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Max

Still kicking: Gladbach - Dante, Wendt & Co.

In unserer neuen Serie „Still kicking" widmen wir uns Spielern aus der Vergangenheit, die hierzulande größtenteils von der Bildfläche verschwunden sind, aber noch immer irgendwo auf der Welt gegen das runde Leder treten. Ob ehemalige Talente, Flops oder Legenden - hier ist für jeden was dabei. In der ersten Ausgabe beschäftige ich mich mit Borussia Mönchengladbach. (Bild: IMAGO / Ulmer)

05.04.2009, Karlsruher SC gegen Borussia Mönchengladbach: Als Einlaufkind habe ich mir an diesem Tag den Platz mit unseren ersten zwei Akteuren geteilt. Und während meine Frisur damals eher an Ansgar Brinkmann erinnerte, habe ich mich 14 Jahre später an unseren ersten Ex-Borussen angepasst.

Michael Bradley: endlich sesshaft

Mit einer 15 Tore Saison im Rücken zog es den US-Boy 2008 aus Heerenveen zu den Borussen. Nach zweieinhalb Jahren als Stammspieler im Gladbacher Mittelfeld zog es den Sohn seines damaligen Nationaltrainers leihweise nach Birmingham zu Aston Villa - der Abstiegskampf soll ihm nicht zugesagt haben. 18 Minuten Premier League Fußball später ging es dann, dieses Mal fix, nach Italien zu Chievo Verona. Nach nur einer Saison zog Bradley weiter in die ewige Stadt, doch auch den AS Rom verließ er nach einem Jahr – zum Toronto FC nach Kanada. Damals ein sehr überraschender Transfer, gingen doch zu dieser Zeit wenige international angesehene Spieler in die „Rentnerliga“ MLS.

„Die MLS ist bemüht, ihre Qualität zu erhöhen.“ - Jürgen Klinsmann über den Transfer

Als Wandervogel hätte man den Mann mit dem starken rechten Fuß damals wohl bezeichnet. Heute, neun Jahre später, steht er weiterhin seinen Mann im Mittelfeld der Kanadier. Dabei konnte er 2015 den Titel des „US Soccer’s Male Player of the Year“ gewinnen. Dabei ist er einer der prägenden Akteure auf dem langen Weg der Major League Soccer zu einer weitläufig respektierten Liga. Seit 2021 übrigens auch wieder mit Vater Bob an der Seitenlinie.

Dante: der Champions League Sieger

Wenn wir schon über Frisuren reden: Dante! Das erwähnte Spiel war erst der dritte Einsatz des Brasilianers, der für 2,5 Millionen Euro aus Lüttich kam, im Trikot der Fohlen. Viel mehr Spiele brauchte der Verteidiger nicht, um sich mit seinem auffälligen Afro, der scheinbar chronisch guten Laune und herausragenden Leistungen in die Herzen der Fans zu spielen. 2012 folge dann der Wechsel zu den Münchner Bayern, wo er auf Anhieb zum Stammspieler wurde und als solcher den Champions League Titel holen konnte. Doch auch persönliche Spuren hinterließ der Strahlemann. Bestes Beispiel dafür ist Dante Rummenigge, Enkel von Bayern-Legende Karl-Heinz.

Von 30 Millionen Transfer Mehdi Benatia verdrängt, ging der WM Teilnehmer von 2014 dann drei Jahre später nach Wolfsburg und ein Jahr später an die zugegebenermaßen etwas schönere Côte d'Azur nach Nizza. Dort ist er noch heute, mit 39 Jahren, unumstrittener Stammspieler und verpasste in der laufenden Saison eine einzige Partie in der Ligue 1. Am 18. Oktober wird Dante 40 Jahre alt - wahrscheinlich ist, dass er ihn auf dem grünen Rasen feiert.

Raul Bobadilla: ein echter Wandervogel

Bei zwölf Vereinen stand der Mann aus Paraguay bisher unter Vertrag, in den Borussia-Park wurde er sogar zwei Mal transferiert. 2009 flossen über 4 Millionen an die Grashoppers aus Zürich, nach Zwischenstationen in Thessaloniki, Basel, Bern und Augsburg waren es 2017 derer 2. Wie für den Stürmer mit der breiten Brust so üblich, war er beim zweiten Anlauf nach nur einer Saison wieder weg, dieses Mal ging es über den großen Teich zu den Argentinos Juniors nach - Überraschung - Argentinien.

