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Shopping Guide zum VFB Stuttgart: Welche Transfers könnten den VFB im Sommer 2025 verstärken?

Ein Blick auf das aktuelle Transferfenster und mögliche Neuzugänge für den VFB.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 13 Juni 2025, 12:35

Kaum ein Verein lässt sich derzeit europaweit so schwer einschätzen wie die Wundertüte der vergangenen Saison: Der VFB Stuttgart. Zum Einen gewann man unter Trainer Sebastian Hoeneß furios den DFB-Pokal und damit den ersten Titel seit fast 20 Jahren, zum anderen schied man in der Champions League sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Zum einen gewann man in der Saison 2023/24 furios die Vizemeisterschaft, zum anderen stand man ein Jahr zuvor noch auf dem Relegationsplatz und entkam somit nur maximal knapp einem Abstieg in die zweite Liga. Wo also steht der VFB im Jahr 2025? Und decken sich die Ambitionen der Vereinsführung auch mit den Erwartungen der VFB-Fans?

Nach all der Scheiße geht’s auf die Reise

Kaum eine Phrase etablierte sich in der letzten Saison als ein so großer Stadionhit, wie dieser – einst schon von den „Killerpilzen“ verwendete – wunderschöne schiefe Reim. Gemeint war natürlich der Sprung von der Relegation direkt in die Champions-League, einhergehend mit prestigeträchtigen Auswärtsfahrten und Begegnungen mit so illustren Gegnern wie Real Madrid und Juventus Turin.

Doch war man vor der abgelaufenen Saison wirklich schon so weit für diese Herausforderung, verlor man doch (wieder mal) vor der Saison mit Kapitän Waldemar Anton, seinem Verteidigerkollegen Hiroki Ito und Vize-Torschützenkönig Serhou Guirassy (28 Tore) seine drei absoluten Top-Spieler? Und das, wo man grade auf dem besten Weg war nach Eintracht Frankfurt ein ähnlicher Top-Contender in der Bundesliga zu werden, der zwar Jahr für Jahr seine besten Spieler abgeben muss, diese aber auch sofort wieder hochwertig kompensiert kriegt.

Was das angeht musste diesmal allerdings der DFB-Pokal als letzte Rettung angesehen werden, was die Qualifikation um Europa angeht, zu wacklig und inkonstant präsentierte sich die Mannschaft in der Liga, in welcher man daher final auch nur auf Platz neun landete. Denn trotz furioser Spiele wie dem 4 : 4 gegen Union Berlin, dem 4 : 0 gegen Augsburg wie auch dem 5 : 1 gegen Young Boys Bern gab es leider wieder und wieder harte Rückschläge, wo die Mannschaft defensiv schlampig arbeitete, Chance um Chance vergab und Spiele, wo man eigentlich die bessere Mannschaft war, einfach herschenkte. Ganz vorne stehen hier das 3: 4 gegen Leverkusen, das 1 : 2 gegen Gladbach, wie auch zuletzt das maximal unglückliche 0 : 1 gegen Heidenheim. War dies alles wirklich nur der Dreifachbelastung geschuldet? Oder wog insbesondere der Abgang von Serhou Guirassy zu Borussia Dortmund dann doch zu schwer?

Der finale Downfall kam dann schließlich am letzten Champions-League-Spieltag, wo man nicht nur 1 : 4 gegen den späteren Sieger Paris St. Germain verlor, sondern wo selbst die Spieler selbst nach der Partie zugaben, dass man hier über 90 Minuten lang schlichtweg chancenlos war. Nur eins von acht Spielen gewannen die Stuttgarter daraufhin in der Liga und das trotz der überraschenden Verlängerung ihres Erfolgstrainers Sebastian Hoeneß.

Nun greift man also ein Stockwerk tiefer an – in der Europa League - einem Wettbewerb, der den Schwaben von ihrer Fanwucht eigentlich gut liegen könnte: Spannende Auswärtsreisen, frenetische Fangesänge und trotzdem ein Level, wo die ganz großen Kaliber a la PSG eben nicht zu den Gegnern hören. Wittern Fans des VFBs hier möglicherweise sogar eine europäische Titelchance, beziehungsweise einen ähnlichen Run, wie sie ihn 2021/22 Eintracht Frankfurt erlebte? Natürlich ein Traum für alle Fans, dennoch liegen die Prioritäten laut des VFB-Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle und Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zunächst erstmal woanders.

Das erklärte Ziel: Ein einstelliger Tabellenplatz

Für uns war der 9. Platz in der Liga keine Enttäuschung“, so Alexander Wehrle in einem Interview mit RTL Sport, wohlgemerkt - nach (!) dem gewonnenen DFB-Pokal-Finale. „Man muss immer bedenken, wo wir herkommen. Im Jahr 2023 waren wir noch auf dem Relegationsplatz und wären fast abgestiegen. Wir sind daher sehr zufrieden und unser Ziel ist es weiterhin zunächst einmal jedes Spiel zu genießen.“ Doch ist hier die Sprache der Fans und die der Führungsebene wirklich immer die selbe?

Ganz klar ist, dass man beim VFB Stuttgart derzeit keine finanziellen Risiken eingehen möchte an denen man, wie z.B. Schalke 04 oder der FC Köln (u.a. auch unter Alexander Wehrle) möglicherweise in fünf Jahren noch zu knabbern hat. Das Ziel der Stuttgarter ist hier finanziell solide zu arbeiten mit natürlich Ambitionen in Richtung Europa. Weder sieht man sich aktuell als Bayern-Jäger, noch wurde ein Platz im europäischen Geschäft von irgendjemandem aus dem Verein als „Muss“ ausgerufen. Insofern stehen, laut Wehrle, auch weiterhin kluge Transfers, wie z.B. der von Nick Woltemade auf der Prioritätenliste, der ablösefrei von Werder Bremen kam und sich dann erst im Verlaufe der Saison zum Stürmer Nr. 1 entwickelte.

Allerdings, Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine solche Ausnahme war z.B. der Transfer von Stürmer Ermedin Demirovic, der für 21 Millionen Euro vom FC Augsburg kam - bislang der teuerste Transfer in der Clubgeschichte. Das Motto „No risc, no fun“ wurde also in der jüngeren Vergangenheit auch durchaus mal bedient, womit auch das Sommertransferfenster 2025 zu einem ähnlich wilden Scouting-Ritt durch die Ligen werden könnte. Hier ein paar Vorschläge, wie sich der VFB im Verlaufe des Sommers verstärken könnte:

Die Torwartposition:

Auf der Torwartposition ist der VFB zunächst einmal mit Stammkeeper Alexander Nübel, Fabian Bredlow und dem erst 19jährigen deutschen Nachwuchs-Megatalent Dennis Seimen eigentlich top besetzt. "Eigentlich" ist hier allerdings das Stichwort. Denn der ursprüngliche Grund, warum der FC Bayern Alexander Nübel Jahr für Jahr wieder an den VFB Stuttgart verliehen hatte, war der, dass man in München Nübel lange Zeit zum Manuel-Neuer-Nachfolger aufbauen wollte, dieser aber keine Anstalten machte, seinen Stammplatz auch nur zeitweise abzugeben. Dennoch glaubte man an der Isar weiterhin an die Fähigkeiten von Nübel, weswegen man trotz Leihe an einen direkten Konkurrenten auch bereit war, weiterhin ein Großteil seines Gehaltes zu übernehmen.

Nun haben die Bayern allerdings letzten Winter mit Jonas Urbig ein weitaus jüngeres und vom Potenzial her sogar stärkeres Torwarttalent verpflichtet. Dies könnte für den VFB zeitnah zumindest dann zum Problem werden, wenn daraus resultiert, dass man in München das Kapitel Alexander Nübel endgültig abhakt. In diesem Fall bliebe dem VFB dann höchstens noch ein Kauf übrig, der bei einem Marktwert von aktuell 12 Millionen Euro das Konto der Schwaben ordentlich belasten könnte. Ein äußerst raffinierter Schachzug seitens des VFBs war daher bereits die Leihe ihres eigenen Torwarttalents Dennis Seimen, der nun beim SC Paderborn Spielzeit und Erfahrung sammeln soll. Denn sollte der FC Bayern Nübel an einen noch zahlungskräftigeren Verein (z.B. Borussia Dortmund bei einem möglichen Kobel-Abgang) verkaufen, wäre man nach einer Rückkehr von Seimen aus der Leihe zumindest in der Lage, einen Verlust von Nübel langfristig aufzufangen.

Die Defensive:

Auch hier ist die Basis zunächst einmal mindestens solide, absoluter Top-Spieler hier natürlich Nationalspieler Maximilian Mittelstädt auf der Linksverteidigerposition. Doch auch der Ex-Kölner Jeff Chabot, dessen Spielweise mit dem Ball zwar nach wie vor noch etwas staksig ist, sein Abwehrverhalten gegen den Ball aber umso besser, entwickelt sich stetig. Zudem hat man mit Finn Jeltsch vom FC Nürnberg im Winter 2025 noch ein weiteres deutsches Top-Talent geholt.

Auch auf der Rechtsverteidigerposition gibt es gute Neuigkeiten, denn mit Lorenz Assignon hat Kaderplaner Fabian Wohlgemuth bereits das erste Talent eingetütet, 13 Millionen Euro gingen dabei an den französischen Erstligisten Stade Rennes. Dennoch bleibt die Rechtsverteidigerposition die größte Schwachstelle in der Defensive, beziehungsweise trug sie in der Vergangenheit klar den Namen Josha Vagnoman, dessen Fehleranfälligkeit oft wichtige Punkte kostete. Ein weiterer Transfer auf dieser Position wäre daher wichtig.

Kiliann Sildillia (23, SC Freiburg)

Kiliann Sildillia wäre hier eine weitere mögliche Verstärkung auf der Rechtsverteidigerposition. Dieser hat derzeit noch einen Vertrag bis 2026 und einen Marktwert von ca. 10 Millionen Euro. Hinzu gilt er als taktisch diszipliniert, sehr flexibel und könnte auch in einer Dreierkette spielen. Auch ist er körperlich extrem robust, 1.86 groß und grade in Zweikämpfen, am Boden, wie auch in der Luft, sehr stark. Das einzige Problem in seiner vergangenen Saison in Freiburg war zum Teil sein für einen Außenverteidiger zu schwacher offensiver Output, was aber mit einem erfahrenen Außenverteidiger wie Maximilian Mittelstädt auf der linken Seite ausgeglichen werden könnte. Zudem wäre die lokale Umstellung von Freiburg nach Stuttgart für den Franzosen nicht groß, ebenso wenig die Entfernung zu seinem Heimatland.

Auf der Linksverteidigerposition könnte hingegen irgendwann der Fluch der guten Tat den VFB ereilen, der Clubs wie Stuttgart immer dann enteilt, wenn ein Spieler, in dem Fall Mittelstädt, über Jahre hinweg auf Ausnahmelevel performt: Größere Clubs werden aufmerksam und wollen den Spieler wegkaufen. Und auch wenn es diesen Sommer zunächst nach einem Verbleib Mittelstädts aussieht, wäre auch hier zumindest eine Vorsorge-Alternative ratsam:

Souffian El Karouani (24, FC Utrecht)

Dieser junge in den Niederlanden geborene Marokkaner hat sich in der vergangenen Saison zu einem der stärksten Linksverteidiger in der Eredivisie entwickelt. Ganz besonders stach er durch seine Flanken heraus, ganze acht Tore bereitete er in 34 Spielen vor. Des Weiteren hat er mit einem Marktwert von 7 Millionen Euro nur noch ein Jahr Vertrag, wäre also günstig zu haben, insbesondere, da der FC Utrecht mit Derry Merkins von Schalke 04 bereits einen Neuzugang auf seiner Position verpflichtet hat. Ein paar Schwachstellen hat er zwar momentan noch in defensiven Luftzweikämpfen, für ein Backup zu Maximilian Mittelstädt sollte es aber in jedem Fall ausreichen.

Das Mittelfeld:

Das große Problem der Zukunft allerdings könnte das zentrale Mittelfeld werden. Denn wohingegen es bei Mittelstädt noch keine Transfergerüchte gibt, werden die Gerüchte bei Angelo Stiller immer lauter. Selbst Real Madrid soll an ihm Interesse haben, ebenso wie Clubs wie Inter Mailand und der FC Liverpool. Zwar hat man hier mit Kapitän Atakan Karazor noch eine weitere Stütze im zentralen Mittelfeld, dennoch muss hier – sowohl was einen Herausforderer für Karazor als auch was einen möglichen Stiller-Ersatz angeht – so stark wie auf keiner anderen Position unbedingt nachgelegt werden. Hier ein paar Vorschläge:

Mandela Keita (23, Parma Calcio)

Dieser belgische U21-Nationalspieler mit guineischen Wurzeln könnte zunächst einmal der perfekte junge Herausforderer zum langjährigen Stuttgart-Kapitän Karazor werden. 2024 zum italienischen Erstligisten Parma Calcio gewechselt, schaffte er damit den Sprung hinaus aus Belgien. Da Parma Calcio vergangene Saison in der Serie A allerdings nur knapp dem Abstieg entkam, könnte der VFB hier, bei einem Marktwert von 11 Millionen Euro, sicherlich einen Betrag im einstelligen Millionenbereich aushandeln. Ähnlich wie Karazor gilt auch Keita als extrem stark gegen den Ball, wie auch physisch sehr stark und in Zweikämpfen schwer zu knacken.

Deutsches U21-Nachwuchstalent, offensiver Mittelfeldspieler, kommt von der TSG Hoffenheim, bekommt dort aber aufgrund eines Trainerwechsels nicht so wirklich eine Chance: Moment mal, hatten wir das nicht schon mal? Richtig, genau das war nämlich in etwa die Ausgangssituation vor dem Breakout von Angelo Stiller beim VFB Stuttgart.

Auch Tuhumcu galt vor der Saison als absolutes Supertalent der Bundesliga und viele sahen ihn schon als potenziellen Stammspieler bei den Kraichgauern. Eine Verletzung, wie dann aber insbesondere der Trainerwechsel sorgten dann allerdings dafür, dass er unter Neutrainer Christian Ilzer grade mal 28 Minuten spielen durfte. Hinzu setzt die Clubführung der TSG nun laut eigener Aussage nun klar auf den Elversberg-Leihrückkehrer Muhammed Damar. Tuhumcu müsste sich also bei einem anderen Club durchsetzen, um nicht Gefahr zu laufen in seiner wichtigsten Entwicklungsphase als offensiver Mittelfeldspieler auf der Bank zu versauern.

Warum also nicht bei Stuttgart, wo er hinzu noch genau den Trainer hätte, der ihn einst als Talent der zweiten Mannschaft in Hoffenheim entdeckt hatte und der zuzüglich noch als einer der besten Talententwickler der Liga gilt, nämlich Sebastian Hoeneß. Und was die fehlende Erfahrung in der Bundesliga angeht, könnte man diese eventuell noch mit folgendem Transfer ausgleichen:

Jonas Hofmann (31, Bayer Leverkusen)

Dies klingt zunächst einmal nach einem ambitionierten Transfer für den VFB, vergessen darf man hierbei allerdings nicht, dass dieser zwar noch einen Vertrag bis 2027 hat, sein Marktwert aber bei grade mal 2 Millionen Euro liegt. Hinzu war er der Erste, der in der vergangenen Saison Xabi Alonso aufgrund von fehlenden Einzelzeiten angezählt hatte, was zu diesem Zeitpunkt noch quasi einer Gotteslästerung gleich kam. Ob sich seine Einsatzzeiten unter Erik ten Hag nun wieder verbessern, bleibt abzuwarten, sollten die Leverkusener allerdings nach Ibrahim Maza noch einen echten Königstransfer und Wirtz-Ersatz auf dieser Position verpflichten, könnte es für Hofmann bei Leverkusen auch in der nächsten Saison sehr schwierig werden. Bei Stuttgart hingegen hätte er höchstwahrscheinlich hundertprozentige Startelf-Garantie, könnte hinzu noch jungen Spielern mit seiner immensen Erfahrung Rückhalt geben und wäre für den VFB somit ein echter Steal.

Der Angriff:

Hier wurde im Jahr 2024 bereits einer der vielleicht größten Königstransfers der Clubgeschichte getätigt, nämlich den vielleicht künftig „Neuen Miroslav Klose“ der deutschen Nationalmannschaft für ganze 0 Euro und 0 Cent ablösefrei zu verpflichten. Die Rede ist natürlich von Nick Woltemade um den auch der Rest des Angriffs aufgebaut werden sollte. Hier wäre es sogar verschmerzbar mit Enzo Millot einen sicherlich ebenfalls talentierten Spieler zu verkaufen, auch weil die Ablösesumme hier um die 25 Millionen Euro einbringen könnte, Geld, mit dem man – was die rechte Außenstürmerposition angeht, noch mal in anderen Regionen angreifen könnte. Und hier wären wir nun bei der Grundsatzfrage, was die Transferphilosophie der Schwaben angeht: In-Your-Face-Transfers oder Talent-Transfers? Beginnen wir mit Ersterem.

Kang-In Lee (24, Paris St. Germain)

Dieser Rechtsaußen-Flügelstürmer wäre natürlich mit einem Marktwert von 25 bis 30 Millionen Euro nur bei einem Abgang von Millot für eine ähnliche Summe finanziell machbar und – sollten sich die Pariser nicht auf eine Leihe mit Kaufoption einlassen – für den VFB sicherlich der Königstransfer diesen Sommers. Sollte man diesen tatsächlich eintüten können, hätte man allerdings einen Flügelspieler zur Verfügung der mit 20 Scorern in 30 Spielern für den aktuellen Champions-League-Sieger ein gewaltiges Statement wäre, in puncto: Wir – der VFB Stuttgart – wollen wieder dauerhaft ganz oben in der Bundesliga mitspielen. Ganz aussichtslos wäre die Verpflichtung des Südkoreaners in jedem Fall nicht, da Luis Enrique ganz klar mit anderen Spielern plant, was bei der unglaublichen Talentfülle bei PSG wenig verwundert. Kang-In Lee wäre zudem für den VFB doppelt wertvoll, da er als beidfüßiger Flügelspieler auch auf der linken Seite aushelfen könnte und damit auch als Ersatz vom zuletzt etwas schwächelnden Linksaußen Chris Führich.

