich wie deren Offensiven spielen würden.

In Köln hat man nun zumindest noch Damion Downs, der eine gute Zweitligasaison gespielt hat, Said El Mala, einen sehr interessanten jungen Leihrückkehrer von Viktoria Köln, der nächste Saison vielleicht sogar einer der Shooting-Stars der Bundesliga werden könnte, aber auch eher auf den Flügeln oder auf der Zehn zuhause ist, Steffen Tigges, der - seitdem er irgendwann mal in der Kreidezeit mit drei Torbeteiligungen Werder Bremen 7:1 abgeschossen hat – gefühlt auch nicht mehr zu sehen war, Imad Rondic, der im letzten Winter mit großen Vorschusslorbeeren aus Polen kam, dann allerdings auch nur einen mickrigen Treffer erzielte, wie auch Luca Waldschmidt, dessen Elfmeter die Fans zwar regelmäßig zum Verzweifeln bringen, der aber zumindest immer wieder mal gute Phasen hat.

Die Frage, die man sich am Geißbockheim aber zu Recht stellt? Reicht das für die Bundesliga? Und brauch man nicht eigentlich schon lange mal wieder einen echten Star im Sturm, einen neuen Anthony Modeste?

Doch wer könnte in die Fußstapfen dieses Stürmers treten, der Köln vor einigen Jahren mit 20 Bundesligatoren nach Europa schoss? Hier einige Vorschläge:

Haris Tabakovic (30, TSG Hoffenheim), Spitzname „Fluppe“, Zweitliga-Torschützenkönig 2023/2024 bei Hertha BSC, spielt bei Hoffenheim aber so gut wie gar nicht und passt dort auch ungefähr so gut rein wie Walter Frosch in eine Puccini-Oper.

Ragnar Ache (26, Kaiserslautern), mit 7 Millionen Euro Marktwert nicht billig und natürlich klammern die Roten Teufel an ihrem Goalgetter. Dieser möchte aber unbedingt wieder Bundesliga spielen, so dass er diesen Sommer den Betzenberg definitiv verlassen möchte - insbesondere, wenn da vielleicht etwas weiter nördlich noch ein anderer FCK aus der Domstadt mit einem dicken Vertrag winken könnte.

Lukas Nmecha (24, Wolfsburg), stand 2022 kurz vor einer WM-Nominierung bis ihn sein Körper im Stich ließ und ihn seitdem einschneidende Verletzungssorgen plagten. Allerdings bekam er im Jahr 2025 wieder mehr Spielzeit bei den Wölfen und zeigte dort auch Leistung, wenn auch die Konkurrenz im Sturm dort weiterhin für ihn sehr hoch sein wird. Da Nmecha aber durchaus Ambitionen hat sich hier wieder ins Blickfeld für die Nationalmannschaft zu spielen, könnte hier eine 1jährige Leihe zum Effzeh sinnvoll sein.

Fisnik Asllani (23, Elversberg), mit 27 Zweitliga-Scorern diesen Sommer einer der begehrtesten Shooting-Stars Deutschlands. Hat allerdings noch immer Vertrag bei der TSG Hoffenheim und selbst ausländische Clubs bieten schon um ihn mit. Letztendlich wird es aber wohl zu einem Wettkampf zwischen Hoffenheim, Union und Köln kommen, bei dem sich der Effzeh dann eben durchsetzen müsste.

Und last but not at least, mein Favorit:

Shuto Machino (25, Kiel), the „Shooting machine“, und damit alleine vom Namen schon wie gemacht für das Rhein-Energiestadion. Und auch, wenn der SC Freiburg hier derzeit in der Poleposition um den Japaner ist und auch Borussia Mönchengladbach mitbietet, könnte sich Köln hier durchaus auch noch mit einschalten. Wenn, dann wäre seine Geschwindigkeit, gepaart mit seiner Technik und Torgefährlichkeit (11 Tore in der abgelaufenen Bundesligasaison) wie gemacht für große Kölner Flutlichtabende. Der Keisuke Honda vom Geißbockheim, vielleicht der einzig wahre Nachfolger von Anthony Modeste? Wenn man groß träumen darf, dann doch wohl in Köln.

Fazit: Verstärkungen notwendig für Klassenerhalt

Leon Buche
Leon Buche

Natürlich könnte man sich auch mit Stürmern wie Ivan Prtajin (Union), Isac Lidberg (Darmstadt) oder Maurice Krattenmacher (Ulm) zufrieden geben, Stürmer, die vielleicht ein oder zwei Regale tiefer anzusiedeln sind, aber sicher auch gut genug, um die Offensive zumindest wieder ein bisschen in Schwung zu bringen. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass große gefeierte Mittelstürmer zu einem erfolgreichen 1. FC Köln so dazugehören wie Hennes. Denn – das Rhein-Energiestadion ist nicht die alte Försterei – die FC-Fans wollen begeisternden Offensivfußball sehen und vor allem Tore, sonst kann die Stimmung auf den Rängen, wie auch die letzte Zweitligasaison gezeigt hat, sehr schnell kippen.

Hier sollte also die absolute Priorität drauf gesetzt werden, dicht gefolgt von der offensiven Mittelfeldposition und einem zweiten Innenverteidiger. Sollten diese vakanten Stellen die nächsten Monate gut belegt werden, sollte auch der Bundesliga-Klassenerhalt nächste Saison auf jeden Fall drin sein.

LOSC Lille: Wohin zieht es Stürmer Jonathan David?

Jonathan David wird LOSC Lille diesen Sommer verlassen. Doch welche Optionen hat der Kanadier?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 23 Mai 2025, 10:37

Jonathan David ist derzeit auf dem Transfermarkt einer der begehrtesten Stürmer der Welt. Der einzige Grund, warum er bislang noch nicht in ganz andere Sphären aufgestiegen ist, ist dass er seit 2020 nur einem Verein treu blieb: dem OSC Lille, einem kleinen Verein aus dem Norden Frankreich, mit dem er 2021 den französischen Abonnement-Meister Paris St. Germain von dem Platz an der Sonne verdrängte und eindrucksvoll die Meisterschaft gewann.

Diesen Sommer soll es aber nun Zeit für den nächsten Schritt sein. Die Frage ist nur, wohin? Und ein bisschen auch, warum erst jetzt? (Bild: IMAGO / RHR-Foto)

Diese zwei epischen Minuten reichen aus, um zu verstehen, wie eine gesamte Nation im Dezember 2022 auf ihren Moment hingefiebert hat: Eine Nation aus Nordamerika, die bereits vorher im Eishockey und Frauenfußball absolute Weltspitze war, aber bis auf ein einziges Mal vorher noch nie bei einer Herren-WM dabei war.

Im Jahr 2026 wird diese Nation selbst einer der Gastgeber sein und ist damit natürlich automatisch für das Turnier qualifiziert. Im Jahr 2022 hingegen setzten sich die Kanadier überraschend neben USA, Mexiko und Costa Rica in der nordamerikanischen Qualifikationsgruppe durch, um dann im ersten Spiel ausgerechnet auf Belgiens goldene Generation um Lukaku und De Bruyne auf ihrer allerletzten Ausfahrt zu treffen. Doch dann begann der Anpfiff. Und schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass diesmal alles anders wird. Denn obgleich Belgien das Spiel am Ende mit 1:0 gewann, dominierten die Kanadier dieses Spiel in einer Art und Weise, wie niemand es ihnen vorher zugetraut hatte. Da war es auch egal, dass ausgerechnet Brazzos größter (und einziger?) Transfergeniestreich Alphonso Davies an seinem vielleicht größten Tag einen Elfmeter verschoss. Der Grund: Ein junger kanadischer Stürmer über den in diesem Spiel nahezu sämtliche Angriffe liefen und der mittlerweile zu Recht Rekordtorschütze der Kanadier ist: Jonathan David.

Vom Gloucester Dragon zum Messi-Bezwinger

Jonathan David wurde am 14. Januar 2000 in Brooklyn, New York, geboren. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seinen Eltern auf Haiti, wo er mit seinen Freunden bis spät in die Nacht auf den Straßen der Karibikinsel kickte. Mit sechs Jahren zog es die Familie Richtung Kanada, wo er über die Gloucester Dragons, seinem Jugendclub, bei Ottawa ISC landete. Sein größtes Idol war Ronaldinho von dem er als Kind versuchte, jedes Ligaspiel zu sehen. Sowohl als Spieler als auch als ein Charakter, der Geld und Karriere nicht immer über alles andere im Leben stellte, bewunderte er den brasilianischen Star und wählte dann auch für sich zunächst einmal einen eher unüblichen Karriereweg.

Der KAA Gent sollte der Club sein, wo sich das kanadische Talent behutsam entwickeln konnte. Hier stieg er schnell zum Leistungsträger auf, wobei er in zwei Jahren nur zwei Spiele fehlte, wo er vom Verein aufgrund des Todes seiner Mutter beurlaubt wurde. Wenig später wechselte er für 30 Millionen Euro (noch nie hatte ein belgischer Verein mehr Geld für einen Spieler bekommen) zum damals im Tabellenmittelfeld rumdümpelten französischen Erstligisten OSC Lille.

Gleich im ersten Jahr gewann er mit „den Doggen“ sensationell die französische Meisterschaft, wohlgemerkt gegen das Milliardenensembles von PSG um Mbappé, Neymar und Messi. Als der Stürmer mit den meisten Toren der Liga standen seitdem Sommer für Sommer alle großen Top-Clubs Europas bei ihm Schlange. Dennoch blieb er ganze vier weitere Jahre in Lille.

David und der OSC Lille: Seit 2021 das Lieblingsthema der Transferexperten

Seit jener Sensationsmeisterschaft ist Jonathan David mehr oder weniger Dauerthema in allen Transfershows. Alle fragen sich: Wann ist es für ihn endlich Zeit für einen Wechsel? Interessanterweise war es meistens der Spieler selbst, der dem ganzen ein Riegel vorschob. In einem Interview nach einem Ligaspiel gegen Olympique Marseille bezeichnete David sich einmal selbst als Perfektionist, als ein Spieler, für den die oberste Priorität nicht die Karriere wäre, sondern sein eigener Anspruch an sich selbst. Diesem Gerecht zu werden und diesen immer weiter zu erhöhen, wäre sein Antrieb und der Grund, warum er Fußballer geworden ist: Zu wachsen an seinen Erfahrungen und dabei seinen Körper besser und besser kennen zu lernen.

Könnte das einer der Gründe gewesen sein, warum er Offerten größerer Clubs immer wieder abgelehnt hat? Weil er Jahr für Jahr wieder selbst das Gefühl hatte, noch nicht soweit zu sein?

Abschied nach 5 Jahren

Dann aber kamen die News: Diesen Sommer soll es dann doch geschehen. Der kanadische Goalgetter verlängerte seinen Vertrag nicht, sondern kündigte stattdessen nach fünf Jahren seinen Abschied vom OSC Lille an. Doch welches eine Angebot könnte es gewesen sein, was den immer noch 25-jährigen Stürmer hätte so reizen können, dass er nun doch den nächsten Schritt wagen möchte?

Denn an einem sportlichen Absturz von „Les Dogues“ wird es wohl kaum gelegen haben. Zwar sicherte sich, wie vorherzusehen war, Paris St. Germain wieder die Dauermeisterkarte, dennoch spielte Lille weiterhin vorne mit. Einer der größten sportlichen Erfolge der jüngeren Zeit passierte zudem in der Champions-League-Saison 2024/25, wo man sich als einer von nur acht Vereinen in den Top acht der Gruppenphase qualifizierte, wohlgemerkt vor dem FC Bayern, Manchester City und Real Madrid wie auch Paris St. Germain. Die Playoffs konnte man somit überspringen, erst im Achtelfinale schied man dann unglücklich gegen Borussia Dortmund aus.

