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Max

WM-Rekordtorschütze: Wer war Just Fontaine?

Alle vier Jahre, während der Weltmeisterschaft, stößt man als Fußballfan vermehrt auf die großen Namen der Vergangenheit. Doch zwischen Pelé, Ronaldo, Puskás und Gerd Müller taucht häufig ein heute eher unbekannter Spieler auf: Just Fontaine, der mit 13 Toren bei der WM 1958 einen Rekord für die Ewigkeit aufstellte. (Bild: IMAGO / Horstmüller)

Am 18. August 1933 wurde „Justo“ in Marrakesch im damaligen Französisch-Marokko geboren. Seine Eltern, ein französischer Tabakhändler und eine Spanierin, waren zunächst nicht überzeugt von den sportlichen Ambitionen ihres Sohnes, war doch das Verletzungsrisiko im Fußball sehr groß. Doch der junge Fontaine setzte sich durch und startete 1950 beim USM Casablanca seine Reise im Profifußball.

Im Vereinsfußball

Schnell entwuchs der pfeilschnelle Stürmer dem nordafrikanischen Fußball und so zog es ihn 1953 nach Nizza. Drei Jahre später verließ er die Cote d’Azur und schloss sich Stade de Reims an, mit denen er zwei Mal die Ligue 1 gewinnen konnte. 1959 schoss er sein Team mit zehn Toren im Europapokal der Landesmeister ins Finale. Die Partie in Stuttgart konnte jedoch Real Madrid mit 2:0 für sich entscheiden, die Offensive um die Weltfußballer Alfredo di Stefano und Raymond Kopa war eine Nummer zu groß.

Weltmeisterschaft 1958

Mit letzterem nahm Fontaine an der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden teil. Ursprünglich nur als Ersatzmann nachgerückt, sollte es sein Turnier werden. Schon beim Auftaktspiel, einem 7:3 Erfolg gegen Paraguay, traf Fontaine dreifach. In der Gruppenphase folgten zwei Treffer gegen Jugoslawien sowie einer gegen Schottland.

Mit sechs Treffern wäre man bei bisher zwölf Weltmeisterschaften zum Torschützenkönig gekrönt worden – Just Fontaine brauchte dafür nur die Gruppenphase.

Und er hatte nicht genug: im Viertelfinale gegen Nordirland gelang ihm ein weiterer Doppelpack und die Franzosen zogen ins Halbfinale ein, wo er bei einer 2:5 Niederlage gegen Brasilien natürlich ein weiteres Tor erzielen konnte. Mit neun Treffern auf dem Konto ging Fontaine ins Spiel um Platz Drei gegen den Titelverteidiger aus Deutschland – und erzielte beim 6:3 Erfolg unglaubliche 4 Tore. Er beendete die WM als Torschützenkönig mit sagenhaften 13 Toren.

Der deutsche Torhüter Heinz Kwiatkowski kassierte damit übrigens den zweiten Viererpack in seinem zweiten WM-Einsatz – 1954 im Gruppenspiel gegen Ungarn hatte er gegen Sandor Kocsis bereits vier Mal hinter sich greifen müssen.

Zur Wahrheit der WM 1958 gehört jedoch auch, dass Fontaine trotz seines Fabelrekords nicht zum Star des Turniers wurde. Das Rampenlicht gestohlen hatte ihm der gerade einmal 17-jährige Brasilianer Edson Arantes do Nascimento – kurz Pelé. Dieser Pelé war es auch, der Fontaine im Jahre 2004 in die Liste der besten 125 lebenden Fußballer aufnahm – trotz einer zu kurzen Karriere.

„Ich hätte gerne fünf, sechs Jahre Fußball gegen den WM-Rekord getauscht.“ – Just Fontaine

Nach zwei Beinbrüchen 1960 und 1962 musste der Torjäger seine Karriere im Alter von nur 28 Jahren beenden. Es folgte eine Trainerkarriere, bei der er sowohl die Französische als auch die Marokkanische Nationalmannschaft sowie Paris Saint-Germain und den FC Toulouse betreute.

Am 1. März 2023 verstarb Just Fontaine im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Toulouse. Er belegt weiterhin Platz 4 der ewigen WM-Torjägerliste – umgeben von Spielern mit mehr als doppelt so vielen Einsätzen. Sein Rekord wird wohl noch lange bestehen.