Brajan Gruda (21, Brighton & Hove Albion)

Die Alternative wäre eine weiterer deutscher U21-Nationalspieler. Und hier gibt es gleich vier Argumente, warum hier zumindest eine Leihe mit Kaufoption für den VFB absolut sinnvoll wäre.

1.) Durch die U21-Nationalmannschaft sind er und Nick Woltemade bereits ein eingespieltes Duo

2.) Ähnlich wie Woltemade möchte auch Gruda unbedingt zur WM 2025 fahren und welcher Club war hier in der jüngeren Vergangenheit das bessere Sprungbrett, wenn nicht der VFB?

3.) Durch den Transfer von Deniz Undav sind Brighton und Stuttgart bereits bestens vernetzt. Eine Leihe mit Kaufoption, wie zunächst im Falle Undav, sollte daher auch bei Gruda in jedem Fall verhandelbar sein.

4.) Grudas Spielzeit bei Brighton wird sich auch nächste Saison nicht großartig steigern, da der Premier-League-Verein von der Südküste im Gegensatz zu Stuttgart Europa knapp verpasst hat.

Hinzu würden die Fans eine Rückkehr des Ex-Mainzers in die Bundesliga natürlich extrem feiern, da Gruda auch ein Spieler ist, der als 1,78 kleiner Dribbler insbesondere in einen Verein mit großer Fanwucht für extrem große Begeisterung sorgen könnte. Zeit also für einen weiteren Durchbruch eines deutschen U21-Nationalspielers beim VFB Stuttgart?

Der VFB Stuttgart wieder ein Top-Contender um die Champions League Plätze?

Leon Buche
Leon Buche

So schwer einzuschätzen die Leistung des VFBs der letzten Saison war, umso klarer scheint doch die Zukunft. Denn höchstwahrscheinlich wird der VFB den DFB-Pokal nicht noch ein zweites Mal gewinnen, es muss also ein dauerhaft konkurrenzfähiger Kader her, wenn man weiter um Europa und vielleicht sogar Champions-League-Plätze mitspielen möchte.

Sollten die Stuttgarter hier in puncto Transfers clever agieren kann der Weg aber weiterhin bis ganz nach oben gehen - und die Luft für die bisherigen Bayern-Verfolger Dortmund, Leipzig und Leverkusen damit angesichts der beiden neuen Player Frankfurt und Stuttgart damit noch enger. Großartig für die VFB-Fans, wie natürlich auch für die Spannung in der Bundesliga.

Startelfs der Zukunft: Kann die deutsche Nationalmannschaft auch langfristig im Weltfußball mithalten?

Eine Vorschau auf die Startformationen bei der EM 2032.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 6 Juni 2025, 11:19

Wieder einmal findet mit dem Nationsleague-Finale 2025 ein Finale eines großen Turniers ohne deutsche Beteiligung statt. Seit der WM 2024 und dem Confed-Cup-Sieg-2017 bleibt die deutsche Nationalmannschaft damit titellos, wie auch ohne jede Finalplatzierung. (Bild: IMAGO / osnapix)

Dies wirft trotz einer insgesamt guten Leistung bei der EM-Heim 2024 durchaus die eine Frage auf: Ist Deutschland vielleicht auf lange Sicht kein Titelfavorit bei großen Turnieren mehr? Ist es trotz der insgesamt positiven Stimmung unter Julian Nagelsmann einfach so, dass Länder wie Frankreich, Spanien oder Portugal die Deutschen mittlerweile abgehängt haben – nicht nur, was die Qualität ihrer aktuellen Kader, sondern auch was ihrer künftigen Kader angeht?

Wie sähe es z.B. bei einer EM 2032 aus, sollten z.B. 7 der 8 Viertelfinalplätze von den großen europäischen Nationen Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Niederlande belegt sein? Wäre Deutschland dann wieder ein möglicher Titelfavorit? Oder geht der Trend eher in eine andere Richtung?

Das Geld liegt woanders

Mit dieser Überschrift könnte man die aktuelle Lage ganz gut zusammen fassen, zumindest was das Ergebnis der deutschen Nachwuchsförderung der letzten Jahre angeht.

Ein Blick auf die Tabelle der aktuell 50 wertvollsten U21-Nationalspieler zeigt nämlich, dass mit 452 Millionen Euro nicht Deutschland sondern England hier mit haushohem Abstand vorne liegt, wobei dieser Wert natürlich ein bisschen dadurch relativiert wird, dass die meisten jungen englischen Spieler in der Premier League spielen - der Liga mit dem weltweit mit Abstand größtem Publikum.

Dahinter liegen wie erwartet Frankreich mit 178 Millionen €, die Niederlande mit 129 Millionen, Spanien mit 107 Millionen wie auch Portugal mit 83 Millionen. Deutschland folgt dann schließlich auf Platz 6 mit 78 Millionen, knapp vor Italien mit 60 Millionen €.

Ähnlich verhält es sich mit den Marktwerten der U19-Tabelle, wo Deutschland ebenfalls auf Platz sechs steht, in dem Fall knapp vor Portugal, dafür aber deutlich hinter Italien, wo zumindest in der ganz jungen Altersgruppe wieder eine neue vielversprechende Generation an jungen Fußballern heranwächst.

Eine ausführlichere Analyse hierzu - siehe mein Artikel „Startelfs der Zukunft, Teil II: Der Weg zum WM-Titel“. Hier in diesem Artikel soll es stattdessen vielmehr darum gehen, wie Stand jetzt die Nationalelfs der sieben größten europäischen Fußballnationen z.B. bei einer EM 2032 aussehen könnten. Natürlich ist eine solche Prognose mit Vorsicht zu genießen, da in den nächsten Jahren natürlich noch viele Talente nachkommen könnten, wie auch Verletzungen oder Formkrisen die Karrieren der aktuell besten Nachwuchsspieler beeinflussen könnten.

Dennoch war dieses kleine Gedankenexperiment sehr interessant und das Ergebnis an der ein oder anderen Stelle durchaus überraschend:

1. Spanien (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 10/10)

Spanien, wie auch insbesondere der FC Barcelona mit seiner weltberühmten Jugendakademie „La Masia“ ist nicht erst seit der letzten EM das Maß aller Dinge, was Nachwuchsförderung angeht. Nicht umsonst haben die Katalanen mit dem immer noch 17-jährigen Lamine Yamal (Marktwert: 180 Millionen) den derzeit zweitteuersten und vielleicht besten Offensivspieler der Welt in ihren Reihen.

Der Flügelflitzer mit der Zahnspange wäre daher natürlich auch in einer virtuellen EM-2032-Mannschaft der Dreh- und Angelpunkt der Spanier, dann mit immer noch – wohlgemerkt - erst 24 (!) Jahren. Auch sein genialer Sturmpartner bei der EM 2024 Nico Williams (22, Bilbao) wäre natürlich mit 29 Jahren noch im besten Alter, ebenso wie die Mittelfeldachse aus Gavi (20, Barcelona), Pedri (22, Barcelona) und Pablo Barrios (21, Atletico Madrid). In der Sturmspitze hingegen wäre Samu Omorodion (21, FC Porto) vielleicht nochmal mal die Kirsche auf der Torte, was reine Torgefährlichkeit angeht. Mit 19 Toren, wie auch einer enormen Geschwindigkeit glänzte der Goalgetter in der abgelaufenen Saison.

Und sollten nun noch DFB-Team-Fans darauf hoffen, dass die spanische Innenverteidigung auch in Zukunft die vielleicht einzige Mini-Schwachstelle der Mannschaft bleiben könnte, müssen sie hiermit leider enttäuscht werden. Pau Cubarsi (18, Barcelona) wie auch der grade zu Real Madrid gewechselte Halbniederländer Dean Huijsen (20) gelten hier nämlich derzeit als die heißesten Talente Europas auf dieser Position.

Auch auf der Linksverteidigerposition wäre sicherlich auch 2032 ganz klar Barca-Juwel Alejandro Baldé (21) gesetzt. Im Tor hingegen könnte der Blick auf den mit hoher Wahrscheinlichkeit ab nächster Saison ebenfalls bei den Katalanen spielenden Keeper Joan Garcia (24, Espanyol Barcelona) fallen, sollte es ihm gelingen DFB-Schlussmann Marc-André ter Stegen bei den Blaugranern als Nr. 1 zu verdrängen. Die einzige kleine Schwachstelle wäre somit die Rechtsverteiderposition.

Hier gibt es aktuell noch keinen wirklichen Nachfolger für die dann 40jährige Real-Madrid-Legende Dani Carvajal, zumindest keinen, der als Stammspieler für seinen Verein spielt. Die vielleicht einfachste Lösung könnte hier vielleicht sein, den durchaus flexiblen Real-Madrid-Innenverteidiger Raul Asencio (22) nach Außen zu ziehen. Auch Hector Fort (18, FC Barcelona) wäre hier langfristig eine spannende Option.

Für was man sich auch entscheidet, muss man jedoch neidlos zugeben, dass Spanien mit dieser Startelf auch 2032 Top-Favorit auf den EM-Titel wäre. Und wenn man sich dann noch vorstellt, was in den nächsten Jahren aus der Barca-Jugend möglicherweise noch an weiteren neuen Lamine Yamals nachkommen könnte: Da kann einem als Gegner schon mal ein bisschen Angst und Bange werden.

Spanien 2032

2. England (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 8/10)

In England hingegen hätte man zumindest erst einmal den Abgang von Harry Kane (31) zu verkraften, der im Jahr 2032 sicherlich nicht mehr für die Three Lions auf Torejagd gehen wird. Führungsspieler und Kapitän wäre damit in dieser imaginären Startaufstellung klar Jude Bellingham (21), im Jahr 2032 28 Jahre alt und klar im offensiven Mittelfeld neben Cole „Cold“ Palmer (23) gesetzt, dem 120-Millionen-Supertalent vom FC Chelsea. Auch Declan Rice (26) könnte 2032 mit dann 33 Jahren sicherlich immer noch die Konterabsicherung im Mittelfeld sein - mit Adam Wharton (21, Crystal Palace) als jüngeren Herausforderer. Auf den Flügelpositionen wäre hingegen die Frage, wie lange Bukayo Saka und Phil Foden ihre Technik und Geschwindigkeit noch halten können, beide wären im Jahr 2032 nämlich dann auch schon über 30. Hinzu hätte Saka auf der rechten Seite mit Ethan Nwaneri (18, FC Arsenal) den mit 55 Millionen Euro derzeit teuersten U21-Nationalspieler Europas als direkten Konkurrenten. Der dann 32jährige Phil Foden hätte es hier hingegen deutlich leichter, sollte nicht der derzeit noch bei Borussia Dortmund spielende und zuletzt etwas schwächelnde Jamie Gittens (20) bei einem vielleicht noch einmal größeren Verein in den nächsten Jahren nochmal den nächsten Schritt machen.

Die jetzt schon im Schnitt deutlich über 30 Jahre alte Viererkette der Three Lions kann man für 2032 dagegen nahezu komplett neu aufstellen. Ein Quartett aus Miles Lewis-Skelly (LV, 18, Arsenal), Jarrad Branthwaite (20, IV, Everton), Levi Colwill (IV, 22, Chelsea) und Rico Lewis (RV, 20, ManCity) könnte aber sicherlich in den nächsten Jahren heiß werden, zählen doch alle vier Abwehrspieler mit einem Marktwert von über 40 Millionen jetzt schon zu den heißesten Talenten Englands.

Die Problemstellen wären damit derzeit klar die Torwartposition, wie auch ein Harry-Kane-Nachfolger. Im Tor sieht es derzeit danach aus, dass man James Trafford (22) vom Premier-League-Aufsteiger FC Burnley als neue Nr. 1 aufbauen möchte, ob dies aber wirklich schon die (!) langfristige Absicherung in der Nach-Jordan-Pickford-Ära ist, bleibt abzuwarten. Und auf der Neun? Nun, hier wäre es beinahe fahrlässig von Thomas Tuchel in der nächsten Saison nicht mal ganz genau auf die Entwicklung von Liam Delap (22, Ipswitch Town) zu schauen, der ab nächster Saison beim FC Chelsea spielen wird. Denn auch wenn sein Verein Ende der Saison erwartbar aus der Premier League abgestiegen ist, war er mit 12 Toren über weite Strecken alleine dafür verantwortlich, dass man als klarer Underdog Nr. 1 noch halbwegs in der englischen Königsklasse mithalten konnte. Auch seine Spielweise – oft mit nach hinten arbeiten beziehungsweise am Kreativspiel teilnehmen – erinnert stark an den von deutschen Fans liebevoll „Harald Gehstock“ getauften Bayern-Stürmer.

Wo also kann man England in den nächsten Jahren einordnen? Dass der Pool an Talenten in der Breite nahezu einmalig in der Welt ist liegt angesichts des Gesamtmarktwertes der Premier League auf der Hand. Dennoch sind die Fragezeichen hier weit größer als die bei Spanien, auch weil sie mit Tor und Sturmzentrum zwei sehr essenzielle Positionen betreffen. Sollte England also zur Abwechslung wirklich mal einen Titel gewinnen wollen, wäre also möglicherweise doch die WM 2026 der perfekte Zeitpunkt – mit dann eben noch Kane und Pickford als wichtige Stützen.

England 2032

3. Portugal (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 8/10)

Als absoluter Hotspot in Sachen Talententwicklung gehört schon seit vielen Jahren auch das Heimatland von Cristiano Ronaldo, der sich – sollte es nach ihm gehen – wahrscheinlich sogar mit 47 noch für die Nationalmannschaft nominieren würde. Für den wahrscheinlicheren Fall, dass spätestens nach der WM 2026 mit 41 dann aber doch endgültig Schluss sein sollte, können Portugal-Fans aber insofern beruhigt sein, dass sich die Jugendarbeit seines Jugendclubs Sporting Lissabon, wie auch der anderen beiden portugiesischen Top-Clubs Benfica Lissabon und FC Porto in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert hat.

Und sollte der Traum aller Fußballromantiker noch einmal wahr werden und CR7 am Ende (in welcher Funktion auch immer) zu seinem Heimatverein zurückkehren, würde er hier auch gleich auf einen Spieler treffen, der von seiner Spielweise durchaus an den jungen Ronaldo erinnert. Die Rede ist von dem 18jährigen Geovany Quenda, einem technisch extrem dribbelstarken Linksaußen-Stürmer der mit 45 Millionen Euro Marktwert derzeit als das (!) neue Riesentalent aus Portugal gilt.

Auf dem rechten Flügel könnte Roger (19, SC Braga) das perfekte Gegenstück zu ihm sein, sein Marktwert wird derzeit auf 22 Millionen taxiert. Auch das Mittelfeld wäre mit Vitinha (25) und Joao Neves (20, beide PSG) auch 2032 immer noch überragend besetzt, hinzu könnte die nächsten Jahre mit Gustavo Sa (20, FC Familicao) noch ein weiterer defensiverer Mittelfeldspieler nachrücken, womit der Abgang der beiden Portugal-Mittelfeld-Legenden Bernardo Silva (ManCity) und Bruno Fernandes (ManUnited, beide 30) schon alleine damit nahezu komplett kompensiert wäre.

Das ganz große Prunkstück der Portugiesen könnte allerdings die künftige Viererkette werden. Champions-League Sieger Nuno Mendes (22, PSG), auf der Linksverteidigerposition, dazu noch Renato Veiga (21, Juventus Turin), Goncalo Inacio (23, Sporting Lissabon) und Antonio Silva (21, Benfica Lissabon) auf der Innenverteidigerposition, das klingt auf jeden Fall als könnte das auch in den nächsten Jahren gut altern, ebenso wie natürlich die Torwartposition mit Diogo Costa (25, FC Porto). Den Portugiesen fehlen würde damit nur noch ein wirklich schneller junger Rechtsverteidiger, z.B. für eine Fünferkette, wie auch ein Abnehmer wie eben Ronaldo, sollte man nicht mit zwei Spitzen spielen wollen. Angesichts der schon angesprochenen hervorragenden Jugendarbeit insbesondere der beiden Lissabonner Clubs sollten aber auch diese Mini-Baustellen sicher noch geschlossen werden können.

Könnte Portugal also in der Post-Ronaldo-Ära stärker denn je werden? Momentan sieht es zumindest so aus, insbesondere was die Breite des Kaders angeht. Entscheidend wird jedoch die Frage sein, ob man sich, was das System angeht, von einem klaren Mittelstürmer lösen kann. Denn einen Mittelstürmer wie den Cristiano Ronaldo, den man aus den letzten 5-15 Jahren kennt, gibt es im portugiesischen Kader aktuell nicht, nicht von der Position und schon gar nicht von der Qualität.

Portugal 2032

4. Italien (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 6/10)

Wie aber sieht es in Italien aus, dieser einst so riesigen stolzen Fußballnation, die aber trotz ihrer Tradition gleich beide letzten Weltmeisterschaften verpasst hat, was selbst der EM Titel 2021 nicht komplett kaschieren konnte? Wächst hier möglicherweise aktuell wieder eine neue Generation heran, die die Italiener wieder dauerhaft an die Spitze bringen kann?

Zur Beruhigung aller Deutschland-Fans muss man hier zunächst einmal sagen, dass all das, was man Bundesliga-Vereinen in puncto Entwicklung von jungen deutschen Talenten vorwerfen kann, in Italien doppelt und dreifach gilt. Keine europäische Top-Liga hat mit 26,9 einen so hohen Altersdurchschnitt, junge italienische Talente bekommen insbesondere bei den großen Vereinen nur selten eine Chance und nicht ohne Grund eilt der ersten italienischen Liga der Ruf voraus das Altersheim für ehemalige Superstars zu sein, die zumindest noch ein bisschen einem sportlich halbwegs relevanten Wettbewerb spielen wollen. Glamour statt Talententwicklung war hier lange das Stichwort und jede Reform in puncto aktiv junge italienische Talente fördern findet nachwievor nur sehr schleppend statt.