Es folgten zwei wilde Jahre, bei denen er weder in der seiner Heimat bei Guarani noch bei Fluminese nachhaltig überzeugen konnte. Vergangenen Winter ging es dann zurück in die Schweiz, dieses Mal in die Zweitklassigkeit. Mit heute 35 Jahren ist er heute Leistungsträger beim FC Schaffhausen und scheint noch lange nicht ans Aufhören zu denken.

Oscar Wendt: zurück zu den Wurzeln

Deutlich weniger Clubs hatte der ehemalige Leitwolf, oder besser das Leitfohlen, Oscar Wendt. Als Teenager ging es aus seiner Heimat Göteborg nach Kopenhagen, wo er fünf Jahre blieb bevor er den Schritt in die Bundesliga ging. Heute steht er mit über 300 Spielen auf Platz 17 der Rekordspieler Gladbachs - eine wahre Vereinslegende. Nachdem er nach einem Jahrzehnt seinen Stammplatz an Rami Bensibaini verlor, ging es zurück zu seinem Jugendclub IFK in seiner Geburtsstadt Göteborg. Dort ist Wendt, wie er es gewohnt war, wieder unumstrittener Stammspieler, trotz seiner schon 37 Lenze auf dem Buckel.

Luuk de Jong: auf Umwegen zu Barca

Vom Kapitän gehen wir über zu einem großen Missverständnis. Zum ersten Mal seit 1996 beendete die Borussia die Saison 11/12 auf einem einstelligen Tabellenplatz - und dann gleich als Vierter. Um den Aufwärtstrend zu halten und im europäischen Geschäft zu bestehen wurde ein 21 Jahre alter Stürmer aus den Niederlanden verpflichtet, der in 31 Ligaspielen für Twente Enschede 25 Mal netzen konnte: Luuk de Jong. 12 Millionen Euro Ablöse, damals Rekordtransfer der Clubgeschichte, sofort die Nummer 9 auf dem Rücken: die Vorschusslorbeeren aber auch die Last auf seinen Schultern war enorm. Nach einer ersten Saison mit Licht und Schatten folgte eine Hinrunde mit nur 73 Liga-Minuten, das kongeniale Duo Raffael und Kruse beanspruchte die Plätze in der vordersten Reihe. Also ging es zuerst leihweise zum heutigen Saudi-Verein nach Newcastle und dann zurück in die heimische Eredivisie zu PSV. Und dort fand de Jong auch wieder zu seiner Form, konnte in zwei aufeinanderfolgenden Saisons mehr Scorer als Einsätze verbuchen.

2019 folgte dann der nächste Transfer ins Ausland, für abermals 12 Millionen ging es zum FC Sevilla. Nach zwei guten, aber nicht überragenden Saisons dann die riesige Überraschung: per Leihe ging es für de Jong zum großen FC Barcelona. Erwartungsgemäß konnte er sich nicht durchsetzen, 7 teilweise wichtige Tore erzielte er nichtsdestotrotz. Im vergangenen Sommer ging es dann zurück nach Eindhoven, wo er noch immer eine große Rolle spielt. Außerdem stand er im WM-Kader der Niederlande, verwandelte sogar im Viertelfinale einen Elfmeter gegen den späteren Weltmeister Argentinien. Keine schlechte Karriere für einen Transferflop.

Viel rumgekommen sind unsere fünf Ex-Fohlen und das werden auch wir. In den kommenden Monaten wird sich "Still kicking" auf der Suche nach spannenden Ex-Spielern durch Fußballdeutschland wühlen. Schaut auf Kickfieber.de vorbei und seid dabei!

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Max

Bekommt Deutschland ein Torwartproblem?