Was aber war dann der Anreiz fürJonathan David für den nächsten Schritt?

Wechsel zum FC Barcelona?

Der FC Barcelona könnte möglicherweise ein solcher Anreiz gewesen sein. Denn wie alle, die die beiden vielleicht besten Champions-League-Halbfinal-Spiele aller Zeiten gegen Inter Mailand (3:3 und 3:4) in dieser Saison verfolgt haben, spielt kaum eine Mannschaft derzeit einen solch schönen Angriffsfußball wie die Elf von Ex-DFB-Trainer Hansi Flick. Hinzu schoss man in diesen Spielen sechs Tore und das – aufgrund der Verletzung des mittlerweile auch schon 36-jährigen Robert Lewandowski – eigentlich ohne echten Mittelstürmer.

Zwar konnte Ferran Torres diese Rolle bedingt ausfüllen, angesichts der Tatsache, dass die Blaugraner in diesen beiden Spielen auch locker hätten 15 Tore schießen können, merkte man dann aber doch, dass den Katalanen ein echter Neuner fehlte. Könnte Jonathan David für Hansi Flick also der nächste Robert Lewandowski sein?

Wechsel zum FC Liverpool?

Oder weht der Wind doch von der Insel? Hier hat der amtierende englische Meister FC Liverpool zwar noch einmal mit ihrem Superstar Mohamed Salah verlängert, allerdings ist dieser nun auch schon 32 Jahre alt. Dennoch gibt es im Falle Salah nun auch schon seit Längerem schon üppige Angebote aus Saudi Arabien, und so sehr die englischen Fans Spielern, die nach Saudi Arabien wechseln, vorwerfen, ihre Heimat und ihren Verein im Stich zu lassen: Für Salah wäre dies sogar geographisch gesehen eher ein Schritt zurück in die Heimat. Von seiner Heimat Ägypten bis nach Saudi Arabien sind es nämlich nur 30 Kilometer, beziehungsweise ein Blick übers Meer.

Jonathan David daher ein möglicher Salah-Nachfolger bei den Reds? Hier muss man sich allerdings fragen, ob der Kanadier hier optimal in das System von Arne Slot passt. Der niederländische Trainer setzt nämlich, genau wie schon sein Vorgänger Jürgen Klopp eher auf polyvalente Stürmer, beziehungsweise ein Angriffspressing der Johan-Cruyff-Schule, wo zum Teil mit wechselnden Positionen oft drei, wenn nicht sogar vier Offensivspieler für Druck vor dem Tor sorgen sollen. Dies wäre taktisch gesehen zumindest ein System, an dem in den letzten Jahren schon ähnliche Stürmertypen wie Darwin Nunes gescheitert sind und in dass sich Jonathan David erst einfuchsen müsste.

Wechsel zum FC Arsenal?

Besser könnte hier schon der FC Arsenal passen. Hier möchte man unter Mikel Arteta nämlich schon seit langem mit einem klaren Neuner spielen, scheitert aber in den großen Spielen immer wieder daran, dass bis auf Kai Havertz (und vom Thema Kai Havertz und echte neun können DFB-Fans ein Lied singen) dieser Spielertyp bislang nicht gefunden wurde.

Allerdings stehen derzeit beim FC Arsenal auch illustre Name wie Benjamin Sesko (RB Leipzig), Viktor Gyökeres (Benfica Lissabon), Serhou Guirassy (Borussia Dortmund), Victor Osimhen (Galatasaray) auf dem Zettel – oder kurz gesagt: Eigentlich alles, was Tore schießen kann, zwischen 60 und 150 Millionen kostet und nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Ob das zu einem Charakter wie Jonathan David passt, zumal die Fanszene vom FC Arsenal auch als sehr ungeduldig gilt, wenn ein neuer Stürmer nicht sofort abliefert?

Wechsel zum FC Bayern?

Und schließlich wäre da noch der FC Bayern, wo die Verantwortlichen natürlich auch irgendwann mal damit beginnen müssen, eine Ära nach Harry Kane zu planen. Denn sollte man im Sommer tatsächlich für 120 Millionen plus Florian Wirtz holen, ist es sicherlich nicht im Interesse von Uli Hoeness & Co., dass nur wenige Jahre später noch einmal für 100 Millionen Euro irgendein 30-jähriger Star geholt werden muss, so wie 2023 als man nach dem Abgang von Robert Lewandowski plötzlich merkte: Ups, wir haben ja gar keinen Mittelstürmer mehr. Wie ist das denn passiert?

Das Problem im Falle David/Kane/Bayern ist allerdings ein ähnliches wie vor ein paar Jahren das Problem Haaland/Lewandowski/Bayern: Der Zeitpunkt stimmt nicht ganz. Denn mit Sicherheit wird ein Spieler wie Harry Kane, der (übrigens als erster Bundesligaspieler aller Zeiten) gleich in seinen ersten beiden Saisons Torschützenkönig wurde, nicht auf einmal für einen anderen Stürmer Platz machen muss. Dass der FC Bayern unter Vincent Kompany auf einmal mit einer Doppelspitze spielen wird, scheint noch ausgeschlossener, da dann ja für gar keinen der vielen Achter-/Zehner-/Flügelspieler (Musiala, Sané, Gnabry, Coman, ggf. noch Florian Wirtz) mehr Platz wäre. Jonathan David müsste sich also für mindestens ein, wenn nicht sogar 2-3 Jahre hinter Harry Kane anstellen und ob er dazu bereit wäre, darf zumindest hinterfragt zu werden.

Fazit: FC Barcelona logischste Option

Leon Buche
Leon Buche

Für mich heißt die logischste Lösung für Jonathan David ganz klar: FC Barcelona. Dort ist man zwar im Sturm hervorragend aufgestellt, aber eben bis auf Robert Lewandowski ohne klare Neun. Des Weiteren hat Jonathan David wieder und wieder betont, dass es sein größter Traum wäre, mal als Stammspieler die Champions League zu gewinnen. Wären Robert Lewandowski und Harry Kane gleich alt, hätte es vielleicht zwischen Barcelona und Bayern nochmal spannend werden können, da aber Robert Lewandowski noch in diesem Jahr 37 Jahre alt wird, könnte hier der Umbruch zügig vonstatten gehen, sodass David sofort regelmäßige Spielzeit bei den Katalanen bekäme.

Aber schauen wir, was kommt. Vielleicht straft Jonathan David ja auch am Ende alle Lügen und geht zu Fenerbahce Istanbul. Wenn es einem Stürmer zuzutrauen wäre, ganz Transfer-Europa noch ein weiteres Mal komplett zu überraschen, dann auf jeden Fall ihm.

Shopping Guide zu Union Berlin: Welche Transfers könnten die Berliner im Sommer 2025 verstärken?

Im Shopping Guide zum 1.FC Union Berlin findet ihr unsere Vorschläge für Verstärkungen im Sommer 2025.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 22 Mai 2025, 11:31

Nach all den Höhen und Tiefen aus den letzten Jahren hat sich Union Berlin nun wieder gefangen. Zwar erscheinen die berauschenden Champions-League-Nächte nur noch wie ein Echo der Vergangenheit, Vergangenheit war allerdings in der nun abgelaufenen Saison auch früh jegliche Angst um den Abstieg. Auch mit Steffen Baumgart scheint man nun endlich wieder einen Trainer gefunden zu haben, der zur Spielphilosophie von Union Berlin passt und dessen Ansprache bei den Spielern zündet. Ebenso hat man sich mit dem Schotten Oliver Burke von Werder Bremen bereits eine durchaus interessante Verstärkung im Sturm geholt.

Doch reicht das aus, um das Team aus der alten Försterei wieder dauerhaft vom Bundesliga-Abstiegskampf fern zu halten? Und könnte das Sommertransferfenster 2025 dafür sorgen, dass in der Saison 2025/26 auch wieder höhere Ziele eine Rolle spielen könnten? (Bild: IMAGO / Contrast)

Wie im Film-Casting: Union Berlins einzigartige Transferphilosophie

Bis zum überragenden wie überraschenden Champions-League-Einzug in der Saison 2022/23 war die Transferstrategie von Union Berlin in der 1. Bundesliga nach dem Aufstieg 2019 in Deutschland, wenn nicht sogar in ganz Europa, einzigartig. Weder sah man sich als reiner Verkäuferclub, der vorwiegend im Ausland nach unbekannten jungen Talenten scoutet, nur um sie ein paar Jahre später wieder teuer zu verkaufen, noch bediente man sich der üblichen Transfer-Schemata vieler Bundesligisten, nämlich entweder schwächeren Bundesliga-Konkurrenten oder ambitionierten Zweitligamannschaften nach der Saison die besten Spieler weg zu kaufen.

Bei Union Berlin spielten vielmehr oftmals die Spieler im Transfergeschehen eine Rolle, die bei anderen Clubs, mal wegen Verletzungspech, mal aufgrund von Miss-Matchs mit ihren Trainern, außen vor waren. Prominentestes Beispiel ist hier Robin Knoche, der zwar neun Jahre lang beim VFL Wolfsburg spielte, dort aber aufgrund der vielen Trainerwechsel immer mehr auf der Bank versauerte. Kein anderer Bundesligist hatte ihn mehr auf dem Zettel, bei Union Berlin hingegen bemerkte man sofort, dass er als bulliger Abwehrchef perfekt zum defensiven Stil gegen den Ball der Köpenicker passte und verpflichtete ihn.

Die Folge war: Innerhalb weniger Monate wurde Robin Knoche zu der Führungsfigur im Spiel der Eisernen und unter Trainer Urs Fischer der entscheidende Mann beim Einzug in die Champions League. Diese Liste an Union-Spielern, die bei anderen Clubs zum Zeitpunkt ihrer Transfers bei ihren vorherigen Vereinen unter dem Radar liefen, bei Union Berlin dann aber plötzlich ihren zweiten Frühling erlebten, könnte man nahezu endlos fortführen.

Warum Union Berlin dieses glückliche Händchen hatte, obwohl weder auf junge Talente noch auf Spieler geschaut war, die grade auf ihrem Piek waren? Über allem stand hier der einzigartige Defensivstil von Urs Fischer, der die Eisernen jahrelang europäisch spielen ließ und zur Nr.1-Überraschungsmannschaft der Bundesliga machte. Man könnte sogar sagen, die Spieler wurden sogar regelrecht auf ihre Rollen gecasted, ähnlich wie Schauspieler für einen Film bei dem Urs Fischer Drehbuchautor und Regisseur zu gleich war. Dadurch entstand der einzigartige Effekt, dass bei den Spielern innerhalb kürzester Zeit die Identifikation mit dem Verein weder durch regionale Verbundenheit kam, noch durch Titel und Trophäen (oder exorbitante Gehaltsschecks), sondern durch das eigene innere (Wieder-)Aufblühen als Sportler. Die Spieler fingen in der alten Försterei wieder an, an sich zu glauben und die Fans dankten es ihnen mit ihrem Support.

Und sollte sich dieser Effekt mal abnutzen? Dann wurde, wie in einer neuen Staffel einer Netflixserie, eben ein Großteil des Kaders wieder ausgetauscht und neue „Rollen“ für den Urs-Fischer-Stil gesucht. Eine Strategie, die endlos fortsetzbar schien, was die Europa-Qualifikationen Jahr für Jahr bewiesen.