Somit war es auch nicht so leicht, eine Italien-Startelf für 2032 zu basteln. Des Weiteren hat sich dabei schnell herausgestellt, dass auch in sieben Jahren die Inter-Defensive aus Federico DiMarco (27) und Alessandro Bastoni (26), Tottenhams Linksverteidiger Destiny Udogie (22) wie auch der gefühlt schon seit drei Jahrzehnten im Tor stehende Schlussmann Gianliugi Donnarumma (26, PSG) Stand jetzt weiterhin Italiens Lebensversicherung sein müsste. Auf der Rechtsverteidigerposition hingegen könnte Michael Kayode (20, FC Brentford) noch interessant werden, der in der Premier League zwar noch kein Stammspieler ist, sich jedoch langsam aber sicher zu einem entwickelt. Cesare Casadei (22, FC Turin), Samuele Ricci (23, FC Turin) und der zuletzt in der Champions League aufblühende Davide Frattesi (25, Inter) könnten hingegen langfristig das Mittelfeld besetzen. Ob dieses Mittelfeld aber langfristig das Niveau von dem Mittelfeld um Nicolo Barella (29, Inter) & Co haben wird, bleibt abzuwarten.

Im Sturmzentrum könnte allerdings eine Überraschung aufwarten, nämlich mit dem erst 17jährigen Francesco Camarda aus der Jugend vom AC Mailand. Dieser gilt derzeit als eines der heißesten Talente Italiens, im Ranking um die teuersten U19-Nationalspieler steht er derzeit sogar europaweit auf Platz eins. Auch war er mit 15 Jahren und 260 Tagen der jüngste Spieler, der jemals in der Serie A eingesetzt wurde, wie auch „Spieler des Turniers“ der U17-Europameisterschaft, welche Italien auch am Ende gewann. Auch Jeff Ekhator (18, FC Parma) im Sturm, wie auch Camardas U19-Teamkollege Mattia Liberali (18, AC Mailand II) konnten bei diesem Turnier herausstechen, was noch einmal beweist, dass in Italien zumindest langsam wieder eine neue Generation heranwächst.

Eine endgültige Prognose, wie es mit der Squadra Azzurra bei den kommenden Turnieren weiter geht, ist daher schwierig. Denn natürlich sind diese junge italienischen Talente noch nicht ansatzweise vergleichbar mit z.B. Lamine Yamal bei Spanien, grundsätzlich muss man aber so fair sein und feststellen, dass sich in der italienischen Nachwuchsarbeit wieder etwas tut. Auffällig ist aber nach wie vor, wie wenig italienische Spieler außerhalb Italiens spielen, was in der Geschichte des italienischen Fußballs durchaus mal anders war. Auch ist die Altersklasse 20-25 grade in der Offensive extrem dünn besetzt, einzig und allein Stürmer und Seria-A-Torschützenkönig Matteo Retegui (26, Atalanta Bergamo), wie auch Moise Kean (25, AC Florenz) könnten für eine EM 2032 hier noch als ältere Stützen in Frage kommen.

Italien 2032

5. Frankreich (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 10/10)

Spätestens seit dem Weltmeistertitel 2018 ist Frankreich weltweit gesehen das Land schlechthin, welches man mit herausragender Jugendarbeit verbindet. Selbst beim Scheich-Club Paris St. Germain hat man dies mittlerweile erkannt: Mega-Transfers wie Neymar und Messi mögen zwar ganz lustig sein, um der ganzen Welt zu zeigen, dass das Festgeldkonto der Pariser so unendlich ist, wie das Wasser, welches die Seine herunterfließt, für den langersehnten Champions-League-Sieg 2025 waren dann aber doch junge französische Talente verantwortlich. Hinzu ist kein Land der Welt mit so vielen Stars in anderen großen Ligen vertreten wie Frankreich und das trotz einer Liga, die nach wie vor zu den fünf größten europäischen Ligen zählt. Dennoch müsste in der französischen Nationalmannschaft bis 2032 ein Umbruch stattfinden, da selbst Kylian Mbappé mit dann 32 Jahren seinen Spielstil in puncto Geschwindigkeit anpassen müsste. Vorstellbar wäre aber, dass er ähnlich wie ein Cristiano Ronaldo im höheren Alter mehr und mehr in eine klare Neuner-Position rückt, um Raum für jüngere und vielleicht sogar noch schnellere Flügelspieler zu schaffen.

Hier hat man quasi unendlich Auswahl, angefangen von Bayern-Star Michael Olise (22) bishin zu den PSG-Stars Bradley Barcola (22) und Desiré Doué (20) von denen auch 2032 keiner älter als 30 wäre. Hinzu kämen Tottenham-Talent Wilson Odobert (20) wie auch Rayan Cherki (21) vom OSC Lille. Auch die U21-Nationalstürmer Arnaud Kalimuendo (23, Stade Rennes) und Mathis Abline (22, FC Nantes) wie auch die beiden Megatalente Maghnes Akliouche (23, AS Monaco) und Hugo Ekitiké (22, Eintracht Frankfurt) könnten das Starensemble im Verlauf der nächsten Jahre noch komplettieren.

Nicht viel schlechter sähe es im Mittelfeld aus - natürlich mit PSG-Talent Warren Zaïre-Emery (19) als klarer Dirigent im Spielaufbau, eine Rolle, die er mit seinem Spielverständnis selbst in seinem jungen Alter schon herausragend spielt. Auch über Eduardo Camavinga (22, Real Madrid) muss man bezüglicher einer künftigen französischen Startelf wohl wenig diskutieren, hinzu käme möglicherweise mit Ayyoubb Bouaddi (17, AS Monaco) noch ein weiterer Rohdiamant mit Riesenpotenzial dazu.

Und in der Viererkette? Nun, da könnten dann mal eben Spieler wie Leny Yoro (22, Manchester United) und William Saliba (24, FC Arsenal) auflaufen, beziehungsweise Malu Gusto (22, Juventus) auf der Rechtsverteidigerposition, alles Spieler mit einem Marktwert von 35 Millionen aufwärts. Wenn es überhaupt eine Schwachstelle in einer französischen Startelf gäbe, dann wäre es höchstens die des Linksverteidigers, einfach da hier die Fußstapfen des dann 34jährigen Theo Hernandez sehr hoch sein könnten. Quentin Merlin (23, Olympique Marseille) könnte hier derzeit die heißeste Option sein, sollten nicht noch neue Spieler für ein Team nachwachsen, welches mit Lucas Chevalier (22, OSC Lille) auch bereits den nächsten potenziellen Nationaltorhüter in den Startlöchern hat.

Das „Problem“ der Franzosen wird also auch in den nächsten Jahren nichts anderes sein als aus einem schier unendlichen Pool an Talenten Mannschaften zu formen, die gemeinsam funktionieren. Sollte dies gelingen wird auch weiterhin jeder weitere EM- oder WM-Titel-Anwärter sich an Les Bleus messen müssen.

Frankreich 2032

6. Niederlande (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 7/10)

Dennoch könnte das Team der Stunde in 7 Jahren ein anderes sein: Die Niederlande - zumindest wenn man die Defensive und das Mittelfeld betrachtet. Im Gegensatz zu Italien sind fast alle interessanten Talente, die die nächsten Jahre für die Oranje glänzen könnten, derzeit zwischen 19-23 Jahre alt, d.h. im Jahr 2032 im perfekten Fußballeralter. Dies beginnt bereits in der Viererkette, wo sich schon auf der Linksverteidigerposition mit Jorrel Hato (19, Ajax Amsterdam) und – Dortmund-Fans erinnern sich – Ian Maatsen (22, Aston Villa) gleich zwei Talente festspielen konnten. Auch die Rechtsverteidigerposition wäre mit Devyne Rench (22, AS Rom), Jurrien Timber (23, Arsenal) und Jeremie Frimpong (24, Leverkusen) top besetzt, so wie auch die Innenverteidigung mit Ryan Flamingo (22, Eindhoven), Micky van de Veen (24, Tottenham) und Brighton-Talent Jan Paul van Hecke (24). Auch Brightons Keeper Bart Verbruggen (22) wäre seit langem mal wieder ein Torwart mit Potenzial zur dauerhaften Nr. 1 für die Elftal.

Sollten beide von Verletzungen verschont bleiben könnten sich zudem Ryan Gravenberch (23, Liverpool) und Kenneth Taylor (23, Ajax) vielleicht zur besten Doppelsechs Europas entwickeln mit Xavi Simons (22, Leipzig) als spielaufbauender Achter vor ihnen.

Der große Schwachpunkt von Oranje bleibt allerdings weiterhin die Offensive. Es fehlen die neuen Bergkamps, Kluiverts, Van Nistelrooys, van Bastens - sprich Stürmer mit Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor - das was die Niederlande als Fußballnation einst so groß gemacht hat. EinCody Gakpo (25, Liverpool) wird den Sturm mit seinen dann 32 Jahren kaum alleine tragen können, ist doch grade seine Geschwindigkeit in den vergangenen Jahren eine seiner größten Stärken gewesen und dahinter ist leider nicht viel. Brian Brobbey (22, Ajax) hatte in der Eredivisie zwar schon eine starke Saison (u.a. 2023/24, 26 Scorer) bleibt aber nachwievor der Leroy Sané der holländischen Liga, hochtalentiert, aber nie konstant, dazu oft von Verletzungen heimgesucht. Bliebe höchstens noch Crysencio Summerville (23, West Ham United), ein Spieler, wo viele zumindest nachwievor auf den großen Durchbruch warten. Fans der niederländischen Nationalmannschaft müssten sich also nachwievor auf ein wahrscheinlich ziemlich ekliges Spiel gegen den Ball gefasst machen. Was das angeht, könnte die Niederlande aufgrund ihres Riesenpotenzials an Talenten in der Defensive aber auf lange Sicht um so stärker sein.

Niederlande 2032 neu

7. Deutschland (Titelwahrscheinlichkeit 2032: 8/10)

Und Deutschland? Von allen Teams das vielleicht größte Fragezeichen, was die Zukunft angeht? Denn klar ist, dass der Umbruch in der DFB-Elf mit dem Abgang von Manuel Neuer, Thomas Müller und Toni Kroos längst begonnen hat, genau wie klar ist, dass eine Nationalelf der Zukunft nur über zwei Spieler laufen kann - die derzeit besten U25-Spieler Deutschlands: Jamal Musiala (22) und Florian Wirtz (22). Ebenso hat Nick Woltemade (23) in der abgelaufenen Saison beim VFB Stuttgart gezeigt, dass er zurecht als einer der heißesten Shooting-Stars Deutschlands gehandelt wird und sowohl von seinem körperlichen Profil als auch von seiner Technik das Offensivtrio komplettieren könnte. Im Mittelfeld könnten Angelo Stiller (24, Stuttgart) und Alexander Pavlovic (21, Bayern) das neue Duo auf der sechs bilden, insbesondere dann, wenn es tatsächlich zeitnah zu einem Wechsel von Stiller zu einem Top-Club wie Real Madrid kommen, die ihn zumindest auf dem Zettel haben. Auch Tom Bischof (19), der ab nächster Saison beim FC Bayern spielen wird könnte hier langfristig interessant werden, wohingegen es auf der Torwartposition zu einem Battle zwischen Jonas Urbig (21, Bayern), Dennis Seimen (19, Stuttgart) und Noah Atubolu (23, Freiburg) kommen könnte.

Nathaniel Brown (21, Frankfurt)könnte hingegen auf der Linksverteidigerposition ein interessanter Kandidat werden, sollte er an die Leistung seiner ersten Saison anknüpfen können, ebenso wie Tom Rothe (20, Union Berlin). Sollten sich die beiden Italien-Legionäre Malick Thiauw (23, AC Milan) und Jan-Aurel Bisseck (24, Inter Mailand) weiter entwickeln, könnten sie zudem möglicherweise das Innenverteidigerduo der Zukunft bilden, z.B. in einer 3er-Kette rund um Abwehrchef Nico Schlotterbeck (25, Borussia Dortmund). Das größte Loch würde es allerdings zu füllen gelten, sollte der 2032 schon 37jährige Joshua Kimmich nicht mehr auf der Rechtsverteidigerposition aushelfen können. Einzig und allein Elias Baum (19, Eintracht Frankfurt) könnte man aktuell zutrauen vielleicht eines Tages mal in diese Fußstapfen treten zu können, wenn auch der Weg bis dorthin für ihn natürlich noch ein sehr langer ist.

Deutschland 2032 neu

Fazit: Frankreich und Spanien weiterhin Top-Favoriten

Leon Buche
Leon Buche

Wie das furiose 5:4 im zweiten Nations-League-Halbfinale mal wieder bewiesen hat, sind Frankreich und Spanien derzeit das Maß aller Dinge im Weltfußball, sowohl was die aktuelle Generation als auch, was die Folgende angeht. Einzig und allein England könnte vom reinen Talent-Potenzial hier mithalten, sollte der englische Verband gewillt sein unter Thomas Tuchel etwas langfristiges aufzubauen, was im Gegensatz zu den letzten Jahren auch mal wirklich die offensiven Stärken der Three Lions in Szene setzt.

Deutschland hingegen muss, um langfristig wieder ganz oben mitspielen zu können, weiterhin stark auf die Jugend setzen, da abgesehen von Musiala und Wirtz aktuell noch nicht die Talente nachrücken, wo man sich vorstellen kann, dass sie – so wie einst die goldene U21-Generation mit Müller, Lahm und Schweinsteiger – innerhalb der nächsten 7 Jahre wieder titelreif sind. Die Möglichkeiten hierzu wird eine so große Fußballnation immer haben, sie müssen allerdings auch genutzt werden, um die ganz großen Träume am Ende auch wahr zu machen.

Shopping Guide zu Bayer Leverkusen: Welche Transfers könnten B04 im Sommer 2025 verstärken?

Im Shopping Guide zu Bayer 04 Leverkusen findet ihr unsere Vorschläge für Verstärkungen im Sommer 2025.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 28 Mai 2025, 16:20

Eine neue Zeit bricht an. Eine Zeit, wo noch niemand weiß, ob sie aus Leverkusen wieder den Club machen wird, der irgendwo im oberen Mittelfeld der Liga um die Champions-League mitkämpfen wird oder auch weiterhin Bayern-Jäger Nummer eins sein wird. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)

Mit dem Abgang von Xabi Alonso ist nun zumindest klar, dass man keine Spieler mehr holen kann mit dem Argument, sie würden dort von einer der größten spanischen Mittelfeldlegenden trainiert werden. Dies wurde auch schnell den Verantwortlichen rund um Fernando Carro klar, nicht umsonst bemühte man sich in Leverkusen bis zum bitteren Ende um die Verpflichtung von Cesc Fabregas, der mit Xabi Alonso gemeinsam Welt- und Europameister wurde. Leider entschied sich Alonsos ehemaliger Teamkollege dann aber gegen einen Wechsel an den Rhein. Stattdessen holte man den Niederländer Erik ten Hag, der bei Ajax Amsterdam einst einen ähnlichen Breakout hatte wie Alonso, dessen Glanz bei Manchester United dann allerdings ein bisschen abflachte.

Inwiefern aber wird das alles Auswirkungen auf die Transferstrategie haben, nun wo mit Jeremie Frimpong, Jonathan Tah und Florian Wirtz drei der wichtigsten Spieler der letzten Jahre den Verein verlassen haben? Gibt es überhaupt eine winzige Hoffnung, dass Leverkusen auch in den nächsten Jahren wieder um die Meisterschaft mitspielen kann? Hier wieder mal ein kleiner Blick in die Glaskugel.

Abschied von einer Legende:

Es war der 14. April 2024, als man in Leverkusen das schier unglaubliche erreichte: Die Meisterschale endlich in die BayArena zu bringen. Und das nicht nur irgendwie, sondern ungeschlagen über eine gesamte Saison und an diesem Abend noch final mit einem 5 : 0 gegen Werder Bremen, inklusive 3 Toren von Superstar Florian Wirtz. Doch das sollte erst der Anfang sein: „Wir wollen mehr“, rief ein von 60.000 bejubelter Xabi Alonso damals in die Menschenmenge und alle Fans spürten – jetzt sind wir da, das frühere „Vizekusen“, nun endlich herausgetreten aus dem Schatten - bereit für Jahre mindestens die zweite Fußballmacht in Deutschland zu sein.

Doch dann kam die verflixte zweite Saison und bereits früh entwickelten sich die Dinge anders. Es waren diese Details, wie das 2:2 gegen Kiel und das 1:1 gegen Bochum, wo schon eine fast übersinnliche Macht auf einmal verschwand, die zuvor noch dafür sorgte, dass die Leverkusener am Ende immer noch dieses eine entscheidende Tor mehr schossen, und sei es in der 8. Minute der Nachspielzeit.

Eigentlich spielte die Mannschaft zunächst gar nicht viel schlechter, das Glück war nur einfach nicht mehr auf ihrer Seite. Und mehr und mehr machte sich schließlich eine gewisse Müdigkeit in der Mannschaft bemerkbar.

Erst als es dann hieß „Achtelfinale Champions League. Das Duell: FC Bayern gegen Bayer Leverkusen“ wurden alle wieder wach. Denn jetzt hieß es: Bayern oder Leverkusen! Wer ist aktuell die wahre Nummer eins in Deutschland?

Und schließlich waren es die Bayern, die ein paar Monate zuvor noch im DFB-Pokal gegen Leverkusen raus flogen, die die Dinge wieder grade rückten. Mit 5:0 (Hin- und Rückspiel zusammengerechnet) rollte der bajuwarische Express über die Werkself herüber und zum ersten Mal überhaupt hörte man leicht kritische Stimmen über den Trainer, bei dem man vorher noch das Gefühl hatte, er könne mit dieser Mannschaft übers Wasser laufen.

In den folgenden Monaten wurde die Unruhe rund um Xabi Alonso dann nochmal größer, da auch Real Madrid in der CL nicht lieferte. Ausgerechnet der Club, wo Xabi Alonso schon als Spieler eine absolute Legende war und wo er selbst einmal sagte, dass es sein größter Traum wäre, diesen größten Club der Welt eines Tages mal selbst zu trainieren. Die Wolken sammelten sich am Horizont.