Sepp Maier, Bodo Ilgner, Oliver Kahn, Jens Lehmann, Manuel Neuer - die Liste der deutschen Weltklasse-Torhüter ist lang. Doch nicht erst seit der schweren Skiverletzung von Manuel Neuer wächst in Deutschland die Angst vor einem Torwartproblem. Hat Deutschland bald das erste Mal seit Ewigkeiten keinen Weltklasse-Keeper im Tor? (Bild: IMAGO / Laci Perenyi)

Beginnen wir mit der Nummer 1, Neuer selbst. Mit bald 37 Lenzen auf dem Buckel und einem gebrochenen Unterschenkel ist Neuer kein Mann für die Zukunft. Als Torhüter, vor allem mit seiner Klasse, kann er selbstverständlich auch bis ins höchste Fußballalter Leistung bringen. Doch Berichten zufolge zweifelt selbst sein Arbeitgeber aus München an einer schnellen Genesung und sucht aktiv nach einem Nachfolger.

Seit Jahren ist Marc-André ter Stegen der designierte Nachfolger. Der Schlussmann des FC Barcelona gehört schon lange zur Weltklasse, in den vergangenen zwei Jahren zeigte er jedoch immer häufiger durchwachsene Leistungen. Trotzdem ist die nähere Zukunft der Torwartposition in sicheren Händen. Doch auch ter Stegen ist schon 30 Jahre alt, eine langfristige Lösung sieht anders aus.

"Hier soll ich hart arbeiten und um die Position kämpfen." - Marc-André ter Stegen

Und die anderen Optionen? Bei Kevin Trapp, Bernd Leno und Oliver Baumann steht auch schon die 3 vorne. Alexander Nübel ist mit 26 Jahren in seiner zweiten Saison als Stammspieler beim AS Monaco. Ob er jedoch jemals auch nur in die Nähe der Weltklasse kommt, darf bezweifelt werden. Weitere deutsche Torhüter existieren, zeigten in den vergangenen Jahren aber nicht konstant Leistungen, die eine namentliche Erwähnung rechtfertigen. Die nähere Zukunft ist also geklärt, an ter Stegen führt kein Weg vorbei. Und danach?

Nach Sport1-Informationen gibt es eine Untersuchung der DFB-Akademie, wonach Deutschland 2028 keinen Weltklasse-Torwart mehr hat. Aber woran liegt das, hat man in Deutschland verlernt, Torhüter auszubilden? Vermutlich nicht. Aber was die Herren Neuer, ter Stegen, Trapp, Leno und Baumann gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor ihrem 21. Geburtstag die Nummer 1 eines Bundesligaclubs waren. Außerdem standen am ersten Spieltag der Saison 2012/2013 14 deutsche Torhüter in der Startelf - 10 Jahre später waren es deren 8. Der jüngste davon ist der Stuttgarter Marius Müller (25), ihr Altersschnitt liegt jenseits der 30.

"Wir haben das Ziel, dass in der Bundesliga möglichst viele deutsche Keeper gesetzt sind. Die Spielpraxis ist für die Jungs entscheidend." - Marc Ziegler, DFB-Torwartkoordinator

Genau diese Spielpraxis auf höchstem Niveau geht den jungen deutschen Keepern aktuell ab. Anstatt auf einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen, holt man bewährte Kräfte aus dem In- und Ausland. Selbst die Möglichkeit, sich als Ersatztorhüter zu beweisen, ist oft nicht gegeben. Lieber setzen die Vereine auf Spieler wie Sven Ulreich (34), Alexander Meyer (31) oder Janis Blaswich (31) - erfahrene Torhüter, denen man in Drucksituationen wohl weniger Wackler zutraut als einem Nachwuchsspieler. Meiner Meinung nach ein Nebeneffekt der stetig wachsenden Menge Geld im Fußballgeschäft: ein einziger Fehler kann potenziell unzählige Millionen kosten, was die Vereine zu konservativem Handeln zwingt.

Die vielversprechendsten Talente sammeln aktuell in anderen Ligen Spielpraxis. Die ehemalige Torwart Hoffnung der Bayern, Christian Früchtl, ist bei der Wiener Austria Stammtorhüter, jedoch auch schon 22 Jahre alt. Der Dortmunder Luca Unbehaun (21) hat seinen Stammplatz in der Zweitvertretung kürzlich an Marcel Lotka (ebenfalls 21) verloren, der bei den Junioren-Auswahlen bisher für Polen auflief. Nico Mantl (22) verließ RB Salzburg nach eineinhalb Jahren auf der Bank im Winter leihweise gen Aalborg, er wird wohl auf einen baldigen Wechsel von Stammkraft Philipp Köhn hoffen.