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Max

Champions League Vorschau: Frankfurt vs Neapel, Liverpool vs Real

Zwei Kracher erwarten uns am Dienstag im Achtelfinale der Champions League. Früh im Wettbewerb treffen die beiden Finalisten aus dem Vorjahr aufeinander, außerdem stehen sich zwei der aufregendsten Teams Europas gegenüber. Hier könnt ihr euch optimal auf einen unterhaltsamen Fußballabend vorbereiten. (Bild: IMAGO / Eibner)

Fliegt der Adler weiter?

Nach dem sensationellen Gewinn der Europa League geht der Traum der Frankfurter Eintracht weiter. Mit einem zweiten Platz in der Gruppenphase konnten sich die Adler für das Achtelfinale qualifizieren, treffen jetzt auf den unangefochtenen Spitzenreiter der Serie A, den SSC Neapel. Die Azzuri konnten sich in der Gruppenphase gegen den großen FC Liverpool durchsetzen, in der Liga trennen sie 15 Punkte vom Zweitplatzierten Inter Mailand. Die drittbeste Offensive der Bundesliga gegen die beste der Serie A, alles andere als ein Spektakel wäre eine Überraschung!

Das Duell der Double-Doubles

Fußball ist bekanntlich ein Mannschaftssport, trotzdem wollen wir heute ein besonderes Augenmerk auf zwei Akteure legen. Die wohl größten Schnäppchen des vergangenen Transfersommers, mit denen statistisch nur die Crème de la Crème des Weltfußballs mithalten kann. Der Frankfurter Randal Kolo Muani (ablösefrei) und der Napolitaner Khvicha Kvaratskhelia (10 Millionen Euro Ablöse) konnten in ihrer jeweiligen Liga bisher jeweils eine zweistellige Anzahl an Toren erzielen und vorbereiten - in den Top 5 Ligen gelang das dieses Jahr bisher nur noch den Parisern Lionel Messi und Kylian Mbappé.

Während Kolo Muani in vorderster Front aktiv ist, kommt der Georgier Kvaratskhelia über Links, assistiert von dort oft dem nächsten Napolitaner mit unfassbaren Werten: Victor Osimhen. Der ehemalige Wolfsburger trifft in dieser Saison am laufenden Band, war in den letzten sieben Ligaspielen erfolgreich. Spannend wird, ob Eintracht-Coach Glasner den körperlich starken Hrvoje Smolcic gegen den wuchtigen Nigerianer aufstellt, oder ob es Methusalem Makoto Hasebe mit all seiner Erfahrung richten soll.

Alles in allem stehen die Adlerträger vor einer großen Herausforderung, doch mit den eigenen Fans im Rücken sorgten sie in der Vergangenheit schon öfter für Sensationen.

Gelingt Liverpool die Revanche?

Ein Achtelfinale, das nach Finale riecht: FC Liverpool gegen Real Madrid. Und eure Nase trügt euch nicht, 2018 und 2022 spielten die beiden Clubs um den Henkelpott, beide Male waren die Königlichen erfolgreich. Und auch dieses Jahr scheinen die Spanier die besseren Voraussetzungen zu haben. Ungewöhnlich verletzlich zeigten sich die Reds in den vergangenen Monaten, in der Liga rangieren sie aktuell nur auf Platz 8. Der spanische Meister indes hat nur gegen den ewigen Rivalen aus Barcelona das Nachsehen, außerdem versteht sich wohl kaum eine Mannschaft besser darauf, in KO-Spielen das Maximale aus ihren Möglichkeiten zu machen.

Der Schlüsselspieler der Madrilenen ist seit dem Abgang des großen Cristiano Ronaldo wohl Karim Benzema, der für das Hinspiel jedoch mit muskulären Problemen auf der Kippe steht. Auch das Metronom im Mittelfeld, Toni Kroos, fällt wohl krankheitsbedingt aus. Mit ihren überfallartigen Angriffen über die schnellen Salah, Gakpo und Núñez wird sich die Elf von Jürgen Klopp sicherlich die ein oder andere Chance erspielen. Trotz der Erfolgserlebnisse der vergangenen beiden Wochen ist trotzdem fraglich, ob die neuerdings so fahrige Offensivreihe diese verlässlich verwerten können. Außerdem stehen ihnen mit Antonio Rüdiger und Eder Militao zwei der schnellsten Verteidiger im Weltfußball gegenüber.