Um dann auf der Bielefelder Alm im DFB-Pokal-Halbfinale endgültig zu bersten, als man schließlich die einzige fast sichere Titel-Chance, nämlich den DFB-Pokal, im Halbfinale gegen einen Drittligisten auch noch verspielte. Da hatte man ein gesamtes Jahr nur ein einziges Spiel verloren und dann ausgerechnet das. Selbst die Fans waren frustriert, war doch Bielefeld zu allem Überfluss an diesem Abend sogar tatsächlich die spielerisch beste Mannschaft.

Spätestens hier musste sich gefragt werden: Waren die Spieler vielleicht schon lange mit dem Kopf woanders? Waren sie müde, weil sie dachten, dass sie etwas vergleichbares wie in der letzten Saison sowieso nie wieder erreichen konnten? Und sprach Xabi Alonso vielleicht schon seit Monaten mit Real Madrid und die Spieler wussten bereits, dass ihr Idol am Ende der Saison sowieso gehen würde?

Das sind alles Dinge über die wir Journalisten immer viel spekulieren können, die wir aber niemals genau wissen können. Was macht das mit einer Kabine, wenn plötzlich die Angst da ist, die ganze traumhafte Blase, in der man sich nun fast zwei Jahre lang befand, könnte auf einmal komplett platzen?

An diesem „schwarzen Dienstag“ in Bielefeld schien auf einmal das komplette Kartenhaus in den Köpfen vieler Spieler und Fans zusammenzubrechen, während die Hausherren ausBielefeld völlig ungläubig den Traum ihres Lebens feierten. Die Folge: Nur wenige Wochen später kündigte Xabi Alonso offiziell seinen Wechsel zu Real Madrid an, der Abschied der drei wichtigsten Spieler Jonathan Tah, Jeremie Frimpong und Florian Wirtz folgte.

Bis zum Ende der Saison wirkte das Team ermattet, hoffnungslos und – irgendwie traurig. Von dem Gefühl, dass man grade die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte gespielt hat: Keine Spur. Eher schien es wie ein großes Konzert, wo sich alle noch ein letztes Mal auf der Bühne die Hand reichen, um dann im Licht des Horizonts in alle Himmelsrichtungen zu verschwinden. Und noch immer ist nicht sicher, ob nicht sogar weitere Führungsspieler wie Piero Hincapie, Alejandro Grimaldo, Victor Boniface oder Patrik Schick vielleicht auch noch gehen könnten. Aus dem kurzzeitig erfolgreichsten Verein in der Geschichte der Bundesliga wurde in nicht einmal einem Jahr ein Verein, der auf einmal, was sein Personal anging, vor dem Nichts stand.

Doch dann erschien ein neuer Name auf der Bildfläche: Der des ehemaligen Ajax-Trainers und Diamantenauges Erik ten Hag. Der Startschuss für einen Neuanfang?

Neustart unter dem fliegenden Holländer?

Zunächst einmal muss man sich innerhalb des Vereins klar werden, wo man sich die nächsten Jahre sieht. Möchte man die extrem hohen Summen, die man durch den Verkauf von Superstars wie Wirtz und Frimpong einnimmt, dazu nutzen, um mit aller Macht weiterhin der Bayern-Jäger Nr. 1 zu sein oder gibt man sich eine gewisse Karenzzeit, eine Zeit, wo man sich sagt: „Hey, wir bauen hier etwas neues auf. Da ist es okay, eine Saison vielleicht auch einmal auf Platz sieben zu landen“.

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Spielstil von Erik ten Hag auf jeden Fall zu Bayer Leverkusen passt. Dies sieht auch die Vereinsführung so. „Unsere Vorstellungen vom Fußball decken sich. Mit technisch anspruchsvollem und dominanten Fußball wollen wir auch künftig im Werkself-Stil agieren und in allen drei Wettbewerben höchste Ziele erreichen“, so Simon Rolfes, der Geschäftsführer Sport der Werkself kurz nach der Verkündung. Nur darf man eines nicht vergessen:

Trotz allen Gemeinsamkeiten mit Xabi Alonso wie zum Beispiel strukturierten Ballbesitzfußball mit klaren Passmustern und blitzschnellen Positionswechseln: Erik ten Hags erfolgreiche Mannschaften waren absolute Pressing-Maschinen (2020/2021 9,02 Passes per defensive actions, 2019/2020 sogar 8.1). Auch stand seine letzte Linie, zumeist in einem 4-2-3-1 oder 4-3-3, zum Teil über 40 Meter vor dem eigenen Strafraum – eine Herangehensweise im Spiel gegen den Ball gegen welches selbst Jürgen Klopp’s Heavy-Metal-Fußball wie Kuschelrock wirkt.

Es wird also nicht ausreichen, einfach nur die abgewanderten Stars 1:1 zu ersetzen, eine Aufgabe, die angesichts der Qualitäten von Wirtz & Co. schon schwer genug sein könnte. Für einen gelungenen Umbruch könnte allerdings sprechen, dass Erik ten Hags Arbeit in Sachen Spielerentwicklung, insbesondere in Amsterdam, eine Eins mit Sternchen war. Kobbie Mainoo, Ryan Gravenberch, Alejandro Garnacho, Matijs de Ligt, Jurrien Timber – all dies sind Spieler, die unter Erik ten Hag debütierten. Hinzu war Ten Hag, ebenso wie Alonso, vor seiner Ajax-Station ein komplett unbeschriebenes Blatt auf dem Trainermarkt, schaffte es dann aber innerhalb kürzester Zeit sechs nationale Titel mit dem Club aus der niederländischen Hauptstadt gewinnen.

In diesem Shoppingguide soll es also in erster Linie darum gehen, neue Talente für die Leverkusener zu finden, mit vielleicht dem ein oder anderen Star in der Hinterhand. Welche Transfers aber auch am Ende wirklich getätigt werden, das Wichtigste für alle Leverkusen-Fans wird zuallererst Offenheit sein, Offenheit gegenüber einem neuen Trainer, einem auf vielen Positionen sicherlich komplett neuen Kader, wie auch einer neuen Ära.

Die Defensive

Schon im Tor muss sich gefragt werden, wie lange Lukas Hradecky noch die Nr. 1 der Leverkusener sein kann und ob sein, grade in der vergangenen Saison oft sehr wackliger, Stellvertreter Matei Kovar wirklich auf lange Sicht genug Konstanz hat, ihn als Stammkeeper dauerhaft zu ersetzen.

Der ehemalige Freiburg-TorhüterMark Flekken (31, FC Brentford) wird hier derzeit als spannende Alternative gehandelt. Dessen Vertrag beim Premier-League-Club läuft nämlich, mit einem Marktwert von 10 Millionen Euro, diesen Sommer aus, für die Leverkusener wäre der niederländische Nationalkeeper daher womöglich ein echter Schnapper.

Den mit größten Aderlass haben die Leverkusener allerdings in der Verteidigung zu verkraften. Denn sowohl der Abgang von Innenverteidiger Jonathan Tah zum FC Bayern als auch der des blitzschnellen Rechtsverteidigers und Schienenspielers Jeremie Frimpong zum FC Liverpool tut den Leverkusenern extrem weh.

Des Weiteren wird auch Leihspieler Mario Hermoso gehen, ein Verbleib von Piero Hincapie ist ebenso ungewiss und bei Nordi Mukiele möchte man zwar die Kaufoption ziehen, andererseits haben aber u.a. auch seine teils haarsträubenden Fehler im eins gegen eins dafür gesorgt, dass man im Champions-League-Achtelfinale gegen die Bayern so unter die Räder kam.

Zumindest über Linksverteidiger Alejandro Grimaldo gab es bislang noch keine Wechselgerüchte und das obwohl neben Florian Wirtz wohl kein Spieler so sehr der verlängerte Arm von Xabi Alonso war wie er. Auch war er einer der Top-Transfers vor der Meistersaison, wo aber auch klar war: Das Hauptargument nach Leverkusen zu kommen, war für den spanischen Linksverteidiger Xabi Alonso. Es ist also nicht auszuschließen, dass Alonso seinen verlängerten Arm auf dem Feld vielleicht sogar noch diesen Sommer zu Real Madrid mitnehmen könnte.

Was ein Grimaldo-Backup angeht, könnte der Blick aber nach Portugal gehen und zwar zu:

Francisco Moura (25, FC Porto)

Auch wenn Porto als einer der schwierigeren Verhandlungspartner gilt, könnte hier die Gunst der Stunde für Bayer Leverkusen ein Vorteil sein. Denn zwar beläuft sich Mouras Ausstiegsklausel auf circa 60 Millionen Euro, die Tatsache, dass sich der FC Porto in dieser Saison nicht für die Champions League qualifiziert hat, stärkt allerdings die Position der Werkself. Mit einem Marktwert von etwa zehn Millionen Euro ist er einer der typischen Linksverteidiger der portugiesischen Schule, taktisch extrem diszipliniert, aber immer in der Lage, auch mit offensiven Impulsen zu überraschen.

Ob diese schon so ausgereift sind, dass Moura wie Grimaldo, der unter Alonso auch teilweise als Schienenspieler oder im defensiven Mittelfeld fungierte, auch in einer Fünferkette funktionieren könnte, darf durchaus in Frage gestellt werden. Im klassischen Viererketten-System, wie es Ten Hag zumeist spielt, könnte er aber möglicherweise sogar noch besser funktionieren als Grimaldo. Man innere sich hier nur an Spanien bei der letzten EM, wo Trainer Luis de la Fuente sich am Ende zugunsten seines defensiveren Viererketten-Systems gegen Grimaldo und für Marc Cucurella entschied und damit am Ende Europameister wurde.

In der Innenverteidigung hingegen brauch es zuallererst einen klaren neuen Abwehrchef mit viel Erfahrung. Und warum hier nicht mal in Richtung PSG schauen, wo ein früheres absolutes Supertalent in letzter Zeit nicht mehr all zu viel zum Zuge kam nämlich:

Presnel Kimpembe (29, Paris St. Germain)

Für kaum einen Spieler war die letzte Saison so frustrierend, galt er doch in seiner Anfangszeit bei PSG als das (!) große französische Talent auf der Innenverteidigerposition. Insbesondere unter dem aktuellen Trainer Luis Enrique kaum er dann aber kaum noch zum Zuge. Der Grund dafür war ein Achillessehnenriss, der den Halb-Haitianer komplett aus dem Flow brachte und mit dafür sorgte, dass für den Innenverteidiger 2026, auch aufgrund neuer Konkurrenz im Kader, bei PSG definitiv Schluss sein sollte.

Dennoch ist seine Verletzung nun auch schon zwei Jahre her, der Spieler wäre also wieder fit und bereit, laut eigener Aussage, 2026 bei der WM wieder für Frankreich aufzulaufen, mit denen er bereits 2018 Weltmeister wurde. Hierfür brauch er allerdings Spielzeit, die man ihm in Paris trotz Genesung kaum geben wird. Viel mehr trachtet man danach, den Verteidiger im Sommer möglichst günstig loszuwerden. Warum ihn also nicht an Bayer Leverkusen verkaufen? Versuchen könnte man es seitens der Werkself in jedem Fall mal und um zu überprüfen, ob Kimpembes Verletzung ihn wirklich langfristig immer wieder außer Gefecht setzen könnte, gibt es ja schließlich den Medizincheck.

Ryan Flamingo (22, PSV Eindhoven)

Dieser spielte zuletzt in der vergangenen Champions-League-Saison eine herausragende Rolle und zwar als er als absoluter Anführer der Viererkette den Sturm des früheren italienischen Serienmeisters Juventus Turin über zwei Spiele hinweg nahezu komplett ausschaltete und aus den Champions-League-Playoffs warf. Insbesondere seine Tacklings und Interceptions sind dabei enorm stark (74 und 70, zum Vergleich. Die von Jonathan Tah vergangene Saison waren 29 und 50). Hinzu ist der 1,86 große Niederländer extrem kopfballstark und ein absolutes Pressingmonster, ergo wie gemacht für den Spielstil von Erik ten Hag mit dem ihm zuzüglich noch die Muttersprache vereint.

Und nachdem die Bayern jahrelang nach jedem Tor ihres Superstars Arjen Robben Schmähgesänge a la „Robben in den Zoo!“ ertragen mussten, warum sollen Gesänge dieser Art nicht auch mal den Leverkusenern blühen? Der Name würde es auf jeden Fall hergeben. Weitere interessante Namen für die Innenverteidigung könnten ansonsten noch Natan (24, Betis Sevilla), Igor Zubeldia (28, Real Sociedad) und mit ein wenig Glück vielleicht sogar der derzeit auf dem Transfermarkt heiß gehandelte Mohamed Salisu (26, AS Monaco) sein.

Auf der Rechtsverteidigerposition hingegen wäre Vanderson (23, ebenfalls Monaco) ein ebenfalls interessanter Name für eine defensiv ausgerichtete Viererkette. Und warum kein 1:1 Frimpong-Ersatz? Ganz einfach weil das, im Gegensatz zur unter Alonso gewohnten Fünferkette, in einem Viererkette-orientierten System von Erik ten Hag nicht allzuviel Sinn machen würde. Eher sollte hier auf Stabilität und Pressingintensität gesetzt, beziehungsweise Platz gelassen werden für einen weiteren Offensivspieler auf der rechten Außenbahn. Aber dazu kommen wir noch.

Das Mittelfeld

Nirgendwo könnte sich ein Abgang eines Spielers für einen Verein diesen Sommer so bitter auszahlen wie der von Florian Wirtz zum FC Liverpool. Der einzige Trost für die Werkself ist, dass mit Granit Xhaka, Robert Andrich und mit ein bisschen Glück auch Federico Palacios zumindest der Rest des Mittelfelds stehen bleibt und man vom amtierenden Premier-League-Meister mit einer Ablöse von 100-150 Millionen Euro zumindest auch finanziell entschädigt wird. Man könnte aber auch anders an die Sache herangehen und sich denken „Well, da ist ein Verein, der grade mit haushohem Abstand die Premier League gewonnen hat und uns mit Frimpong und Wirtz grade die beiden besten Spieler wegschnappt. Warum schauen wir uns nicht mal ein bisschen in derem Kader um“.

Harvey Elliot (22, FC Liverpool)

Dieser war (bis ihn 2022 Ethan Nwaneri ablöste) einst mit 15 Jahren und 174 Tagen der jüngste Spieler, der jemals in der Premier League auflief: Ein absolutes Supertalent und mehrmals Anwärter auf den Golden Boy Award. Dass nun mit Florian Wirtz das vielleicht noch größere Talent nach Liverpool kommt, könnte für Leverkusen somit gleichzeitig eine Chance sein, hier zumindest mal eine Leihe mit Kaufoption zu ziehen.

Denn Fakt ist, dass die Reds natürlich nach wie vor auf ihn setzen, Fakt ist aber auch, dass der englische U21-Nationalspieler in jüngster Zeit nicht mehr gesetzt war. Auch ein Kauf zu einem Preis von etwa 35-40 Millionen Euro steht daher in der Schwebe, welcher sich ja easy mit dem Kaufpreis von Wirtz verrechnen ließ. Natürlich ist Florian Wirtz der von seiner Gesamtentwicklung noch „weitere“ Spieler, Harvey Elliott könnte allerdings der noch weitaus „hungrigere“ Spieler sein, hungrig auf die Nationalmannschaft, auf Titel mit England und eben auf die ganz große Karriere, die viele bei ihm schon mit 16 vorausgesehen haben. Und: Einer, der mehr als anderen an ihn geglaubt hat, war Jürgen Klopp, der Erfinder des Heavy-Metal-Pressing-Fußballs schlechthin, welchen dann wiederum Erik ten Hag von der Intensität nochmal auf eine neue Stufe gehoben hat.

Eine Alternative könnte sein, man legt sich ein bisschen mit Borussia Dortmund an. Deren Transferziel Nummer eins heißt nämlich schon seit längerem Rayan Cherki von Olympique Lyon. Auch Manchester United war hier noch lange im Rennen, ob dies allerdings nach einer Saison, bei der man auf Platz 16 der Premier League abschmierte und am Ende zu allem Überfluss noch das Europa-League-Finale verlor, immer noch der Fall ist, darf zu Recht in Frage gestellt werden. Leverkusen könnte sich also selbst zum Konkurrenten Nr. 1 für die Dortmunder nennen, mit aktuell vielleicht noch dem ein oder anderen Euro mehr in der Hand. Weitere spannende Alternativen für das Mittelfeld wären Nico Paz (20, FC Como), Yannick Engelhardt (22, ebenfalls Como), Jakub Moder (26, Feyenoord), Arsen Zhakarian (21, San Sebastian), Kenneth Taylor (23, Ajax Amsterdam), wie auch – als Investition in die Zukunft – der deutsche U19-Weltmeisterkapitän Noah Darwich (19, FC Barcelona).

Der Sturm

Nun käme da aber noch der Angriff, das derzeit größte Fragezeichen für die kommende Saison. Weder ist sicher, dass der Goalgetter und Vize-Torschützenkönig Patrik Schick noch ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt, noch dass der schon im Winter wechselwillige Victor Boniface bleiben wird. Wohingegen man allerdings bei Boniface eher einen Abgang in Kauf nehmen sollte, sollte man bei Schick hingegen alles versuchen, um die tschechische Tormaschine irgendwie noch wenigstens ein weiteres Jahr zu halten.

Denn wie schwer es ist, hochwertige echte Neuner auf dem Markt zu bekommen, davon konnten in der jüngeren Vergangenheit schon die Bayern ein Lied singen. So oder so müssen aber sowohl im Sturmzentrum als auch auf der rechten Flügelposition unbedingt Spieler geholt werden, einzig und allein auf dem linken Flügel ist man mit Amine Adli und Martin Terrier noch relativ gut besetzt.