Besser ergeht es aktuell Tim Schreiber (20), der von RB Leipzig an Holstein Kiel verliehen ist und sich gegen Ende der Hinrunde den Stammplatz ergattern konnte. Doch meine größte Hoffnung spielt aktuell in der 3. Liga: der 20-jährige Noah Atubolu vom SC Freiburg. Aktuell für Spielpraxis in der zweiten Mannschaft eingesetzt, ist der U21 Nationalspieler klarer Vertreter der Nr. 1 Mark Flekken. Doch das könnte sich im Sommer ändern.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in dieser Konstellation in die Saison 2023/24 gehen, ist eher gering.“ - SC-Sportdirektor Clemens Hartenbach

Berichten zufolge könnte Flekken den Verein bei einem passenden Angebot verlassen. Dann stünde Atubolu bereit, um mit dann 21 Jahren zur mit Abstand jüngsten Nr. 1 der Liga zu werden. Und da für einen Torhüter nichts wichtiger ist als Spielpraxis, würde es mich nicht wundern, wenn er zum Nachfolger von Marc-André ter Stegen wird. Ob er jemals die Weltklasse erreicht, ist heute unmöglich zu sagen, aber ausgeschlossen ist es keinesfalls. Hoffen wir also, dass sich der Freiburger in die lange Liste der überragenden deutschen Keeper einreihen kann.

Abschließend muss ich deutlich sagen, dass wir kein Torwartproblem bekommen, sondern eines haben. Nicht personell, genug Talent ist in den Mannschaften und den Akademien definitiv vorhanden, sondern strukturell. Es ist an den Vereinen, diese Kette zu durchbrechen und ihren jungen Torhütern das Vertrauen zu schenken.

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Max

Das moderne Fußballmärchen des Lucas Pérez

Direkt am Strand der spanischen Atlantikküste gelegen, bietet das Estadio Riazor eine malerische Kulisse für ein Fußballmärchen. Im Jahre 2000 krönte sich der Real Club Deportivo de La Coruña hier zum ersten spanischen Meister des 21. Jahrhunderts. Lucas Pérez war damals 11 Jahre alt und leidenschaftlicher Fan des Clubs aus seiner Heimatstadt. 23 Jahre später ist er es, der ein Märchen schreibt und die Ränge des 1944 erbauten Stadions zum Beben bringt. (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)

Um die Jahrtausendwende war Deportivo einer der erfolgreichsten Vereine Spaniens. Meister 2000, Pokalsieger 1995 und 2002, Champions League Halbfinale 2004 - im Nord-Westen Spaniens war man Erfolg gewöhnt. Der polarisierende Präsident Augusto Cesar Lendoiro hatte den hochverschuldeten Zweitligisten 1988 übernommen und zu 20 Jahren Erstklassigkeit und Erfolg geführt. 2014 trat er zurück und hinterließ den Club wie er ihn einst vorgefunden hatte: Pleite und in Liga 2. Heute spielt Deportivo in der 3. Liga unter anderem gegen die Zweitvertretung des großen Rivalen Celta Vigo, vom Glanz des gefeierten "Superdepor" ist wenig übrig.

Wie viele Kinder in Galicien träumte auch der kleine Lucas Pérez davon, für seinen Lieblingsverein, damals auf seinem Zenit, zu spielen. Doch beim Vorspielen wurde er als nicht gut genug befunden. Mit 15 ging er schließlich zu einem anderen Deportivo, Alaves, um dort seine Karriere zu starten. Diese führte ihn über die 3. Mannschaft von Atletico Madrid, dem zweitklassigen Rayo Vallecano, die Ukraine und Griechenland ans Ziel seiner Träume: das Estadio Riazor.

Zwei Jahre blieb er in seiner neuen alten Heimat, aber nach einer 17 Tore Saison war der Lockruf der Premier League zu groß. 20 Millionen Euro musste der FC Arsenal für seine Dienste blechen, ein stolzer Preis für nur einen Ligatreffer. Der Transfer erwies sich als Missverständnis und so ging Pérez auf Leihbasis zurück zu Deportivo, wo er den Abstieg trotz 14 Torbeteiligungen nicht verhindern konnte.