Besonders im Blick behalten solltet ihr den erst 18 Jahre alten Stefan Bajcetic im Mittelfeld der Reds. Scheinbar aus dem Nichts spielte sich der Sechser in den vergangenen Wochen in die Startelf, glänzt mit einer beeindruckenden Ruhe am Ball. "Seit er für uns spielt, ist er vielleicht unser bester Spieler!", urteilt auch Mo Salah, der diesen Titel in den letzten Jahren regelmäßig innehatte.

Auch für die Wettfreunde unter euch bieten sich viele interessante Möglichkeiten. Meine Tipps für den Dienstag: Neapel und Frankfurt treffen beide, Real Madrid geht als Sieger vom Platz.

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Max

Still kicking: Gladbach - Dante, Wendt & Co.

In unserer neuen Serie „Still kicking" widmen wir uns Spielern aus der Vergangenheit, die hierzulande größtenteils von der Bildfläche verschwunden sind, aber noch immer irgendwo auf der Welt gegen das runde Leder treten. Ob ehemalige Talente, Flops oder Legenden - hier ist für jeden was dabei. In der ersten Ausgabe beschäftige ich mich mit Borussia Mönchengladbach. (Bild: IMAGO / Ulmer)

05.04.2009, Karlsruher SC gegen Borussia Mönchengladbach: Als Einlaufkind habe ich mir an diesem Tag den Platz mit unseren ersten zwei Akteuren geteilt. Und während meine Frisur damals eher an Ansgar Brinkmann erinnerte, habe ich mich 14 Jahre später an unseren ersten Ex-Borussen angepasst.

Michael Bradley: endlich sesshaft

Mit einer 15 Tore Saison im Rücken zog es den US-Boy 2008 aus Heerenveen zu den Borussen. Nach zweieinhalb Jahren als Stammspieler im Gladbacher Mittelfeld zog es den Sohn seines damaligen Nationaltrainers leihweise nach Birmingham zu Aston Villa - der Abstiegskampf soll ihm nicht zugesagt haben. 18 Minuten Premier League Fußball später ging es dann, dieses Mal fix, nach Italien zu Chievo Verona. Nach nur einer Saison zog Bradley weiter in die ewige Stadt, doch auch den AS Rom verließ er nach einem Jahr – zum Toronto FC nach Kanada. Damals ein sehr überraschender Transfer, gingen doch zu dieser Zeit wenige international angesehene Spieler in die „Rentnerliga“ MLS.

„Die MLS ist bemüht, ihre Qualität zu erhöhen.“ - Jürgen Klinsmann über den Transfer

Als Wandervogel hätte man den Mann mit dem starken rechten Fuß damals wohl bezeichnet. Heute, neun Jahre später, steht er weiterhin seinen Mann im Mittelfeld der Kanadier. Dabei konnte er 2015 den Titel des „US Soccer’s Male Player of the Year“ gewinnen. Dabei ist er einer der prägenden Akteure auf dem langen Weg der Major League Soccer zu einer weitläufig respektierten Liga. Seit 2021 übrigens auch wieder mit Vater Bob an der Seitenlinie.

Dante: der Champions League Sieger

Wenn wir schon über Frisuren reden: Dante! Das erwähnte Spiel war erst der dritte Einsatz des Brasilianers, der für 2,5 Millionen Euro aus Lüttich kam, im Trikot der Fohlen. Viel mehr Spiele brauchte der Verteidiger nicht, um sich mit seinem auffälligen Afro, der scheinbar chronisch guten Laune und herausragenden Leistungen in die Herzen der Fans zu spielen. 2012 folge dann der Wechsel zu den Münchner Bayern, wo er auf Anhieb zum Stammspieler wurde und als solcher den Champions League Titel holen konnte. Doch auch persönliche Spuren hinterließ der Strahlemann. Bestes Beispiel dafür ist Dante Rummenigge, Enkel von Bayern-Legende Karl-Heinz.