Erst mit dem Champions-League-Einzug änderte der Verein dann plötzlich seine gesamte Strategie, was bei einigen Fans (inklusive dem Autor des Artikels) für große Verwunderung sorgte. Ganz entgegen dem Motto „Never change a winning team“ wurde auf einmal auf Glamour und große Namen gesetzt. Mit neuer Starpower wollte man im Olympiastadion gegen Teams wie Real Madrid und dem SSC Neapel antreten. Zwar nannte man sich noch nicht „Big City Club“, wie ein gewisser anderer Verein aus der Hauptstadt, einige Parallelen zum Hertha-Downfall gab es aber durchaus. Spieler, wie der italienische Weltmeister Leonardo Bonucci, wie auch der deutsche Nationalspieler Robin Gosens wurden geholt. Selbst der ehemalige Real-Madrid-Young-Star Isco stand kurz vor einem Transfer in die alte Försterei, so dass manche Fans schon witzelten, welcher Name denn als nächstes im Fokus der neuen Glamour-Eisernen stehen würde: Neymar? Paul Pogba?

Die Folge war eine ähnliche wie bei der Hertha unter Lars Windhorst: Sämtliche Transfers floppten, die Eisernen gewannen in der Champions League kein einziges Spiel und Spieler, wie der von Leeds United ausgeliehene Brendan Aaronson zeigten plötzlich Starallüren, wie dem Trainer den Handschlag zu verweigern. Kurzum: Von der mannschaftlichen Geschlossenenheit bei Union Berlin war nichts mehr zu sehen und nur in letzter Not entkam dem Abstieg in die 2. Liga. Und, was für den Verein noch schlimmer war, man trennte sich von dem Architekten der goldenen Union-Jahre Urs Fischer: Der absolute Supergau.

Erst in der zweiten Hälfte der Saison 2024/25 fand man unter dem ehemaligen Kölner Erfolgstrainer Steffen Baumgart, dem man in der Winterpause verpflichtete, mit zuletzt acht ungeschlagenen Ligaspielen in Serie wieder zu mehr Stabilität.

Wie aber wird Union aus seinen Fehlern bei den kommenden Transfers lernen? Wird man sich komplett wieder auf seine alte Transferstrategie besinnen? Denn immerhin ist man durch die vielen Jahre als europäisch spielender Verein zumindest wirtschaftlich erstarkt und längst nicht mehr „das Armenhaus der Bundesliga.“ Zudem ist es auch das erste Transferfenster gemeinsam mit Steffen Baumgart. Wie also die nächsten Jahre angehen?

Die Defensive

Die Defensive bleibt auch unter Steffen Baumgart das Prunkstück für den Verein mit einem Ritter als Maskottchen. Denn ob Terrorfußball, deutscher Catenaccio oder einfach das eigene Tor mit zehn Burggräben und zwei 5-Mann-Mauern abriegeln: Dies beschreibt den Spielstil, der Union jahrelang so erfolgreich gemacht hat, nur teilweise überspitzt. Der Vorteil der Eisernen ist aber nach wie vor, dass die Fans, insbesondere im eigenen Stadion diesen Stil ausnahmslos feiern und mitgehen, was bei Heimspielen von Clubs wie Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt z.B. undenkbar wäre.

Was allerdings Steffen Baumgart grundsätzlich von Urs Fischer unterscheidet, ist dass Baumgarts Stil durchaus auch schnelles Umschaltspiel und hohes Pressing beinhaltet. Während man unter Urs Fischer kein Problem damit hatte, dem Gegner auch mal über ein gesamtes Spiel 78 Prozent Ballbesitz zu überlassen, gehörte es sowohl in Köln als auch in Paderborn (Baumgarts Breakout-Station) zu seinen Grundprinzipien, den Gegner früh zu stören und gar nicht erst zu einem geordneten Spielaufbau kommen zu lassen. Auch die Variabilität zwischen einer 3er und 4er-Kette gehörten zu Baumgarts Markenzeichen, immer mit dem Ziel durch das Verschieben in eine Mittelfeldraute, die Außenverteidiger nach vorne schieben zu lassen und in Umschaltsituationen den Angriffen zusätzliche Breite zu verleihen.

Für Unions erstes vollständiges Transferfenster mit Steffen Baumgart müssen also vor allen Dingen Spieler gefunden werden, die anpassungsfähig sind, variabel in ihren Positionen, wie auch der extrem hohen Intensität, die Baumgarts Spielstil abverlangt, gerecht werden können.

Jamil Siebert (Fortuna Düsseldorf)

Ein solcher Spieler könnte der 23-jährige Innenverteidiger Jamil Siebert sein. Dieser war sowohl in der 3er- als auch in der 4er-Kette in den beiden vergangenen Fast-Aufstiegssaisons absoluter Stammspieler bei Fortuna Düsseldorf.

Siebert ist 1.93 Meter groß, Rechtsfuß, spielt aber auch oft den linken Part in der Dreierkette. Sein Vertrag läuft bis 2027 und er hat eine Ausstiegsklausel von 5 Millionen Euro. Für ihn sprechen seine extreme Physis und seine Durchsetzungsfähigkeit in der Luft, einzig allein seine Beweglichkeit und Zweifkampfführung abseits von Kopfballduellen ist noch ausbaufähig.

Seit 2010 durchlief er bei seinem Heimatverein sämtliche Stationen von der Jugend bis zu den Profis und wurde in dieser Zeit nur ein einziges Mal verliehen, was von der Mentalität zumindest gut zur „Union-Seele“ passt. Union Berlin könnte somit in der nächsten Saison die große Chance für ihn sein, sich in der Bundesliga zu etablieren und würde auch der Transferphilosophie der jüngeren Union-Geschichte, auch mal nach jungen Spielern zu schauen, entsprechen.

Nikolai Remberg (Holstein Kiel)

Ähnliche Argumente sprechen für den defensiven Mittelfeldspieler Nikolai Remberg. Dieser ist 24 Jahre alt, sein Marktwert wird auf ca. 2,5 Millionen Euro taxiert und mit 32 von 34 Bundesligaspielen war er einer der Leistungsträger der Kieler in der abgelaufenen Saison.

Sein Aufstieg war zudem kometenhaft. So spielte er in der Saison 2022/23 noch in der Regionalliga für Preußen Münster, schaffte schließlich mit der Mannschaft den Aufstieg in die 3. Liga (und damit den Grundstein für den darauf folgenden Aufstieg in die 2. Liga, inklusive Klassenerhalt) plus dann nur ein Jahr später auch noch mal den Aufstieg mit den Kielern in die Bundesliga. Zwei Aufstiege in nur 2 Jahren, das muss man als 24jähriger auch erst mal schaffen.

Hinzu sprechen seine selbst in der Bundesliga extrem starken Werte gegen den Ball (Tacklings, Grätschen, Blogs etc.) womit er langfristig der perfekte Pendant zu dem ebenfalls noch jungen, aber etwas offensiver angelegten Mittelfeldspieler Aljoscha Kemlein werden könnte.

Die Offensive

Nun aber kommen wir zur echten Schwachstelle von Union Berlin: Die Offensive ist einfach zu harmlos. Die Mannschaft kann einfach keine Tore schießen. Nur 35 waren es in der abgelaufenen Bundesliga-Saison, nur der Letztplatzierte VFL Bochum schaffte es, sogar noch zwei weniger zu schießen. Umgerechnet ist das ein Tor pro Bundesligaspiel im Schnitt, was noch einmal mehr zu denken gibt, als dass es mit dem 4:4 gegen Stuttgart oder dem 4:0 gegen defensiv bodenlose Hoffenheimer sogar den ein oder anderen offensiven Ausrutscher gab.

Hinzu sind seit den Abgängen von Taiwo Awoniyi und mit Abstrichen Max Kruse nahezu sämtliche Neuzugänge im Sturm bei den Eisernen gefloppt, selbst der ehemalige deutsche Nationalspieler Kevin Volland funktionierte bei Union Berlin als Stürmer ungefähr so, wie unter Jogi Löw als Linksverteidiger, nämlich gar nicht.

Was allerdings Hoffnung machen könnte: Im Gegensatz zu Urs Fischer ist Steffen Baumgart durchaus als Trainer bekannt, der aus in Vergessenheit geratenen Stürmern wieder absolute Leistungsträger machen kann. Alle FC-Köln-Fans werden sich daran erinnern, wie mit ganzen 20 Hütten der durch Baumgart urplötzlich wiedererstarkte Anthony Modeste die Geißböcke am Ende sogar bis nach Europa schoss.

Und auch wenn der Vergleich ein bisschen gemein ist: Das alleine sind schon mehr Tore als die gesamte Union-Berlin-Offensive in der Saison 2024/25 zusammen schoss (Benedict Hollerbach: 9 Tore, Andrej Ilic: 6 Tore, Marin Ljubicic: 1 Tor, Yobe Vertessen: 1 Tor = 18 Tore). Eine langfristige Planung mit Baumgart sollte also unbedingt einhergehen mit der Verpflichtung von Zielspielern, offensiven Flügelspielern und vor allem – Flanken-Abnehmern im Strafraum.

Benjamin Nygren (FC Nordsjaelland)

Beginnen wir zunächst mit einem Geheimtipp und zwar mit dem 23-jährigen schwedischen Nationalspieler Benjamin Nygren vom dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland. Dieser gilt derzeit als einer der heißesten Talente Skandinaviens auf der offensiven Rechtsaußen-Position. 1,88 Meter groß, gutes Kopfballspiel + 15 Tore und vier Vorlagen in der abgelaufenen Saison: Das alles sind Zeichen dafür, dass hier schon bald ein Transfer in eine der europäischen Top-Ligen anstehen wird. Hinzu kommt seine hohe Variabilität auf nahezu allen offensiven Positionen, die dem Spielstil von Baumgart perfekt entspricht.

Sein Vertrag läuft Ende 2025 aus, womit er bei einem Marktwert von 3 Millionen Euro für die Eisernen in jedem Fall bezahlbar wäre. Einzig und allein seine Statistiken gegen den Ball machen noch ein wenig Sorgen. Dies ist aber halb so schlimm, da kaum ein Trainer wie Baumgart so sehr dafür bekannt ist, seine Spieler genau in dieser Disziplin zu erziehen und innerhalb kürzester Zeit besser zu machen.

Fisnik Asllani (SV Elversberg)

Ein ähnlicher Shooting-Star wie Nygren war in der vergangenen Saison ohne jeden Zweifel der in der Jugend von Union Berlin ausgebildete Elversberg-Stürmer Fisnik Asllani. Hier könnte es allerdings noch ein paar Komplikationen geben, da dieser trotz seines schon damals aufblitzenden Talents (laut seines ehemaligen Teamkollegen Felix Kroos schon damals der technisch mit Abstand talentierteste Spieler aus der Union-Jugend) von der Vereinsführung als festes Mitglied des Profikaders einst abgelehnt wurde. Stattdessen verscherbelte man ihn an die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim, wo wo aus man ihn dann erst zu Austria Wien und später zum SV Elversberg weiter verlieh.

Hier schaffte der 23-jährige Deutsch-Kosovare in der vergangenen Saison den endgültigen Durchbruch. Und nicht nur das, mit ganzen 25 Scorern war er hinzu entscheidend dafür verantwortlich, warum das kleine saarländische Dorf am Ende der abgelaufenen 2.Liga-Saison sensationell auf dem Relegationsplatz steht und damit nur noch zwei Spiele von einem Bundesligaaufstieg entfernt ist.