Es folgten Stationen in West Ham, Alaves, Elche und Cadiz, für letztere erzielte er in der Hinrunde der laufenden Saison drei Treffer in der spanischen Eliteklasse. Doch der kleine Junge aus A Coruña lebte im Profifußballer Pérez weiter und er konnte es nicht ertragen, seinen Verein, seine Jugendliebe am Boden zu sehen. Und so ging er im Winter den Schritt, der ihm in der ganzen Fußballwelt Anerkennung einbrachte: er wechselte zurück ins Estadio Riazor, zu seinem Club, um zu helfen, den Aufstieg in die zweite Liga zu realisieren.

Pérez, der das letzte Mal vor über 10 Jahren in einer unterklassigen Liga aktiv war, der Toptorjäger eines Erstligisten.
Pérez, der in November noch gegen Real Madrid netzen konnte, gegen deren Zweitvertretung er im März antreten wird.
Allein der Wechsel ist schon beeindruckend, doch Cadiz wollte sich den Abschied eines wichtigen Spielers natürlich finanziell versüßen lassen, forderte eine Million Euro für den Stürmer. Diese Summe stellt für einen Drittligisten eine enorme Hürde dar, doch nichts konnte Pérez von seinem Plan abhalten. Aus eigener Tasche zahlte er die Hälfte der Ablösesumme, finanzierte seinen sportlichen Rückschritt also sogar selbst.

"A Coruña ist die Stadt, in der ich den Rest meines Lebens leben möchte." - Lucas Pérez

Am Sonntag war es dann soweit, beim Heimspiel gegen Unionistas CF stand der verlorene Sohn wieder in der Startelf seines Heimatvereins. 48 Minuten waren vergangen, als Pérez plötzlich frei vor dem gegnerischen Keeper auftauchte und ihn mit all seiner Klasse umkurvte. Was dann passiert seht ihr am besten selbst.

Unter tosendem Jubel küsst er sichtlich emotional immer wieder das Wappen, das er schon als kleiner Junge auf der Brust getragen hat. Heutzutage eine inflationär verwendete Geste, selten war sie aber so angebracht wie in diesem Fall. Balsam für die Seele aller Fußballromantiker.
Noch einen weiteren Treffer erzielte der Stürmer beim klaren 3:0 Erfolg der Galicier, der sie dem großen Ziel Aufstieg näher bringt. In diesem Fall würde sich sein Vertrag bis 2026 verlängern, 37 Jahre wäre Pérez dann. Ich persönlich wünsche ihm von Herzen, dass er seine Karriere dann beim Erstligisten Real Club Deportivo de La Coruña beenden kann.

Denn in einer Zeit, in der manch schwerreicher Fußballer seinen Karriereabend für wahnwitzige Summen in Saudi Arabien verbringt, bieten Menschen wie Lucas Pérez einen angenehmen Gegenpol.

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Max

WM Vorschau: Wird Marokko Afrikas erster Halbfinalist?

Am Samstag um 16 Uhr ist es soweit, der Außenseiter aus Marokko fordert Portugal im Kampf um den Einzug ins Halbfinale heraus. Zum ersten Mal könnte eine Mannschaft aus Afrika ins Halbfinale der WM einziehen, zum ersten Mal in der Geschichte steht eine arabische Nation im Viertelfinale. Eine Partie mit großer historischer Bedeutung steht bevor! (Bild: IMAGO / Agencia EFE)

32 Jahre ist es her, dass der damals schon 38 Jahre alte Roger Mila die Nationalmannschaft Kameruns gegen Kolumbien ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft schoss. Der tanzende Stürmer wurde zum Helden der WM und Kamerun zur ersten afrikanischen Nation im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft - eine Leistung die seitdem noch zwei Mannschaften gelang, jedoch nicht übertroffen wurde. Erst in der Verlängerung konnte England, das Mutterland des Fußballs, den Halbfinaleinzug der unzähmbaren Löwen verhindern. Nun hat wieder ein afrikanisches Team die Chance, die Runde der letzten Vier zu erreichen.