Von 30 Millionen Transfer Mehdi Benatia verdrängt, ging der WM Teilnehmer von 2014 dann drei Jahre später nach Wolfsburg und ein Jahr später an die zugegebenermaßen etwas schönere Côte d'Azur nach Nizza. Dort ist er noch heute, mit 39 Jahren, unumstrittener Stammspieler und verpasste in der laufenden Saison eine einzige Partie in der Ligue 1. Am 18. Oktober wird Dante 40 Jahre alt - wahrscheinlich ist, dass er ihn auf dem grünen Rasen feiert.

Raul Bobadilla: ein echter Wandervogel

Bei zwölf Vereinen stand der Mann aus Paraguay bisher unter Vertrag, in den Borussia-Park wurde er sogar zwei Mal transferiert. 2009 flossen über 4 Millionen an die Grashoppers aus Zürich, nach Zwischenstationen in Thessaloniki, Basel, Bern und Augsburg waren es 2017 derer 2. Wie für den Stürmer mit der breiten Brust so üblich, war er beim zweiten Anlauf nach nur einer Saison wieder weg, dieses Mal ging es über den großen Teich zu den Argentinos Juniors nach - Überraschung - Argentinien.

Es folgten zwei wilde Jahre, bei denen er weder in der seiner Heimat bei Guarani noch bei Fluminese nachhaltig überzeugen konnte. Vergangenen Winter ging es dann zurück in die Schweiz, dieses Mal in die Zweitklassigkeit. Mit heute 35 Jahren ist er heute Leistungsträger beim FC Schaffhausen und scheint noch lange nicht ans Aufhören zu denken.

Oscar Wendt: zurück zu den Wurzeln

Deutlich weniger Clubs hatte der ehemalige Leitwolf, oder besser das Leitfohlen, Oscar Wendt. Als Teenager ging es aus seiner Heimat Göteborg nach Kopenhagen, wo er fünf Jahre blieb bevor er den Schritt in die Bundesliga ging. Heute steht er mit über 300 Spielen auf Platz 17 der Rekordspieler Gladbachs - eine wahre Vereinslegende. Nachdem er nach einem Jahrzehnt seinen Stammplatz an Rami Bensibaini verlor, ging es zurück zu seinem Jugendclub IFK in seiner Geburtsstadt Göteborg. Dort ist Wendt, wie er es gewohnt war, wieder unumstrittener Stammspieler, trotz seiner schon 37 Lenze auf dem Buckel.

Luuk de Jong: auf Umwegen zu Barca

Vom Kapitän gehen wir über zu einem großen Missverständnis. Zum ersten Mal seit 1996 beendete die Borussia die Saison 11/12 auf einem einstelligen Tabellenplatz - und dann gleich als Vierter. Um den Aufwärtstrend zu halten und im europäischen Geschäft zu bestehen wurde ein 21 Jahre alter Stürmer aus den Niederlanden verpflichtet, der in 31 Ligaspielen für Twente Enschede 25 Mal netzen konnte: Luuk de Jong. 12 Millionen Euro Ablöse, damals Rekordtransfer der Clubgeschichte, sofort die Nummer 9 auf dem Rücken: die Vorschusslorbeeren aber auch die Last auf seinen Schultern war enorm. Nach einer ersten Saison mit Licht und Schatten folgte eine Hinrunde mit nur 73 Liga-Minuten, das kongeniale Duo Raffael und Kruse beanspruchte die Plätze in der vordersten Reihe. Also ging es zuerst leihweise zum heutigen Saudi-Verein nach Newcastle und dann zurück in die heimische Eredivisie zu PSV. Und dort fand de Jong auch wieder zu seiner Form, konnte in zwei aufeinanderfolgenden Saisons mehr Scorer als Einsätze verbuchen.

2019 folgte dann der nächste Transfer ins Ausland, für abermals 12 Millionen ging es zum FC Sevilla. Nach zwei guten, aber nicht überragenden Saisons dann die riesige Überraschung: per Leihe ging es für de Jong zum großen FC Barcelona. Erwartungsgemäß konnte er sich nicht durchsetzen, 7 teilweise wichtige Tore erzielte er nichtsdestotrotz. Im vergangenen Sommer ging es dann zurück nach Eindhoven, wo er noch immer eine große Rolle spielt. Außerdem stand er im WM-Kader der Niederlande, verwandelte sogar im Viertelfinale einen Elfmeter gegen den späteren Weltmeister Argentinien. Keine schlechte Karriere für einen Transferflop.