Der logischste Transfer für diesen Sommer wäre dabei ganz sicher der des Mainzer Stürmers und deutschen Nationalspielers:

Jonathan Burkardt (25, Mainz 05)

Dieser war in allen großen europäischen Ligen mit 18 Toren der erfolgreichste deutsche Stürmer 2024/25. Kein Kai Havertz, kein Niclas Füllkrug und kein Tim Kleindienst kam an ihn heran, wo man sich schon mal fragt: Warum spielt eine solche Tormaschine immer noch „nur“ bei Mainz 05? Der Grund waren zum einen Verletzungsprobleme, wie auch zum anderen der extreme Aufschwung der Mainzer unter Bo Henriksen, welcher mit Platz 6 und der Europa Conference League endete. Dennoch ist eigentlich schon längst klar: Wenn dieser Spieler verletzungsfrei bleibt, und das blieb er diese Saison nahezu ausnahmslos, muss (!) er Champions League spielen und zwar bei einem Top-Verein.

Und welcher Verein wäre da besser geeignet als Bayer Leverkusen – gemeinsam mit einem jungen deutschen Stürmer, der nicht nur die Bayern ärgern könnte, sondern auch deren Top-Stürmer Harry Kane. Hinzu könnte Burkardt als weitaus inverserer Stürmer, der auch mal entspannt auf den Flügel oder auf die 10 ausweichen kann, unter Ten Hag sogar ein Doppelpack mit Patrik Schick bilden, ein System, welches unter Alonso unvorstellbar gewesen wäre, unter Ten Hag, der bei Manchester United zum Teil sogar mit drei Angreifern auflief, aber durchaus vorstellbar wäre.

Ein weiterer Name wäre:

Andreas Schjelderup (20, Benfica Lissabon)

Der Norweger galt vor zwei Jahren vom reinen Talent her noch als Erling Haaland 2.0., kam dann allerdings nach dem Abgang von Roger Schmidt bei Benfica Lissabon immer weniger zum Zuge. Dies lag aber vor allem daran, dass seine Position für viele Trainer nachwievor schwer zu greifen ist. Einerseits explosiv im Dribbling, andererseits mit einem eiskalten Abschluss gesegnet, war er dann aber andererseits wieder ein Spieler, der auch gerne mal aus dem Halbraum heraus ein Spiel liest.

Sein Problem bei Benfica Lissabon war hier daher ein bisschen das eines Bewerbers um einen Job, dessen Lebenslauf einfach zu viel enthält, weswegen sich der Arbeitgeber schließlich fragt: Wo sollen wir jemanden einsetzen, der in der Offensive gefühlt „alles“ kann? Wenn aber Erik ten Hag insbesondere bei Ajax Amsterdam immer für eines bekannt war, dann war es neben Jugendförderung vor allem Positionsflexiblität. Solange ein Spieler gegen den Ball arbeitet, war er für Ten Hag stets gesetzt, egal ob er dabei auch mal seine Position verlässt, oder – ganz nach alter Johann-Cruyff-Schule – mit einem anderen Spieler tauscht. Diese Ausrichtung könnte für Schjelderup extrem von Vorteil sein und für Leverkusen vielleicht der spannendste Transfer dieses Sommers.

Mika Godts (19, Ajax Amsterdam)

Was haben Thibaut Cortois, Kevin de Bruyne und Leandro Trossard alle gemeinsam? Richtig, sie wurden alle zu absoluten Topstars und den Anführern der belgischen „Goldenen Generation“, sie alle wurden auch bei einem Verein ausgebildet: dem KAA Gent. Dieser belgische Erstligist gilt schon seit vielen Jahren als herausragende Talentschmiede und schon seit längerem kann man auf Youtube ein neues belgisches Supertalent bewundern, vielleicht dem einzig wahren Nachfolger von Eden Hazard:

Dieses Video zeigt nur ein Bruchteil der absoluten Ausnahmeklasse des 19jährigen, der nun für Ten Hags Ex-Club Ajax Amsterdam wirbelt, ein absolut nicht vom Ball zu trennender Dribbler auf dem linken Flügel, gefährlich im Torabschluss und mit genau der Spielfreude gesegnet, für die Bayer Leverkusen selbst in weniger erfolgreichen Zeiten immer stand. Lieber ein 5 : 4 als ein 0 : 0, genau dafür steht Mika Godts. Und natürlich ist er ein Spieler, den ein Club wie Ajax Amsterdam sicherlich langfristig aufbauen möchte, genauso natürlich ist aber auch, dass er dem Club eigentlich schon lange entwachsen ist. Und wer konnte das, insbesondere im Fall Ajax, in der Vergangenheit besser einschätzen als Erik ten Hag?

Fazit: Schwierigster Transfersommer der Vereinsgeschichte

Leon Buche
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Für Bayer Leverkusen steht möglicherweise der schwierigste Transfersommer der jüngeren Vereinsgeschichte an. Sollte man in den nächsten Jahren wieder ansatzweise die Bayern ärgern wollen, müssen die Transfers absolut sitzen. Die größte Herausforderung hierbei ist, dass man den Kader- und Trainerumbruch dabei zur selben Zeit hat. Sollten die Leverkusener hier aber noch ein weiteres Mal ein so glückliches Händchen haben, wie z.B. vor der Meistersaison 2021/22, könnte die Werkself sich auch weiterhin in der Top 3 der Bundesliga festspielen.

Shopping Guide zum Hamburger SV: Welche Transfers könnten den HSV im Sommer 2025 verstärken?

Im Shopping Guide zum Hamburger SV findet ihr unsere Vorschläge für Verstärkungen im Sommer 2025.
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 28 Mai 2025, 15:29

Der Hamburger SV hat es nach sieben Jahren endlich zurück in die erste Liga geschafft. Doch wird man es schaffen dem Druck Stand zu halten und sich auch weiterhin im Oberhaus festzusetzen, nachdem man solange auch finanziell in einer völlig anderen Liga unterwegs war? Kann man den Rückstand gegenüber Vereinen wie dem SC Freiburg, dem FC Augsburg oder auch Union Berlin, die sich in all der Zeit nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich immer mehr weiter entwickelt haben, überhaupt wieder aufholen? Genau dies soll dieser Blick auf das aktuelle Transferfenster 2025 zeigen. Wie stark ist der HSV-Kader wirklich? Und auf welchen Positionen gilt es nachzubessern? (Bild: IMAGO / Nordphoto)

Über 7 Brücken musst du gehen

Was könnte in Hamburg grade schöner sein, als ein Witz, der plötzlich nicht mehr lustig ist? Ein Witz über einen Bundesliga-Dino, der mit einem Mal zum Zweitligadino wurde. Und das nicht etwa, weil jeglicher Blick auf den Erfolg auf einmal zur Selbstzerstörung wurde, wie es bei anderen Traditionsvereinen wie zum Beispiel 1860 München der Fall war. Nein, der HSV spielte trotz Abstieg immer oben mit, dachte überhaupt nicht daran, durchgereicht zu werden oder irgendwo im Mittelfeld der zweiten Liga zu versacken – und wurde genau dadurch zum Gag der Nation, so wie ein Fahrprüfling, der alle theoretischen Prüfungen mit Bravur meistert, in den praktischen Prüfungen 59 Minuten perfekt fährt, um dann in der allerletzten Minute wieder und wieder bei rot über eine vollbesetzte Verkehrsampel zu rauschen. Das „Wieder Nicht“ wurde quasi zum Synonym für diesen riesigen Verein und zum Alptraum für alle HSV-Fans.

Und was hatte man alles versucht? Von Ballbesitzfanatikern wie Tim Walter über Trainer-Legenden wie Dieter Hecking bishin zu jungen ambitionierten Trainern a la Daniel Thioune? Bis dann irgendwann die Erkenntnis kam: „Wenn, egal was wir auch versuchen, es dort draußen einfach niemanden gibt, der uns wieder zu dem einzig wahren echten (!) Dino machen kann, dann müssen wir es eben selbst tun. Und jemandem das Vertrauen schenken, der zuvor nichts weiter als unsere eigene Jugend trainiert hat“. Eine Geschichte, die im Falle eines Aufstieges schöner und kitschiger hätte nicht klingen können. Das erste Mal, wo der HSV endlich auf sein eigenes Team und seine eigene DNA vertraut, klappt es auf einmal.


Und dann trägt er auch noch diesen Namen: Merlin, der Zauberer – Merlin Polzin, der, der dem HSV zuallererst eins nehmen sollte: Angst. Angst vor dem Scheitern, Angst davor, erneut die Lachnummer Deutschlands zu werden, Angst davor, dass am Ende wieder irgendein Heidenheim in der 12. Minute der Verlängerung irgendein Tor schießt – zu einem Zeitpunkt, wo man in Hamburg schon dachte, aufgestiegen zu sein bis die schneidende eiskalte Stimme der Realität ein weiteres Mal sagte: „Wieder nicht!“

Doch 2025, man konnte es selbst kaum glauben und selbst die größten Fans zweifelten bis zum Ende, sollte es anders kommen. Mit 6:1 fegte man den SSV Ulm im entscheidenden Spiel um den Aufstieg weg und bescherte damit seinen Fans ein Gefühl, für was es kaum Worte gibt: Natürlich Begeisterung gepaart mit Erleichterung und zwischendrin schon fast so etwas wie Erschöpfung. Was war das für ein Kampf? Ein Kampf, wo man immer – sieben verdammte Jahre - so nah dran war? Kein Gedanke an die Zukunft, daran, dass die Bundesliga vielleicht anno 2025 noch schwerer werden könnte als damals, als man nach gefühlt 20 gewonnenen Relegationsspielen sich am Ende doch immer noch gerettet hatte: In diesem Moment genoss man als HSV-Fan einfach nur das hier und jetzt.

Erst nach ein paar Wochen wurde klar, dass natürlich auch irgendwann wieder in die Zukunft geschaut werden musste: Eine neue Challenge, ein neues Kapitel und vielleicht eine Herausforderung, die nochmal komplett anders sein könnte, als alles, was man bisher erlebt hatte.

Merlin, Teil II:

Was für den HSV in jedem Fall zutrifft: Wo auch immer der Verein sich grade befand, hat er sich festgebissen, ob als jahrelanger Abstiegskandidat in der ersten Liga oder (unfreiwillig) als jahrelanger Aufstiegskandidat in der zweiten Liga. Der HSV war im Gegensatz zu Clubs wie Hannover, Köln oder Nürnberg nie ein Fahrstuhlclub, das steckte einfach nie in der DNA dieses Clubs. Insofern steht auch das zweite große Abenteuer von Merlin Polzin unter einem sehr guten Stern: Das Abenteuer Klassenerhalt.

Hinzu kommt, dass der HSV aus einer Stadt kommt, die von ihrem Umfeld und ihrer wirtschaftlichen Kraft immer das Potenzial hat, ihren Verein wieder nach ganz oben zu hieven. Natürlich wird man das derzeit in Hamburg nicht gerne hören, aber ja: Der HSV hat das Potenzial in acht bis zehn Jahren wieder um Europa mitzukämpfen und neue potenzielle Legenden in seine Hall Of Fame aufzunehmen, so wie es einst Spieler wie Ruud van Nistelrooy, Kevin Keagan oder Rafael van der Vaart waren. Genau deswegen ist auch die Fallhöhe so groß. Denn auch wenn man die Prüfung bestanden hat, seinen Fans trotz sieben schwerer Jahre niemals das zugemutet zu haben, was beispielsweise das einst ebenso starke Powerhaus FC Schalke 04 seinen Fans in puncto Existenzängste in jüngster Zeit zugemutet hat, ist nun der Klassenerhalt in die Bundesliga auch gleichzeitig die noch viel größere Prüfung.

Denn weder darf sich der Verein nun in puncto Transfers komplett übernehmen, noch darf man sich der Illusion hingeben, die Bundesliga in Zukunft mit einem Kader zu rocken, der eigentlich ein Zweitligakader ist. Eine Schritt-für-Schritt-Entwicklung wird in jedem Fall von Nöten sein, so wie Konstanz auf der Trainerposition und eine ganz klare auf Merlin Polzin zugeschnittene Transferphilosophie. Dieser kleine Blick in die Glaskugel soll damit nichts weiter sein als ein Versuch, zu sehen, auf welchem Level der Club sich grade ungefähr befindet und welche Transfers da ungefähr hineinpassen könnte, mit zunächst einmal dem einen Ziel im Blickpunkt: Ein Leben ohne Angst. Ein Leben, wo man sich mit Spielfreude, Kreativität und Blick nach vorne dieser neuen und doch scheinbar immer noch so vertrauten Liga hingeben kann:

Die Defensive

In jedem Fall hat man schon mal das, wo die Vergangenheit gezeigt hat, dass kaum etwas für einen Aufsteiger so wichtig ist. Der Stadtrivale FC St. Pauli kann hiervon ein Lied singen, die Rede ist natürlich von der Torhüterposition. Denn wer sonst als Daniel Heuer-Fernandes soll hier auch weiterhin der große Rückhalt sein, ein Keeper, der bereits 2019 zum Verein kam und mit dem HSV seitdem gefühlt alles erlebt hat, was man mit so einem Verein erleben kann?

Hier wäre es nun schön zu sagen, dass es sich mit der Abwehrkette ähnlich verhält, leider war aber grade diese, insbesondere zu Zeiten von Trainer Tim Walter oft der große Schwachpunkt – und dies nicht erst seit der völlig überzogenen Doping-Sperre von Mario Vuskovic aufgrund des immer noch nicht endgültig entschiedenen Verdachts auf Epo. Neue Stützen wie Sebastian Schonlau und Miro Muheim mussten die Lücke auffangen. Und dennoch brauch es hier, trotz der ebenso überraschenden und beeindruckenden Entwicklung von Denis Hadzikadunic in der letzten Saison, unbedingt weitere Verstärkung.

Moritz Jenz (26, VFL Wolfsburg/Mainz 05).

Der Verteidiger zeigte bereits in der letzten Schalke-Bundesliga-Saison, was für eine kompromisslose „Kampfsau“ in ihm steckt, verkörperte er in dieser Saison alles, wonach sich die Königsblauen seit langem gesehnt haben: Hundertprozentige kompromisslose Arbeit gegen den Ball, das sogenannte „Malocher-Gen“, wie man auf Schalke gerne sagt. Dennoch ging der Innenverteidiger danach weiter zu Mainz 05, wo er unter dem deutlich ballbesitzorientierteren Spielstil von Bo Henriksen nicht mehr ganz an seine Leistung anknüpfen könnte.

Die Chancen, den Spieler günstig zu bekommen stehen also gut wie nie - Und mit ihm die Erfahrung eines Spielers, der in Fulham, Lausanne, Lorient und Celtic bereits vier Ligen auf dem Buckel hat, nämlich die Schottische, die Französische, die Schweizer, wie auch nicht zuletzt die Premier League. Dennoch möchte Mainz 05 die Kaufoption aktuell nicht ziehen und auch der VFL Wolfsburg, bei denen der 1,90 große Verteidiger eigentlich unter Vertrag steht, möchte ihn nicht wirklich zurück. In dem Fall könnte es für den HSV ganz klar heißen: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Eine Alternative, an die sich Hertha-Fans möglicherweise noch erinnern könnten wäre:

Jordan Torunarigha (27, KAA Gent)

Dies wäre in dem Fall die weitaus spielstärkere Variante. 1,91 groß, bereits mit 35,8 km/h gemessen, entwickelte er sich nach seinem Wechsel von Hertha BSC zu einem der besten Innenverteidiger der belgischen Jupiler Pro Ligue. Insbesondere sein starker linker Fuß, seine Fähigkeit, in Drucksituationen ruhig zu bleiben und sein taktisches Verständnis zeichneten ihn dort aus. Insgesamt 52 Tacklings und 51 Interceptions in einer Saison konnte er vorweisen, was für die Bundesliga ein absoluter Top-Wert wäre. Des Weiteren läuft sein Vertrag am 30.6.2025 aus, er wäre also für den HSV möglicherweise sogar ablösefrei zu haben und damit, bei einem Marktwert von 4,5 Millionen Euro, ein Spieler, mit dem der HSV-Vorstand rund um Stefan Kuntz sich unbedingt beschäftigen sollte. Auch sollte man bei aller Transferkreativität nicht vergessen, dass man mit dem 20-jährigen Aboubaka Soumahoro noch ein eigenes großes Talent auf dieser Position in der Hinterhand hat.

Auf den Außenverteidigerposition waren es hingegen Miro Muheim und Noah Katterbach auf der linken Seite, wie auch Silvan Hefti auf der rechten Seite, die den Laden in der Aufstiegssaison zusammen hielten, wobei ganz besonders die Flexiblität von Miro Muheim herausstach von der defensiven Sechser- bis zur Innen- oder Außenverteidigerposition nahezu alles bedienen zu können. Hier muss man ganz klar sagen, dass Hefti als Rechtsverteidiger trotz einer guten Saison diese Klasse nicht hatte, weswegen folgender Neuzugang für die Rothosen interessant sein könnte:

Nico Sigur (21, Hajduk Split)

Dieser spielt nun bereits seine 2. Saison in Folge als Stammspieler bei den Kroaten, mal als Sechser, größtenteils aber als Rechtsverteidiger. Sein Marktwert beläuft sich auf 4 Millionen Euro und sein Vertrag läuft auch nur noch bis 2026. Dies und das Chaos, in welchem sich Hajduk Split derzeit befindet, könnte dafür sagen, dass ein Verein wie der HSV hier zumindest die Chance hätte, den kanadischen Nationalspieler eventuell sogar für unter einer Million Euro zu bekommen.

Falls ja wäre insbesondere sein hervorragendes Passspiel und seine Fähigkeit für gegnerische Flügelspieler ein echter „Wadenbeißer“ zu sein etwas, was dem HSV gut zu Gesicht stehen könnte. Weitere spannende Alternativen für die Verteidigung wären Luka Vuskovic (18, KVC Vesterlo) und Leopold Wurm (19, Jahn Regensburg), wohingegen auf der Rechtsverteidigerposition auch Spieler, wie Mathias Jorgensen (24, Aalborg BK) und Max Johnston (21, Sturm Graz) interessant sein könnten. Und zuletzt noch ein kleiner Wild-Take: Warum nicht nach den Sternen greifen und auch auf der Linksverteidigung noch eine weitere Verstärkung aus der Bundesliga holen?