In einer Gruppe mit Vize-Weltmeister Kroatien, dem Zweiten der Weltrangliste Belgien und den nicht zu unterschätzenden Kanadiern war ein Weiterkommen Marokkos nicht vorprogrammiert. Dass sich die Löwen vom Atlas als Gruppensieger durchsetzen konnten glich einer Sensation, war jedoch keinesfalls unverdient. Aus einer soliden Defensive mit dem überragenden Sechser Sofyan Amrabat, mit angriffslustigen Außenverteidigern aus den besten Clubs der Welt, den Edeltechnikern Ziyech und Boufal sowie dem wuchtigen Stürmer En-Nesyri wusste Marokko auf ganzer Linie zu überzeugen. Und so war zumindest unser Experte überzeugt, dass sich die Marokkaner auch gegen Spanien durchsetzen können. Wie das ausging, haben wir alle gesehen. Drei verschossene Elfmeter der Spanier und ein neuer Held wurde geboren: Torhüter Bono.

Der Gegner

Die Portugiesen zeigten nach einer durchwachsenen Gruppenphase im Achtelfinale gegen die Schweiz, wieso immer mit ihnen zu rechnen ist. Mit überfallartigen Angriffen und viel technischer Finesse filetierten sie die Eidgenossen, das 6:1 war am Ende auch in dieser Höhe leistungsgerecht. Und deswegen widerstehe ich der Versuchung, das größte Thema im portugiesischen Fußball anzusprechen. Mit der neu formierten Offensive sind die Portugiesen nun so unberechenbar wie schon lange nicht mehr. Vor allem Joao Felix, in Madrid vom Defensivfußball Marke Simeone eingebremst, begeistert die Zuschauer und der neue Mittelstürmer Ramos könnte zur Entdeckung der WM werden.

Vorschau

Vieles wird daran hängen, ob die starke Innenverteidigung Marokkos, Romain Saiss und Nayef Aguerd, rechtzeitig fit wird. Ob die Backups die Qualität haben, Weltklasse-Spielern wie Bernardo Silva oder Bruno Fernandes die Stirn zu bieten, darf bezweifelt werden. Dafür sehe ich auf der Außenbahn ein Missmatch zugunsten der Marokkaner: der defensiv oft nachlässige Dortmunder Guerreiro trifft auf die Kombination aus Ex-Kollege Hakimi und Ziyech. Hier sehe ich die größten Chancen auf einen Erfolg Marokkos.

Aber ein solches Spiel wird nicht nur mit den Füßen gewonnen, sondern auch in den Köpfen. Wie schwer wiegt die Hoffnung eines gesamten Kontinents und der arabischen Welt auf den Schultern der Marokkaner? Können sie den Druck in Motivation umwandeln oder zerbrechen sie daran? Mehr als jede taktische Analyse wird die Antwort auf diese Frage entscheiden, wer den Platz als Sieger verlässt und sich zu den vier besten Nationalmannschaften der Welt zählen kann.

Prognose

Vieles spricht für Portugal: Die besseren Fußballer, das marokkanische Verletzungspech und nicht zuletzt die Erfahrung auf den größten Bühnen. Und trotzdem kann ich den Fußballromantiker in mir nicht aufhalten. Marokko nimmt den Kampf an und besiegt den nächsten iberischen Favoriten auf dem Weg in die Geschichtsbücher.

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Max

Tim Breithaupt – wie gut ist er wirklich?

Dortmund, Gladbach, Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen - diese fünf Vereine kämpfen nicht nur Jahr für Jahr um die internationalen Plätze, sondern auch um die Unterschrift von Tim Breithaupt. Rund 4 Millionen Euro soll der 20 Jahre alte Sechser vom Karlsruher SC den Bundesligisten wert sein. Lasst euch von einem KSC-Fan erklären, was unser Tafelsilber so kann - und was nicht. (Bild: IMAGO / foto2press)

Über die Stationen Nesselried, Offenburg und Freiburg kam Breithaupt im Alter von 15 Jahren in das Karlsruher NLZ. Dort etablierte er sich in sämtlichen Altersklassen auf Anhieb als Stammspieler, bis er schließlich im Alter von 18 Jahren sein Profidebüt feiern konnte. Von da an ging es für ihn steil bergauf. Gegen Ende der Corona-Saison 20/21 noch aufgrund von Verletzungen in die Startelf gespült, setzte er sich zu Beginn der neuen Saison im internen Ranking vor den erfahrenen Lukas Fröde, der nach Rostock flüchtete. Seitdem ist der U20 Nationalspieler nicht mehr aus dem Mittelfeld der Karlsruher wegzudenken, stand in der aktuellen Saison in jedem Spiel in der Startelf.