Viel rumgekommen sind unsere fünf Ex-Fohlen und das werden auch wir. In den kommenden Monaten wird sich "Still kicking" auf der Suche nach spannenden Ex-Spielern durch Fußballdeutschland wühlen. Schaut auf Kickfieber.de vorbei und seid dabei!

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Max

Bekommt Deutschland ein Torwartproblem?

Sepp Maier, Bodo Ilgner, Oliver Kahn, Jens Lehmann, Manuel Neuer - die Liste der deutschen Weltklasse-Torhüter ist lang. Doch nicht erst seit der schweren Skiverletzung von Manuel Neuer wächst in Deutschland die Angst vor einem Torwartproblem. Hat Deutschland bald das erste Mal seit Ewigkeiten keinen Weltklasse-Keeper im Tor? (Bild: IMAGO / Laci Perenyi)

Beginnen wir mit der Nummer 1, Neuer selbst. Mit bald 37 Lenzen auf dem Buckel und einem gebrochenen Unterschenkel ist Neuer kein Mann für die Zukunft. Als Torhüter, vor allem mit seiner Klasse, kann er selbstverständlich auch bis ins höchste Fußballalter Leistung bringen. Doch Berichten zufolge zweifelt selbst sein Arbeitgeber aus München an einer schnellen Genesung und sucht aktiv nach einem Nachfolger.

Seit Jahren ist Marc-André ter Stegen der designierte Nachfolger. Der Schlussmann des FC Barcelona gehört schon lange zur Weltklasse, in den vergangenen zwei Jahren zeigte er jedoch immer häufiger durchwachsene Leistungen. Trotzdem ist die nähere Zukunft der Torwartposition in sicheren Händen. Doch auch ter Stegen ist schon 30 Jahre alt, eine langfristige Lösung sieht anders aus.

"Hier soll ich hart arbeiten und um die Position kämpfen." - Marc-André ter Stegen

Und die anderen Optionen? Bei Kevin Trapp, Bernd Leno und Oliver Baumann steht auch schon die 3 vorne. Alexander Nübel ist mit 26 Jahren in seiner zweiten Saison als Stammspieler beim AS Monaco. Ob er jedoch jemals auch nur in die Nähe der Weltklasse kommt, darf bezweifelt werden. Weitere deutsche Torhüter existieren, zeigten in den vergangenen Jahren aber nicht konstant Leistungen, die eine namentliche Erwähnung rechtfertigen. Die nähere Zukunft ist also geklärt, an ter Stegen führt kein Weg vorbei. Und danach?

Nach Sport1-Informationen gibt es eine Untersuchung der DFB-Akademie, wonach Deutschland 2028 keinen Weltklasse-Torwart mehr hat. Aber woran liegt das, hat man in Deutschland verlernt, Torhüter auszubilden? Vermutlich nicht. Aber was die Herren Neuer, ter Stegen, Trapp, Leno und Baumann gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor ihrem 21. Geburtstag die Nummer 1 eines Bundesligaclubs waren. Außerdem standen am ersten Spieltag der Saison 2012/2013 14 deutsche Torhüter in der Startelf - 10 Jahre später waren es deren 8. Der jüngste davon ist der Stuttgarter Marius Müller (25), ihr Altersschnitt liegt jenseits der 30.

"Wir haben das Ziel, dass in der Bundesliga möglichst viele deutsche Keeper gesetzt sind. Die Spielpraxis ist für die Jungs entscheidend." - Marc Ziegler, DFB-Torwartkoordinator

Genau diese Spielpraxis auf höchstem Niveau geht den jungen deutschen Keepern aktuell ab. Anstatt auf einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen, holt man bewährte Kräfte aus dem In- und Ausland. Selbst die Möglichkeit, sich als Ersatztorhüter zu beweisen, ist oft nicht gegeben. Lieber setzen die Vereine auf Spieler wie Sven Ulreich (34), Alexander Meyer (31) oder Janis Blaswich (31) - erfahrene Torhüter, denen man in Drucksituationen wohl weniger Wackler zutraut als einem Nachwuchsspieler. Meiner Meinung nach ein Nebeneffekt der stetig wachsenden Menge Geld im Fußballgeschäft: ein einziger Fehler kann potenziell unzählige Millionen kosten, was die Vereine zu konservativem Handeln zwingt.