Jan-Niklas Beste (26, SC Freiburg)

Dieser kam zwar in der Winterpause 2025 vom Champions-League-Club Benfica Lissabon und hat auch grade einen langfristigen Vertrag beim SC Freiburg unterschrieben, kommt dort aber bislang so gar nicht zum Zuge. Trainer Julian Schuster setzt einfach nicht auf ihn, der Spieler ist unzufrieden mit seinen Einsatzzeiten und alles in allem scheint die Sache nicht zu matchen. Allerdings hat der Linksverteidiger in der Saison 2023/24 den Aufsteiger FC Heidenheim als einer der besten Spieler auf dem Platz bis nach Europa gebracht.

Natürlich wäre ein solcher Transfer für den HSV eine große Challenge, allerdings ist Stefan Kuntz als Manager und Ex-Spieler auch nicht irgendwer. Zumindest eine zunächst einmal einjährige Leihe wäre hier also durchaus denkbar und sollte diese funktionieren, könnte hier ein Spieler geholt werden, der an der Elbe nicht nur seinen zweiten Frühling erleben könnte, sondern zuzüglich der perfekte Partner und Flankengeber für einen Stürmer wie Robert Glatzel wäre, ähnlich wie er es einst für Tim Kleindienst in Heidenheim war.

Das Mittelfeld

Hier sieht es derzeit danach aus, dass mit Ludovit Reis einer der wichtigsten Leistungsträger den HSV in Richtung Club Brügge verlassen könnte. Und auch wenn es hier durchaus auch mannschaftsinterne Lösungen für Merlin Polzin geben könnte, wie zum Beispiel Daniel Elfadli noch ein Stück mehr auch ins Offensivspiel mit einzubinden, würde dieser Spieler natürlich eine Lücke reißen, die es insbesondere in puncto Erfahrung unbedingt aufzufangen gilt. Ein Spieler, der diese Erfahrung ganz klar hätte wäre ...

Arne Meier (26, FC Augsburg)

Dieser wurde in der Jugend von Hertha BSC ausgebildet und ist dann schließlich über Arminia Bielefeld beim FC Augsburg gelandet. Dort pendelt er derzeit irgendwo zwischen Bank und Startelf, will aber de facto eigentlich mehr. Sein Vertrag läuft nur noch ein weiteres Jahr und sein Marktwert beläuft sich derzeit auf circa 4 Millionen Euro. Hinzu besteht zwischen ihm und HSV-Manager Stefan Kuntz eine besondere Beziehung. Stefan Kuntz wurde nämlich 2021 als Trainer der deutschen U21 Europameister und sein Kapitän und verlängerter Arm auf dem Platz war niemand anderes als Mittelfeldspieler Arne Meier.

Ob er damit ein 1:1 Ersatz zu Reis wäre, bleibt abzuwarten, in jedem Fall wäre er aber ein Spielmacher mit extrem guter Übersicht, der allen Bundesligavereinen im HSV-Trikot vor allem eins zeigen könnte: Wir sind nicht hier, um uns nur gegen den Abstieg zu verteidigen, sondern wollen auch mitspielen.

Mohamed El Hankouri (27, 1. FC Magdeburg)

Dieser ehemalige marokkanische U21-Nationalspieler spielt seit drei Jahren beim FC Magdeburg und war insbesondere in der letzten Fast-Aufstiegssaison der Mannschaft von Christian Titz neben Stürmer Martijn Kaars die entscheidende Säule im Team. Sechs Tore und fünf Vorlagen in 22 Spielen, dazu noch super flexibel, hat er in Magdeburg so ziemlich alles gespielt außer Innenverteidigung und Torwart.

Am Stärksten war er allerdings im Mittelfeldzentrum, entweder auf der acht oder auf der zehn, beziehungsweise hat er zum Teil sogar als falsche neun ausgeholfen: Kurz gesagt, von seiner Vielseitigkeit her ein echtes Schweizer Taschenmesser, dazu noch ablösefrei zu haben: Ein Spieler mit dem sich der HSV auf jeden Fall beschäftigen sollte. Weitere etwas konventionellere Alternativen wären hier Yannick Gerhardt (31, VFL Wolfsburg), Laurin Ulrich (20, VFB Stuttgart) oder Kasper Boogaard (19, AZ Alkmar).

Die Offensive

Wohingegen bei vielen Vereinen derzeit die Offensive das größte Problem ist, heißt es hier in Hamburg eher: Aufs Wasser schauen, durchatmen, nächsten Wochenendurlaub planen – das passt schon. Denn auch wenn die Zukunft von Davie Selke noch unklar ist, hätte man mit Robert Glatzel und Ransford Königsdorffer immer noch ein Sturmduo, welches mit ein bisschen Glück in der ersten Bundesliga ähnlich durchstarten könnte, wie das Werder-Bremen-Aufstiegssturmduo um die selbsternannten „zwei hässlichen Vögel Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug.

Dabei ist es nicht einmal die völlig überragende Klasse dieser beiden Spiele, sondern wie im Falle Ducksch-Füllkrug die Tatsache, dass diese beiden Stürmer sich einfach perfekt ergänzen könnten. Königsdorffer als der dribbelstarke eher falsche Neuner, der vor allem mit Geschwindigkeit glänzt, beziehungsweise Glatzel dann als der bullige Mittelstürmer, der zum Beispiel von Jean-Luc Dompé vorbereitete Flanken entgegen nimmt und vor allen Dingen eiskalt im Abschluss ist. Meine letzten beiden Transfervorschläge sind also eher als Backups gedacht, beziehungsweise als Investitionen in die Zukunft:

Oliver Antman (23, GoAheadEagles), 6 Tore und 15 Vorlagen in 22 Spielen, Teil der finnischen Nationalmannschaft, hervorragender Ballträger, der sich stets ins 1 gegen 1 traut, dazu mit seiner Körpergröße von 1,86 insbesondere in Luftduellen überragend.

Nicolo Tresoldi (20, Hannover 69), galt lange Zeit als das (!) große Sturmtalent der zweiten Liga, fiel dann aber schließlich ein wenig dem Trainerchaos rund um den Verein aus Niedersachsen zum Opfer: Ein Stürmer, der daher mehr und mehr auf den nächsten Schritt aus ist, und warum sollte dieser nicht heißen: Vom kleinen HSV zum großen HSV?

Fazit: Ziel Klassenerhalt absolut erreichbar

Leon Buche
Leon Buche

Der Hamburger HSV bleibt ein Verein, der in die Bundesliga gehört. Doch das Team rund um Stefan Kuntz muss diesen Transfersommer genau die richtige Mitte finden zwischen „Die-Situation-realistisch-einschätzen“ und „Sich-Selbstbewusst-Präsentieren“. Dann und mit dem richtigen Auge auf neue Spieler könnte der Klassenerhalt selbst in einer 2025/26 wieder deutlich schwereren Bundesliga in jedem Fall drin sein.

Wer waren die größten Shooting-Stars der Bundesligasaison 2024/25? (Top 10)

Die Bundesliga-Saison 2024/25 ist nun mit den Relegationsspielen offiziell zu Ende. Doch wer waren die Shooting-Stars?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 28 Mai 2025, 10:20

Die Bundesligasaison 2024/25 war geprägt von vielen Up- and Downs, sowohl von Vereinen als auch von einzelnen Spielern. Sei es das große Comeback des eigentlich schon aussortierten Mittelfeldspielers Leon Goretzka in der Rückrunde beim FC Bayern, der plötzliche unerklärliche Absturz ins Mittelmaß von RB Leipzig oder die unfassbare Aufholhagd von Borussia Dortmund unter Niko Kovac: Kaum eine Saison hatte, was das angeht, so viele Geschichten zu bieten, wie die Vergangene. (Bild: IMAGO / Sportfoto Rudel)

Auch viele Spieler, die vor der Saison noch mit großen Vorschusslorbeeren bedacht wurden, schafften es aus verschiedensten Gründen nicht zu überzeugen. Das prominenteste Beispiel ist hier sicherlich Joao Palhinha, der vor der Saison für 51 Millionen von Aston Villa zum FC Bayern kam und zu der (!) Stütze im defensiven Mittelfeld werden sollte, der vom vorherigen Trainer Thomas Tuchel so eindringlich geforderten „Holding 6“. Nur leider passte er in das System seines Nachfolgers Vincent Kompany überhaupt nicht rein, weswegen er den größten Teil der Saison auf der Bank saß und wohl zu Recht als größter Fehleinkauf der Saison bezeichnet werden kann. Ebenso konnte Bremens Neuzugang und großer Hoffnungsträger im Sturm Keke Top die in ihn gesteckten Erwartungen auch aufgrund von Verletzungsproblemen kaum erfüllen und auch Bayern-Talent Paul Wanner, der nach den ersten drei Spieltagen schon von vielen als sicheren WM-Fahrer für 2026 gehandelt wurde, zeigte den Rest der Saison beim FC Heidenheim nur noch wenig Konstanz.

Und doch gab es einige Spieler für die genau diese Saison 2024/25 das große Sprungbrett war - Spieler, die vor der Saison noch kaum jemand auf dem Zettel hatte, für die aber das vergangene Jahr vielleicht die Eintrittskarte in die Riege der absoluten Bundesliga-Topspieler war. Und spätestens nach Maxi Mittelstädt, der bei Hertha BSC in der zweiten Liga schon aussortiert wurde, dann aber innerhalb weniger Monate beim VFB Stuttgart so durchstartete, dass er heute als Stammlinksverteidiger der deutschen Nationalmannschaft kaum mehr wegzudenken ist, wissen wir alle, wie schnell ein solcher Aufstieg zuweilen gehen kann.

Darum hier eine Top 10 der Spieler, die 2024/25 einen ähnlichen Karrieresprung hingelegt haben:

Platz 10: Leopold Querfeld (21, Union Berlin)

Den Titel zum „Tor der Saison 2025“ hat sich der Verteidiger auf jeden Fall schon mal verdient. Zu schön war aber auch sein Treffer, als er beim fulminanten 4:4 gegen den VFB Stuttgart den Ball aus 35 Metern ins Netz donnerte.

Dieses Tor war aber nur der Höhepunkt einer sich für ihn immer besser entwickelnden Saison, die schon mit der EM 2024 begann, bei denen sich der Österreicher im Laufe des Turniers als Stamminnenverteidiger unter Nationaltrainer Ralf Rangnick fest spielte. Und auch wenn er bei Union Berlin unter Trainer Bo Svensson dann gewisse Startschwierigkeiten hatte, schaffte es unter seinem Nachfolger Steffen Baumgart dann aber umso mehr, sich auch im Verein durchzusetzen und sinnbildlich für die neue Entwicklung der Eisernen zu stehen, auf junge Talente zu setzen.

Ganze 27 Spiele absolvierte er schließlich für die Eisernen, wobei vor allem seine Passstärke im Spielaufbau beeindruckte. Hier brachte er ganze 683 Pässe an den Mann, was einer Passquote von 81 Prozent entspricht, für einen Newcomer, der vorher nur in der österreichischen Liga für Rapid Wien auflief, ein absoluter Topwert. Ob daher schon bald ein Transfer des Wieners zu einem noch größeren Verein anstehen könnte? „Im Moment fühle ich mich in Berlin“, so der Innenverteidiger, der in seiner Freizeit gerne Bilder bearbeitet und Gedichte verfasst, gegenüber dem Kicker. „Für meine Karriere setze ich auf Glaube, Kreativität, Geduld und Wiener Kaffee“.

Platz 9: Nnamdi Collins (21, Eintracht Frankfurt)

Ein weiteres großes Talent der abgelaufenen Saison war der Frankfurter Innenverteidiger Nnamdi Collins. Collins war einer dieser „jungen Wilden“, die die Eintracht als jüngste Mannschaft der Liga am Ende bis auf Platz drei und in die Champions League schossen. Der 1,88 große deutsche U21-Nationalspieler mit nigerianischen Wurzeln zeichnete sich dabei vor allem durch seine Kopfballstärke und seine enorme Sprintgeschwindigkeit (35,77 km/h) aus.

Auch kam ihm die Verletzung von Ellyes Shkiri am Anfang der Saison sehr zugute durch die er nicht nur in die Startelf rückte, sondern durch das Fehlen des defensiven Mittelfeldspielers weitaus eher als gedacht seine physischen und athletischen Stärken unter Beweis stellen konnte. Ausgebildet wurde er in der Jugend von Borussia Dortmund, wo man seinen explosiven Antritt schon mit dem von Pierre-Emerick Aubameyang verglich. Sein Wechsel zu Eintracht Frankfurt entpuppte sich dann als absoluter Jackpot. Bereits in seinem zweiten Jahr schaffte er es, Trainer Dino Toppmöller von sich zu überzeugen und gilt seitdem als einer der Durchstarter der vergangenen Saison auf der Innenverteidigerposition.

Platz 8: Tom Bischof (19, TSG Hoffenheim)

Auch wenn die Saison 2024/25 für die Hoffenheimer mehr als durchwachsen verlief, war Tom Bischof einer der wenigen Konstanten im Spiel der Kraichgauer, wenn nicht über lange Zeit sogar die Einzige. Dass man dies über einen 19-Jährigen sagen muss, spricht zum Einen für die verkorkste Saison der TSG, zum anderen aber auch über die Führungsqualitäten des Mittelfeldspielers, die zum Teil schon an einen gewissen Jude Bellingham erinnerten. Kein Wunder, dass niemand geringeres als der FC Bayern sich das Riesentalent am Ende der Saison sicherte und auch für Julian Nagelsmann gab es keinen anderen Weg mehr, als Bischof für das Nations-League-Final-Four-Turnier der deutschen A-Nationalmannschaft zu nominieren.

Zu seinen größten Stärken zählen seine Ballsicherheit, wie auch seine Dribblingfähigkeiten auf engem Raum, durch welches man ihn sowohl auf der acht, als auch auf der zehn einsetzen kann. Schafft Tom Bischof es, sich in der nächsten Saison auch beim FC Bayern gegen Konkurrenz wie Joshua Kimmich und Jamal Musiala durchzusetzen, könnte der gebürtige Franke, der bereits mit der Fritz-Walter-Medaille als bester deutscher Newcomer 2024 ausgezeichnet wurde, sicherlich einer der spannendsten deutschen Nationalspieler der Zukunft werden, ein neuer offensiver Antreiber im Mittelfeld der Marke Kimmich, Ballack oder Schweinsteiger. Die Zeichen dafür stehen auf jeden Fall schon jetzt sehr gut.

Platz 7: Shuto Machino (25, Holstein Kiel)

Kiel? Was, da wird Fußball gespielt? Ich dachte da oben an der Nordsee fahren die Leute nur Segelboot“. Auf so manchen hämischen Kommentar dieser Art konnte man durchaus in den sozialen Netzwerken stoßen, als die Störche 2024 mit teils beeindruckendem Offensivfußball als große Überraschungsmannschaft den Aufstieg in die Bundesliga schafften. Viele redeten vor der Saison von neuen Tasmania Berlin, einer Mannschaft, die sich, wenn dann nur übers Mauern und sich hinten reinstellen, hin und wieder den ein oder anderen Punkt ergaunert. Pustekuchen! Die Störche setzten ihren spritzigen und risikofreudigen Offensivfußball in Deutschlands Fußball-Oberhaus nahtlos fort, mittendrin natürlich 13-Tore-Mann Shuto Machino.

The „Shooting machine“, wie der Japaner auch genannt wurde, war dabei Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Und auch wenn die Mannschaft aufgrund ihrer Defensivschwächen am Ende wieder Abstieg, war es u.a. ihm zu verdanken, dass kaum ein Aufsteiger fußballerisch in den letzten Jahren offensiv so viel Spaß gemacht hatte. Verständlich ist daher natürlich, dass nun zahlreiche nochmal weitaus etabliertere Bundesligisten den Stürmer auf dem Zettel haben, unter anderem der SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt. Ein beeindruckender Aufstieg, wenn man bedenkt, dass Machino vor 2023 nur bei kleineren japanischen Vereinen spielte und es das zweite Jahr in einer europäischen Liga überhaupt war. Da mit einem Absteiger mal eben mehr Tore schießen als Xavi Simons oder Florian Wirtz: Kann man mal machen.

Platz 6: Daniel Svensson (23, Borussia Dortmund)

Für viele war er der (!) Mann neben Trainer Niko Kovac, dem die BVB-Fans ihre unglaubliche Rückrunde mit zuletzt acht gewonnenen Spielen, die schlussendlich doch noch in eine Champions-League-Qualifikation mündete, zu verdanken hatte. In der Winterpause 2025 vom dänischen Club FC Nordsjaelland zum BVB bekommen, hatte den schwedischen Linksverteidiger vorher absolut niemand auf dem Zettel. Kein Wunder, dass die Schwarzgelben das zunächst geliehene Talent inzwischen für 6,5 Millionen Euro gekauft haben.

Daniel hat unsere Erwartungen vom ersten Tag an voll erfüllt. Seine Intensität und Flexiblität sind beeindruckend und passen gut zu unserem Spiel“, so die lobenden Worte von BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl. Der schwedische Nationalspieler beeindruckte zudem mit seiner Laufleistung, so absolvierte er in nahezu jedem Spiel etwa 13 Kilometer, was ihn zum zweitlaufstärksten Spieler seines Vereins machte. Da sein neuer Vertrag bis 2029 läuft, kann sich der BVB daher wohl auf eine spannende Zukunft mit ihm gefasst machen und all denen eine lange Nase ziehen, die vor einiger Zeit noch unkten, der BVB würde sich nur noch bei anderen Bundesliga-Vereinen bedienen und könne keine Talente mehr entdecken und entwickeln.