Was macht Breithaupt so wichtig?

Schon bei seinen ersten Einsätzen im Profibereich hat mich Breithaupt mit seiner unglaublichen Ruhe am Ball beeindruckt. Früh erkannten ihn selbst seine erfahrensten Mitspieler unter Gegnerdruck als sichere Anspielstation, suchten ihn im Spielaufbau. Jedoch zeigte er sich zu Beginn seiner Laufbahn fast ausschließlich im geduldigen Spielaufbau, spielte selten Bälle in die Tiefe oder ging ins Dribbling. Die einen lobten ihn als auffällig unauffällig, meine geliebten Bruddler im Wildpark sprachen bereits von Querpass-Tim.

Aber wie Breithaupts fußballerisches Idol, Querpass-Toni Kroos, zeigt, kann man auch mit diesem Spielstil zu Erfolg kommen. Und wie beim erfolgreichsten deutschen Fußballer der Geschichte hat auch das Spiel von Tim Breithaupt andere Facetten. Im Laufe der letzten beiden Jahre fand er immer häufiger den Weg in die gegnerische Hälfte, um mit klugen Spielverlagerungen und schnellen Direktpässen für Gefahr zu sorgen. Dabei fällt immer wieder seine enorme Handlungsschnelligkeit und Übersicht auf. Nur folgerichtig, dass er sich am 5. Spieltag dieser Saison mit seinem ersten Treffer im Profibereich belohnte - einem wunderschönen Volley aus 16 Metern.

Bei all der spielerischen Klasse darf man jedoch eine der Kernaufgaben eines Sechsers nicht vergessen: das Verteidigen. Hier zeigt der 20-Jährige die größten Schwächen in seinem Spiel, hat noch zu oft das falsche Timing in Zweikämpfen. Vor allem die für einen Defensivmann wichtige Giftigkeit lässt er noch zu oft vermissen. Doch auch hier zeigte er in den vergangenen Monaten große Steigerungen, angetrieben von seinem erfahrenen und kampfstarken Nebenmann Jerome Gondorf. Trotz einer Körpergröße von über 1,90 Metern fehlt ihm außerdem oft noch die Körperlichkeit, um sich gegen die physisch starken Angreifer der 2. Bundesliga zu behaupten. Er wird wohl noch eine Weile Stammgast im Kraftraum bleiben müssen, um dieses Defizit auszumerzen.

"Meine Spielweise ist gereift. In den Zweikämpfen habe ich ein besseres Gefühl bekommen. Und ich versuche mich immer mehr im Spiel nach vorne einzubringen und auch da Akzente zu setzen." - Tim Breithaupt

Trotz bisher starker Leistungen ist daher offensichtlich, dass in Breithaupt noch eine Menge Potenzial schlummert. Auch von Fehlern, wie dem wirklich schlimmen Eigentor gegen Kiel, ließ er sich nicht nachhaltig beeindrucken. Nicht nur auf dem Platz, in der gesamten Liga hat er diese Saison die neuntmeisten Kilometer abgespult, sondern auch neben dem Platz gilt der Sechser als harter Arbeiter. Das kann die Fans seines nächsten Vereins hoffen lassen, dass die Entwicklung des Talents aus der GRENKE aKAdemie weiter so steil bergauf geht.

In der Bundesliga sehe ich aktuell zwei Vereine auf der Pole Position im Kampf um eine Unterschrift, da beide eine potenziell vakante Stelle bieten können. Bei der Gladbacher Borussia wird Julian Weigl in Sommer wohl wieder nach Lissabon zurückkehren, der aktuelle Bundesligaspieler, der Breithaupt wohl am meisten ähnelt. Hier wäre er der geborene Ersatz, vergleichsweise günstig und mit großem Potenzial.