Das Problem für die Eisernen wird allerdings sein, dass die Tatsache, dass Asllani seinen Breakout in Deutschland hatte, dies natürlich auch anderen Bundesligisten aufgefallen ist. Ganz vorne steht hier natürlich die TSG Hoffenheim, denen der Spieler zumindest noch bis Sommer 2026 offiziell gehört.

Sollte Asllani es allerdings seinem Jugendclub verzeihen, dass man ihn einst als Profi verschmäht hatte, und dafür sogar noch lukrativere Angebote, zum Beispiel vom FC Augsburg oder dem SC Freiburg ausschlagen (um die es bereits Gerüchte gibt) könnte er von seiner aktuellen Formstärke sicherlich einer der Leistungsträger für Union in der kommenden Saison werden. Bliebe allerdings immer noch die Frage, wer in Zukunft die Sturmspitze, sprich die Rolle des klaren Neuners der Unioner belegen könnte.

Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund)

Die schlechte Nachricht: Die goldenen Zeiten von Anthony Modeste sind trotz Steffen Baumgart im Jahr 2025 wohl leider vorbei. Warum aber nicht mal ein Auge auf seinen letzten Sturmpartner bei einem großen Verein werfen: Youssoufa Moukoko, dem einstigem Supertalent und Youtube-Wunder von Borussia Dortmund?

Kaum ein Spieler würde derzeit so sehr zu Union-Transferstrategie passen (Spielern, die bei ihren Vereinen in einem kaum noch zu reparierenden Formloch stecken, eine neue Chance zu geben) wie der 20Jährige einstige deutsche Nationalspieler. Ob die „Aktion Sorgenkind“ im Fall Moukoko, der zuletzt weder beim BVB noch bei seiner einjährigen Leihstation OGC Nizza eine Rolle spielte, aber für die Unioner auch umsetzbar wäre?

Dagegen könnte zuallererst sein exorbitant hohes Gehalt beim BVB sprechen. Ganze 8,5 Millionen Euro im Jahr kostet der Angreifer den Schwarzgelben nach wie vor, für Union Berlin natürlich unbezahlbar. Was also tun?

Klar ist, dass der BVB, der ihn bei einer Vertragslaufzeit bis 2026 sonst noch für ein weiteres Jahr bezahlen müsste, Moukoko diesen Sommer unbedingt loswerden möchte und jedem Verein, was die Ablösesumme angeht, große Zugeständnisse machen würde. Ob es allerdings nach den letzten verkorksten Jahren von Moukoko überhaupt einen Verein auf dem Markt gibt, der bereit wäre, dem einstigen Teenie-Superstar - selbst bei 0 Euro Ablösesumme – auch nur ansatzweise ein ähnlich hohes Gehalt zu zahlen? Genau das ist aktuell die Krux der Schwarzgelben: Sie sehen derzeit keinen Platz im Kader für ihn, werden ihn aber aufgrund seines Gehalts auch nicht los.

Es gäbe also nur drei Möglichkeiten für einen Wechsel von Moukoko aus Dortmund zu einem kleineren Verein: Entweder eine Leihe mit Kaufpflicht, bei der der BVB noch eine weitere Saison ein Großteil seines Gehalts übernehmen müsste - oder eine weitere Leihe mit Kaufoption, bei der Dortmund und der abnehmende Verein sich das Gehalt insoweit teilen müssten, dass es für einen Verein wie beispielsweise Union überhaupt machbar wäre.

Oder aber: Moukoko’s sportlicher Ehrgeiz geht so weit, dass er bereit wäre, von seinem laufenden Vertrag vorzeitig zurückzutreten - im Hinblick auf die WM 2026! Denn bei all dem Trubel rund um Moukoko’s Downfall vergessen viele, dass der Stürmer bereits 2022 schon mal für Deutschland bei einer WM auflief.

Die Tür zur Nationalmannschaft war für Moukoko also schon einmal geöffnet. Und jeder, der Julian Nagelsmanns Philosophie kennt, weiß, dass für ihn bei der Nominierung nur die – zum Zeitpunkt des Turniers - aktuelle Form zählt. Sollte Moukoko auf seinen Vertrag beim BVB beharren, wäre für ihn der WM-Zug als, böse gesagt, „überbezahlter Bankdrücker“ quasi jetzt schon abgefahren. Sollte er sich aber bei einem kleineren Bundesliga-Verein wieder zur absoluten Stammkraft entwickeln und entsprechende Scorerpunkte liefern, wer weiß, was dann noch passieren könnte?

Und wer weiß, vielleicht könnte Union Berlin ähnlich wie bei Robert Andrich, sogar der Verein sein, der ihn behutsam (wieder) aufbaut? Vielleicht sogar langfristig wieder zu einem dauerhaften Gesicht der deutschen Nationalmannschaft?

Michael Gregoritsch (SC Freiburg)

Last but not at least noch ein Vorschlag fernab von allen aktuellen Gerüchten: Warum nicht die gute alte Union-Freiburg-Connection noch einmal aufblühen lassen und Michael Gregoritsch nach Ostberlin holen? Denn obgleich seine Spielzeit beim SC Freiburg nach dem Abgang von Christian Streich deutlich weniger wurde, sorgten seine extreme Kopfballstärke und sein hervorragendes Stellungsspiel dafür, dass er nicht nur Stammspieler in der Österreichischen Nationalmannschaft wurde, sondern in österreichischen Medien sogar schon als heißester Arnautovic-Nachfolger galt.

Michael Gregoritsch wäre von seiner Position definitiv eine Art Anthony Modeste von Köpenick. Hinzu kennt der 1,93 Meter große Mittelstürmer die Bundesliga wie seine Westentasche und ist mit 31 Jahren und einem Marktwert von 4 Millionen Euro auch für Union Berlin durchaus bezahlbar. Hinzu läuft auch sein Vertrag nur noch bis 2026 und ob der SC Freiburg und Gregoritsch noch einmal verlängern, ist angesichts seiner Spielzeit aktuell durchaus fraglich.

Auch war der humorvolle und bodenständige Österreicher bislang für jeden Verein für den er gespielt hatte, ein absoluter Sympathieträger, insbesondere beim SC Freiburg, wo die von Vincenzo Grifo geschlagenen und von ihm verwandelten Standarts und Flanken nahezu jedem anderen Bundesligisten Kopfschmerzen bereiteten. Und Flanken und Steffen Baumgart, da war doch was.

Fazit: Union muss wichtige Weichen stellen

Leon Buche
Leon Buche

Union Berlin steht im Sommer 2025 an seinem absoluten Scheideweg. Wird man erneut ein sicherer Bundesligist mit Konstanz auf der Trainerbank oder versackt man auch mit Steffen Baumgart wieder im Chaos und Abstiegskampf? Und sorgt die einzigartige Atmosphäre in der alten Försterei dafür, dass man als Club nach wie vor für Mentalitätsspieler wie Michael Gregoritsch interessant ist?

Oder eben für Bundesligaspieler, die bei ihrem Verein derzeit eher die zweite Geige spielen und möglicherweise auf der Suche nach einer neuen Anlaufstelle mit Startelf-Garantie sind. Beispiele dafür wären Lukas Nmecha, Florian Neuhaus oder auch Jonas Hofmann.

Das Transferfenster verspricht in jedem Fall heiß zu werden und vielleicht können Fans sich ja sogar noch auf ganz andere Überraschungen freuen. Denn (Unions Vereinsführung höre nun gut hin!): Über eine Rückkehr aus Saudi Arabien eines gewissen 40-jährigen portugiesischen Stürmers, wird ja derzeit auch gemunkelt. Kleiner Spaß am Ende:)

Was wird aus dem Elversberger Top-Duo Asllani und Damar?

Nach Saisonende laufen die Leihe von Damar und Asllani aus. Wie geht es weiter?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 21 Mai 2025, 13:34

Die Kaiserlinde war ein Baum, rund 15 km nördlich von Saarbrücken, der zum 25jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. am 15. April 1913 gepflanzt wurde. Bei dem Orkan „Niklas“ wurde die Linde in der Nacht des 31. Mais 2015 entwurzelt und stürzte in den nahen Kreisverkehr. Am 28. Januar 2021 wurde an der gleichen Stelle eine neue Kaiserlinde gepflanzt, die bei der Setzung 20 Jahre alt und 12 Meter hoch war.

Wen interessiert das denn, wird sich so manch ein ungläubiger Leser jetzt vielleicht denken?

Möglicherweise bereits in wenigen Tagen 17 Bundesligavereine und deren Auswärtsfans. Denn dieser Baum war Namensgeber eines sehr beschaulichen Stadions, dessen gesamte Kapazität etwa der des Nordrangs vom Weserstadion entspricht und in welches es für Harry Kane, Serhou Guirassy, Florian Wirtz & Co. schon bald ein paar nette oder auch mal weniger nette Wochenendausflüge geben könnte.

Dies würde passieren, wenn der FC Heidenheim seine Relegationsspiele am 22. und 26. Mai verliert und es damit heißen würde: Kölsch und Weißbier auf der Kaiserlinde - oder auch - SV Elversberg, Willkommen in der Bundesliga. (Bild: IMAGO / Fussball-News Saarland)

Muhammed Damar – Elversbergs Baller im Team

Doch wer waren die Helden auf dem Platz, die nun kurz davor sind, das Unmögliche wahr zu machen und ein 10.000-Seelen-Dorf an all den Schalke 04‘s und Hertha BSC’s dieser Welt vorbei direkt in die Bundesliga zu schießen?

Zum einen wäre da Muhammed Damar, der als offensiver Mittelfeldspieler mit 15 Scorern der kreative Spielmacher des Teams war. Ganze 31 Zweitligaspiele spielte er für den Verein und insbesondere seine Passstatistik von 76,1 %, wie auch 1,8 Keypasses pro 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Nur zum Vergleich: Sollte er diese Statistiken auf die 1. Liga übertragen, wäre er damit jetzt schon etwa auf einem Level mit Mittelfeldstars wie Mario Götze (1,8) oder Xavi Simons (2.1).

Der 21-Jährige, dessen Vor- und Nachname ein wenig an einen gewissen ägyptischen Superstar vom FC Liverpool erinnert, wurde in Berlin geboren und in der Jugend von Hertha BSC ausgebildet. Später wechselte er in die Jugend von Eintracht Frankfurt Eintracht, wo er bereits 2022 erste Länderspiele für die DFB-U19 bestritt.

2023 wechselte er dann schließlich zur TSG Hoffenheim, die ihn zunächst zum Zweitligisten Hannover 69 verliehen. Dort allerdings erkannte man sein Potenzial nicht, so dass das Talent nach nur 4 Spielen nur noch für die zweite Mannschaft auflaufen durfte. Ein Jahr später verlieh Hoffenheim ihn schließlich nach Elversberg, allerdings nicht ohne ihn vorher bereits mit einem Profivertrag bis 2026 auszustatten.

Denn in Hoffenheim wusste man bereits Bescheid, dass in jenem mysteriösen Dorfklub aus dem Saarland mehr steckte als nur eine Legende über einen alten Baum, ein bisschen Maggi und ein besseres Kreisligastadion. Denn in den Jahren zuvor waren bereits Spieler wie Nick Woltemade und Paul Wanner auf dieser vermeintlichen Landluft-Kur in Elversberg. Die Folge: Nur kurze Zeit nach ihrer einjährigen Elversberg-Leihe starteten beide Spieler so durch, dass sich kurz darauf sogar Julian Nagelsmann mit ihnen im Hinblick auf die WM 2026 und die Zukunft der DFB-Elf beschäftigte.