Platz 5: Nikola Vasilj (29, FC St. Pauli)

Große Preisfrage: Was braucht ein Aufsteiger mehr als alles andere, um in der Bundesliga zu bleiben? Die Antwort lässt sich leicht erraten, wenn man auf die letzten fünf Jahre schaut. Denn sowohl Aufsteiger Arminia Bielefeld, wie auch der VfL Bochum schafften es nicht zuletzt deswegen direkt in der Liga zu bleiben, weil beide ihren mit Abstand stärksten Spieler zwischen den Pfosten hatten, ersterer Verein niemand geringeren als Stefan Ortega, der inzwischen für Pep Guardiola bei Manchester City spielt.

Mit dem FC St. Pauli ist in der Saison 2024/25 ein dritter Verein dazu gekommen, für den das ebenfalls gilt. Denn Nikola Vasilj war es, der allen voran dafür sorgte, dass die Elf vom Millerntor mit 41 Gegentoren eine der stärksten Defensiven der Liga stellte. Diese Statistik ist umso beeindruckender, als dass nur der FC Bayern weniger Gegentore erreichte. Würden in der Bundesliga also nur die Anzahl an Gegentoren zählen, würde der Aufsteiger nach 34 Spieltagen als deutscher Vize-Meister Champions League spielen. Der Bosnier, der zuvor nur bei Nürnberg II, in Bosnien und in der Ukraine bei Sorja Luhansk auf der Linie stand, schaffte es dabei ganze 102 Großchancen zu verhindern. Dazu erreichten ganze 70 Prozent der Bälle, die auf das Tor der Hamburger eindonnerten, ihr Ziel nicht: Dank Nikola Vasilj. Dass St. Pauli gleichzeitig auch mit nur 28 Toren die mit Abstand schlechteste Offensive der Liga stellte, fiel dabei kaum noch auf. Bereits zwei Tage vor Saisonende schaffte man souverän den Klassenerhalt und ließ dabei sogar Vereine wie die TSG Hoffenheim hinter sich.

Platz 4: Nathaniel Brown (21, Eintracht Frankfurt)

Wie hieß es doch die letzten Jahre immer? Das zweitgrößte Problem der deutschen Nationalmannschaft wäre das Fehlen eines hervorragenden Mittelstürmers, das aber noch viel größere das fehlender Außenverteidiger, insbesondere auf der linken Seite? Denn wohingegen man zum Beispiel bei der vergangenen Heim-EM 2024 auf der Rechtsverteidigerposition noch einmal die Philipp-Lahm-Karte ausspielen konnte und mit Joshua Kimmich einfach einen gelernten Mittelfeldspieler auf die rechte Seite stellen konnte, blieb die Linksverteidigerposition selbst bei diesem Turnier nach wie vor vielleicht die Schwachstelle im deutschen Spiel.

Nun aber scheint ein neuer Stern auf dieser Position aufzugehen und zwar der von Nathaniel Brown. Der Deutsch-Amerikaner, der ebenso wie Can Uzun aus der Talentschmiede der zweiten Liga dem FC Nürnberg zu Eintracht Frankfurt kam, spielte auf dieser Position eine so dermaßen bockstarke Saison, dass „Nene Brown“, wie er von den Fans genannt wurde, aus dem Spiel der Adlerträger nicht mehr wegzudenken war. Mit 35,9 Prozent war er hinzu der schnellste Spieler von Eintracht Frankfurt und in den Top 20 der gesamten Bundesliga. Seine größten Stärken hatte er hinzu noch in der Offensive, wo er ganze neun Scorer erzielte und insbesondere mit Stürmer Hugo Ekitiké ein wahres Traumduo bildete. Im Gegensatz zu dem Franzosen wird Brown der Eintracht aber Stand jetzt erhalten bleiben werden, so dass man sich als Fan noch mindestens eine weitere Saison auf ihren freuen kann.

Platz 3: Paul Nebel (22, Mainz 05)

Von allen Bundesligavereinen war Mainz 05 unter Bo Henriksen die wohl größte Überraschung der vergangenen Saison. Umso überraschender war aber, dass die Mannschaft, die am Ende mit einem sechsten Platz eindrucksvoll Europa erreicht, dies aber nicht etwa durch taktische Geschlossenheit und Warten auf Konter schaffte, sondern mit zum Teil beeindruckendem Kombinationsfußball. Hierfür war neben Nadiem Amiri, der bei den Mainzern eines der größten Comebacks der Saison feierte, vor allem einer verantwortlich: Ein 22-jähriger Deutscher, der nicht nur im Rheinhessen geboren wurde, sondern seine gesamte Jugend beim Karnevalsclub verbracht hat, sprich ein echtes Eigengewächs der Marke Thomas Müller & Co.

Ursprünglich als zentraler Mittelfeldspieler oder Zehner ausgebildet, überzeugte Nebel hier vor allem als Flügelspieler, wo er seine Geschwindigkeit und Dribbelstärke optimal ausspielen konnte. Mit ganzen zehn Toren und vier Vorlagen konnte der U21-Nationalspieler dabei glänzen. Des Weiteren lobten ihn sein Trainer und seine Mittelfeldspieler wieder und wieder für seine positive Ausstrahlung und Teamfähigkeit.

Platz 2: Nick Woltemade (23, VFB Stuttgart)

Von allen bereits genannten Spielern sollte aber kein Spieler für die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft so interessant sein wie Nick Woltemade. Denn wann hatte die DFB-Elf das zuletzt? Einen 1,98 Meter langen Riesen, der zuzüglich auch noch unglaublich dribbelstark ist, zum Teil Musiala-like kaum vom Ball zu trennen ist und hinzu diese Saison auch noch endlich seine vorher noch einzige Schwachstelle überwunden hat: Seine Effizienz beim Abschluss.

Und dabei wurde der Spieler, der im Sommer 2024 ablösefrei von Werder Bremen kam sogar eigentlich nur als Ergänzungsspieler geholt werden. Ganze 20 Millionen Euro gab man seitens des VFB's für den Stürmer Ermedin Demirovic und das vor allem aus dem Grund, dass man den Qualitäten des 23-jährigen Blondschopfs Woltemade als Guirassy-Nachfolger eben noch nicht wirklich traute. Am Ende jedoch war es Woltemade, der fast jedes Spiel bestritt und am Ende dafür sorgte, dass die Schwaben mit dem Gewinn des DFB-Pokals ihren ersten Titel seit 18 Jahren feiern durften. Damit berief ihn selbstverständlich auch Julian Nagelsmann direkt in die Nationalmannschaft. Dies und seine ebenfalls herausragenden Leistungen in der U21 lassen Fantasien keine Grenzen. Mit einem Sturmtrio aus Florian Wirtz, Jamal Musiala und Nick Woltemade zum WM-Titel 2026? Warum nicht? Denn Fakt ist, dass diese drei noch extrem jungen Spieler gemeinsam auf dem Platz das Potenzial haben, zum vielleicht technisch stärksten Angriffstrios in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft zu werden.

Platz 1: Hugo Ekitiké (22, Eintracht Frankfurt)

Eigentlich müsste man meinen, ein Verein wie Eintracht Frankfurt könne nach einem Abgang, wie dem von Omar Marmoush (15 Tore in 17 Spielen) zu Manchester City nur zusammenbrechen. Zu groß schien der Abgang des Ägypters zu wiegen, als dass irgendjemand das auffangen konnte. Es sei denn man eben, man hat noch Hugo Ekitiké in der Hinterhand, der nicht nur in der Hinrunde mit Marmoush gemeinsam ein absolutes Traum-Sturmduo bildete, sondern hinzu noch nach dessem Abgang erst richtig aufblühte.

23 Scorer erzielte er für die Adlerträger und entwickelte sich zuzüglich noch durch seine atemberaubenden Dribblings zum absoluten Publikumsliebling. Was ihn zuzüglich noch einmal umso herausragender machte, war seine absolute Unberechenbarkeit, mal auf dem Flügel, mal als Halbraumzehner, dann wieder als eiskalter Vollstrecker im Strafraum. Umso bitterer ist es, dass Ekitiké nun nach Marmoush und Kolo Muani das nächster Ausnahmetalent sein könnte, für den die Stadt mit dem größten Flughafen Deutschlands die Startbahn zu einem absoluten Weltverein war.

Und so herausragend die Scouting-Arbeit von Frankfurt-Manager Markus Krösche nicht zuletzt dafür sorgte, dass ganze drei Frankfurt-Spieler in dieser Top 10 vertreten sein mussten, fragt man sich doch: Wie oft kann die Eintracht den Abgang ihres größten Starspielers denn noch kompensieren? Für diese Saison hat es zumindest für die erste direkte Champions-League-Qualifikation gereicht, mit Hugo Ekitiké als, auf seine Gesamtleistung geschaut, größten Shootingstar der Bundesligasaison 2024/25.

Wer waren die größten Badboys der Bundesligageschichte? (Top 10)

Die Bundesliga blickt auf eine große Historie zurück. Doch wer waren die größten Badboys?
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Geschrieben von Leon
Veröffentlicht: 26 Mai 2025, 14:27

Jeder kennt sie, manche verurteilen sie, manche schütteln über sie den Kopf, aber irgendwo lieben wir sie doch alle. Fußballer, die nicht so sind, wie die anderen - Fußballer, die nicht so wirken, als wären sie von ihren Eltern schon von dem Moment in die Medienschulung geschickt wurden, wo sie das erste Mal „Papa“ plärren konnten – Fußballer, für die ihr Ernährungsplan nicht immer das war, was für Papst Franziskus die 10 Gebote oder für Karl Lauterbach das COVID-19-Hygiene-Konzept waren- sprich Fußballer, die in ihrem Leben vor allem eins geblieben sind: Menschen. Menschen, die sich auf und neben dem Platz dann eben auch mal den ein oder anderen kleineren (oder größeren) Fehltritt erlaubt haben.

Umso schöner ist es, dass grade die Bundesliga einige der besten und prominentesten Badboys im Fußball hervorgebracht hat. Hier meine ganz persönliche Top 10, natürlich mit einem Augenzwinkern und ohne persönliche Wertung. (Bild: IMAGO / Team 2)

Platz 10: Marko Arnautovic

Ohne „aus einer Ameise einen Elefanten machen zu wollen“, wie der gute Mann sagen würde, muss der zehnte Platz definitiv an einen Spieler aus unserem südöstlichen Nachbarland gehen. Dieser österreichische Stürmer hat nämlich nicht nur dieses wundervolle Zitat kreiert, von ihm stammt auch seine einst herzerquickend-romantisch formulierte Liebeserklärung einem Verkehrspolizisten gegenüber: „Leck mich am Arsch, ich kann dein Leben kaufen. Wag es nicht, mich anzuzeigen. Ich hab so viel Geld, ich bin was besseres als du“. Nun immerhin schenkte er dem Polizisten daraufhin als Wiedergutmachung zwei VIP-Karten für ein Länderspiel der Österreicher gegen die Türkei. Wer es sich halt leisten kann.

Wunderbar unfreiwillig komisch war auch seine Aussage „Ich habe in meinem Leben stets immer das gemacht, was in meinem Kopf war. Und genau das war mein Fehler“. Tja, wie schon der gute Nietzsche sagte: Erst kommt das „Es“, dann das „Ich“ und eben ganz ganz ganz am Ende dann irgendwann auch mal das „Über-Ich“. Oder war es doch umgekehrt?

Doch was für eine Freude für alle Bundesliga-Fans, dass eben genau jener Urvater literarisch-hochwertiger Rhetorik tatsächlich mal in der Bundesliga auflief, nämlich von 2010-2013 für Werder Bremen. Dass seine Interviews, wie auch seine Club-Eskapaden, zum Beispiel wildfremden Frauen ungefragt Champagner in den Ausschnitt zu schütten, nicht selten auch mal zu Suspendierungen führten, beweist nur einmal wieder, dass zu einem wahren Künstler eben auch ein Exzentriker gehört.

Das Schöne ist: Als einzigen Spieler dieser Top 10 darf man Marko Arnautovic nach wie vor im europäischen Top-Fußball bewundern, nämlich bei Inter Mailand mit dem er kurz davor ist, das zweite Mal die Champions League zu gewinnen, wobei bei seinem ersten CL-Triumph mit den Nerazzurri 2010 eher der Satz zutrifft „Er hat während dieser Saison in Mailand gelebt“.

Natürlich würde dieser Titel die Karriere der österreichischen Sturmlegende noch einmal die Krone aufsetzen, wenn da nicht der natürlich noch weitaus prestigeträchtigere Titel wäre: Der wohlverdiente Platz in der Kickfieber-Top-10 der größten Bundesliga-Bad-Boys aller Zeiten. Nur die Harten kommen eben in den Garten.

Platz 9: Oliver Kahn

Definitiv muss aber natürlich auch ER mit drin sein: ER – Der einzig wahre Titan. Schon alleine die Tatsache, dass er sich diesen Namen verdient hat ohne mit wabbelnder „Nora“-Herzchenkette Songs wie „Cheri Cheri Lady“ in ein Mikrofon zu plärren, einen 308 GTS Ferrari als „Nuttenschüssel“ zu bezeichnen oder als Vorsitzender von so prestigeträchtigen Wettbewerben wie „Deutschland Sucht Den Superstar“ Weisheiten wie „wenn du auf einem Berg stehst und rufst ‚Hallo, Echo‘ dann kommt kein Echo, denn auch Echos haben Geschmack“ zum Besten zu geben, verdient schon einen Platz in dieser Top 10.

Und wenn, wie nach seiner Entlassung als Vorstandschef beim FC Bayern, die Fassade des geläuterten Hochglanz-Business-CEOs doch urplötzlich so zusammenbricht, dass man ihn seitens der Bayern nicht mit seinem Nachfolger Jan-Christian Dreeßen in einem Privatjet fliegen lassen möchte, (aus Angst vor möglichen Handgreiflichkeiten) dann sagt das mehr aus als 100.000 Paraden.

Allerdings: Für Handgreiflichkeiten wie zum Beispiel seinen Kung-Fu-Tritt gegen den heranlaufenden Dortmunder Stürmer Stephan Chapuisat, wäre wohl der Platz in einem Privatjet vielleicht doch ein bisschen knapp gewesen. Da hätte die Torwartlegende, die die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2002 quasi alleine ins Finale gebracht hat, sich schon auf kleinere Liebesgesten, wie dem „Am-Ohr-Beißen“ (1999 gegen Herrlich), beschränken müssen. Ob das allerdings die Entscheidung der Bayern über Oliver Kahns Zukunft verändert hatte, darüber müssen die Leser entscheiden.

Immerhin bleibt Oliver Kahn seinem Motto „weiter, immer weiter“ nach wie vor treu und widmet sich aktuell einem der spannenden Fußballprojekten, nämlich den ehemaligen französischen Champions-League-Halbfinalisten Girondins Bordeaux wieder aus der Versenkung zu retten. Dafür und für vieles mehr natürlich für immer unser größter Respekt an den Titan, der nicht nur einer der besten Torhüter aller Zeiten war, sondern vor allem eins: Ein Mann mit großen Visionen. In diesem Sinne nochmal an alle mit den Worten des Titans: „Eier! Wir! Brauchen! Eier.“ Jesus hat es schon bei seiner Wiederauferstehung gewusst.

Platz 8: Thorsten Legat

Nach Eiern muss man bei Thorsten Legat wohl nicht sehr lange suchen, nach Visionen aber dann doch eher schon. Es sei denn, man bezeichnet es als Vision in seiner gesamten Profifußballerkarriere in mehr Trash-TV-Formaten aufzutreten als Tore zu schießen (TV-Formate: 49, Tore 15, Anm. d. Red.). Aber wie die Engländer schon in den 70ern zähneknirschend sagten: „Ein Spiel hat 90 Minuten und am Ende gewinnt immer der Dschungel“.

Genau wie es in Wahrheit nur eine mediengemachte Verschwörungstheorie ist, dass die Champions-League-Trophäe ein Henkelpott ist. In Wahrheit ist sie nämlich natürlich eine Krone, die man als prominenter Fußballer von schangeligen RTL-Moderatoren auf den Kopf gesetzt bekommt, wenn man sich in Shows wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ erfolgreich wochenlang vor einem Millionen-TV-Publikum im Dschungel von Skorpionen und Kakerlaken dort herumknabbern lässt, wo selten die Sonne scheint.

Immerhin – Thorsten Legat wurde in jenem Hochkulturformat sogar zum „Drillmaster“ auserkoren, ein Titel, wo vielleicht sogar Felix Magath kurz neugierig den Kopf gehoben hätte.

Und wenn man als Profifußballer eben ein Leben lang nur auf diese eine Trophäe hinarbeitet, ist es natürlich auch völlig verständlich, eine Horde aufdringlicher Autogrammjäger mit einem Samuraischwert zu bedrohen, um in die Schlagzeilen zu kommen, beziehungsweise, Obacht: Thorsten Legat hat es ihnen ja nur „gezeigt“! Und möglicher war die ganze Aktion ja auch nur eine Schleichwerbung für eine Theater-Neuinszenierung von „Kill Bill“ der Hauptschule Achim-Borstel und er wollte den Kindern gar nichts böses.

Gibt es fußballerisch sonst noch irgendetwas über ihn zu berichten? Nun, immerhin gewann er mit dem SV Werder Bremen 1992 den Europapokal der Pokalsieger und trainierte dort zumindest für eine Saison 2004-2005 sogar die U19. Darüber, ob in dieser Zeit eine Trillerpfeife oder ein Samuraischwert an seinem Gürtel hing, wollte uns die Vereinsführung aber leider keine Auskunft erteilen.

Wer sonst tiefer in die Welt von Thorsten Legat eintauchen möchte, dem sei insbesondere sein Bewerbungsvideos als ehrenamtlicher Leiter des Jogi-Löw-Fanclubs ans Herz gelegt, wo er mal ganz „von Mann zu Mann“ zum damaligen Bundestrainer spricht (Stichwort: „Was geht ab in deinem kleinen schwäbischen Kopf?“) Denn dieses Video ist ohne Zweifel neben der Wutrede von Giovanni Trappattoni („Was erlauben Strunz“) eines der größten Relikte der deutschen Fußballgeschichte:

Platz 7: Stefan Effenberg

Freunde der Sonne! Wie könnte eine Top 10 der größten Bundesliga-Badboys jemals irgendeine Relevanz haben, ohne dass sich Der Tiger in ihr befindet? Der Mann, der es geschafft hat, nur weil er einen Stinkefinger in Richtung Fans gezeigt hat, mitten während einer WM nach Hause geschickt zu werden, so wie ein böser Junge, dem man auf einer Klassenfahrt eines streng-katholischen Gymnasiums nachts bei den Mädchen erwischt hat. Ob es da nicht dann doch das weitaus gravierendere Strafdelikt war, den SC Paderborn als „den sexysten Verein Deutschlands“ zu bezeichnen?