"Ich kann aber auch in der Dreierkette als Innenverteidiger spielen." - Tim Breithaupt

In Frankfurt ist man derweil seit Jahren auf der Suche nach einem Nachfolger von Makoto Hasebe als zentraler Mann einer Dreierkette. KSC-Trainer Christian Eichner hat Breithaupt hier in Testspielen schon häufiger getestet, mit seiner Ruhe am Ball erinnert er zuweilen an den fast doppelt so alten Japaner. Daneben bietet er auch im zentralen Mittelfeld eine Option, wo Sebastian Rode notorisch verletzungsanfällig ist und Daichi Kamada offen mit einem Abgang flirtet.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich Breithaupt zutraue, den Schritt in die Bundesliga zu meistern. Dabei ist zu hoffen, dass er sich einen Verein aussucht, bei dem er das nötige Vertrauen bekommt, um sich weiter zu entwickeln. Egoistisch hoffe ich außerdem um ein Bietergefecht, damit wir Karlsruher unsere Tränen mit einigen Millionen trocknen können

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Max

WM-Vorschau Gruppe G - Showdown ums Achtelfinale

Am Freitag beendet die Gruppe G die Vorrunde der Weltmeisterschaft und wie wir es von solchen Turnieren lieben, ist noch (fast) alles offen. Wir blicken auf die verschiedenen Szenarien und natürlich lass ich es mir nicht nehmen, eine Prognose zu wagen. (Bild: IMAGO / Agencia MexSport)

Die Ausgangslage

Angeführt wird die Gruppe wenig überraschend von Brasilien, das mit 6 Punkten und ohne Gegentor den Achtelfinaleinzug sicher hat. Auf Platz 2 steht die Schweizer Auswahl, die nach ihrem Sieg am ersten Spieltag gegen Kamerun bei 3 Punkten steht. Dahinter folgen besagte Kameruner sowie die Serben mit jeweils einem Punkt aus ihrem spektakulären 3:3 am vergangenen Montag.

Die Paarungen

Einen klaren Favoriten bietet eigentlich das Aufeinandertreffen der Brasilianer mit Kamerun. Doch aufgepasst: der amtierende Weltmeister Frankreich hat mit seiner Niederlage gegen Tunesien gezeigt, was eine umfangreiche Rotation nach dem gesicherten Weiterkommen bewirken kann. Während es für Kamerun um alles geht, kann sich die Selecao getrost schonen. Wenn die "unzähmbaren Löwen" kämpfen, wie ihr Name verspricht, können sie auch gegen den großen Favoriten etwas mitnehmen.

Deutlich ausgeglichener kommt auf dem Papier das Spiel der Schweiz gegen Serbien daher. Der Sieger der Partie hat große Chancen auf den Achtelfinal-Einzug, ein Verlierer wird mit großer Enttäuschung die Heimreise antreten. Doch auch über die sportlichen Implikationen hinaus bietet das Aufeinandertreffen eine Menge Zündstoff. So sorgte vor 4 Jahren der Adler-Jubel der albanisch stämmigen Schweizer Shaqiri und Xhaka für Kontroversen.

Die Szenarien

Das einfachste Szenario zuerst: gewinnen die Schweizer, stehen sie zusammen mit Brasilien im Achtelfinale.

Kann Kamerun gegen Brasilien nicht gewinnen, kommt der Sieger der anderen Partie weiter - bei einem Unentschieden jubeln die Schweizer.

Bei einem Remis zwischen der Schweiz und Serbien reicht Kamerun ein Sieg zum Weiterkommen.

Gewinnen Kamerun und Serbien, kommt es auf die Tordifferenz an. Aktuell steht Kamerun bei 3:4, Serbien bei 3:5.

Meine Prognose

In einer umkämpften Partie sehe ich gut aufgelegte Schweizer als Favorit auf den Sieg und somit das Weiterkommen. Aber da der Auswahl Kameruns gegen stark veränderte Brasilianer die Überraschung gelingt, bleibt es bis zur letzten Minute spannend.

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