Der große Talentschmied hieß auch hier bereits Horst Steffen, der den damals noch Regionalligisten 2018 übernommen hat und anschließend als Trainer Schritt für Schritt immer weiter nach oben geführt hat. Nun könnte Mohamed Damar nach Woltemade und Wanner also der nächste Rohdiamant sein, den Horst Steffen nach nur einem Jahr in Elversberg zum absoluten Mega-Talent geschliffen hat.

Doch wohin zieht es den Mittelfeldspieler, der ähnlich wie Wanner nach wie vor für zwei Nationalmannschaften auflaufen könnte (Deutschland und Türkei) als nächstes? Wie nun offiziell wurde, hat Damar eine Entscheidung getroffen haben. Der 21-Jährige hat einen neuen Vertrag unterschrieben, der ihn bis 2029 an den Verein bindet, der ihn als erstes zu den Profis hochgezogen hat: Die TSG Hoffenheim.

Trotz Offerten vom VFB Stuttgart, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach spürt er dort offensichtlich am meisten die Wertschätzung der Verantwortlichen. Des Weiteren sieht er dort für sich die Chance, die Rolle des zur nächsten Saison zum FC Bayern wechselnden Tom Bischof zu übernehmen, was sportlich und von der Position her durchaus Sinn machen könnte.

Fisnik Asllani – Der eiskalte Knipser der SV07

Der andere, vielleicht sogar noch entscheidendere Leistungsträger, für den Erfolg der Elversberger war der 22-jährige Deutsch-Kosovare Fisnik Asllani. Auch er wurde in Berlin geboren, allerdings wurde er nicht von der Hertha ausgebildet, sondern vom Stadtrivalen Union Berlin. Auch für Fisnik Asllani kam der große Karrieresprung erst auf dem zweiten Bildungsweg. Denn dass Union-Trainer Urs Fischer zwar der bislang mit Abstand erfolgreichster Coach der Vereinsgeschichte war, das Thema Jugendeinbindung allerdings nicht sein Lieblingsthema war, musste auch Asllani spüren. So erhielt er keinen Platz bei den Profis und wurde stattdessen an die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim verkauft, wo er dann auf seinen späteren Elversberg-Teamkollegen Muhammed Damar traf.

Dass die beiden sich schon in Hoffenheim gut verstanden und 2024 dann gemeinsam an die SV Elversberg verliehen wurden, war für Trainer Horst Steffen schließlich der Sechser im Lotto. Oft im Zusammenspiel mit Damar erzielte Asllani ganze 18 Tore und 9 Vorlagen und war damit der Spieler mit den zweitmeisten Scorerpunkten in der gesamten Liga. Damars Spielaufbau plus Asllanis Torgefahr plus dann noch die brandgefährlichen Flanken von Elias Baum, einem weiteren Leihspieler von Eintracht Frankfurt, dies waren die mitentscheidenden Puzzlestücke für Horst Steffens Erfolgsstory.

Somit würde es nun eigentlich auf der Hand liegen, dass das Traumduo nun auch gemeinsam wieder nach ihrer einjährigen Leihe nach Hoffenheim zurückkehrt. Hier sieht es allerdings so aus, als ob sich die Wege diesen Sommer trennen könnten.

Denn wohingegen bei Damar durch den schon genannten Bayern-Transfer von Tom Bischof genau die für den Mittelfeldspieler vakante Stelle im Kader frei wird, ist das bei Asllani alles andere als klar. Denn solange Adam Hlozek und Winter-Neuzugang Gif Orban die Plätze im Hoffenheim-Sturm belegen und als Backup zuzüglich noch Haris Tabakovic, wie auch der erst 19-jährige Max Moerstedt die Plätze im Sturm belegen, würde Asllani mindestens erst mal ein knallharter Konkurrenzkampf erwarten. Eine Garantie auf eine Startelf: Fehlanzeige. Hinzu werben auch der 1. FC Köln, wie als auch Asllanis Ausbildungsclub Union Berlin kräftig um den Angreifer mit.

Für die kosovarische Nationalmannschaft hat sich der Angreifer bereits entschieden, was seine nächste Vereinsstation angeht, möchte er sich allerdings bislang noch nicht in die Karten schauen lassen. Selbst ein Verbleib in Elversberg scheint für ihn, aufgrund seiner besonderen Verbindung zu Horst Steffen und im Falle eines Aufstiegs umso mehr, nicht ausgeschlossen.

„Es gibt keine Tendenz, ich bin offen für alles. Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen. Mein Fokus liegt auf Elversberg und ich konzentriere mich nur darauf, wie wir es noch besser machen können. Ich will mit Toren, Vorlagen und guten Leistungen vorangehen, alles weitere werden wir sehen.“ (Fisnik Asllani, Quelle: Fußballtransfers.de)

Im Fall Asllani könnte es also noch zu einem Tauziehen kommen bei denen selbst Clubs aus dem Ausland, wie der OSC Lille und Sporting Lissabon, die den Goalgetter bereits beobachten, noch mitmischen könnten. Für Asllani hingegen ist klar, dass er unbedingt zu einem Verein will, wo er Spielzeit bekommt und sich weiter entwickeln kann.

Zum Ende noch eine schöne Randnotiz: Hätte das Ergebnis im letzten Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Heidenheim nicht 4:1, sondern 1:3 zugunsten Heidenheims gelautet, würde es, grade im Hinblick auf Damar und Asllani, nun nochmal zu einer richtig pikanten Konstellation kommen. In dem Fall wäre nämlich der Relegationsgegner für die Elversberger nicht Heidenheim, sondern die TSG Hoffenheim geworden.

Was wäre das für eine verrückte Geschichte gewesen, wenn am Ende ausgerechnet Hoffenheims derzeit talentierteste Leihspieler Damar und Asllani dann die Spieler gewesen wären, die ihren (vertraglich gesehen) eigenen Verein nach 17 Jahren schlussendlich aus der Bundesliga geschossen hätten? Aber solche Geschichten kann eben selbst der Fußball manchmal nicht ganz bis zu Ende schreiben.

Das Ende einer Ära: Droht Bayer Leverkusen im Sommer 2025 der Ausverkauf?

Erst Xabi Alonso, dann Florian Wirtz und Jonathan Tah. Leverkusen droht ein massiver Umbruch.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 15 Mai 2025, 10:03

Bayer Leverkusen war in der Saison 2023/2024 die vielleicht größte Überraschung des europäischen Fußballs. Vorher noch als das ewige „Vizekusen“ verschrien, schafften sie es unter Trainer Xabi Alonso auf einmal nahezu alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gab. Ungeschlagen in der Bundesliga, im DFB-Pokal bis zum Titel durchmarschiert und auch in der Europa League schaffte es die Werkself bis ins Finale. (Bild: IMAGO / Sven Simon)

Doch wie es oft so ist in der immer schnelllebiger werdenden Fußballwelt: Das berühmte Sepp-Herberger-Zitat „11 Freunde müsst ihr sein“ schwindet dann gerne doch häufig mit sinkendem Erfolg, insbesondere leider immer wieder bei den Mannschaften, wo der Erfolg überraschend und damit für die Fans umso schöner kam. Ob Mannschaften wie der Premier-League-Meister 2016 Leicester City oder Champions-League-Überraschungssieger wie der FC Porto: So sehr grade diese Heldengeschichten Fußballfans immer wieder begeistern, zeigt die Geschichte dann langfristig doch immer wieder, dass solche Storys oft leider nur One Hit-Wonder blieben: One-Hit-Wonder, wo am Ende dann doch schnell wieder die Real Madrids und FC Bayerns dieser Welt kamen um zu sagen „Licht aus und runter von der Bühne. War schön mit euch, doch eure Show ist vorbei“.

Die Frage ist: Droht Leverkusen, die auch ein Jahr nach ihrer unglaublichen „Invincible“- und Meister-Saison die zweiterfolgreichste Bundesliga-Saison ihrer Vereinsgeschichte gespielt haben, nach dem Abgang ihres spanischen Startrainers Xabi Alonso und ihres Starspielers Florian Wirtz nun ein ähnliches Schicksal?

Was passiert auf der Trainerbank?

Sicher ist erstmal: Xabi Alonso ist weg. Wie viele Experten es schon im letzten Sommer vorausgesehen haben, ist für ihn nun der Weg zu Real Madrid nun frei. Inwiefern hier pikanterweise ausgerechnet Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick mit Barcelona wie auch der brasilianische Fußballverband für dieses nun doch vorzeitige Ende gesorgt haben, ist in meinem früheren Artikel zum Trainerkarussell nachzulesen.

Nun heißt es für den Leverkusener Sportvorstand, insbesondere für die beiden Double Architekten Simon Rolfes und Fernando Carro: Auf in eine neue Ära. Wie allerdings Leverkusen-Chef-Scout Falko Götz in einem Interview mit Sky Sport vor wenigen Tagen nochmal ausdrücklich betonte: „Egal ob ein Trainer grade angesagt ist oder aus welchem Land er kommt, wir haben eine klare Spielphilosophie. Und da suchen wir jetzt schon seit längerem, da wir ja auch auf die Situation vorbereitet waren, vor allem eins: nämlich einen Trainer, der zu unserer Spielphilosophie – der von Bayer Leverkusen - passt“.

Diese Worte könnten für die weitere Entwicklung von Bayer Leverkusen durchaus interessant sein. Denn zu einen implementieren sie, dass man sich auch weiterhin, wie schon im Falle Xabi Alonso, nicht von großen Trainernamen locken möchte, sondern seiner eigenen Überzeugung folgen will, zum anderen, dass auch bereits die Wahl von Xabi Alonso einer Entscheidung untergeordnet war, die man als „die Leverkusener Spielphilosophie“ vereinsintern definiert hat: Kein Umschaltfußball a la RB-Schule, kein auf Raumdeckung ausgerichteter defensiver Spielstil, sondern klarer Ballbesitzfußball mit größtmöglicher Intensität, nach Vorbild der spanischen Schule der frühen 2000er.

Und hier kommt mit Cesc Fabregas ein Trainer ins Spiel, der auf dem ersten Blick schon fast wie eine Kopie von Xabi Alonso daherkommt: Welt- und zweimaliger Europameister mit Spanien, zweifacher Premier-League-Sieger mit dem FC Chelsea und nicht nur in der spanischen Nationalmannschaft, sondern auch für den FC Barcelona als Spieler eine ähnliche Legende wie sein Landsmann Alonso.

Und in einem Punkt ist Cesc Fabregas sogar schon einen Schritt weiter als Alonso: Während Alonso vor seiner Anstellung in Leverkusen als Cheftrainer bislang nur Zweitligamannschaften trainiert hatte, schaffte es Fabregas bereits mit dem FC Como einen Aufsteiger und absoluten No-Name (sieht man mal davon ab, dass Como der einzige europäische Erstligist ist, von dem man als Spieler aus dem Stadion direkt auf einen malerischen Bergsee blicken kann) im italienischen Top-Fußball im Mittelfeld der ersten italienischen Liga zu etablieren.