Wie dem auch sei, zumindest musste niemand für diese Aussage 3 Euro ins Phrasenschwein des Doppelpasses zahlen. In dieser wundervollen Sonntagmorgen-Fußballunterhaltungssendung von Sport 1 sitzt Uns Effe nämlich mittlerweile Woche für Woche mit seinen gegelten Haaren und achtet (wenn er nicht grade selbst mit Weisheiten wie „Influencer sind keine Experten“ um die Ecke kommt) mit akribischer Genauigkeit darauf, dass selbst der noch so arrivierte Sportmanager das Schweinchen mit seinem Klimpergeld füllen muss, wenn er sich zur Untermauerung seiner analytisch-psychologischen Ausführungen zu Sätzen wie „Am Ende fängt in einem Fußballspiel oft der frühe Wurm den Vogel“, „wir spielen von Gedanken zu Gedanken“, „die Lüge kennt keine Tabellen“ oder „das Gesetz hat eben seine eigene Pokale“ hinreißen lässt. Nun, ist ja immerhin alles für einen guten Zweck.

Und wer dann noch den Rekord der meisten gelben Karten der Bundesligageschichte einheimst plus mit 2,2 Promille (natürlich auf Kosten seines Führerscheins) nach einem Oktoberfestbesuch noch ein bisschen mit dem Auto durch München cruised, wie auch mit den Bayern nicht nur die Champions League gewinnt (2001), sondern im Finale sogar noch als Kapitän das entscheidende Tor schießt, der muss natürlich in dieser Liste landen.

Platz 6: Kevin Großkreutz

Für kaum einen Spieler aus dieser Liste mag das Attribut „Bad Boy“ zunächst so befremdlich klingen, wie für den freundlichen Ex-Dortmunder, der mit seiner luftigen Stimme in Interviews eher wirkt wie ein verpeilter Soziologie-Student aus Villingen-Schwenningen. Aber verpeilte Studenten sind ja bekanntlich oft die Schlimmsten. Denn Achtung an alle Berlin Prenz’l-Berg-Hippies mit E-Bike und Club-Marthe-Aufkleber: Ja, man kann auch „aus Versehen“ ein „Bad Boy“ sein. Und zwar dann, wenn man, wie im Falle Großkreutz, meint, nur dann scheiße zu bauen, wenn es keiner sieht, es aber eben am Ende doch alle sehen.

So wie zum Beispiel nachts nach einem Länderspiel mit der Nationalmannschaft inmitten einer Hotellobby seinen Dödel rauszuholen und gegen eine Palme zu pinkeln. Aber welcher Idiot pflanzt auch einen Baum mitten in eine Hotellobby? Da ist es doch logisch, dass wenn die arme Pflanze schon keine Sonne und keinen Regen abkriegt, es doch wenigstens der Urin von Kevin Großkreutz sein muss.

Ebensowenig kann man ja wohl irgendeinem Spieler einen Vorwurf machen, der seine Einwürfe auch mal außerhalb des Fußballfelds trainiert: Zum Beispiel in einem Dönerladen, wo man statt eines Balles doch auch auch mal einen Döner als Wurfgeschoss benutzen kann. Allerdings: Heißt die Sportart, wo es darum geht, mit einem Ball andere abzuwerfen, nicht eigentlich Völkerball und nicht Fußball?

Nun, immerhin wurde dank dieses „vorsätzlichen Attentats“ seitens der Dortmund-Legende der daraufhin vom (ausgerechnet) Ex-Schalker Julian Draxler während der WM-2014-Siegesfeier angestimmte Song „Großkreutz, rück den Döner raus“ einen ganzen Sommer lang zu Deutschlands beliebtestem Smash-Hit.

Dies hatte zur Folge, dass Kompositionsprofessoren sämtlicher deutscher Musikhochschulen ganze Bücher darüber schrieben, welche tiefalteriert-neapolitanische Sechstakkordharmoniefolge dieses Kunstwerk zu einem solchen Meilenstein deutschen Kulturguts machen konnte. 400 Jahre Harmonielehre und Kontrapunkt wurden auf einmal hinterfragt. Und dann war es am Ende doch nur der Döner von Kevin Großkreutz.

Da fragt man sich schon, warum Großkreutz eigentlich noch nie als BVB-Trainer gehandelt wurden? Was der Sahin kann, kann der Großkreutz ja wohl auch, oder? Und generell könnte sich der BVB nach all den Jahren doch wirklich mal wieder etwas mehr Mühe geben, wenn es darum geht, ehemalige Spieler in den Verein mit einzubinden. Es könnte ja sonst die Gefahr bestehen, dass es noch irgendeinen Ticketverkäufer auf dem BVB-Gelände gibt, der keine Borussia-Vergangenheit hat.

Und wen nicht einstellen, wenn nicht einen Spieler, der Borussia Dortmund zu zwei Meisterschaften plus einem Champions-League-Finale hintereinander verhalf und für immer einer der größten Dortmund-Legenden bleiben wird.

Platz 5: Max Kruse

Eine Legende der Bundesliga wird auch er bleiben. Was auch sonst, wenn man es schafft, 75.000 Euro in einem Taxi zu verlieren, den in Dortmund mittlerweile heilig gesprochenen Niko Kovac öffentlich als „asozial“ zu bezeichnen, nachdem dieser ihn morgens um sieben pennend und mit aufgefuttertem Burger-King-Maxi-Menu in der Umkleide erwischt hat, und in der Bundesliga öfters den Verein zu wechseln als der altehrwürdige FC Schalke 04 in den letzten zehn Jahren seinen Trainer.

Zumindest aber eines sollte jeder aktuelle und künftige deutsche Nationalspieler vom Poker- und Lamborgini-Liebhaber gelernt haben: Wenn man sich schon heimlich leichtbekleidete Damen am Abend vor einem Länderspiel in sein Hotelzimmer bestellt, sollte man sie vielleicht nicht auch noch vorher mit dem selben Aufzug wie den DFB-Direktor fahren lassen. Das könnte dann nämlich doch auffallen. „Auffallen“ wäre sonst bei Max Kruse klar das Stichwort. Denn wohingegen andere „Badboys“ zumeist dann doch eher danach trachteten, ihre „Missetaten“ unauffällig zu begehen, tat Max Kruse stets das Gegenteil.

So wie zum Beispiel, als er nach einer völlig ausgearteten LAN-Party mitten in der Nacht seine Wohnung, die in etwa den Zustand von Dresden 1945 hatte, nicht nur auf Instagram postete, sondern dies auch noch mit den Worten „morgen früh ist Training:)“ tat. Es sollen ja schließlich auch alle sehen, wie sich ein Profifußballer zu benehmen hat, Stichwort Vorbildfunktion. Macht Sinn.

Allerdings zeigte sich Max Kruse stets reuevoll und lernfähig, so zum Beispiel als er nach einem Video, wo er unter seinem Künsternamen „MC Max“ über wilde Sexorgien mit Escort-Damen rappte, den Skandal gegenüber der Presse nur trocken mit den Worten „bei solchen Dingen lernt man eben“ heruntermoderierte. Ääähm, bei welchen Dingen jetzt genau, Max? Schade, dass ihn der DFB schlussendlich auf Lebenszeit von der Nationalmannschaft ausschloss, als einige Zeit später ein Video viral ging, welches Max Kruse halbnackt und mit erigiertem Penis zeigte. Aber für einen Platz in der Top 5 dieser Badboy-Hall-Of-Fame muss man eben auch mal Opfer bringen. Ganz nach dem Lebensmotto des Mittelstürmers: Alles für den Fame.

Platz 4: Mario Basler

Und war nicht früher eigentlich sowieso alles besser? Laut der Ansicht des Mannes mit der tiefen Kettenraucherstimme definitiv: „Da sind wir als Spieler vor dem Spiel noch nachts um die Häuser gezogen, haben Kippen geraucht und Bier getrunken und niemand hat was gesagt“. Diese und ähnliche Aussagen kennt wohl ganz Fußballdeutschland zur Genüge von eben jenem Herren, dessen Sprüche und Zitate ganze Bücher füllen könnten - von „ich war nicht nur froh, ein Tor geschossen zu haben, sondern auch, dass der Ball reinging“ bis „Nachwuchsleistungszentren? So was gab’s bei uns gar nicht. Und wenn, dann wäre ich da ausgebrochen Tag und Nacht“.

Was Mario Basler dabei bis heute wie kein anderer versteht, ist die Rebellen-Sehnsüchte des kleinen Mannes zu befrieden, und das mit einem nahezu genialem Image-Control, welches außer ihm höchstens noch Zlatan Ibrahimovic in dieser Weise beherrscht, und womit er sich im Laufe der Jahrzehnte selbst zu jener Kultfigur machte für die ihn der Boulevard feiert.

Ein wenig befremdlich kommt es nur bisweilen daher, wenn ausgerechnet der Mann, der als Spieler vor dem Spiel besoffen auf der Massagebank einschlief, wie auch gefühlt jede Woche in irgendwelche Kneipenschlägereien verwickelt war, auf einmal zum Gralshüters des Knigge’s wird und Antonio Rüdiger nicht nur erklärt, wie man sich als Profi zu benehmen hat, sondern zuzüglich öffentlich fordert, man müsse ein Exempel statuieren und der Verteidiger dürfe aufgrund seiner Schiedsrichterbeleidigungen nie wieder für die Nationalmannschaft auflaufen.

Aber vielleicht gehört auch das zur Mario-Basler-Badboy-Schule dazu: Die Konkurrenz immer möglichst klein zu halten und wenn es die Konkurrenz um den größten Bundesliga-Badboy aller Zeiten ist. Apropros Badboy-Schule: Wer immer Mario Basler persönlich begegnen sollte, der erwähne vor ihm niemals das Wort „Belastungssteuerung“. „Belastungssteuerung, dafür muss man doch erst mal belasten. Wenn ich davon höre, wie heutzutage Spieler über Belastungssteuerung rumheulen, da krieg ich die Krise. Die sollen rennen für ihr Geld und nicht rumheulen, wenn ihnen irgendwo das Knie zwickt“. Oder so wie Rodri nach gefühlt 365 Spielen im Jahr ihren Ballon d’or am Ende auf Krücken entgegen nehmen müssen?

Nun – um die Bayern- und Werder-Bremen-Legende noch ein letztes Mal zu zitieren: „Jede Seite hat eben zwei Medaillen“.

Platz 3: Jens Lehmann

Nun aber kommen wir zu den wirklichen Härtefällen: Den Spielern, wo Tante Waltraud aus Kleintriebsdorf ihren Hund lieber nicht alleine nachts auf die Straße lassen möchte - zu den Bad Boys der wirklich bösen Sorte, so böse, dass sie man sie in Hogwarts doch glatt nach Slytherin verfrachtet hätte, so sehr steckte die Blutrunst und Bösartigkeit doch schon seit ihrer Geburt in ihnen.

Ob man dies über Jens Lehmann sagen kann: Wohl eher nicht. Denn wenn jemand mit einer Kettensäge den Dachbalken seines Nachbarn ansägt, sich in Parkhäusern stets Millimeter hinter seine Vordermänner heftet, um die Schranke und damit die drei Euro Parkgebühr zu umgehen und schließlich zum Thema Ilkay Gündogan und deutsche Nationalmannschaft nur sagt: „Naja, bei ihm ist das vielleicht was anderes, immerhin kann er ja ganz gut deutsch“ (Ilkay Gündogan wurde 1990 in Gelsenkirchen geboren, Anm. der Red.). Da fragt man sich dann schon, ob hier nicht vielleicht ein anderes Adjektiv angebrachter wäre.

Worüber es aber keine Diskussion gibt, ist dass - trotz grade politisch oft fragwürdiger Ansichten – Jens Lehmann oder „Mad Jens“, wie man ihn in England nennt, zweifelsfrei einer der besten Torhüter der neueren deutschen Geschichte war. Da kann man dann auch mal unerlaubt in der Halbzeit nach Hause fahren, wenn einen der Trainer auswechselt, logisch. Allerdings: Trotz Aktionen wie einem Fan die Brille wegzunehmen oder Spielern wie Stefan Effenberg und anderen die Krone der meisten Trunkenheitsfahrten eines Profifußballers wegzunehmen, ist auffällig, dass sich Jens Lehmann (im Gegensatz zu einem anderen bereits genannten Torwart) auf dem Platz nur selten was zu Schulden kommen ließ. Nun, der eine lässt es da raus, der andere dort.

Platz 2: Tim Wiese

Warum sind Torhüter grade in Deutschland eigentlich so weit oben, wenn es um den Platz des größten Badboys der Bundesligageschichte geht? Vielleicht weil Keeper in einem Fußballspiel häufig Einzelgänger sind auf denen zuzüglich noch der meiste Druck lastet? Denn auch die Silbermedaille geht an einen Torhüter, allerdings hatte dieser mit Weltmeisterschaften und Welttorhütertrophäen nur wenig zu tun. Dafür war er möglicherweise auch viel zu sehr Wrestler und Kraftsportler, die Rede ist natürlich von Tim Wiese.

Wo fangen wir hier an? Mit Videoaufnahmen, die den Ex-Bremer bei einer Clan-Schießerei in einem Berliner Blog zeigen – oder doch mit einem Gesichtstritt gegen Ivica Olic, welches ohne Zweifel eines der bösesten und härtesten Fouls der Bundesligageschichte war und sogar vom sonst so hartgesottenen „Kaiser“ Franz Beckenbauer als „Mordversuch“ bezeichnet wurde? Charmant auch, wie er einer Politesse, die ihn beim falsch parken aufschreiben wollte, einen riesigen Stapel Hunnis vor die Füße pfefferte mit den Worten „Nimm das, du H****". Da bekommt man doch Leuchten in den Augen bei so viel charmanter Bescheidenheit.

Was Tim Wiese ansonsten wie kein anderer schaffte, war, sich immer und stets mit genau den Themen unbeliebt zu machen, mit denen man sich in Deutschland insbesondere medial am besten unbeliebt machen kann: Kontakte ins rechte Milieu mit darauffolgendem Stadionverbot im Stadion seines Ex-Vereins Werder Bremen, Missachtung von Corona-Maßnahmen plus anschließendem Rauswurf von der Security aus der VIP-Lounge: Da fehlt eigentlich nur noch ein Video, bei dem er im Alice-Weidel-Shirt und Hitler-war-ein-Linker-Plakat vor dem Reichstag Wärmepumpen verbrennt und dabei „Solidarität für Putin“ brüllt.

Nun ja, vielleicht hätte man ihn ja auch einfach mal zur politischen Läuterung mit nach Katar mitnehmen müssen, als es darum ging mit der „One-Love“-Binde als DFB-Team mal so richtig Farbe zu bekennen? Ein Versuch wäre es zumindest wert gewesen, und Hand aufs Herz: Viel schlechter hätte die deutsche Nationalmannschaft dort auch mit ihm als Nr.1-Torhüter nicht abschneiden können.

Platz 1: Nicklas Bendtner

Nun aber zu einzig wahren Nummer eins, dem einzigen verdienten Gewinner des wahren Henkelpotts, der Dschungelkrone um den (!) größten Badboy der Bundesligageschichte. Und diese muss natürlich an ihn gehen – dem einzig wahren Lord – der Kreuzung aus Lord Voldemort und Sauron der Fußballwelt.

Dessen Fehltritte lesen sich nämlich schon beinahe wie in einem schlechten Mafia-Roman. Zwischen komplett wahnsinnig, Kultspieler, Exzesslöwe und Fußballlegende bedeckt er das komplette Spektrum an Badboyismus. Welches Wort soll man sonst verwenden, wenn jemand halbnackt und völlig betrunken hinter einem Taxi herläuft, dabei Onanierbewegungen macht und das Fahrzeug währenddessen mit einem Ledergürtel „auspeitscht“? Dass ein aktiver Spieler kurz danach aufgrund einer weiteren ausartenden Alkoholfahrt, die in einem fulminanten Wettrennen mit der Polizei mündete, sogar eine Fußfessel tragen musste: Das war nicht nur in der Bundesliga, sondern sogar im Weltfußball einmalig.

Auch bei der EM 2012 zeigte sich der Däne von seiner allerbesten Sorte, als er während eines Jubels sein Trikot entblößte und den Fans seine Unterbutze zeigte, auf der zuzüglich noch der Werbeschriftzug einer so mäßig-seriösen irischen Wettfirma zu sehen war. Allerdings zeigte sich Lord Bendtner gegenüber der Frauenwelt stets sehr spendabel: Als er zum Beispiel von einer Frau, die er aus Versehen bei einer Party geschwängert hatte, die Bitte erhielt, ihr dafür neue Brüste zu bezahlen, kam „Der Lord“ der Bitte um diese großzügige Spende widerstandslos nach. Auch, was seinen Körper anging, zeigte er sich wider Erwarten äußerst professionell. So zum Beispiel als er mit 50 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung seinen Aston Martin zu Schrott fuhr, sich dann aber, statt erst einmal die Polizei zu rufen, auf offener Straße splitternackt auszog, um seinen Körper nach Verletzungen zu untersuchen.

Neben all seinen Eskapaden geht jedoch oft unter, dass der Stürmer, der von 2014-2016 für denVFL Wolfsburg spielte, eigentlich ein hochtalentierter Fußballer war und vielleicht einer der größten „What If“s der Fußballgeschichte ist. Gegen den FC Porto gelang Nicklas Bendtner zum Beispiel als erster Däne in der Champions League ein Hattrick, wie auch in der Premier League das schnellste Tor der Geschichte (1.8 Sekunden). Genie und Wahnsinn liegen dann eben doch oft nah beieinander.