Die vielversprechendsten Talente sammeln aktuell in anderen Ligen Spielpraxis. Die ehemalige Torwart Hoffnung der Bayern, Christian Früchtl, ist bei der Wiener Austria Stammtorhüter, jedoch auch schon 22 Jahre alt. Der Dortmunder Luca Unbehaun (21) hat seinen Stammplatz in der Zweitvertretung kürzlich an Marcel Lotka (ebenfalls 21) verloren, der bei den Junioren-Auswahlen bisher für Polen auflief. Nico Mantl (22) verließ RB Salzburg nach eineinhalb Jahren auf der Bank im Winter leihweise gen Aalborg, er wird wohl auf einen baldigen Wechsel von Stammkraft Philipp Köhn hoffen.

Besser ergeht es aktuell Tim Schreiber (20), der von RB Leipzig an Holstein Kiel verliehen ist und sich gegen Ende der Hinrunde den Stammplatz ergattern konnte. Doch meine größte Hoffnung spielt aktuell in der 3. Liga: der 20-jährige Noah Atubolu vom SC Freiburg. Aktuell für Spielpraxis in der zweiten Mannschaft eingesetzt, ist der U21 Nationalspieler klarer Vertreter der Nr. 1 Mark Flekken. Doch das könnte sich im Sommer ändern.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in dieser Konstellation in die Saison 2023/24 gehen, ist eher gering.“ - SC-Sportdirektor Clemens Hartenbach

Berichten zufolge könnte Flekken den Verein bei einem passenden Angebot verlassen. Dann stünde Atubolu bereit, um mit dann 21 Jahren zur mit Abstand jüngsten Nr. 1 der Liga zu werden. Und da für einen Torhüter nichts wichtiger ist als Spielpraxis, würde es mich nicht wundern, wenn er zum Nachfolger von Marc-André ter Stegen wird. Ob er jemals die Weltklasse erreicht, ist heute unmöglich zu sagen, aber ausgeschlossen ist es keinesfalls. Hoffen wir also, dass sich der Freiburger in die lange Liste der überragenden deutschen Keeper einreihen kann.

Abschließend muss ich deutlich sagen, dass wir kein Torwartproblem bekommen, sondern eines haben. Nicht personell, genug Talent ist in den Mannschaften und den Akademien definitiv vorhanden, sondern strukturell. Es ist an den Vereinen, diese Kette zu durchbrechen und ihren jungen Torhütern das Vertrauen zu schenken.

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Max

Das moderne Fußballmärchen des Lucas Pérez

Direkt am Strand der spanischen Atlantikküste gelegen, bietet das Estadio Riazor eine malerische Kulisse für ein Fußballmärchen. Im Jahre 2000 krönte sich der Real Club Deportivo de La Coruña hier zum ersten spanischen Meister des 21. Jahrhunderts. Lucas Pérez war damals 11 Jahre alt und leidenschaftlicher Fan des Clubs aus seiner Heimatstadt. 23 Jahre später ist er es, der ein Märchen schreibt und die Ränge des 1944 erbauten Stadions zum Beben bringt. (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)

Um die Jahrtausendwende war Deportivo einer der erfolgreichsten Vereine Spaniens. Meister 2000, Pokalsieger 1995 und 2002, Champions League Halbfinale 2004 - im Nord-Westen Spaniens war man Erfolg gewöhnt. Der polarisierende Präsident Augusto Cesar Lendoiro hatte den hochverschuldeten Zweitligisten 1988 übernommen und zu 20 Jahren Erstklassigkeit und Erfolg geführt. 2014 trat er zurück und hinterließ den Club wie er ihn einst vorgefunden hatte: Pleite und in Liga 2. Heute spielt Deportivo in der 3. Liga unter anderem gegen die Zweitvertretung des großen Rivalen Celta Vigo, vom Glanz des gefeierten "Superdepor" ist wenig übrig.