Somit sollte eins klar sein: So schwer die Abgänge von Xabi Alonso und Florian Wirtz wiegen könnten, schickt sich die Verpflichtung von Cesc Fabregas als neuen Leverkusen-Trainer schon an, ein ähnlich perfektes Match zu werden. Dies nicht nur wegen der Ähnlichkeit zu Alonso, sondern weil es wieder mal der mutigere Wege wäre – ähnlich mutig wie eine Verpflichtung von Sandro Wagner, einem weiteren noch sehr jungen Trainer, und weitaus mutiger als zum Beispiel eine Rückholaktion von Roger Schmidt oder eine Verpflichtung von Oliver Glasner oder Erik ten Haag, die ebenfalls noch in der Verlosung stehen. Doch wie schaut es mit dem Kader aus? Könnte der Abgang von Alonso und der beiden deutschen Nationalspieler Florian Wirtz und Jonathan Tah vielleicht sogar für einen Massenabgang in der Mannschaft sorgen? Und wie sicher sind deren Abgänge überhaupt?

Florian Wirtz

Dass es für jeden Club eine Riesenherausforderung darstellen würde, Florian Wirtz zu ersetzen, steht außer Frage. Nicht nur wegen des Marktwertes, sondern weil es derzeit außer Lamine Yamal, Jude Bellingham, Vinicius Junior, Kylian Mbappé, Cole Palmer und vielleicht noch Jamal Musiala auf diesem Planeten derzeit keine jungen Spieler gibt, die aufgrund ihrer Ausnahmequalität die letzten Jahre einen solchen Impact auf ihre Mannschaft gehabt haben wie Florian Wirtz.

Bei Wirtz haben sich die Verhandlungen nun so entwickelt, dass es nun möglicherweise sogar der ärgste Konkurrent der Leverkusener, nämlich der FC Bayern wird, der finanziell alles erdenkliche unternehmen wird, um diesen Transfer möglicherweise sogar noch vor der Club-WM im Juni über die Bühne zu bringen. Und auch wenn Leverkusen, allen voran Fernando Carro, weiter auf ihrer Ablösesumme von 150 Millionen Euro für Wirtz beharren möchte, stehen nun auch Zahlen im Raum, die zumindest etwas günstiger sind. Von 120-130 Millionen Euro sowie möglichen Boni ist hier die Rede, was für die Bayern immer noch der teuerste Einkauf ihrer Vereinsgeschichte wäre. Auch ein Fünf-Jahres-Vertrag bei den Bayern soll dem Nationalspieler winken, der unbedingt zum FC Bayern möchte. Ob das Szenario, dass Florian Wirtz seinem Trainer Xabi Alonso folgt und ebenfalls zu Real Madrid wechselt, damit schon ausgeschlossen ist? Natürlich heißt es „Real Madrid ruft nur einmal an“, doch haben sie überhaupt schon angerufen? Diese Frage sollte man sich durchaus mal stellen.

Denn auch wenn der Status des deutschen Supertalents auf dem europäischen Markt natürlich unbestritten ist, ist derzeit sowohl das Mittelfeld, wie auch die Offensive der Madrilenen absolut übersetzt. Von Grabenkämpfen zwischen zu vielen Egos hört man, hinzu ist ausgerechnet die Position von Florian Wirtz in einer möglichen Aufstellung mit Federico Valverde und Jude Bellingham gleich doppelt top besetzt. Bei den Bayern hingegen wurde erst vor wenigen Tagen die vielleicht größte Vereinslegende seit der Jahrtausendwende verabschiedet, wo die Position durchaus zu der von Florian Wirtz passt. Die Rede ist natürlich von Thomas Müller. Die Gefahr, dass ein Wechsel zu Real Madrid, aktuell für Wirtz gar nicht so optimal wäre, ist daher – auch im Hinblick auf die WM 2026 – durchaus gegeben. Der weitaus sinnvollere Konkurrent für den FC Bayern wäre da wenn überhaupt noch Manchester City, wo der Verein schon im März verkündete hatte, dass man sich im Sommer 2025 von seinem langjährigen offensiven Mittelfeldregisseur Kevin de Bruyne verabschieden würde, somit auch hier eine vakante Stelle in die Wirtz hineinpassen würde.

Ob Florian Wirtz noch ein weiteres Jahr bei Bayer Leverkusen bleibt? Dieses Szenario ist wohl nur dann vorstellbar, sollte der Sparkurs der Bayern so weit gehen, dass man sich sagt, man möchte diesen Spieler unbedingt haben, ihm quasi schon eine Vorabzusage für 2026 gibt, sich dann allerdings mit dem Spieler wie auch dem Verein darauf einigt, den Wechsel ein Jahr später zu günstigeren Bezügen stattfinden zu lassen.

Ein solcher Deal mit dem FC Bayern bislang nur Borussia Dortmund gelungen, nämlich 2013 mit ihrem Starstürmer Robert Lewandowski, wo der Wechsel ebenfalls schon fix war, dann aber nochmal im beidseitigen Einverständnis um ein Jahr verschoben wurde. In dem Fall müsste allerdings Florian Wirtz, inklusive seiner Familie, auch absolut überzeugt davon sein, dass ein weiteres Jahr in Leverkusen für den Superstar auch sportlich Sinn machen würde.

Jonathan Tah

Bei Jonathan Tah hingegen ist klar: Der Abwehrchef wird Bayer Leverkusen definitiv verlassen. Auch hier ist der FC Bayern derzeit absoluter Top-Favorit für einen Wechsel. Was sich allerdings im Gegensatz zum letzten Jahr, wo die Bayern ebenfalls schon um ihn gebuhlt haben, geändert hat, ist dass der Spieler diesmal ablösefrei ist.

Des Weiteren beißt sich der ein oder andere an der Säbener Straße nach dem Viertelfinalaus in der Champions League gegen Inter Mailand sicher zumindest etwas in die Faust, dass man Tah nicht vielleicht doch schon im letzten Sommer geholt hat.

Denn dass der zwar oft begeisternde aber auch hochriskante Spielstil der Bayern unter Vincent Kompany derzeit vor allem eines brauch, nämlich eine auch auf internationalem Niveau seriöse und konstante Konterabsicherung in der Defensive, das war spätestens nach den Spielen gegen Inter sicherlich auch Bayern-Sportvorstand Max Eberl klar. Zu löchrig war die Defensive und dass es am Ende ausgerechnet der eigentlich als reiner Backup geplante Winterneuzugang Eric Dier war, wo man als Bayern-Fan nicht jedes Mal zittern musste, wenn der Ball in Richtung eigenen Strafraum segelte, sagt schon alles aus.

Definitiv bedarf es hier nach einem weiteren Spieler, der dem verletzungsanfälligen Dayot Upamecano und dem oft unsicheren Min-Jae Kim, falls dieser überhaupt bleibt, in der Abwehr zur Seite steht, beziehungsweise diese sogar anführt. Jonathan Tah wäre genau so ein Anführer und damit umso bessere Nachrichten für die Bayern, dass der FC Barcelona, der ebenfalls an Tah interessiert war, hier derzeit den Kürzeren zieht.

Für Bayer Leverkusen könnte dieser Abgang für Leverkusen allerdings nochmal alarmierender sein. Denn mit Abwehrchef, Offensivregisseur und Trainer droht alleine schon mit den Namen Tah, Wirtz und Alonso eine komplette Achse wegzubringen, was den Transfersommer 2025 noch einmal herausfordernder machen könnte.

Jeremie Frimpong

Spätestens seit den aktuellsten News um Leverkusens kongenialen Schienenspieler, müsste man sich ja schon fast fragen, ob aus der „Spanish Connection“ zwischen Leverkusen, allen voran Fernando Carro, und der spanischen Liga, nicht allmählich so etwas wie eine Hassliebe werden könnte. Denn auch im Fall Frimpong hat ein spanischer Verein den Dominostein ins Rollen gespielt, nämlich wieder mal Real Madrid mit der ablösefreien Verpflichtung von Trent Alexander-Arnold vom FC Liverpool. Dass es für Alexander Arnold (einem Spieler, der die Reds über 20 Jahre lang als Rechtsverteidiger geprägt hat) natürlich dringend Ersatz auf Weltklasseniveau braucht, liegt auf der Hand.

Nun aber soll es ausgerechnet Leverkusens Frimpong sein, der von seiner körperlichen Statur zwar nicht unbedingt dem Profil von Alexander-Arnold entspricht, aber umso mehr von seinem offensiven Output. Hinzu noch hat Frimpong derzeit eine Ausstiegsklausel von 35-40 Millionen Euro, für den aktuellen Premier-League-Sieger, wenn man bedenkt, dass Frimpong hier eine absolute Vereinslegende ersetzen könnte, schon fast ein Schnäppchen. Es steht also durchaus zu befürchten, dass Leverkusen diesen grade in der Meisterschaft so entscheidenden Spieler auch noch verlieren könnte, zumal auch hier der FC Barcelona, Real Madrid und möglicherweise sogar der FC Bayern, denen schon seit Jahren ein Äquivalent zu Alphonso Davies auf der rechten Schiene fehlt, im Verlaufe des Sommers noch mitbieten könnten.

Weitere Defensivspieler

Eine weitere Stütze der Leverkusener war neben Jonathan Tah insbesondere in der aktuellen Saison der ecuadorianische Nationalspieler Piero Hincapie. Aktuell allerdings berichten spanische Medien, vorneweg das Online-Portal „Relevo“, auch hier von einem möglichen Wechsel zu Real Madrid. Hincapié besitzt eine Ausstiegsklausel in Höhe von 60 Millionen Euro. ‚Relevo‘ mutmaßt, dass ein Wechsel des ecuadorianischen Nationalspielers im Fall der Fälle aber auch für 40 Millionen Euro über die Bühne gehen könnte. Ob ein solcher Wechsel zustande kommt, könnte auch von der Zukunft von David Alaba und dem Fitnesszustand von dem derzeit aufgrund eines Kreuzbandrisses außer Gefecht gesetzten Dani Carvahal abhängen. Auch die Frage, wie sehr der künftige Real-Trainer Xabi Alonso auch weiterhin mit seinem Leverkusen-Schützling zusammen arbeiten möchte, sollte hier entscheidend sein.

Auch eine Rückkehr von Leverkusens aktuell an Atalanta Bergamo ausgeliehenen Innenverteidiger Odilon Kossounou steht derzeit noch in den Sternen. 25 Millionen Euro müsste Atalanta Bergamo zahlen, um die Kaufoption zu ziehen und die Gespräche zwischen Bergamo und Leverkusen um den in der Meistersaison so wichtigen Innenverteidiger laufen in vollem Gange. Von Seiten der Werkself ist man hier auf jeden Fall an einem Verkauf von Koussounou interessiert, sollte Hincapie allerdings auch noch gehen, könnte sich das auch nochmal ändern.

Um den anderen Stamminnenverteidiger Edmond Tabsoba sieht es hingegen bislang ruhig aus. Ob es das Abwehrsupertalent aus Burkina Faso allerdings schafft, in die großen Fußstapfen von Jonathan Tah treten zu können, bleibt abzuwarten. Dennoch wäre es für Leverkusen immens wichtig, mit Tabsoba zumindest diese eine Stütze in der Innenverteidigung noch halten zu können. Denn so viele mehr echte Stützen hat der Club in der Verteidigung mit Mario Hermoso und dem erst 19jährigen Jeanuel Belocian (aktuell beide verletzt) wie auch dem vielleicht fehleranfälligsten Leverkusen-Spieler der Saison Nordi Mukiele derzeit definitiv nicht.

Weitere Mittelfeldspieler

Den größten Gefallen könnte der Werkself hingegen Granit Xhaka mit seinen Spielleistungen getan haben. Denn so wie auch seine Leistungen als Dirigent in der Zentrale und auf der Sechs für das Double von Leverkusen absolut entscheidend waren, so könnte sogar sein immenser Leistungsabfall in der Rückrunde der aktuellen Saison der Grund sein, warum die Top-Clubs, was einen Transfer des 32-Jährigen angeht, schließlich doch wieder etwas zurückgerudert sind. Es besteht also die Hoffnung Xhaka halten und wieder in die Form bringen zu können, die ihn einst ausgezeichnet haben.

Bei Alejandro Grimaldo sieht es da schon kniffliger aus. Insbesondere die spanischen Clubs, allen voran Real Madrid und der FC Barcelona, sind an dem, insbesondere für seine Freistöße und Flanken berüchtigten, spanischen Nationalspieler dran. Hinzu war bei Grimaldo, auch aufgrund der gleichen Muttersprache, seine Beziehung zu Xabi Alonso, der schon als Spieler einer seiner absoluten Idole war, entscheidend für seinen Wechsel nach Leverkusen. Dass Xabi Alonso sich auch schon bei seinem künftigen Arbeitgeber Real Madrid für ihn eingesetzt hat, spricht daher auch in dem Fall für einen weiteren Abgang, der Bayer Leverkusen noch einmal mehr weh tun könnte. Allerdings stammen die Gerüchte auch noch aus einer Zeit, wo der Name Cesc Fabregas als Alonso-Nachfolger noch nicht im Spiel war. Könnte die Verpflichtung einer neuen spanischen Mittelfeld-Ikone als Trainer Grimaldo also möglicherweise doch noch dazu bewegen bei der Werkself zu bleiben?

Und wer schießt eigentlich künftig die Tore?

Gute Nachricht für alle Leverkusen-Fans: Sardar Azmoun wird es nicht sein, denn der als „Chancentod“ berüchtigte Iraner spielt bereits seit 2024 in Saudi Arabien und wird auch sicher nicht zurückkehren. Allerdings mehren sich nun auch die Gerüchte um Patrik Schick, was einen zeitnahen Wechsel angeht. Sowohl Manchester United als auch der FC Arsenal sind derzeit händeringend auf der Suche nach einem Stürmer und dass Manchester United hier durchaus gerne mal auf etwas ältere Bundesliga-Stars zurückgreift, bewies nicht zuletzt die Verpflichtung von Wolfsburg-Goalgetter Wout Weghorst vor einigen Jahren. Des Weiteren steht auch der FC Bayern auf der Landkarte, die nachwievor auf der Suche nach einem Harry-Kane-Backup sind. Ob allerdings ausgerechnet Patrik Schick als der (!) Stürmer, der die letzten Saisons noch am ehesten dran war, Harry Kane die Torjägerkanone in der Bundesliga wegzuschnappen, sich nun bei den Bayern hinter Harry Kane anstellen will, bleibt fraglich. Die Chancen für Leverkusen stehen also gut, den Stürmer, dessen Vertrag noch bis 2027 geht, zu halten.

Anders sieht es dann allerdings bei Victor Boniface aus, der seine schlechte Laune darüber, dass ihm ein gewisser Jhon Duran von Aston Villa im Winter 2024 in der gefühlt letzten Sekunde den Vertrag seines Lebens (finanziell betrachtet) wegschnappte, weder neben noch auf dem Platz verbergen konnte. Al Nassr FC im schönen Saudi Arabien sollte das Ziel für Victor Boniface sein, für einen Stürmer in dem Alter sportlich betrachtet ein durchaus fragliches Ziel. Ähnlich wie auch bei den deutschen Nationalspielern Robert Andrich und Jonas Hofmann soll bei Boniface allerdings auch sein Verhältnis zu Trainer Xabi Alonso nicht optimal gewesen sein sollen, weswegen noch vor wenigen Monaten Boniface, Andrich und Hofmann sogar als die wahrscheinlichsten Abgangskandidaten galten, auch wegen ihren (für ihren Anspruch) geringen Einsatzzeiten unter Alonso.

Könnte also hier der Trainerwechsel sogar von Vorteil sein, um eben genau diese Spieler zu halten? Es wäre zumindest nicht ganz unlogisch, wenn Spieler, die unter Alonso, tendenziell eher die zweite Geige spielten, nun auf einmal ihre Chance wittern, unter einem neuen Trainer absolute Stammkräfte ihres Vereins zu werden. Dies gilt sicherlich auch für Nathan Tella, Amine Adli, Arthur wie auch den Winterneuzugängen Martin Terrier und Emiliano Buendia. Hier könnte ein Abgang von Xabi Alonso für Fernando Carro & Co sogar zu einem entscheidenden Argument werden im Hinblick auf: „Bislang wart ihr vielleicht eher Einwechselspieler, jetzt aber ist eure Chance, eure Fans zu begeistern und eine neue Ära mit einzuleiten“.

Fazit: Harter Transfersommer steht bevor

Leon Buche
Leon Buche

Bayer Leverkusen wird der vielleicht härteste Transfersommer der Vereinsgeschichte erwarten. Allerdings wird Bayer Leverkusen, auch aufgrund seiner finanziellen Unterstützung durch den Bayer-Konzern die Mittel haben, immer wieder neue hochtalentierte Spieler zu verpflichten. Dennoch droht ein XXL-Umbruch, alleine schon durch die Abgänge von Alonso, Wirtz und Jonathan Tah. Die Leverkusener müssen also mehr denn je die Augen offen halten, um neue Talente zu finden, die bei der Werkself dann richtig durchbrechen können, so wie zum Beispiel der bereits verpflichtete Ibrahim Maza von Hertha BSC.

Warum ich dennoch glaube, dass Leverkusen sich auch weiterhin als zweiter Top-Favorit auf die deutsche Meisterschaft und Bayern-Verfolger Nr. 1 etablieren wird, erfahrt ihr in meinem bald anstehenden Shopping-Guide, natürlich exklusiv hier auf kickfieber.de

Das Trainerkarussell im Sommer 2025 – sorgt LaLiga für Veränderungen in der Bundesliga?

Die Ordnung in der Bundesliga scheint wieder hergestellt zu sein. Nur noch wenige Tage und der FC Bayern wird zwei Jahre nach den elf Meisterschaften in Folge seine nächste Meisterschaft feiern. Auch darüber hinaus strahlt der Verein trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Champions League gegen Inter Mailand und des wieder einmal verpassten DFB-Pokal-Finales derzeit eine gradezu stoische Ruhe aus, wenn es um die Trainerfrage rund um Vincent Kompany. Alle loben seine positive Ausstrahlung und Gelassenheit, Ex-Spieler wie Stefan Effenberg vergleichen ihn bereits gar mit Legenden wie Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld und auch sonst deutet nichts daraufhin, dass auch nur irgendjemand im Verein – bei Uli Hoeneß angefangen – derzeit an der Personalie Kompany zweifelt.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 28 April 2025, 16:54

Die Ordnung in der Bundesliga scheint wieder hergestellt zu sein. Nur noch wenige Tage und der FC Bayern wird zwei Jahre nach den elf Meisterschaften in Folge seine nächste Meisterschaft feiern. Auch darüber hinaus strahlt der Verein trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Champions League gegen Inter Mailand und des wieder einmal verpassten DFB-Pokal-Finales derzeit eine gradezu stoische Ruhe aus, wenn es um die Trainerfrage rund um Vincent Kompany. Alle loben seine positive Ausstrahlung und Gelassenheit, Ex-Spieler wie Stefan Effenberg vergleichen ihn bereits gar mit Legenden wie Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld und auch sonst deutet nichts daraufhin, dass auch nur irgendjemand im Verein – bei Uli Hoeneß angefangen – derzeit an der Personalie Kompany zweifelt. (Bild: IMAGO / Eibner)

Ist das also der Beginn einer neuen Ära, wo sich der FC Bayern wieder mal anschickt über vielleicht sogar wieder mehr als ein Jahrzehnt für jeden anderen Bundesligisten unschlagbar zu werden? Interessant ist dabei zu beobachten, dass sich mit Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und RB Leipzig alle ernsthaften Konkurrenten der Bayern derzeit in einem Trainerumbruch befinden. Nur festigt das die Dominanz von FC Bayern und Vincent Kompany dadurch umsomehr? Oder könnte der Umbruch, der beim BVB mit der Verpflichtung von Niko Kovac bereits zu Teilen abgeschlossen zu sein scheint, bei den anderen beiden Bayern-Jägern dagegen noch aussteht, auch ein Fingerzeig dafür sein, dass die Bundesliga in den nächsten Jahren wieder spannender denn je werden könnte? Hier ein Blick auf das vielleicht spannendste Trainerkarussell der letzten Jahre, was sowohl die Bundesliga als auch den europäischen Fußball diesen Sommer erwarten könnte?

Brasilien: Das Ende einer Fußball-Großmacht

Jeder kennt sicherlich das Spiel mit den in einer Reihe aufgestellten Dominosteinen. Man tippt mit dem kleinen Finger hauchzart gegen einen aufrecht gestellten Stein, wodurch dieser den Stein neben ihm berührt, et cetera pp. Genau dieser erste umkippende Dominostein könnte derzeit in Brasilien vonstatten gehen, beziehungsweise dort möglicherweise schon vonstatten gegangen sein. Denn seit dem historischen 1:7 Debakel gegen Deutschland im WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland ist in diesem Verband einfach der Wurm drin. Nur ein einziger Titel seitdem (2019, Copa America), ständige Trainerwechsel, Ärger um launische Superstars wie Neymar oder Vinicius Junior und ein oft uninspirierter und strukturloser Fußball, der mit dem der vergangenen Tage nur noch marginal etwas zu tun hat.

In den letzten Monaten drohte man sogar die Qualifikation für die WM 2026 zu verspielen, etwas was für den fünfmaligen Weltmeister nahe an einer Volkskatastrophe wäre. Man ist also händeringend auf der Suche nach einem echten Welttrainer, der es schafft dank seiner natürlichen Autorität wieder Stabilität in die Mannschaft zu bringen und Brasilien wieder zu der Fußball-Weltmacht zu machen, die sie mal war. Wer könnte da also besser passen, als der aktuelle Real-Madrid-Trainer Carlo Ancelotti, neben Zinedine Zidane vielleicht der Inbegriff eines Coaches, der es weiß, mit Superstars umgehen zu können, diesen ein gutes Gefühl auf dem Platz zu geben, beziehungsweise diese ohne zu viele taktische Vorgaben einfach mal machen zu lassen? Hinzu kennt er mit Endryk, Rodrygo und nicht zuletzt Vinicius Junior bereits ein Großteil der Offensivachse über Real Madrid. Wäre daher 2025 nicht der perfekte Zeitpunkt für den Italienischen Trainerfuchs, sich auf seine alten Tage nochmal als Nationaltrainer zu etablieren und eine Nation wie Brasilien, die vom Spielermaterial auch nachwievor noch das Zeug haben müsste, um jeden Titel mitzuspielen, zum Weltmeister zu machen?

Die Galacticos 2.0 – Ende oder neuer Anfang?

Bei Real Madrid, wo Ancelotti derzeit noch unter Vertrag steht, wäre man darüber möglicherweise auch gar nicht mal so traurig. Zu hoch sind die Erwartungen, insbesondere von Präsident Florentino Perez, der (sollten nach Kylian Mbappé auch noch Liverpool-Star Trent Alexander-Arnold, wie auch möglicherweise noch Florian Wirtz diesen Sommer zu den Madrilenen dazustoßen) dann endgültig seine Galacticos 2.0 hätte. Ein eher bodenständiger Trainer wie Ancelotti könnte dabei in seinen Augen dem Erfolg eher im Wege stehen. Hinzu kommt noch, dass Perez nach der aktuellen Saison, wo Real Madrid vom FC Arsenal in der Champions League mit einem Gesamtergebnis von 1:5 komplett vermöbelt wurde, wie auch von Barcelona in jedem direkten Duell zum neuen Vizekusen Spaniens gemacht wurde, auch sportlich genug Gründe hätte, sich von Ancelotti zu trennen.