Wie viele Kinder in Galicien träumte auch der kleine Lucas Pérez davon, für seinen Lieblingsverein, damals auf seinem Zenit, zu spielen. Doch beim Vorspielen wurde er als nicht gut genug befunden. Mit 15 ging er schließlich zu einem anderen Deportivo, Alaves, um dort seine Karriere zu starten. Diese führte ihn über die 3. Mannschaft von Atletico Madrid, dem zweitklassigen Rayo Vallecano, die Ukraine und Griechenland ans Ziel seiner Träume: das Estadio Riazor.

Zwei Jahre blieb er in seiner neuen alten Heimat, aber nach einer 17 Tore Saison war der Lockruf der Premier League zu groß. 20 Millionen Euro musste der FC Arsenal für seine Dienste blechen, ein stolzer Preis für nur einen Ligatreffer. Der Transfer erwies sich als Missverständnis und so ging Pérez auf Leihbasis zurück zu Deportivo, wo er den Abstieg trotz 14 Torbeteiligungen nicht verhindern konnte.

Es folgten Stationen in West Ham, Alaves, Elche und Cadiz, für letztere erzielte er in der Hinrunde der laufenden Saison drei Treffer in der spanischen Eliteklasse. Doch der kleine Junge aus A Coruña lebte im Profifußballer Pérez weiter und er konnte es nicht ertragen, seinen Verein, seine Jugendliebe am Boden zu sehen. Und so ging er im Winter den Schritt, der ihm in der ganzen Fußballwelt Anerkennung einbrachte: er wechselte zurück ins Estadio Riazor, zu seinem Club, um zu helfen, den Aufstieg in die zweite Liga zu realisieren.

Pérez, der das letzte Mal vor über 10 Jahren in einer unterklassigen Liga aktiv war, der Toptorjäger eines Erstligisten.
Pérez, der in November noch gegen Real Madrid netzen konnte, gegen deren Zweitvertretung er im März antreten wird.
Allein der Wechsel ist schon beeindruckend, doch Cadiz wollte sich den Abschied eines wichtigen Spielers natürlich finanziell versüßen lassen, forderte eine Million Euro für den Stürmer. Diese Summe stellt für einen Drittligisten eine enorme Hürde dar, doch nichts konnte Pérez von seinem Plan abhalten. Aus eigener Tasche zahlte er die Hälfte der Ablösesumme, finanzierte seinen sportlichen Rückschritt also sogar selbst.

"A Coruña ist die Stadt, in der ich den Rest meines Lebens leben möchte." - Lucas Pérez

Am Sonntag war es dann soweit, beim Heimspiel gegen Unionistas CF stand der verlorene Sohn wieder in der Startelf seines Heimatvereins. 48 Minuten waren vergangen, als Pérez plötzlich frei vor dem gegnerischen Keeper auftauchte und ihn mit all seiner Klasse umkurvte. Was dann passiert seht ihr am besten selbst.

Unter tosendem Jubel küsst er sichtlich emotional immer wieder das Wappen, das er schon als kleiner Junge auf der Brust getragen hat. Heutzutage eine inflationär verwendete Geste, selten war sie aber so angebracht wie in diesem Fall. Balsam für die Seele aller Fußballromantiker.
Noch einen weiteren Treffer erzielte der Stürmer beim klaren 3:0 Erfolg der Galicier, der sie dem großen Ziel Aufstieg näher bringt. In diesem Fall würde sich sein Vertrag bis 2026 verlängern, 37 Jahre wäre Pérez dann. Ich persönlich wünsche ihm von Herzen, dass er seine Karriere dann beim Erstligisten Real Club Deportivo de La Coruña beenden kann.

Denn in einer Zeit, in der manch schwerreicher Fußballer seinen Karriereabend für wahnwitzige Summen in Saudi Arabien verbringt, bieten Menschen wie Lucas Pérez einen angenehmen Gegenpol.

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Max

WM Vorschau: Wird Marokko Afrikas erster Halbfinalist?