Dass Real Madrid unter Ancelotti in den letzten drei Jahren zweimal die Champions League gewann, interessiert die Vereinsführung dabei ebenso wenig, wie die Tatsache, dass schon die originalen Galacticos mit den zum Teil gleichzeitig auf dem Platz stehenden Stars David Beckham, Ronaldo, Luis Figo und Zinedine Zidane mit einer um Champions League Titel mitspielenden homogenen Mannschaft so viel zu tun hatte, wie Antonio Rüdiger mit einem buddhistischen Priester. Real Madrid soll wieder das eine über allen stehende Universum im Weltfußball werden, sowohl was sportlichen Erfolg als auch was die maximale mediale Strahlkraft und Starpower angeht.

Doch gibt es überhaupt einen Trainer auf diesem Planeten, der das erfüllen kann? Natürlich gab es in der Vergangenheit auch viele Teams, die von Stars und teilweise auch mal launischen Individualathleten geprägt waren, aber trotzdem Titel gewannen (man denke an das Brasilien rund um die Jahrtausendwende), dennoch bräuchte es bei der aktuellen Transferpolitik der Madrilenen schon ein absolutes soziales Genie, was Menschenkenntnis und Führungsqualitäten angeht. Nicht umsonst wurde auch der Name Jürgen Klopp in spanischen Medien schon gehandelt, dennoch führt die Spur – und damit der dritte Dominostein – hier nach Nordrhein-Westfalen: Nach Leverkusen.

Xabi Alonso: Lässt der einstige Padawan den königlich-spanischen Jedi-Rat zappeln?

Xabi Alonso war in der Saison 2023/24 nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa mit Sicherheit der Überraschungstrainer. Vorher noch nie ein Profiteam trainiert, gewann er gleich in seinem ersten Jahr mit der notorisch titellosen Werkself gleich zwei Titel. Und hätten seinen Leverkusenern nicht am Ende das Durchhaltevermögen gefehlt, das Europa-League-Finale gegen Atalanta Bergamo auch noch zu gewinnen und damit das „kleine“ Triple zu holen, möglicherweise wäre dann auch nicht Ancelotti, sondern Xabi Alonso beim Ballon d’or zu Europas Trainer des Jahres ausgezeichnet wurden.

Dies sahen natürlich auch die Verantwortlichen von Real Madrid, die ihren ehemaligen Mittelfeldstar schon mehr als jeden anderen aufsteigenden Trainer im Visier haben. Die einzige Frage blieb die nach dem richtigen Moment. Perfekt wäre hier natürlich eine sportliche Phase, bei der es sowohl für Real Madrid als auch für Bayer Leverkusen eher durchwachsen läuft, was man (spätestens nach dem Aus der Werkself gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal-Halbfinale) aktuell durchaus auch auf Seiten von Bayer Leverkusen sagen kann.

Das Einzige, was noch gegen Alonsos Wechsel zu Real noch in diesem Sommer sprechen könnte, ist die Frage, ob ein so intelligenter Trainer wie Xabi Alonso, der seine Karriere so bodenständig und durchdacht plant und bislang eher an eher unbekannten hungrigen jungen Mannschaften interessiert war, sich diese Herkulesaufgabe, in Zukunft Mbappé, Vinicius und Bellingham zu trainieren, überhaupt jetzt schon antun möchte. Denn auch wenn es immer wieder heißt, Real Madrid ruft nur einmal an, gehört zur Wahrheit auch, dass es bis auf Zidane aktuell weltweit gesehen keinen Trainer gibt, der als Spieler eine solche Real-Madrid-Legende war, gleichzeitig aber auch schon ein so großes Standing hat. Könnte es daher tatsächlich dazu kommen, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Königlichen ein Trainer, der vor zwei Jahren noch ein absoluter Trainernovize war, den Champions-League-Rekordsieger zappeln lässt?

Der Xabi Alonso Deutschlands: Möglicherweise Sandro Wagner?

Was aber passiert mit Bayer Leverkusen auf der Trainerebene, sollte Xabi Alonso in den nächsten Wochen tatsächlich zu Real Madrid wechseln? Viele Starspieler, ganz vorne natürlich Jonathan Tah (bei dem ein Abgang aus Leverkusen diesen Sommer bereits fest steht) und Florian Wirtz (wo sich die Gerüchte um einen Abgang zu Real Madrid, Manchester City oder dem FC Bayern mehr und mehr häufen) könnten den Verein verlassen. Und ohne den Teufel an die Wand zu malen, es wäre auch nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach einem One-Hit-Wonder-Erfolg wie dem von Leverkusen vergangene Saison, kurze Zeit später personell zusammen bricht. Sollte das geschehen und sollten weitere Leverkusen-Stars wie Jeremie Frimpong, Edmond Tapsoba oder Alejandro Grimaldo den Verein ebenfalls verlassen, sollten sich Carro & Co. auf jeden Fall gut überlegen, wen sie als Alonso-Nachfolger diesen Sommer als neuen Cheftrainer präsentieren. Neben vielen anderen Optionen gibt es hier meiner Einschätzung nach eine Risikovariante und eine Nummer-Sicher-Variante:

Die Risiko-Variante wäre hier ganz klar Sandro Wagner, womit ein neuer Name in das Trainerkarussell eingreifen würde: Große Persönlichkeit, als TV-Experte von den Fans bereits zum „Experten des Jahres“ gewählt und hinzu noch Co-Trainer unter Julian Nagelsmann. Hinzu ist Sandro Wagner auch ein Mensch, dem der Begriff „Opportunismus“ in seiner Karriereplanung zumindest nie peinlich war. „Wenn andere sich besser fühlen, wenn sie mit dem Fahrrad zum Training fahren, können sie es gerne tun. Ich fahre meinen Porsche und steh dazu“, ist hierbei ein altes Zitat von Sandro Wagner (damals noch als Bayern-Spieler), der ihn in seiner Persönlichkeit ganz gut zusammen fasst. Ob als Spieler von Darmstadt zu Bayern oder als Trainer vom Viertligaaufsteiger Unterhaching zur Nationalmannschaft, die Vergangenheit zeigt, dass der gebürtige Münchner große Karriereschritte bislang nicht gescheut hat. Und auch wenn die TSG Hoffenheim, ein Verein für den er bereits gespielt hat, vielleicht der logischere nächste Schritt für eine erste Bundesligastation als Cheftrainer wäre, sollte man Leverkusen hier nicht ausschließen.

Und von Vereinsseite wäre das nichts anderes als wieder mal das Risiko nicht zu scheuen, mit einem neuen jungen Trainer ein neues großes Kapitel wagen und mit den minimum 150 Millionen Euro, die zum Beispiel ein Abgang von Florian Wirtz in die Vereinskassen spülen könnte, ein neues hungriges Team aufzubauen. Und wer weiß, vielleicht hat man ja nach Kai Havertz und Florian Wirtz ja auch schon das nächste deutsche Supertalent im Nachwuchs, was in ähnliche Höhen aufschwingen könnte.

Die Zukunft von Marco Rose

Oder wählt man in Leverkusen diesmal doch eine Nummer sicher Variante und holt einen bereits erfahrenen Bundesligatrainer? Oliver Glasner von Crystal Palace wäre hier sicherlich ein Kandidat, allerdings hat dieser dort noch einen Vertrag bis 2026. Eine Alternative wäre der ehemalige Leipzig-Trainer Marco Rose, der seinen ersten großen Erfolg in Deutschland gar nicht so weit von Leverkusen feierte, nämlich mit dem ersten K.O.-Runden-Einzug in der Champions League von Borussia Mönchengladbach seit über 20 Jahren.

Seitdem hat sich Rose auch bei Borussia Dortmund und RB Leipzig einen Namen gemacht, die ganz großen Erwartungen, die man in ihn nach seinem Wechsel von Gladbach zu Dortmund hatte, konnte er allerdings nicht erfüllen und bleibt seitdem in der Wahrnehmung der Fans irgendwo zwischen „solider Bundesligatrainer“ und „europäischer Spitzentrainer“. Ein Verein wie Bayer Leverkusen als nächste Station könnte also für den derzeit vereinslosen Trainer durchaus passen. Zuzüglich bewies er sowohl bei Dortmund als auch bei Leipzig, dass er auch sehr gut darin war, junge Spieler mit einzubinden, was umso mehr zur Vereinsphilosophie von Bayer Leverkusen passt.

Die Zukunft von RB Leipzig

Und RB Leipzig – hier hätte natürlich eine Verpflichtung Stuttgart-Trainer Sebastian Hoeneß das Trainerkarussell perfekt gemacht, dieser hat nun aber grade seinen Vertrag beim VFB bis 2029 verlängert. Hier muss man sich daher umorientieren, wobei ganz vorne in der Gerüchteküche der aktuelle Mainz-Trainer Bo Henriksen, wie auch der Ex-Leverkusen-Trainer und ebenfalls aus dem RB-Kosmos kommende Roger Schmidt stehen. Oder geht man aus der Sicht der roten Bullen nochmal komplett All-In und holt seinen „Head Of Global Soccer“ Jürgen Klopp zurück auf die Trainerbank? Wo sich wahrscheinlich alle Fans einig sind: Aktuell gibt es kaum etwas, was man Jürgen Klopp nicht zutrauen würde, so überrascht und spaltet er doch wie niemand anders derzeit die Herzen der deutschen Fußball-Fans.

Und Hand aufs Herz: Ein FC Bayern, der in der nächsten Saison sowohl von seinem Ex-Trainer Niko Kovac (Borussia Dortmund), seinem Ex-Spieler Sandro Wagner (ab nächster Saison möglicherweise Bayer Leverkusen) und seinem größten Angstgegner Jürgen Klopp belagert wird, da kann man doch nur Vorfreude auf die nächste Saison haben, schon alleine bei all den Fandiskussionen und Medienschlammschlachten, die eine solche Konstellation zur Folge haben würde.

Fazit: Die Bundesliga könnte spannend bleiben

Leon Buche
Leon Buche

Auch wenn man eine Dominanz der Bayern natürlich nie ausschließen darf, sollten auch weitere Überraschungen wie der Titel von Bayer Leverkusen 2023/24 weiterhin möglich sein. Borussia Dortmund ist im Jahr 2025 zum ersten Mal wirklich auf den Boden der Tatsachen angekommen, womit klar ist, dass es jetzt eigentlich nur noch extrem in die eine oder in die andere Richtung gehen kann.

Bayer Leverkusen muss zwar um seinen Meistertrainer begangen, wirkt aber in der Führungsriege rund um Simon Rolfes und Fernando Carro umso gefestigter. Und RB Leipzig ist von seinen finanziellen Möglichkeiten vielleicht der einzige Verein in Deutschland, der den Bayern auch auf der Ebene langfristig paroli bieten könnte, insbesondere wenn es gelingt, mit Jürgen Klopp die Galleonsfigur im RB-Kosmos zu halten, der den Bayern in den letzten 20 Jahren möglicherweise am meisten Angst gemacht hat. Fans sollten sich daher durchaus auch in den nächsten Jahren auf eine spannende Bundesliga freuen können.