Am Samstag um 16 Uhr ist es soweit, der Außenseiter aus Marokko fordert Portugal im Kampf um den Einzug ins Halbfinale heraus. Zum ersten Mal könnte eine Mannschaft aus Afrika ins Halbfinale der WM einziehen, zum ersten Mal in der Geschichte steht eine arabische Nation im Viertelfinale. Eine Partie mit großer historischer Bedeutung steht bevor! (Bild: IMAGO / Agencia EFE)

32 Jahre ist es her, dass der damals schon 38 Jahre alte Roger Mila die Nationalmannschaft Kameruns gegen Kolumbien ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft schoss. Der tanzende Stürmer wurde zum Helden der WM und Kamerun zur ersten afrikanischen Nation im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft - eine Leistung die seitdem noch zwei Mannschaften gelang, jedoch nicht übertroffen wurde. Erst in der Verlängerung konnte England, das Mutterland des Fußballs, den Halbfinaleinzug der unzähmbaren Löwen verhindern. Nun hat wieder ein afrikanisches Team die Chance, die Runde der letzten Vier zu erreichen.

In einer Gruppe mit Vize-Weltmeister Kroatien, dem Zweiten der Weltrangliste Belgien und den nicht zu unterschätzenden Kanadiern war ein Weiterkommen Marokkos nicht vorprogrammiert. Dass sich die Löwen vom Atlas als Gruppensieger durchsetzen konnten glich einer Sensation, war jedoch keinesfalls unverdient. Aus einer soliden Defensive mit dem überragenden Sechser Sofyan Amrabat, mit angriffslustigen Außenverteidigern aus den besten Clubs der Welt, den Edeltechnikern Ziyech und Boufal sowie dem wuchtigen Stürmer En-Nesyri wusste Marokko auf ganzer Linie zu überzeugen. Und so war zumindest unser Experte überzeugt, dass sich die Marokkaner auch gegen Spanien durchsetzen können. Wie das ausging, haben wir alle gesehen. Drei verschossene Elfmeter der Spanier und ein neuer Held wurde geboren: Torhüter Bono.

Der Gegner

Die Portugiesen zeigten nach einer durchwachsenen Gruppenphase im Achtelfinale gegen die Schweiz, wieso immer mit ihnen zu rechnen ist. Mit überfallartigen Angriffen und viel technischer Finesse filetierten sie die Eidgenossen, das 6:1 war am Ende auch in dieser Höhe leistungsgerecht. Und deswegen widerstehe ich der Versuchung, das größte Thema im portugiesischen Fußball anzusprechen. Mit der neu formierten Offensive sind die Portugiesen nun so unberechenbar wie schon lange nicht mehr. Vor allem Joao Felix, in Madrid vom Defensivfußball Marke Simeone eingebremst, begeistert die Zuschauer und der neue Mittelstürmer Ramos könnte zur Entdeckung der WM werden.

Vorschau

Vieles wird daran hängen, ob die starke Innenverteidigung Marokkos, Romain Saiss und Nayef Aguerd, rechtzeitig fit wird. Ob die Backups die Qualität haben, Weltklasse-Spielern wie Bernardo Silva oder Bruno Fernandes die Stirn zu bieten, darf bezweifelt werden. Dafür sehe ich auf der Außenbahn ein Missmatch zugunsten der Marokkaner: der defensiv oft nachlässige Dortmunder Guerreiro trifft auf die Kombination aus Ex-Kollege Hakimi und Ziyech. Hier sehe ich die größten Chancen auf einen Erfolg Marokkos.

Aber ein solches Spiel wird nicht nur mit den Füßen gewonnen, sondern auch in den Köpfen. Wie schwer wiegt die Hoffnung eines gesamten Kontinents und der arabischen Welt auf den Schultern der Marokkaner? Können sie den Druck in Motivation umwandeln oder zerbrechen sie daran? Mehr als jede taktische Analyse wird die Antwort auf diese Frage entscheiden, wer den Platz als Sieger verlässt und sich zu den vier besten Nationalmannschaften der Welt zählen kann.

Prognose

Vieles spricht für Portugal: Die besseren Fußballer, das marokkanische Verletzungspech und nicht zuletzt die Erfahrung auf den größten Bühnen. Und trotzdem kann ich den Fußballromantiker in mir nicht aufhalten. Marokko nimmt den Kampf an und besiegt den nächsten iberischen Favoriten auf dem Weg in die Geschichtsbücher.

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